Die Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert
Gedenkstättenrundbrief 152 S. 21-3160 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und nach der Befreiung Europas von der NS-Gewaltherrschaft wurde vom Land Rheinland-Pfalz mit Unterstützung der Bundesregierung das Dokumentations- und Begegnungshaus an der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert gebaut. Am 10. Dezember 2005 wurde das Haus gemeinsam von dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck und dem luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker eröffnet. Die in dem Neubau installierte Dauerausstellung informiert über die Geschichte eines kleinen Konzentrationslagers mit Dokumenten, Fotos, Filmen und vor allem mit zahlreichen Zeitzeugenberichten. Es ist mit Hilfe der Ausstellung möglich, sich ein eigenes, erstes Bild von dem Geschehen in Hinzert während der Kriegsjahre zu machen. Auf Grund seiner Funktionen im nationalsozialistischen KZ-System hatte das Lager eine europäische Dimension erhalten. Dieser internationalen Bedeutung trägt dieses Gedenkstättenhaus Rechnung, in dem es vor allem an das Schicksal der Häftlinge aus verschiedenen Ländern und an die Opfer, die hier ihr Leben lassen mussten, erinnert.
Vom Ehrenfriedhof zur Gedenkstätte 1945–2005
Der neben dem Dokumentations- und Begegnungshaus befindliche Friedhof, der sog. »Cimetière d’honneur« (»Ehrenfriedhof«) wurde 1946 von der französischen Militäradministration auf dem Gelände der ehemaligen Wachmannschaftsunterkünfte angelegt. Hier sind 217 Tote begraben, die nach Kriegsende nicht in ihre Heimat repatriiert werden konnten. Er wurde nach und nach zum Ausgangspunkt der Gedenkstätte. Die Friedhofsanlage führte bis in die 1990er Jahre ein Schattendasein. Der Charakter des Verborgenen wurde lange Zeit noch durch die Bezeichnung »Ehrenfriedhof« verstärkt, die bis 1994 verwendet wurde und den Hintergrund des Konzentrationslagers eher verschleierte. Erst eine viersprachige Informationstafel unter freiem Himmel, die im Jahr 1997 an der südöstlichen Ecke des Friedhofes aufgestellt wurde, erläuterte kurz den historischen Hintergrund der Anlage. Auf Initiative der Landeszentrale für politische Bildung sowie des Fördervereins Dokumentations- und Begegnungsstätte ehemaliges KZ Hinzert e.V. beschloss der rheinland-pfälzische Landtag mit Zustimmung aller vier Fraktionen im Jahr 2002, einen Architektenwettbewerb für den Bau eines Dokumentationshauses durchführen zu lassen. Aus 28 eingereichten Entwürfen wählte eine international besetzte Fachjury, der Architekten, Historiker und ehemalige Deportierte aus Luxemburg und Frankreich angehörten, den Entwurf des Architekturbüros Wandel-Höfer-Lorch + Hirsch aus Saarbrücken aus. Mit ihrem Entwurf, der mittlerweile mehrfach national und international ausgezeichnet wurde, verfolgten die leitenden Architekten Prof. Wolfgang Lorch und Nikolaus Hirsch den Grundgedanken, die Ambivalenz von heutiger Idylle und vergangenen Verbrechen zum Thema zu machen. Sie wollten ein Gebäude entstehen lassen, »das als Verwerfung der Landschaft deutlich macht, dass die Idylle an diesem Ort trügt«. Mit dem Bau wollten sie »ein Zeichen einer Irritation« setzen. Die in das Gebäude zu integrierende Ausstellung sollte durch Sichtbezug zum Gelände des ehemaligen Häftlingslagers geprägt sein. Das Projekt wurde auch von dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gefördert. So erfolgte die Realisierung des Bauvorhabens von Bund und Land unter der Regie des Finanzministeriums Rheinland-Pfalz und des Landesbetriebs Liegenschaft- und Baubetreuung, Niederlassung Trier.
Das Dokumentations- und Begegnungshaus
Mehr als zwei Drittel der Gebäudefläche nimmt der Ausstellungsraum ein, der auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Daneben befindet sich ein Seminarraum, in dem mit Gruppen bis zu 35 Personen gearbeitet werden kann. Darüber hinaus gibt es einen Büroraum der Landeszentrale für politische Bildung in dem Gebäude. Das Haus eignet sich für Schulklassen, Jugend- und Erwachsenengruppen aus dem In- und Ausland zur näheren Beschäftigung mit der Geschichte des Konzentrationslagers. Über einen Arbeitsplatz im Haus verfügt auch der Förderverein Gedenkstätte KZ Hinzert e.V., für den seit 2009 ein Mitarbeiter als Teilzeitkraft in der Gedenkstätte tätig ist.
