Martin Sabrow

Forschung & Gedenken. Überlegungen zu einer spannungsreichen Beziehung

Gedenkstättenrundbrief Nr. 185 (3/2017) S. 3-12

Die Spannungslinien, denen ich mit den folgenden Bemerkungen nachspüren will, scheinen auf den ersten Blick gar nicht mehr zu existieren. Längst hat sich neben der akademischen Geschichtsschreibung die Public History als ein anerkannter Zweig des Faches entwickelt, der nicht nur den Geschichtsmarkt mitbestimmt, sondern auch Lehrstühle denominiert und universitäre Studiengänge betreibt. Gedenkstätten haben – in den Worten Habbo Knochs – eine interne Professionalisierung und Selbstverwissenschaftlichung durchlaufen, die »Ungleichzeitigkeiten in den Standards« nur mehr als »Konsequenz hochgradig variierender Kapazitäten«, nicht aber als »Unwillen wissenschaftlicher Kontextualisierung« erscheinen lassen.1 Spätestens mit der Übernahme der drei großen Mahn- und Gedenkstätten der erloschenen DDR – Buchenwald, Sachsenhausen, Ravensbrück – in die Gedenkstättenförderung des Bundes sind die zeitgeschichtlichen Gedenkstätten der Bundesrepublik zu gleichrangigen Teilhabern eines vielgestaltigen Fachdiskurses geworden, der längst nicht mehr nur an den Universitäten geführt wird. Der von Günther Morsch sogenannte »Hunger nach Geschichte« wird seit den späten 1970er Jahren auch in den großen Geschichtsmuseen befriedigt und ebenso in den vielen Geschichtsvereinen und Geschichtswerkstätten, Lernorten und Dokumentationszentren und eben auch Gedenkstätten der Bundesrepublik.2

Größere sowie in zunehmendem Maß auch kleinere Gedenkstätten haben sich, der heute gültigen Definition entsprechend, neben dem Sammeln, Vermitteln und Gedenken selbstverständlich auch die Forschung zur Aufgabe gestellt.3 Von dieser Zwecksetzung profitieren Zeitgeschichte, Geschichtsdidaktik, Geschichtstheorie und die Geschichtskulturforschung gleichermaßen. Gedenkstätten geben Buchreihen heraus, und sie veranstalten wissenschaftliche Vortragsfolgen und Semesterkolloquien. Ihre Arbeit wird von fachlich dominierten Beiräten begleitet, ihre Einrichtung und deren Präsentation beruht auf der Grundlage von Konzeptionen, die nicht nur in Ravensbrück, Sachsenhausen und Buchenwald, sondern auch in Alt-Rehse und Vogelsang, in Brandenburg und Bautzen mehr oder minder nahtlos an die geltenden Standards der Zeitgeschichte anschließen und in ihrer Ausarbeitung wie Umsetzung mit der Laufzeit von DFG-Forschungsprojekten Schritt halten.

Nirgendwo ist auf dieser Kammhöhe der Betrachtung eine konstitutive Spannung von Forschung und Gedenken auszumachen. Gewiss, Gedenkstätten haben kein Promotionsrecht. Ihre wissenschaftlichen Kräfte arbeiten weisungsgebunden, und ihre fachlichen Äußerungen können einem empörend eingeschränkten Recht auf wissenschaftliche Freiheit unterworfen werden. Die an Gedenkstätten betriebenen Erschließungs- und Dokumentationsvorhaben sind in der Regel anwendungsorientiert – sie erschließen Neuland, das eher empirisch als theoretisch bestimmt ist, und ihre Arbeitsweise lässt sich vielfach präziser als Recherche denn als Forschung bezeichnen. Darüber hinaus sind die Forschungskapazitäten von Gedenkstätten in der Regel mehr als stiefmütterlich ausgestattet, und sie stützen sich in erheblichem Maße auf ehrenamtliche und hobbyhistorische Mitarbeit, was die Einhaltung der wissenschaftlichen Standards vor besondere Herausforderungen stellen kann. Ihre Finanzierung beruht vielfach auf Drittmitteln, die aus landes- oder bundespolitischer Projektförderung zugewiesen und nicht im akademischen Wettbewerb eingeworben werden. Gedenkstätten besitzen zwar Antragsrecht, aber sie nutzen es – mit wenigen Ausnahmen – bislang kaum. Doch auch die akademische Forschung kämpft mit knappen Stellen und hoher Belastungskonkurrenz, in diesem Fall durch Lehre und akademische Selbstverwaltung. Sie gibt zudem nicht nur laufend promovierte Mitarbeiter an Gedenkstätten ab, sondern konkurriert mit ihnen um öffentliche Ausschreibungen – wie etwa im Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung über »Die Sprache der Objekte«. Die Differenz von historischem Dienstleister und akademischem Elfenbeinturm schwindet, und die Finanzierungsressourcen gleichen sich an, wie die gegenwärtig beherrschende Auftragsforschung zur Aufarbeitung der Bundesministerien und obersten Bundesbehörden zeigt oder die jüngst vom Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags bewilligte Summe von 30 Millionen Euro zur Schaffung eines Forschungsverbundes »Das Erbe der DDR«.

 

Wo ist hier eine Spannung von Forschung und Gedenken zu greifen?

