24. Juli 2012

Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde In Brandenburg/Havel wird am 17. August eröffnet

Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Bei der Eröffnungsveranstaltung, die um 13 Uhr beginnt, werden u. a. der stellvertretende Ministerpräsident, Finanzminister Dr. Helmuth Markov, die Ministerialdirektorin beim Bundeskulturbeauftragten, Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, und Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann, die das Projekt mit großem Engagement unterstützt hat, Ansprachen halten.

 

„Wir sind froh und dankbar, dass nunmehr auch in Brandenburg wie bereits in den anderen fünf Krankenmordanstalten eine aktive Gedenkstätte an die Opfer der Euthanasie-Morde erinnert“, sagte Stiftungsdirektor Prof. Dr. Günter Morsch heute in Oranienburg. „Damit wird eine bedeutende Lücke im Kanon der NS-Gedenkstätten in Deutschland endlich geschlossen. Da sich die Keimzelle für den nationalsozialistischen Massenmord durch Giftgas in Brandenburg befand, kann die Bedeutung dieses Gedenk- und Lernortes kaum überschätzt werden“, sagte Morsch weiter.

 

Im Mittelpunkt der rund 120 m² umfassenden Dauerausstellung stehen die Bedeutung der Euthanasie-Mordanstalt Brandenburg als Ort einer ersten „Probevergasung“ im Januar 1940 sowie als Ort des systematischen Massenmordes an jüdischen Anstaltspatienten. Außerdem thematisiert die Ausstellung die direkte Verbindungslinie, die von der Tötungsanstalt in Brandenburg zum Massenmord an den europäischen Juden führt. Neben dem historischen Kontext bringt die Ausstellung vor allem auch die in der Tötungsanstalt Brandenburg ermordeten Menschen in den Blick. Zum einen wird ein Gedenkbuch mit mehr als 8.300 namentlich identifizierten Opfern präsentiert. Zum anderen werden anhand von Fotos und Dokumenten aus dem Besitz der Familien Biografien von Ermordeten nachgezeichnet. Die Ausstellung entstand unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Astrid Ley und wurde von Hans Dieter Schaal gestaltet.

 

Im benachbarten Gebäude des „Alten Zuchthauses“ nutzt die Stiftung darüber hinaus Räume im Umfang von 300 m² als Archiv sowie für die pädagogische Arbeit. Die bisher in einer Schule untergebrachte „Projektwerkstatt Robert Havemann“, die von zwei Gedenkstättenlehren des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport genutzt wird, befindet sich ebenfalls dort. Die Kosten für die Sanierung des Gebäudes und die Dauerausstellung betragen rund 741.000 Euro. Das Land Brandenburg und der Bundeskulturbeauftragte stellten jeweils Fördermittel in Höhe von 357.000 Euro bereit. 26.800 Euro stammen aus dem Haushalt der Stiftung. Die Sanierung und Ausstattung der Projekt- und Archivräume in „Alten Zuchthaus“ kostete 495.000 Euro, die vom Land Brandenburg aus Mitteln des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR bereitgestellt wurden.