Die Dauerausstellung
In der Mitte des Ausstellungsraums befindet sich ein Monitor für Informationen grundlegender Art. Hier sind Informationsfilme zum Lager zu sehen, aber auch elektronische Karten zur Stellung des SS-Sonderlagers im nationalsozialistischen KZ-System. Außerdem kann man sich anhand historischer Fotos einen Eindruck vom Barackenlager der Häftlinge machen. Der Blick der Besucher/innen beim Betreten des Ausstellungsraumes wird dann auf das große Fenster fallen, das dem Raum Tageslicht gibt, vor allem aber eine doppelte Funktion für die Ausstellung erfüllt. Durch den Blick nach draußen wird die heutige Realität des Geländes sichtbar, auf dem sich das ehemalige Häftlingslager von 1939 bis zur Auflösung des KZ im März 1945, und dann auch ungenutzt weiter bis 1946 befand. Man schaut auf Wiesenland, im Hintergrund werden vor wenigen Jahren errichtete Windkraftanlagen sichtbar. Der Blick ins Freie wird aber gebrochen durch eine auf das große Fenster angebrachte Fotografie des Barackenlagers, die im März 1946, und zwar ungefähr von der Position des heutigen Gedenkstättengebäudes, aufgenommen wurde. So hat man das ehemalige SS-Sonderlager/KZ Hinzert quasi unmittelbar vor Augen, das Bild fügt sich in die heutige eher idyllische Realität ein. Es wird dem Betrachter deutlich, dass man das Lager während seines Bestehens von der davor verlaufenden Straße, welche die Orte Hinzert und Reinsfeld verbindet, unmittelbar sehen konnte. Die Unterkünfte des Wachpersonals lagen auf der anderen, rechten Straßenseite, dem Häftlingslager gegenüber, wo heute der Friedhof angelegt ist.
Die Ausstellung selbst gruppiert sich in sieben Themenbereiche. Die Texte und Bilder sind auf Birkenholzpaneele gedruckt. Jeder einzelne Themenbereich hat ein eigenes großflächiges Hintergrundfoto und ist durch ein Eingangszitat gekennzeichnet. Einen ersten Einblick in die Ausstellung vermitteln die nachfolgend zitierten Einführungstexte zu den einzelnen Schwerpunkten:
Geschichte des Lagers
Das SS-Sonderlager/KZ Hinzert bestand in den Jahren 1939 bis 1945. Es wurde ursprünglich als Polizeihaftlager, dann als »Arbeitserziehungslager« für am Westwall eingesetzte, im nationalsozialistischen Sinne straffällig gewordene, Arbeiter der Organisation Todt (OT) errichtet. Während des Zweiten Weltkrieges entwickelte es sich zu einem Konzentrationslager für Deportierte aus zahlreichen von der Wehrmacht besetzten Ländern. Aufgrund der verschiedenen Sonderfunktionen, die dem Lager im Laufe der Zeit übertragen wurden, blieb es bei der Bezeichnung »SS-Sonderlager«, obwohl es vom Wirtschafts- und Verwaltungsamt ab 1942 wie ein Konzentrationslager geführt wurde. Insgesamt litten in den sechs Jahren des Bestehens mehr als 13.000 Männer im Lager unter dem Terror der SS.
Erster Kommandant des SS-Sonderlagers – diese Bezeichnung wurde ab November 1939 verwendet – war seit dem 9. Oktober 1939 Hermann Pister. Seine Nachfolge übernahm ab Dezember 1941 Egon Zill. 1940 war die Stellung des Lagers bereits »aufgewertet« worden, als es zum 1. Juli 1940 dem Inspekteur der Konzentrationslager unterstellt wurde. Eine weitere »Aufwertung« in dem KZ-System erfuhr das Lager am 7. Februar 1942 durch die Zuordnung zum Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS (WVHA). Dies fiel noch in die Zuständigkeit Zills, der im April 1942 als stellvertretender Kommandant zum KZ Natzweiler im Elsass versetzt wurde. Als dritter Kommandant des Lagers Hinzert folgte ihm Paul Sporrenberg. Formal behielt das SS-Sonderlager/KZ Hinzert seine Eigenständigkeit, bis es am 21. November 1944 dem Konzentrationslager Buchenwald zugeordnet wurde.
Ob die verfügte Unterstellung auch tatsächlich in die Praxis umgesetzt wurde, ist jedoch unklar. Ein Luftangriff am 22. Februar 1945 zerstörte Teile des Lagers. Das Lager bestand bis zum März 1945, als es erst kurz vor dem Anmarsch amerikanischer Truppen teilweise geräumt wurde. Die meisten Gefangenen wurden unter Bewachung auf den Weg zum KZ Buchenwald geschickt. Mindestens drei Häftlinge überlebten den Marsch nicht: Wachmänner erschossen einen Franzosen, erschlugen einen Luxemburger und töteten einen weiteren Luxemburger mit einer Spritze. Beim hessischen Langendiebach wurden die anderen nach Buchenwald getriebenen Häftlinge befreit. Ein kleiner Teil der Häftlinge war jedoch im Lager unter Aufsicht verblieben. Nachdem sich die letzten Wachleute abgesetzt hatten, brachten ihnen amerikanische Soldaten Mitte März die Freiheit.