Nun sind Gedenkstätten allerdings Orte einer besonderen Geschichte – in ihnen verbinden sich beide Formen der historischen Überlieferung, die Johann Gustav Droysen als Überrest und Tradition voneinander unterschied.4 Sie konzentriert sich im Fall der Gedenkstätte auf den Raum der sogenannten »negativen Erinnerung«. So versteht sich etwa die 1974 im Rastatter Schloss eingerichtete »Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegung in der deutschen Geschichte« im Sinne Gustav Heinemanns als Erinnerungsort für die deutsche Demokratiegeschichte und verzichtet in ihrer medialen Präsentation konsequent auf eine Kennzeichnung als Ort des Gedenkens. Gedenkstätten hingegen sind erstens Erinnerungsorte einer unheilvollen Vergangenheit und zweitens Kristallisationspunkte von Opfererfahrung. Die auf dem Obersalzberg und in München zu Ausstellungszwecken hergerichteten Orte der Herrschaft heißen »Dokumentation« oder auch »Dokumentationszentrum«, aber nicht Gedenkstätte, und auch das seit 1979 beziehungsweise 1987 im ehemaligen Gestapogefängnis errichtete NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln »versteht sich als Gedenkort, Lernort und Forschungsort in einem«.5 Gedenkstätten sind Friedhöfe, wie Jan Philipp Reemtsma sagt, »wo die Überreste der Verstorbenen, Verkommenen, Ermordeten verscharrt, vergraben, verbrannt, verstreut sind«.6 Sie sind fordernde Friedhöfe, die persönliche Leiderfahrung mit politischem Überwindungswillen verbinden, sie sind Orte der stillen Trauer und der lauten Anklage zugleich, Räume der Einkehr in sich selbst und des Appells nach außen.

Dieser Charakter als durch seine Historizität geprägter und durch seine Botschaft bestimmter »Läuterungsraum« im Sinne Volkhard Knigges unterscheidet die Gedenkstätte vom Geschichtsmuseum ebenso wie vom Denkmal. Er sichert ihm seine öffentliche Aufmerksamkeit, und er erzeugt damit tatsächlich jene Spannung zwischen Gedenken und Forschung, die das Thema der diesjährigen Gedenkstättenkonferenz war. Aber worin besteht sie genau?

 

Die Gedenkstätte als ausgeforschter Ort

Drei mögliche Spannungslinien möchte ich zur Diskussion stellen, und die erste von ihnen bezieht sich auf den Charakter der in Gedenkstätten betriebenen Vergangenheitserschließung. Forschung lebt von der Kontroverse, Gedenkstätten aber haben, so meine These, an Kontroversität entscheidend eingebüßt. Im Geschichtsdiskurs der Gegenwart trifft die Auseinandersetzung mit der deutschen Diktaturvergangenheit im demokratischen Spektrum der Bundesrepublik auf keinen politischen oder öffentlichen Widerstand mehr; die beunruhigenden Ausfransungen dieses Konsenses am rechten Rand unserer Gesellschaft klammere ich hier aus. Kein Schulleiter würde es noch wagen oder es ihm auch nur in den Sinn kommen, seinen Schulklassen die Fahrt in eine Gedenkstätte abzuschlagen. Und auch der Geschäftsführer einer oberhavelländischen Verkehrsgesellschaft, der sich im Dezember 2016 zunächst weigerte, eine Petition von Günter Morsch für die Verbesserung der öffentlichen Erreichbarkeit der Gedenkstätte Sachsenhausen höflich zustimmend in Empfang zu nehmen, musste eilends einen Termin bei dem zunächst Abgewiesenen erbitten, um das verheerende Echo auf seinen Affront zu mildern und seine eigene Stellung zu retten. Wir leben in einer kathartischen, auf Brechung mit unheilvoller Vergangenheit und Befreiung von schlechten Traditionen ausgerichteten Gedenkkultur. Und wie groß ihre Kluft zu den wieder erwachenden mimetischen Stolzkulturen ist, lehren Beispiele nicht nur aus Russland und der Türkei Tag um Tag, sondern zeigt auch die Kulturpolitik unseres Nachbarlandes Polen, wo Direktoren und Mitarbeiter entlassen werden, weil sie jüdische Schamthemen statt nationaler Stolzthemen in den Vordergrund rückten.7

In Deutschland hingegen sind von Dachau bis Cottbus die Zeiten vorbei – oder waren es zumindest in den vergangenen 25 Jahren, in denen die Schaffung von Gedenkorten zur Erinnerung an die Verbrechen der beiden großen Diktatursysteme des 20. Jahrhunderts angefeindet und blockiert wurden. Der Newsletter, den die Stiftung Sächsische Gedenkstätten im Dezember 2016 verschickte, wusste sich in der Mitte der Gesellschaft, als er zum Jahresende auf »spannende, freudvolle, aber auch turbulente Monate« zurückschaute, in denen es gelungen sei, »an authentischen Orten die Opfer politischer Gewaltherrschaft im 20. Jahrhundert zu würdigen, die Erinnerung an die Diktaturvergangenheit wachzuhalten und sie an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben«. In diesem Sinne sahen die sächsischen Gedenkstätten guten Grund, den Jahreswechsel als Zeit »des Rückblicks, der Besinnung und der Vorfreude auf das Kommende« zu begehen, wie der Newsletter mitteilt: »Für die Errichtung der Gedenkstätte Großschweidnitz in der Oberlausitz hat der Bund umfangreiche finanzielle Mittel in Aussicht gestellt – die Stiftung Sächsische Gedenkstätten unterstützt bereits die Grundlagenforschung zur Geschichte der früheren Heil- und Pflegeanstalt Großschweidnitz und zu den dort im Rahmen der NS-›Euthanasie‹ zu Tode gebrachten Menschen. Bald soll am authentischen Ort an die rund 6 000 Großschweidnitzer Opfer der Massentötungen von Psychiatriepatienten erinnert und über die systematische Vernichtung ›lebensunwerten Lebens‹ im Nationalsozialismus informiert werden.«8

