30. Juni 2017

Nähe und Distanz: ‚Holocaust Education Revisited‘

Ludwig-Maximilians-Universität München

Nähe und Distanz: ‚Holocaust Education Revisited‘

Interdisziplinäre Konferenz an der Ludwig-Maximilians-Universität München

22.-24. Februar 2018

Die Konferenz „Nähe und Distanz: ‚Holocaust Education Revisited‘“ will all diejenigen ansprechen, die sich im Kontext schulischer und außerschulischer Vermittlung mit nationalsozialistischen Verbrechen und ihrer Rezeption oder verschiedenen Varianten der ‚Holocaust Education‘ auseinandersetzen.

Der Titel der Tagung verweist auf ein Spannungsverhältnis: Mit dem Begriff ‚Nähe‘ soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass die Schicksale der Opfer nationalsozialistischer Gewaltverbrechen Menschen heute weiterhin sehr bewegen. Die Vermittlung ihrer Geschichte wird von einem hohen emotionalen und intellektuellen Engagement der am Lernprozess Beteiligten bestimmt. ‚Distanz‘ weist darauf hin, dass aufgrund des zunehmenden zeitlichen Abstands zum Nationalsozialismus jede weitere Generation den Umgang mit der geschichtlichen Wirklichkeit und deren Wirkung neu erlernen muss. Holocaust und nationalsozialistische Gewaltverbrechen sind aufgrund des gesellschaftlichen Wandels und angesichts der historisch -politischen Diskurse immer wieder auszubuchstabieren. Dafür wird auf Konzepte der ‚Holocaust Education‘ rekurriert. Die darin enthaltene Vielfalt didaktischer Ansätze berücksichtigt verschiedene Gruppen verfolgter und ermordeter Menschen, ohne das Leid der jüdischen Opfer zu relativieren. Im Begriff ‚revisited‘ wird auf die Notwendigkeit des Überdenkens der eigenen Positionen sowie auf die Möglichkeit der kritischen Würdigung nationaler und internationaler Diskursstrukturen verwiesen.

Forscher(innen) aller Qualifikationsstufen und verschiedener Disziplinen, Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter(innen) sind eingeladen, folgende Themenschwerpunkte in einem interdisziplinären und internationalen Forschungskontext zu diskutieren:

1) Medialität: Im Zuge der Digitalisierung der Lebenswelt haben sich die technischen Mög lichkeiten der Vergegenwärtigung des Historischen verändert. Beispielsweise können längst abgerissene Lagergebäude durch ,augmented reality‘ in die digitale Gegenwart geholt und für die Besucher(innen) visualisiert werden. In Zukunft wird es möglich sein, Zeitzeug(inn)en auf der Grundlage archivierten Filmmaterials für die Nachwelt als Hologramm ansprechbar zu machen.

Welche pädagogischen und fachdidaktischen Konsequenzen ergeben sich aus diesen Möglichkeiten?

 

2) Fiktion und Fakten: Holocaust und Nationalsozialismus sind auch weiterhin keine Themen, die nur als historische Sachverhalte im kulturellen Gedächtnis tradiert werden. Daher sind ästhetische Re-Inszenierungen in diesen Themenbereichen von besonderer Bedeutung. Manche fiktionalisierten Darstellungen stützen die Vermittlung des Holocaust und erschließen neue Dimensionen des Reflektierens.

Wie kann eine nachhaltige und medial bewusste Vermittlung des Holocaust entworfen werden?

 

3) Orte der Vermittlung: Jugendliche besuchen seit Jahrzehnten Orte der Erinnerung an die Verbrechen der NS-Diktatur. Dies geschieht in unterschiedlichen institutionellen Kontexten. Der aktuelle gesellschaftliche Wandel fordert Schulen, Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Museen heraus. Der Ort des Gedenkens erfährt eine neue Bedeutung als Ort der Erinnerungsarbeit im Spannungsfeld des Historischen und der vermittelnden Rekonstruktion.

Was erzählt der jeweilige Ort den Besucher(inne)n? Welche Chancen eröffnen sich dabei für Lernprozesse?

 

4) Wahrnehmung, Vermittlung und Rezeption: Die Personengruppen, die sich mit ‚Holocaust Education‘ beschäftigen, sind auf eine sehr vielfältige Weise ausdifferenziert. Das Personal der Gedenkstätten, Zeitzeug(inn)en, Schüler(innen), Jugendgruppen, Tourist(inn)en, Politiker(innen), Kunstschaffende, Nachkommen der Opfer und andere Einzelpersonen oder Personengruppen finden sich dort ein, wo an die Opfer der Konzentrationslager erinnert oder wo über die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen gesprochen und nachgedacht wird.

Wie entwickeln die einzelnen Personengruppen ihre Haltungen zum Thema Holocaust und NS-Verbrechen? Wie handeln sie miteinander und mit anderen Personengruppen ihr Verständnis von ‚Holocaust Education‘ aus?

 

5) Didaktik und Nachhaltigkeit: Didaktisch stellt sich insbesondere angesichts aktueller politischer Entwicklungen – die Frage nach Relevanz und Nachhaltigkeit von ‚Holocaust Education‘. Längst gibt es interdisziplinäre Ansätze, die verstärkt nicht nur auf Wissen, sondern auch auf Empathie, Erfahrung und konkretes Handeln setzen. Die Vermittlung entdeckt hier zunehmend Ressourcen in der Kombination von schulischem und außerschulischem Lernen.

Wie kann ein angemessener und verantwortungsvoller Umgang mit Bildungsangeboten modelliert und reflektiert werden?

 

Gewünschte Angaben für das Abstract in deutscher oder englischer Sprache

·         Verfasser(in), Universität/Einrichtung, Fachrichtung, E -Mail-Adresse

·         Titel des Beitrags und Zuordnung zum Schwerpunkt

·         gewünschte Form des Beitrags: Vortrag und/oder Poster

·         Umfang: max. 500 Wörter

·         Einsendetermin: 01. Juli 2017

Anmeldeverfahren

Bitte senden Sie das Abstract an: tagung2018.holocaust-didaktik@lmu.de. Bis zum 01.09.2017 wird über die Annahme der Beiträge entschieden.

Im Anschluss an die Tagung ist die Publikation eines Aufsatzbandes vorgesehen.

Eine Teilnahme an der Konferenz (ohne Beitrag) ist möglich. Eine Anmeldung erfolgt über die Web-seite: www.holocaust.didaktik.germanistik.uni-muenchen.de/index.html

Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.

Für Fragen wenden Sie sich bitte an tagung2018.holocaust-didaktik@lmu.de.

Ausrichtung der Konferenz

Prof. Dr. Anja Ballis (Fachdidaktik Deutsch, LMU München)

Dr. Renata Behrendt (Deutsch als Zweitsprache, LMU München)

Prof. Dr. Markus Gloe (Politische Bildung, LMU München)

Prof. Dr. Katja Gorbahn (Geschichtsdidaktik, Universität Aarhus)

Dr. Michael Penzold (Fachdidaktik Deutsch, LMU München)

mit Unterstützung der Nachwuchswissenschaftler(innen) der Projektgruppe „Holocaust Education Revisited“ (LMU München)

in Kooperation mit

der KZ-Gedenkstätte Dachau und

der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (Bayern) .