Die Häftlinge
Unter dem Vorwurf mangelnder Arbeitsdisziplin oder »asozialen Verhaltens« wurden ab 1939 zunächst deutsche Arbeiter, die am »Westwall« oder später in verschiedenen Betrieben zwangsverpflichtet arbeiten mussten, in das Lager eingewiesen. Sie sollten dort im Sinne der Nationalsozialisten »umerzogen« werden. Als »Arbeitserziehungslager« fungierte das Lager in Hinzert aber nicht nur für deutsche Arbeiter, sondern während des Krieges auch für Zwangsarbeiter aus den besetzten Ländern. Nach dem Waffenstillstandsabkommen 1940 kamen Deutsche, aber auch Ausländer, die in der französischen Fremdenlegion gedient hatten, hinzu. So wurden z.B. 437 Fremdenlegionäre aus dem Internierungslager Fréjus im Juli 1941 nach Hinzert überführt. Große Häftlingsgruppen kamen vor allem aus Luxemburg. Die meisten Widerstandskämpfer dieses Landes ließ die Gestapo im nahe gelegenen Lager Hinzert einsperren. Umfangreiche Transporte von Häftlingen kamen auch aus Frankreich, Polen und der Sowjetunion in Hinzert an. Die Gefangenen aus Westeuropa waren zumeist politische Widerstandskämpfer. Bei den osteuropäischen Häftlingen handelte es sich überwiegend um nach Deutschland verschleppte Zwangsarbeiter. Nach dem vom Oberkommando der Wehrmacht am 7. Dezember 1941 herausgegebenen »Nacht–und–Nebel«-Erlass wurden von Mai 1942 bis Oktober 1943 fast 2000 zumeist französische, aber auch belgische und niederländische Mitglieder der nationalen Widerstandsgruppen nach Hinzert deportiert. Die »Nacht–und–Nebel«-Gefangenen (NN-Deportierte) sollten in ihrer Heimat spurlos verschwinden und unter größter Geheimhaltung nach Deutschland verschleppt werden, um dort einem Sondergericht zur Aburteilung zugeführt zu werden. Angehörige erhielten über den Verbleib der Verhafteten keine Information. Für die NN-Häftlinge galt striktes Postverbot. Die NN-Gefangenen kamen zumeist über das Gefängnis Trier nach Hinzert. Von hier aus brachte man sie später in andere Strafanstalten (z.B. Wittlich und Diez),die in der Nähe eines Sondergerichtes (z.B. Köln, Wittlich) lagen, oder in andere Konzentrationslager.
Im Februar 1943 regelte die SS die Frage, wie mit polnischen Zwangsarbeitern, die »nordischen Rasseeinschlag« aufwiesen und verbotene Beziehungen zu einer »reichsdeutschen Frau« unterhalten hatten, umzugehen sei. Polnische Männer, auf welche dies zutraf, sollten auf ihre »Eindeutschungsfähigkeit« überprüft werden. Der zeitliche Rahmen für eine solche Überprüfung wurde auf sechs Monate festgelegt. Am 2. Februar 1943 erfolgte die Anweisung, dass diese Gruppe für die Dauer der »Überprüfung« in das SS-Sonderlager Hinzert zu bringen sei.
Täter und Taten
In den Anfangsjahren seit Herbst 1939 bestand die Wachmannschaft ausschließlich aus SS-Angehörigen. Ab 1943 kamen Polizisten und Wehrmachtsangehörige hinzu. Da immer wieder Aufseher zum Kriegsdienst abkommandiert oder in ein anderes Konzentrationslager versetzt wurden, gab es viele Wechsel innerhalb des Wachpersonals. Die Personalstärke schwankte oft, so gehörten z.B. 1940 am Jahresende 197 Personen der Wachmannschaft an, im Juli 1944 waren dagegen nur 117 Männer im Dienst. Die Zahl der KZ-Wachen wurde jeweils infolge der verschiedenen Verhaftungswellen mit größeren Häftlingsgruppen zeitweise erhöht und nach Entlassungen oder Verlegungen von Gefangenen in andere Lager wieder verringert.
Morde in Hinzert
Im SS-Sonderlager/KZ Hinzert sind Gefangene einzeln oder in Gruppen gezielt erschossen oder mit tödlichen Injektionen ermordet worden. Viele andere Häftlinge kamen durch brutalste Misshandlungen um. Prozessakten und Anklageschriften gegen Angehörige der SS-Wachmannschaft enthalten zahlreiche Zeugenaussagen über Verbrechen von unvorstellbarer Brutalität und Grausamkeit an den Häftlingen des Lagers. So folterte z.B. die SS-Mannschaft die jüdischen Häftlinge Hanau und Baer und ertränkte sie anschließend in einem Trog. Sieben Flamen, die an Ruhr erkrankt waren, starben im Frühjahr 1943 durch Misshandlung und Entzug der medizinischen Betreuung.