In dieser gestalterischen Vorfreude auf die Erinnerung vergangenen Leids ist nichts mehr zu spüren von Konfliktlagen der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft, die lange Phasen der Vergangenheitsentlastung und Selbstviktimisierung durchlief, bevor sie über verschiedene Anläufe der Tribunalisierung und Bewältigung endlich die seit den 1990er Jahren staatlich geförderte Ära der Vergangenheitsaufarbeitung erreicht hat, in der der Holocaust gleichsam zum negativen Gründungsmythos der Deutschen geworden ist. Die seit den 1980er Jahre entstandenen Geschichtsmuseen blenden die furchtbare Vergangenheit nicht aus, sondern beziehen sie in tragender Weise ein. Das Deutsche Historische Museum hat gerade erst mit Raphael Gross einen neuen Direktor bekommen, dessen wissenschaftliche und museologische Kompetenz dezidiert auf der deutsch-jüdischen Katastrophengeschichte liegt. Die zuerst 1993 verabschiedete und seither noch erweiterte Gedenkstättenkonzeption des Bundes belässt den Unterhalt von Gedenkstätten in der Verantwortung von Ländern, Kommunen und gesellschaftlichen Gruppen, sieht aber für Erinnerungseinrichtungen von nationaler und internationaler Bedeutung, »die im öffentlichen Bewusstsein exemplarisch für bestimmte Formen der Verfolgung stehen«, eine bundesstaatliche Förderung vor.9 Die Erfüllung der damit verbundenen Aufgaben obliegt heute einem der vier Geschäftsbereiche im 1998 neu geschaffenen Amt des bzw. der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dessen Zuständigkeit unter der Bezeichnung »Geschichte, Erinnerung« ressortintern so bestimmt ist: »Die Gruppe K4 ist für Gedenkkultur – insbesondere den großen Bereichen der Erinnerung an NS-Herrschaft und SED-Diktatur – für historische Museen und Archive im Verantwortungsbereich des Bundes zuständig.«10

Mit anderen Worten: Die bei Adorno noch vor allem gegen den Staat und das staatlich verantwortete »Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie« gerichtete Bewältigungsforderung hat sich ein Halbjahrhundert später zum Handlungsziel für den Staat entwickelt.11 Bis hin zur Bundesregierung ist staatliche Politik vom erklärten Gegner zum geschätzten Partner der Aufarbeitung geworden und formuliert mittlerweile als Maxime ihres Handelns: »Staat und Gesellschaft sind bei allen Unterschieden zwischen nationalsozialistischer und kommunistischer Gewaltherrschaft verpflichtet, der Verantwortung für die Folgen beider totalitärer Ideologien des 20. Jahrhunderts nachzukommen, an die Leiden der Opfer zu erinnern und das begangene Unrecht aufzuarbeiten.«12 Adornos bittere Erfahrung, »im Hause des Henkers soll man nicht vom Strick reden; sonst hat man Ressentiment«, hat nicht nur an Gültigkeit verloren, sie ist in ihr Gegenteil umgeschlagen, wenn Bundespräsident Joachim Gauck zum fünfzigsten Jahrestag der Befreiung von Auschwitz feststellte: »Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz. Die Erinnerung an den Holocaust bleibt eine Sache aller Bürger, die in Deutschland leben.«13

Dachau verbirgt seine NS-Belastung nicht mehr und Cottbus ist stolz auf sein Menschenrechtszentrum. Nicht darauf, dass diese Maxime für alle gelten würde, kommt es mir hier an, sondern darauf, dass sie die geltenden Sagbarkeitsregeln definiert. Mit den Lasten des bösen Gestern verknüpfte Schattenorte sind Teil des Geschichtstourismus geworden und die Gedenkstätte ist heute grosso modo der Ort einer auserzählten Geschichte. »Man streitet nicht mehr um den Ort, man lebt im Konsens«, pflichtete Reemtsma vor einigen Jahren der Behauptung von Volkhard Knigge bei, dass es heute anders als bis in die frühen 1980er Jahre nicht mehr um das politische Ob, sondern nur noch um das ausstellungstheoretische Wie der Gestaltung von Erinnerungsstätten an deutsche Verbrechen gehe.14 Wo Kontroverse in den letzten zwei Jahrzehnten aufflammte, betraf sie nicht mehr wie noch bis in die 1980er Jahre die behauptete Polarität von heller und dunkler Vergangenheit, von den angeblich 988 guten und zwölf schlechten Jahren deutscher Geschichte, sondern die Geltungskonkurrenz von Opfergruppen, wie sie sich insbesondere an den sogenannten Orten doppelter Vergangenheit nach 1989 austrug.