Die Ermittlung aller Todesopfer des SS-Sonderlagers/KZ Hinzert war bislang nicht möglich. Gesichert sind auf Grund der Forschungen des Luxemburger Conseil National de la Résistance 321 Todesfälle. Es ist davon auszugehen, dass nach Kriegsende nicht alle Opfer gefunden werden konnten.
Ermordung sowjetischer Kriegsgefangener 1941
Aus dem 300 sowjetische Kriegsgefangene umfassenden Arbeitskommando des Truppenübungsplatzes Baumholder wurden am 16. Oktober 1941 von der Gestapo, 70 Männer »abgeholt«, um sie einer »Sonderbehandlung« zuzuführen. Grundlage dafür war der so genannte »Kommissarbefehl«. Diesem Befehl Hitlers zufolge sollten politische Offiziere (»Kommissare«), die in der Sowjetarmee für die kommunistische Schulung der Soldaten zuständig waren, nach ihrer Gefangennahme ermordet werden.
Zwei Lastwagen brachten die 70 Kriegsgefangenen nach Einbruch der Dunkelheit in das SS-Sonderlager/KZ Hinzert. Den Ahnungslosen gaukelte man vor, sie müssten sich vor einem neuen Arbeitseinsatz einer medizinischen Untersuchung unterziehen und sich impfen lassen. Einzeln wurden sie in die Quarantänebaracke geführt, wo ihnen jedoch eine tödliche Zyankalilösung injiziert wurde. Noch während der Nacht verscharrte man die Ermordeten in den bereits vorbereiteten Massengräbern, die im Wald versteckt lagen.
Mord an Luxemburger Bürgern nach dem Streik von 1942
Nachdem am 10. Mai 1940 die deutsche Wehrmacht Luxemburg besetzt hatte, verfolgte der Chef der Zivilverwaltung, Gauleiter Simon, eine rigorose Politik. Ziel war es, das Großherzogtum dem Deutschen Reich einzuverleiben.
Höhepunkt dieser Politik war Ende August 1942 die Einführung der Wehrpflicht zur deutschen Wehrmacht für alle Luxemburger der Jahrgänge 1920–1926. An dem daraufhin ausgerufenen Generalstreik, der ganz Luxemburg erfasste, beteiligten sich Arbeiter, Beamte, Studenten und Schüler. Einen Tag später verhängten die Deutschen den Ausnahmezustand und setzten ein Standgericht ein. Es tagte vorwiegend nachts im Gerichtsgebäude der Stadt Esch und in Luxemburg unter Vorsitz von Fritz Hartmann, dem Leiter der Staatspolizeileitstelle in Trier und Führer des Einsatzkommandos der Sicherheitspolizei und des SD in Luxemburg. Das Standgericht sprach zwanzig Todesurteile gegen willkürlich ausgewählte Streikteilnehmer aus, die in Hinzert in der Zeit vom 2. bis zum 9. September 1942 in unmittelbarer Nähe des Lagers vollstreckt wurden.
Ermordung luxemburgischer Widerstandskämpfer
Während verschiedener Razzien im Herbst 1943 verhaftete die deutsche Besatzungsmacht etwa 350 Luxemburger und ließ sie in das SS-Sonderlager/KZ Hinzert verschleppen. Die Gestapo ging nach ihren anschließenden Ermittlungen davon aus, dass bei der bisherigen Praxis des Sondergerichtes bei den anstehenden Verfahren mit 50 Todesurteilen zu rechnen sei. Die Gestapo warf den Festgenommenen vor, »Rädelsführer« des luxemburgischen Widerstandes zu sein. Die Verhafteten wurden beschuldigt, anderen Luxemburgern, die sich der zwangsweisen Verpflichtung zur Wehrmacht entzogen hatten und notgelandeten alliierten Piloten geholfen zu haben. Aufgrund dieses Berichtes berief der Chef der Zivilverwaltung, Gustav Simon, Ende Januar 1944 eine Sitzung in Koblenz ein, an der u.a. auch der Leiter des Einsatzkommandos der Sicherheitspolizei und des SD in Luxemburg, Walter Runge, teilnahm. Das Ergebnis der Sitzung war, dass die Verhängung von etwa 50 Todesstrafen zum gegenwärtigen Zeitpunkt als politisch nicht günstig angesehen wurde. Die Ermittlungen sollten deshalb nicht an die Staatsanwaltschaft weitergegeben und die Zahl der Todesstrafen auf 25 reduziert werden. Die Übereinkunft wurde dem Reichssicherheitshauptamt in Berlin vorgelegt, welches entschied, dass die 25 Luxemburger sofort zu erschießen seien. Als Warnung gegenüber dem wachsenden Widerstand der luxemburgischen Bevölkerung wurden am 25. Februar 1944 von SS-Hauptsturmführer Runge unter den Gefangenen 23 Personen ausgewählt, die dann beim SS-Sonderlager/KZ Hinzert ohne Gerichtsurteil erschossen wurden. Zwei weitere für die Todesstrafe vorgesehene Häftlinge waren zum Zeitpunkt der Aktion nicht im Lager Hinzert und überlebten.
Lageralltag
Mit Gebrüll und Prügel wurden die neu ankommenden Gefangenen im Lager empfangen, gleichzeitig brachte die Wachmannschaft ihnen bei, dass im Lager alles im Laufschritt zu geschehen habe. Statt ihres Namens erhielten sie Häftlingsnummern, auf die sie bei Zuruf reagieren mussten. Nachdem sie auf dem Appellplatz einige Runden gelaufen waren, erfolgte die Rasur aller Körperhaare, das Duschen und Anziehen der Häftlingskleidung. Die Neuankömmlinge wurden zunächst für einige Tage in die Quarantänestube eingewiesen. Danach verteilte das Wachpersonal die neuen Häftlinge auf die Baracken im Lager und wies sie jeweils beim Morgenappell den Arbeitskommandos zu.
Angst vor willkürlicher Gewalt, Hunger und schwere körperliche Anstrengungen prägten den Alltag der Häftlinge. In der Regel mussten die Häftlinge im Sommer um 5:00 Uhr, im Winter um 6:00 Uhr aufstehen. Nach dem Stubenappell ging es zum Waschen und Ankleiden, Zimmermachen und zum so genannten »Frühsport«. Das anschließende Frühstück bestand aus Brot, etwas Margarine und Marmelade sowie sehr dünnem »Kaffee-Ersatz«. Weiter ging es im Laufschritt zum Morgenappell auf den Appellplatz. Anschließend mussten die Häftlinge zur Arbeit ausrücken. Für diejenigen, die im Lager blieben, gab es um 12:00 Uhr eine wässrige Suppe als Mittagessen. Danach wurde bis 18:00 Uhr weitergearbeitet. Im Anschluss mussten alle zum Abendappell antreten. Gegen 19:00 Uhr gab es wieder eine Suppe, oft genug aber auch nur »Tee«. Gegen 21:00 Uhr folgte die Stubenabnahme und anschließend war Bettruhe angesagt. Diese Zeiten konnten nach dem jeweiligen Einsatz der Gefangenen in den Arbeitskommandos sehr unterschiedlich sein. Je weiter der Arbeitseinsatz entfernt war, desto früher erfolgte das Wecken und entsprechend später die Rückkehr in das Lager.
Künstlerische Zeugnisse
Einzigartige Eindrücke vom Alltag der Häftlinge im SS-Sonderlager/KZ Hinzert vermitteln die künstlerischen Zeugnisse von Inhaftierten, die noch während ihrer Haftzeit oder nach dem Krieg ihre schrecklichen Erlebnisse festhielten. Ihre Zeichnungen, Skulpturen, Linolschnitte und Plastiken bieten einen emotionalen Zugang für die Auseinandersetzung mit dem Leben und Leiden im Konzentrationslager.
Die während ihrer Haftzeit im SS-Sonderlager/KZ Hinzert entstandenen Bilder und Zeichnungen von Arthur Michel und Jean Daligault wurden von Mitgefangenen versteckt und konnten aus dem Lager geschmuggelt werden.
Die Linolschnitte Albert Kaisers, die Gemälde und Zeichnungen von Foni Tissen und auch die Skulpturen von Lucien Wercollier stammen aus der Nachkriegszeit.
Nach 1945
Auf Veranlassung der französischen Militärregierung wurden nach 1945 die noch verwertbaren Baracken des früheren Häftlings- und des Wachmannschaftslagers verkauft. Das Terrain des ehemaligen Häftlingslagers wurde den Eigentümern zur landwirtschaftlichen Nutzung zurückgegeben.
Die französische Militärregierung ließ ab Frühjahr 1946 auf dem ehemaligen Gelände der SS-Wachmannschaft den Ehrenfriedhof anlegen. 1946 exhumierte eine französische Kommission die Opfer aus den Massengräbern und aus den Gräbern des versteckt am Waldrand befindlichen »Lagerfriedhofes«, auf dem die SS die Toten würde- und namenlos hatte verscharren lassen. Identifizierte französische und luxemburgische Opfer wurden auf Friedhöfe in ihrem Heimatland umgebettet. Die Toten, die nicht identifiziert oder die nicht in ihre Heimatländer überführt werden konnten, wurden auf dem neu angelegten Gedenkstätten-Friedhof beigesetzt. Gleichzeitig begann auf Initiative des Beurener Pfarrers Fortuin auch der Bau der Kapelle, die am 4. November 1948 eingeweiht wurde.
1960 kam auf dem Friedhof, auf dem die Holzkreuze durch Steinkreuze ersetzt wurden, eine Steinplatte hinzu mit den Namen und Herkunftsländern der bis dahin erfassten Toten.