Ob das von sowjetischer Besatzungswillkür und kommunistischer Parteiherrschaft zugefügte Leid dem nationalsozialistischen Verbrechen gleichrangig sei oder nicht, beherrschte die öffentliche Diskussion zeitweilig so stark wie überhaupt die Frage nach der Vergleichbarkeit oder gar Gleichsetzung von erster und zweiter Diktatur auf deutschem Boden, die in der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Spielarten der Theorie des Totalitarismus sowie Ernst Noltes These vom Nexus bolschewistischer und faschistischer Herrschaft über viele Jahre hinweg auch die allgemeine Fachdiskussion bewegte.

Mittlerweile sind auch die Verästelungen dieser Konfliktlage bis hin zu der Frage der prozentualen NS-Belastung von SMT-Verurteilten15 ebenso abgeklungen, wie die Auflehnung gegen die Würdigung des parteikommunistischen Widerstands gegen das NS-Regime, die nach 1990 in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin zur Forderung nach Abhängung der Porträts von Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht geführt hatte. Die »Vieldeutigkeit konkurrierender Interpretationen und Praktiken«, die wie alle historischen Orte auch Gedenkstätten als verdichtete Handlungsräume einstigen Geschehens darstellen, ist heute in »eine auffallende ähnliche Gesamtgestalt« eingebunden, wie ein Beteiligter beobachtet hat.16 Und diesem Trend folgt auch die an Gedenkstätten betriebene Forschung: Die Er- und Überarbeitung von Dauer- und Wechselausstellungen ist heute stärker den Imperativen der Vertiefung und Vervollständigung verpflichtet, aber weniger der kontroversen Thesenbildung und der Infragestellung gewohnter Sicht- und Deutungsweisen.

Gleiches gilt meinem Eindruck nach auch für die Forschungsliteratur im engeren. Doch auf der anderen Seite: Wie überschaubar ist auch in der akademischen Geschichtsschreibung der Prozentsatz fachlicher Arbeiten, die bisheriges Wissen wirklich substantiell in Frage stellen? Noch muss wohl offenbleiben, ob auch die Gedenkstättenforschung an den spürbaren Paradigmenwechsel von der Nachgeschichte der lastenden Vergangenheit hin zur Vorgeschichte gegenwärtiger Problemlagen anschließen kann, auf den sich die Zeitgeschichte in unserer Zeit hinzubewegen scheint. Oder wird sie sich im Weiteren dauerhaft mit der »Detaillierung des komplexen Sachwissens über die einzelnen Orte« von NS-Herrschaft und SED-Diktatur begnügen, die als gegenwärtige Tendenz der NS-Gedenkstätten als Orte der Zeitgeschichte konstatiert worden ist?17 Wenn sie sich dauerhaft mit Letzterem begnügt – diese Prognose möchte ich wagen – wird die Spannung zwischen Forschung und Gedenken in der Gedenkstättenarbeit in Zukunft vermutlich eher wachsen als schwinden, dann droht sie zu einer mehr und mehr ritualisierten Bekanntmachung mit dem gesicherten und allgemein akzeptierten Basiswissen der deutschen Geschichtserzählung in der Gegenwart zu werden.

 

Authentizität als Mythos

Dennoch: Dass die historische Aufklärungserzählung sich gesellschaftlich durchgesetzt hat, ist zunächst ein Erfolg und keine Bedrohung. Aber handelt es sich überhaupt noch um historische Aufklärung, geht es in der Gedenkstättenforschung und -vermittlung noch um Theodor Adornos Forderung an eine gelingende Aufarbeitung von 1959, »dass man das Vergangene im Ernst verarbeite, seinen Bann breche durch helles Bewusstsein«?18

Die besondere Anziehungskraft von Gedenkstätten beruht nicht zuallererst auf der Tiefe der Einsicht, die sie vermitteln, sondern in der Aura des Ortes, den sie erschließen – ihr Alleinstellungsmerkmal liegt nicht im nur dort abrufbaren Wissen über die Vergangenheit, sondern in der Hoffnung auf möglichst unmittelbare Begegnung mit ihr. Professionelle Begleiter von Gedenkstättenfahrten zu Orten des NS-Terrors wissen von der immer gleichen Hoffnung der Teilnehmer, dort »zu sehen, wie das damals wirklich war«, und sie berichten von der empfundenen Selbstverständlichkeit, mit der die Besucher die Sakralität des Ortes als »emotionale Freizone« der anschließenden kathartischen Erschütterung anerkennen: »Ich habe noch nirgends so viele Männer emotional überwältigt gesehen wie in Gedenkstätten, und ich habe noch nie Gruppen beobachtet, die so sehr darum bemüht waren, solche Ausbrüche völlig normal zu finden.«19

Die Geschichtswissenschaft weiß es natürlich besser. »Authentizität« ist eine kulturelle Vorstellung und kein Faktum, sie lässt sich nicht immer nur als Zuschreibung fassen, nicht als Eigenschaft, sondern nur als Ausdruck einer Beziehung zwischen Gegenstand und Betrachter. Auch Gedenkstätten sind gemachte Orte, die Phasen des Verschwindens, der Wiederentdeckung, der Gestaltung und Inszenierung durchlaufen haben. Sie sind nicht authentische Orte, sondern historische, und Authentizität – wenn der Begriff überhaupt aus der Quellensprache in die fachliche Bewertung übernommen werden kann – können sie allein in der Sichtbarmachung ihrer einzelnen verschiedenen zeitlichen Bedeutungsschichten erlangen.