1982 wurde eine erste Gedenktafel an der Friedhofskapelle angebracht. Im Laufe der Jahre kamen noch zwei weitere Gedenktafeln hinzu, eine von luxemburgischer und eine von französischer Seite. Als zentrales Mahnmal auf dem Friedhof wurde am 11. Oktober 1986 das Denkmal von Lucien Wercollier eingeweiht. 1989 gründete sich der Förderverein Dokumentations- und Begegnungsstätte ehemaliges KZ Hinzert e.V.‘.
Gedenkarbeit in Hinzert
Seit 1983 haben sich mehrere Schülergenerationen am Gymnasium Hermeskeil unter der Leitung von Herrn Volker Schneider in Projektarbeit mit der Aufarbeitung und dem Umgang mit der Geschichte des Lagers beschäftigt. So geht auf die Initiative der Schule der 1986 errichtete Gedenkstein für die im SS-Sonderlager/KZ Hinzert ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen zurück. Gemeinsam mit einer luxemburgischen Jugendgruppe gestaltete eine Schülergruppe des Gymnasiums in ihrer Freizeit das Terrain des ehemaligen Lagerfriedhofs als Gedenkstelle mit einer symbolhaft dargestellten Gewaltspirale.
Nachdem die Landeszentrale für politische Bildung unter der Leitung von Hans-Georg Meyer im Auftrag der Landesregierung eine Konzeption für die Gedenkstätte ausgearbeitet hatte (1991/1992), installierte sie seit 1994 ein Informationssystem, das die »Stätten der Unmenschlichkeit« im Umfeld des ehemaligen Lagers ausweist und in ihrer historischen Bedeutung erläutert.
Der rheinland-pfälzische Landtag fasste im Jahr 2002 einstimmig den Beschluss, ein Dokumentations- und Begegnungshaus neben der Gedenkstätte zu errichten. Es wurde am 10. Dezember 2005 eröffnet.
Zusätzlich gibt es an fast allen Stationen die Möglichkeit, über Monitore Zeitzeugeninterviews abzurufen. Vertiefende Dokumente sind in Schubladen integriert. Weiterführende Informationen oder auch die PC-Recherchemöglichkeit zu bestimmten Themen, nicht nur zur Geschichte des Lagers, bieten die Vertiefungsstationen. Die Ausstellung kann mit Hilfe eines Audioguide-Systems in deutscher, englischer, französischer und niederländischer Sprache erkundet werden.
Stätten der Unmenschlichkeit
Im Umfeld der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert befinden sich zahlreiche Gedenkstellen, die an die Leiden der Lagerhäftlinge sowie an verschiedene Morde an Häftlingsgruppen erinnern. An diesen »Stätten der Unmenschlichkeit« erläutern Informationstafeln in vier Sprachen das jeweilige Geschehen und ordnen es knapp in die historischen Zusammenhänge ein. Ein Lageplan zu diesen in einem Umkreis von etwa 5 km befindlichen »Stätten der Unmenschlichkeit« mit einer Wegskizze ist in der Gedenkstätte erhältlich. Für Gruppen besteht die Möglichkeit, sich bei guter Witterung per Bus in die Nähe dieser Gedenkstellen fahren zu lassen. Folgende historische Orte sind bislang als »Stätten der Unmenschlichkeit« ausgewiesen:
• Ehemaliger Quarzhitsteinbruch (Erschießungsstelle 1942)
• Gedenkstein Streikopfer 1942
• Luxemburger Streikopfer 1942 (am ehemaligen Massengrab)
• Ermordete sowjetische Kriegsgefangene 1941 (Information am Gedenkstein)
• Massengrab sowjetische Kriegsgefangene (an einer Grube)
• Opfer des Nacht- und Nebel-Erlasses 1942/43 (an einer Grube)
• Gedenkstein Widerstandskämpfer 1944
• Luxemburger Widerstandskämpfer 1942 (am ehemaligen Massengrab)
• Ehemaliger Häftlingsfriedhof 1942-1944
• Geplante Massenliquidierungsgruben 1944.
Die überregionale, internationale Bedeutung der Gedenkstätte und der mit ihr im Zusammenhang stehenden »Stätten der Unmenschlichkeit« wurde durch den rheinland-pfälzischen Landtag im September 2005 u.a. auch dadurch unterstrichen, dass ein Landesgesetz die Versammlungsfreiheit an diesen historischen Orten einschränkte. Dadurch soll eventuellen Störungen des Gedenkens an die Opfer durch neonazistische Kreise vorgebeugt werden. Die »Stätten der Unmenschlichkeit« werden wie die Ausstellung im Dokumentations- und Begegnungshaus und der Friedhof in die historisch-politische Bildungsarbeit der Landeszentrale für politische Bildung einbezogen, vor allem unter dem Aspekt des Erinnerns an die Opfer, die für Freiheit und Menschenwürde ihr Leben lassen mussten.
Pädagogische Möglichkeiten vor Ort
Führungen von Schulklassen und Besuchergruppen können mit dem Sekretariat oder pädagogischen Mitarbeitern der Gedenkstätte abgesprochen werden. Dabei können die Führungen ganz individuell auf die verschiedenen Schultypen oder die methodischen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler und das vorhandene Vorwissen abgestimmt werden. Es empfiehlt sich, eine Führung mindestens drei Wochen vor dem Besuch telefonisch anzumelden, um den Besuch seitens Gedenkstätte bestmöglich vorbereiten zu können. Es können zeitweise auch Führungen für größere Gruppen (zwei oder drei Schulklassen) sowie Führungen in Fremdsprachen angeboten werden. Fahrkostenzuschüsse für die Buskosten können für rheinland-pfälzische Schul- und Jugendgruppen gewährt werden. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist sehr schwierig.
Studientage können ebenfalls von der Gedenkstätte organisiert werden. Morgens steht dabei meist ein Rundgang auf dem Programm. Da die Gedenkstätte nicht über eine Mensa oder ähnliches verfügt, kann das Mittagessen in einer Gaststätte in einem der benachbarten Ortschaften im Vorfeld abgesprochen und bestellt werden. Nachmittags können die »Stätten der Unmenschlichkeit« im Wald besucht oder ein gewünschtes Thema (z.B. künstlerische Zeugnisse von Häftlingen) anhand von Dokumenten behandelt werden. Interessierte Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschüler, die im Rahmen ihrer Abiturqualifikation eine Facharbeit oder eine Besondere Lernleistung (BLL) anfertigen wollen, können die vorhandenen Archivbestände ebenso nutzen wie Referendarinnen und Referendare, die für das Zweite Staatsexamen eine pädagogische Hausarbeit schreiben möchten.
Pro Jahr werden mehrere Lehrerfortbildungen in Kooperation mit dem IFB Speyer durchgeführt. Die Themen und Termine stehen auf der Homepage der Gedenkstätte, der Landeszentrale für politische Bildung oder des IFB (http://ifb.bildung-rp.de/).
Beispiele aus der pädagogischen Praxis der Gedenkstätte Hinzert
Im November 2009 ist in Zusammenarbeit mit dem pädagogischen Zentrum in Bad Kreuznach und den Gedenkstätten in Hadamar und Osthofen eine pädagogische Handreichung speziell für Schulen erschienen. In diesem Band werden nicht nur die Gedenkstätten und deren Entwicklung, sondern insbesondere auch die pädagogischen Möglichkeiten vor Ort, exemplarisch dargestellt.
Die Dauerausstellung in Hinzert eignet sich für Schulgruppen gut für die Methode des Stationenlernens. Schülerinnen und Schüler erarbeiten dabei mit Hilfe eines Arbeitsblattes die sieben Themenschwerpunkte der Dauerausstellung weitestgehend selbstständig. Das Fachpersonal der Gedenkstätte steht ihnen dabei als Ansprechpartner für Fragen jederzeit zur Verfügung. Je nach Schulart kann ein bestimmtes Arbeitsblatt eingesetzt werden, welches konkrete Fragen beinhaltet oder offener gestaltet ist und somit der Lerngruppe größere Freiräume hinsichtlich der Gestaltung eröffnet. Die Vorgehensweise ist wie folgt:
Die Kleingruppen (3–6 Schülerinnen oder Schüler) dürfen sich die Station ein Themengebiet aussuchen, die sie besonders interessiert. Sie haben ca. 45 Minuten Zeit und die Aufgabe, gemeinsam zu überlegen, wie sie ihr Thema so zusammenzufassen, dass sie es in einer Präsentation den Mitschülerinnen und Mitschülern später vorstellen können. Wenn die Arbeit an einer Station beendet ist, können sie sich die nächste Station frei wählen. Nicht alle Stationen müssen bearbeitet werden. Es geht vielmehr darum, sich mit einer Station intensiv zu beschäftigen, bevor man zur nächsten weitergeht.
In einer sich anschließenden Präsentationsrunde werden die einzelnen Stationen vorgestellt, wobei sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig ergänzen können. Gleichzeitig wird das Arbeitsblatt während der Präsentation vervollständigt, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse gesichert werden und sich alle einander zuhören. Wurde eine Station von keiner Gruppe bearbeitet, was normalerweise höchst selten vorkommt, übernimmt das Fachpersonal der Gedenkstätte diese Aufgabe. Das Arbeitsblatt kann dann im Unterricht weiter verwendet und ins Heft eingeklebt werden. Reicht die Zeit für die Besprechung nicht mehr aus, kann der Lehrkraft ein Musterbogen mitgegeben werden.
Mappe »Spurensuche in Hinzert«
Diese Mappe wurde insbesondere für Schulkassen konzipiert und dient dazu, Schüler-innen und Schüler im Sinne des erweiterten Lernbegriffs und handlungsorientierten Lernens aktiv an der Führung durch die Gedenkstätte teilhaben zu lassen, indem sie nämlich vor Ort selbst etwas tun müssen. Die Mappen dienen dabei einem ähnlichen Zweck wie die Schülerarbeitshefte oder Schulbücher, die sie aus dem Geschichtsunterricht kennen.