Aber können Gedenkstätten sich der gesellschaftlich verbürgten Aura ihres Ortes frontal entgegenstellen? Der Besucher darf nicht verwirrt werden, postuliert etwa Hartmut Dorgerloh, Stiftungsdirektor der Preußischen Schlösser und Gärten, immer wieder. Wer das Schloss Charlottenburg aufsucht, der will die Illusion leben, dass es ein friderizianischer Barockbau sei und kein Nachkriegsgebäude, dessen Decken wegen eines Messfehlers in den 1950er Jahren um mehr als einen Meter zu tief nachgebaut wurden. Gedenkstätten argumentieren primär nicht ästhetisch, sondern historisch, und sie verwenden wie im Fall der Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn oder des Grenzlandmuseums Eichsfeld viel Mühe darauf, die erneuerten und nachgebauten Linoleumbeläge und Terrazzoböden der einstigen Abfertigungsanlagen von den originalen Überresten farblich abzusetzen. Die eine wie die andere Einrichtung handelt so, um die Authentizität des Unversehrten in größtmöglicher Akkuratesse und Eindrücklichkeit zur Geltung kommen zu lassen – und um daraus moralischen wie touristischen Gewinn zu ziehen: Das Grenzlandmuseum in Eichsfeld wirbt damit, dass seine »Grenzsperr und Sicherungsanlagen an authentischer Stelle« zu sehen sind.20 Der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts appelliert in Marienborn an die Aura des Ortes: »Erinnerung ist zwar dynamisch. Sie ändert sich fortwährend. Aber auch im Wandel muss es Kontinuität geben. Deshalb sind authentische Erinnerungsorte wichtig. Erinnerung braucht Authentizität.«21

Die Gedenkstätte bedient eine Sehnsucht nach unverstellter Begegnung mit der Vergangenheit, um deren Problematik wir als Historiker wissen, auch wenn das Spiel mit der Wahrheit selten so verstörend ans Licht tritt wie im Fall der zwei KZ-Baracken von Sachsenhausen, die 1992 bei einem rechtsextremistischen Brandanschlag ein Raub der Flammen wurden. Erst in der Empörung über den Verlust kam der Öffentlichkeit zu Bewusstsein, dass die Baracken gar nicht aus der NS-Zeit stammten, sondern 1961 als »Museum der Leiden und des Widerstandskampfes des jüdischen Volkes« wiederaufgebaut worden waren. Und nur mit der abermaligen Erneuerung zog die Historizität in die Sprache der Dinge ein und wurden die »Baracken 38 und 39 […] mit Ausnahme des zerstörten Bereichs mit hohem Aufwand saniert, Brandspuren wie abplatzende Farbreste oder Rauchschwärzungen im Innenbereich dabei bewusst belassen«, wie es in der Begründung zur Auszeichnung des Rekonstruktionsvorhabens mit dem Brandenburgischen Architekturpreis 2003 heißt.22

Die Gedenkstätte muss sich gegen eine Sehnsucht nach dem Authentischen behaupten, die Aufklärung in Mythisierung verwandeln kann. Diesen Kampf aber kann auch am historischen Ort vielleicht nur ein puristischer Neubau gewinnen wie das NS-Dokumentationszentrum München, dessen Gründungsdirektor Winfried Nerdinger erfolgreich verlangte, »in der künftigen Dauerausstellung keine Gegenstände oder Objekte aus der NS-Zeit zu zeigen. […] Dramatisierende, inszenierende oder aktiv emotionalisierende Darstellungen sollen bewusst vermieden werden.« Als Nerdinger vor der Frage stand, das Fallbeil, mit dem vermutlich die Geschwister Scholl hingerichtet wurden, in seine Ausstellung aufzunehmen, verweigerte er sich jeder Verneigung vor der Aura des Authentischen: »Ich bezweifle, ob ein solcher Tötungsapparat, mit dem über 1 000 Menschen hingerichtet wurden, überhaupt in irgendeinem musealen Kontext öffentlich gezeigt werden kann, ohne dass er eine fragwürdige Faszination oder nur einen Schauereffekt ausübt.«23

Diesen Schritt können Gedenkstätten nicht gehen, ohne ihre Bestimmung zu verletzen. In der Bewahrung »authentischer Orte« als »Scharnier oder auch Mittler zwischen Vergangenheit und Gegenwart«, wie Insa Eschebach argumentiert24, sieht die Gedenkstättenpraxis unserer Zeit die entscheidende Richtschnur ihres Handelns, und ihr verdankt sich, mit Detlef Garbe zu sprechen, der Weg der Gedenkstätten »von der Peripherie in das Zentrum der Geschichtskultur«.25 Vielleicht kann sich auch das Münchner Dokumentationszentrum in seiner ebenso fachgerechten wie authentizitätsfeindlichen Nüchternheit nur präsentieren, weil es sich an der »authentischen« Stelle des »Braunen Hauses« und damit des einstigen Zentrums der NS-Bewegung weiß.

 

Kritische Aufklärung und affirmative Sakralisierung

Doch die Herausforderung der Forschung durch das Gedenken reicht noch tiefer. Im Wunsch nach möglichst unmittelbarer Begegnung mit der Vergangenheit, die das Siegel der Authentizität der Altstadtrenaissance ebenso verspricht wie ein Doku-Drama oder selbst der historische Hybridroman, kommt ein Paradigmenwechsel unserer Geschichtskultur zum Ausdruck, der Kritik in Anbetung und Aufklärung in Affirmation zu verwandeln droht. Die besonders seit 1989 inflatorisch gewordene Rede von der erlösenden Erinnerung26, das Verständnis der Gedenkstätte als »Läuterungsraum« und des Wegs zu ihr als »Pilgerfahrt«27, die Verwendung von Sentenzen wie »historische Trauerarbeit« zeugen von einer zunehmend geschichtsreligiösen Aufladung der Vergangenheit, die nicht nur in der geschichtskulturellen Praxis Relikte zu Reliquien macht, sondern auch den Fachdiskurs nicht unberührt lässt. Vielleicht zum ersten Mal im Streit um den angeblichen eliminatorischen Antisemitismus der Deutschen, den 1996 Daniel Goldhagens Studie über »Hitlers willige Vollstrecker« auslöste, war auch in der Fachwissenschaft die »Glaubensbereitschaft eines willigen Publikums« zu beobachten, wie Hans-Günter Hockerts festhielt, »das – quasireligiös berührt – Goldhagens Buch wie einen Ablass kaufte«28 und damit derselben moralisierenden sowie affektiven Betroffenheitspädagogik huldigte, die nach verbreiteter Auffassung auch unter Gedenkstättenleitern vielleicht im »reflektierten gedenkstättenpädagogischen Diskurs« für überwunden gelten kann, nicht aber in der Praxis ihrer Arbeit.29

Darin wird eine Form der Erinnerungskultur im Zeichen der Aufarbeitung greifbar, in der sich Reflexivität und Religiosität mischen. Indem Gedenkorte die Hoffnung bieten, politisch Verfolgten durch die Darstellung des erfahrenen Leids Genugtuung zu verschaffen und ihrem Leben einen neuen Sinn zu geben, folgen sie einer Vorstellung von Erinnerung als Erlösung – wie sie in anderer Form als »Heilung durch Wahrheit« in den Versöhnungskommissionen in Südafrika und Lateinamerika zum Ausdruck kamen. In diesem Sinne einer Heilsbotschaft argumentierten Gutachter, um die Gedenkstätte in der ehemaligen Zentrale des Ministerium für Staatssicherheit in Berlin-Lichtenberg zu erhalten: »Das Haus 1 […] verleiht gerade den ehemaligen Opfern und Widerständigen das Gefühl ›nicht umsonst gelebt zu haben‹. Den Spieß ostentativ und symbolisch in der Höhle des Löwen umgedreht und diese nunmehr zivilisiert zu haben, vermittelt ihnen ein Bewusstsein von Stärke, Sinnerfüllung – und Genugtuung.«30

Eine Heilsbotschaft hält die Gedenkstätte aber nicht nur für Geschädigte bereit, sondern auch für jedermann. In der Hoffnung auf ein möglichst unmittelbares Erleben der Vergangenheit kommt der Wunsch zum Ausdruck, das Früher für das Heute verfügbar zu halten, es nicht in die Verlorenheit der Vergangenheit zu entlassen, sondern in seiner Unvergänglichkeit zu bewahren. Ganz im Gegensatz zu dem Bestreben, die traumatisch erfahrene Vergangenheit durchzuarbeiten, um sie am Ende loslassen zu können, versteht sich das der Gedenkstättenarbeit zugrunde liegende Konzept der »Aufarbeitung« ungeachtet der tiefenpsychologischen Konnotation des Begriffs daher als dessen gerades Gegenteil – nämlich als dauerhaften Auftrag zur Erinnerung. Ein solches Verständnis von Vergangenheit, auch von lastender Vergangenheit, nimmt dem Gewesenen seine wichtigste Eigenschaft: die unmittelbare Entrücktheit. In der fortwährenden Aufarbeitung und in einer Erinnerungskultur, die aus der empfundenen Authentizität ihrer Zeugnisse gespeist wird, zeigt sich die Vergänglichkeit der Zeit aufgehoben und in einen gleichsam unsterblichen Erfahrungsspeicher verwandelt, vor dessen Missachtung jener fast kanonisierte Spruch warnt: »Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.«

In solchem Geschichtsdenken scheint mir der drohende Umschlag von kritischer Aufklärung in gläubige Affirmation greifbar. Der aber spaltet Forschung und Gedenken in Wirklichkeit gar nicht zwingend, er stellt sie vielmehr vor eine gemeinsame Herausforderung, wie zuletzt 2015 die von Volkhard Knigge veranstaltete Berliner Konferenz »70 Jahre danach. Historisches Begreifen und politisch-ethische Orientierung in der Gedenkstättenarbeit des 21. Jahrhunderts« in schöner Klarheit zum Ausdruck brachte. Der dort formulierte Appell, Geschichte und Geschichtsbewusstsein nicht auf die Erinnerung zu reduzieren oder gar das Konzept der Erinnerung für den Königsweg kritischen historischen Lernens zu halten31, geht Geschichtstheoretiker und Gedenkstättenpraktiker gleichermaßen an. Ihm mit den Mitteln einer vernetzenden Forschung gerecht zu werden, die über die empirische Recherche hinaus anschlussfähig an die konzeptionellen Fragen der Zeitgeschichte bleibt, sollte unser gemeinsames Interesse sein.