Die Spuren auf dem Deckblatt werden immer undeutlicher und verschwimmen. Dies ist eine Anspielung darauf, dass vom eigentlichen Lager in Hinzert (fast) nichts mehr übrig ist. Die Schülerinnen und Schüler müssen ganz genau hinsehen, sozusagen auf Spurensuche gehen, um so zu erfahren, was ihnen dieser authentische Lernort über die Menschen erzählt, die hier unter dem Terror der SS gelitten haben oder ermordet wurden. Als Einstieg dienen acht Bilder, die größtenteils Auskunft über das frühere Lager geben, aber auch künstlerische Zeugnisse oder Wandinschriften der Gefangenen beinhalten, die bei der ersten Betrachtung nicht unbedingt mit einem KZ assoziiert werden, die aber deutlich machen, dass das Universum des KZ-Terrors noch weit größer war als bisher vermutet. Der rote Faden dieser Mappe sind die Erinnerungen eines französischen »Nacht-und-Nebel«-Häftlings (Joseph de La Martinière), der an verschiedenen Stellen (Ankunft im Lager, Außenkommandos) vom grausamen Lageralltag berichtet. Einem zur bloßen Nummer degradierten Häftling wird so für uns heute quasi wieder ein Gesicht und ein Name gegeben. Dadurch fällt es den Schülerinnen und Schülern leichter, Empathie mit den Opfern zu empfinden. Ein kleines Porträtfoto ist immer dann zu sehen, wenn der Zeitzeuge von bestimmten Ereignissen berichtet. Die Mappe ist so gestaltet, dass sich die Schülerinnen und Schüler aktiv einbringen können, indem sie Aussagen dieses Häftlings selbst vorlesen, Bilder beschreiben, Vermutungen äußern und sich durch die Auswahl des Bild- und Textmaterials bestimmte Erkenntnisse selbst erschließen können. Anhand eines Fotos z.B. können sie selbst erkennen, dass eine öffentliche Straße zwischen Häftlingslager und Wachmannschaftsunterkünften hindurch führte und die Bevölkerung vieles, was im Lager geschah, sehen konnte. Daraus können auch viele Fragen abgeleitet und Vermutungen geäußert werden: »Wie reagierte die Bevölkerung in der Umgebung, als sie die Häftlinge sah?« Joseph de La Martinières Berichte vermitteln dann einen Eindruck, wie die einheimische Bevölkerung damals reagierte.
»… Allerdings waren die Beobachtungen zu den Reaktionen der Bevölkerung nicht immer die gleichen. So kam es manchmal vor, dass einige Kinder von Reinsfeld die vorbeiziehenden Häftlinge schlugen oder mit Steinen nach ihnen warfen. Andere Kinder wiederum rollten Äpfel über die Straße, so dass die Gefangenen sie im Vorübergehen aufheben konnten; oder die Kinder legten für sie ihr Pausenbrot am Zaun der Schule nieder, wobei sie ihnen zuriefen: ›Franzosen, gute Freunde.‹ Auch durch die Drohung der SS ließen sie sich nicht davon abhalten …
… Man sah Frauen, die sich verstohlen eine Träne aus den Augen wischten … oder man hörte, wie sie offen gegen die schlechte Behandlung der Häftlinge protestierten. Einmal geschah es, dass ein Mann vor einem Haus das Bewusstsein verlor und zu Boden stürzte. Die dort verweilenden Frauen baten unter Tränen um Erlaubnis, ihn pflegen und ihm etwas zu essen geben zu dürfen, was ihnen natürlich verweigert wurde.«
(Quelle: Joseph de La Martinière, »Meine Erinnerung als NN-Deportierter«, Landeszentrale für politische Bildung (Hg.), Mainz 2005, S. 79/80)
Seit der Eröffnung des Dokumentations- und Begegnungshauses im Dezember 2005 wird der Trend erkennbar, dass immer häufiger Besuchsgruppen die Gedenkstätte besuchen und die Nachfrage nach geführten Rundgängen steigt. Die Gruppen bestehen hauptsächlich aus Schülerinnen und Schülern aller Schularten sowie historisch-politisch interessierten Erwachsenen- und Jugendgruppen, die nicht nur aus dem näheren Umfeld kommen, sondern zunehmend auch aus dem Ausland. Gerade in den Sommermonaten kann die Gedenkstätte viele Besucher(-gruppen) verzeichnen. Die Gedenkstätte bemüht sich, ihr pädagogisches Programm ständig zu erweitern und auszubauen.
Dr. Beate Welter, seit 2005 Leiterin der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert
Steffen Reinhard, Geschichtslehrer, seit 2008 für die Gedenkstätte SS-Sonderlager/ KZ Hinzert tätig.