 

Prof. Dr. Martin Sabrow ist Professor für Neueste und Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam.

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1    Habbo Knoch, Spurensuche: NS-Gedenkstätten als Orte der Zeitgeschichte, in: Frank Bösch/Constantin Goschler (Hg.), Public History. Öffentliche Darstellungen des Nationalsozialismus jenseits der Geschichtswissenschaft, Frankfurt am Main/New York 2009, S. 190–218, hier S. 216.

2    Günter Morsch, Die Bedeutung der kleineren Gedenkstätten für die Erinnerungskultur in der Bundesrepublik Deutschland, in: Detlev Gause/Heino Schomaker (Hg.), Das Gedächtnis des Landes. Engagement von BürgerInnen für eine Kultur des Erinnerns, Hamburg 2001, S. 12–35.

3    »Zu den Kernaufgaben der Gedenkstätte Lager Sandbostel gehört neben der Vermittlung das Sammeln, Bewahren und Forschen zur Geschichte und Nachkriegsgeschichte des Stalag X B. Die Gedenkstätte verfügt dazu über eine Bibliothek und ein Archiv, die auch von Forscherinnen und Forschern genutzt werden können. Auf den links stehenden Unterseiten bieten wir Ihnen einen Einblick in das Archiv, in die Bibliothek und in die Möglichkeiten der Recherche in der Gedenkstätte.« Gedenkstätte Lager Sandbostel, URL: www.stiftung-lager-sandbostel.de/forschung/ (Aufruf: 5. 12. 2016).

4    »Anders als das Mahnmal befindet sich die Gedenkstätte in unmittelbarer Beziehung zum Ort des memorierten historischen Geschehens«. Peter Fibich, Gedenkstätten, Mahnmale und Ehrenfriedhöfe für die Verfolgten des Nationalsozialismus. Ihre landschaftsarchitektonische Gestaltung in Deutschland 1945 bis 1960, S. 6.

5    NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, URL: www.museenkoeln.de/ns-dokumentationszentrum/pages/335.aspx?s=335 (Aufruf: 5. 12. 2016).

6    Jan Philipp Reemtsma, Wozu Gedenkstätten?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (2010), H. 25–26, S. 3–9, hier S. 4.

7    »Die nationalkonservative PiS-Partei fordert ohnehin weniger Beschäftigung mit jüdischen Themen: Jaroslaw Kaczynski fordert schon länger, dass die Erziehung ›nicht mehr auf Scham‹ aufbaut, sondern auf Würde und Stolz. Kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und Gegenwart ist nicht erwünscht, Patriotismus und Nationalismus gefragt. Kulturminister Piotr Glinski forderte kürzlich mehr Kulturprojekte, die die Polen mit Stolz auf ihre Geschichte erfüllen.« Christiane Peitz/Inga Barthels, Berliner Proteste gegen Entlassung am Polnischen Institut. Eine angeblich »übermäßige Beschäftigung mit polnisch-jüdischen Themen« kostet die Institutsleiterin Katarzyna Wielga-Skolimowska nun ihren Job. Berliner Kulturschaffende sind empört, in: Der Tagesspiegel, 8. 12. 2016.

8    Newsletter der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten, Dezember 2016, URL: www.stsg.de/cms/stsg/dezember-2016 (Aufruf: 5. 12. 2016).

9    Die Gedenkstättenförderung des Bundes, URL: www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/BKM/2005-11-02-gedenkstaettenfoerderung-des-bundes.html (Aufruf: 5. 12. 2016). Zur Entwicklung der erst mit dem Einigungsvertrag 1991 einsetzenden Gedenkstättenpolitik des Bundes: Frank König, Die Gestaltung der Vergangenheit. Zeithistorische Orte und Geschichtspolitik im vereinten Deutschland, Marburg 2007, S. 59 ff.; Verena Haug, Am »authentischen Ort«. Paradoxien der Gedenkstättenpädagogik, Berlin 2015, S. 23 ff.

10  Die Bundesregierung, Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters. Organisation, URL: www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/BKM/2010-12-28-amt-und-organisation. (Aufruf: 5. 12. 2016).

11  Die Verschiebung der NS-Vergangenheit seit Anfang der 1990er Jahre vom »Entscheidungsproblem« zum Kommunikationsproblem« erörtert instruktiv: Frank König, Die Zukunft der Vergangenheit. Der Nationalsozialismus im politischen Bewußtsein der Bundesrepublik, Frankfurt am Main 2003, S. 143 ff.

12  Die Bundesregierung, Vom Bund geförderte Gedenkstätten, URL: www.bundesregierung.de/ Content/DE/Artikel/BKM/2005-11-02-vom-bund-gefoerderte-gedenkstaetten.html (Aufruf: 5. 12. 2016).

13  Joachim Gauck, Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag, Rede, 27. 1. 2015, URL: www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2015/01/150127-Bundestag-Gedenken.html (Aufruf: 5. 12. 2016).

14  Volkhard Knigge, Gedenkstätten und Museen, in: ders./Norbert Frei (Hg.), Verbrechen erinnern. Die Auseinandersetzung mit Holocaust und Völkermord, München 2002, S. 378–389, hier S. 383 f.

15  Von der Endphase des Zweiten Weltkrieges an bis 1955 in der sowjetischen Besatzungszone sowie anfänglich auch in den besetzten deutschen Ostgebieten von Sowjetischen Militär-Tribunalen (SMT) verurteilte Zivilisten.

16  Habbo Knoch, »Ferienlager« und »gefoltertes Leben«. Periphere Räume in ehemaligen Konzentrationslagern, in: Gabriele Hammermann/Dirk Riedel (Hg.), Sanierung, Rekonstruktion, Neugestaltung. Zum Umgang mit historischen Bauten in Gedenkstätten, Göttingen 2014, S. 32–49, hier S. 32 f. u. 43.

17  Knoch, Spurensuche, S. 215.

18  Theodor W. Adorno, Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit? in: ders., Gesammelte Schriften, Band 10/2, Kulturkritik und Gesellschaft II, hg. v. Rolf Tiedemann unter Mitwirkung von Gretel Adorno, Susan Buck-Morss und Klaus Schultz, Frankfurt am Main 1977, S. 555–572, hier S. 555.

19  Florian Wenninger, Die Ritualisierung des Gedenkens, in: quart (2008), H. 4, S. 6–8, hier S. 8, URL: www.quart-online.at/pdf/quart_2008_04/q2008_04_06.pdf (Aufruf: 5. 12. 2016).

20  Grenzlandmuseum Eichsfeld in Teistungen, URL: www.museumsverband-thueringen.de/museumsverband/museen/museum/grenzlandmuseum-eichsfeld-in-teistungen.html (Aufruf: 5. 12. 2016).

21  20 Jahre Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn/Haseloff: »Erinnerung braucht Authentizität, 14. 8. 2016, URL: www.bundespresseportal.de/sachsen-anhalt/17-sachsen-anhalt/20-jahre-gedenk-staette-deutscheteilung-marienborn-haseloff-erinnerung-braucht-authentizitaet.html (Aufruf: 5. 12. 2016).

22  Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Baracken 38 und 39, URL: www.ak-brandenburg.de/architekturpreis2003/preis06 (Aufruf: 5. 12. 2016).

23  Stephan Handel, Wohin mit dem Fallbeil?, in Süddeutsche Zeitung, 13. 1. 2014.

24  Insa Eschebach/Andreas Ehresmann, »Zeitschaften«. Zum Umgang mit baulichen Relikten ehemaliger Konzentrationslager, in: Petra Frank/Stefan Hördler (Hg.), Der Nationalsozialismus im Spiegel des öffentlichen Gedächtnisses. Formen der Aufarbeitung und des Gedenkens, Berlin 2005, S. 111–120, hier S. 112.

25  Detlef Garbe, Von der Peripherie in das Zentrum der Geschichtskultur. Tendenzen der Gedenkstättenentwicklung, in: Bernd Faulenbach/Franz-Josef Jelich (Hg.), »Asymmetrisch verflochtene Parallelgeschichte?« Die Geschichte der Bundesrepublik und der DDR in Ausstellungen, Museen und Gedenkstätten, Essen 2005, S. 59–84.

26  Als Beispiel für viele: »Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung. Ein Begleitheft zum historischen Lehrpfad am ehemaligen KZ-Außenlager Walldorf«, betitelte der Magistrat der Stadt Walldorf-Mörfelden eine von ihm im Jahr 2000 herausgegebene Broschüre über die Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen am Flughafen Frankfurt am Main, URL: www.zwangsarbeit-archiv.de/bildung/unterrichtsmaterialien/ h00036/index.html (Aufruf: 5. 12. 2016).

27  Iris Hefets, Pilgerfahrt nach Auschwitz, in: tageszeitung, 15. 3. 2010. Vgl. Dörte Hein, Virtuelles Erinnern, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (2010), H. 25–26, S. 23–29, hier S. 23 f.

28  Hans Günther Hockerts, Zugänge zur Zeitgeschichte: Primärerfahrung, Erinnerungskultur, Geschichtswissenschaft, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (2001), H. 28, S. 15–30, hier S. 30.

29  Bert Pampel, Rezension zu: Christian Gudehus, Dem Gedächtnis zuhören. Erzählungen über NS-Verbrechen und ihre Repräsentation in deutschen Gedenkstätten, Essen 2006, in: H-Soz-Kult, 9. 8. 2006, URL: www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-7773 (Aufruf: 5. 12. 2016).

30  »Das Haus 1 ist in seiner derzeitigen und zu erhaltenden Struktur ein besonderes Symbol für die ›moderne‹ Diktatur der DDR sowie ihre Überwindung in einer ›friedlichen Revolution‹.« Klaus Schroeder u. a., ASTAK-Gutachten 2001, zitiert nach Thomas Moser, Hausbesitzer und Hausbesetzer – Oder: Wem gehört die Stasi-Zentrale?, in: Horch und Guck 42 (2003), S. 44–56, hier S. 49.

31  Volkhard Knigge, 70 Jahre danach. Historisches Begreifen und politisch-ethische Orientierung in der Gedenkstättenarbeit des 21. Jahrhunderts. Vortrags-Ms., im Besitz des Verfassers. Vgl. auch: ders., »Das radikal Böse ist das, was nicht hätte passieren dürfen.« Unannehmbare Geschichte begreifen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (2016), H. 3–4, S. 3–9.