Clemens Heinrichs

Marlene Dietrich in der Gedenkhalle Oberhausen

Gedenkstättenrundbrief Nr. 183 (10/2016) S. 54-55

Marlene Dietrich in der Gedenkhalle Oberhausen
Clemens Heinrichs

Die Gedenkhalle Oberhausen zeigt noch bis zum 11. Dezember 2016 die Ausstellung »Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis.« Wer kennt diese Frau nicht als laszive Lola aus dem Filmklassiker »Der blaue Engel«? Wer hat nicht schon von den berühmten langen Beinen der Dietrich gehört? Und wer hat sie nicht schon einmal singen hören »Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt« oder »Sag mir, wo die Blumen sind«? Marlene Dietrich: Sexsymbol und (Groß-) Mutter, Schauspielerin und Sängerin, Ehefrau und Geliebte, Kunstfigur und Stilikone, Weltstar und Diva – es verbinden sich viele schillernde Bilder mit ihr.

Unabhängig davon war für Marlene Dietrich ihr spannungsreiches Verhältnis zu Deutschland von besonderer, persönlicher Bedeutung. So ging sie zwar noch vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten nach Hollywood, ließ sich aber auf keine Zusammenarbeit mit den Nazis ein und half stattdessen deutschen Flüchtlingen im Exil. 1939 wurde sie US-amerikanische Staatsbürgerin und unterstützte den Kriegseinsatz gegen Nazi-Deutschland aktiv. Ein Fakt, der ihr bei ihrer Deutschlandtournee 1960 von Teilen der deutschen Öffentlichkeit vorgeworfen wurde. Zur gleichen Zeit feierte man sie in Israel gerade für diese Haltung. Nach 1960 kehrte Marlene Dietrich nur noch selten nach Deutschland zurück. Erst mit ihrem Tode 1992 kam sie wieder in ihre alte Heimat Berlin, in der sie 1901 als Marie Magdalene Dietrich zur Welt gekommen war und sich so früh wie eigensinnig in »Marlene« umbenannt hatte. Ihr Grab gehört zu den Ehrengräbern Berlins.

Die Oberhausener Wechselausstellung ist eine Eigenproduktion und geht der komplexen Beziehung zwischen Marlene Dietrich und Deutschland nach. Im Lauf von fast 60 Lebensjahren lässt sich ein roter Faden nachzeichnen, der bislang noch nicht in dieser Ausführlichkeit erzählt wurde. Neben vielen Fotografien aus ihrem Leben zeigen zahlreiche Dokumente und weitgehend unbekannte Filmsequenzen auf eindrucksvolle Weise, für welche Haltung Marlene Dietrich unbeirrt über ihr gesamtes Leben hinweg stand, ohne dabei die jeweiligen zeitbedingten Umstände aus den Augen zu verlieren.

Die Ausstellung konnte nur dank der umfassenden Unterstützung durch die Marlene Dietrich Collection Berlin realisiert werden. Seit 1993 der gesamte Nachlass dieser Künstlerin von Weltruf von der Stadt Berlin gekauft wurde, werden mehr als 300 000 einzelne Stücke – vom Zigarettenetui über Pelze und Möbel bis hin zu Fotografien und ihrer Korrespondenz – in der Marlene Dietrich Collection der Deutschen Kinemathek fachwissenschaftlich erschlossen und konservatorisch gesichert. Insbesondere der schriftliche und fotografische Nachlass von Marlene Dietrich spielte für die Entwicklung der Ausstellung der Gedenkhalle eine zentrale Rolle. So konnten aus den originalen Zeugnissen die werthaltigen Positionen des Weltstars mit deutschen Wurzeln herausgefiltert werden.

Dr. Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek Berlin, äußerte zu der Kooperation, man habe das Oberhausener Projekt mit Freude unterstützt, da es sich auf eine auch für das eigene Haus ganz wesentliche und vielleicht nicht genügend bekannte Seite Marlene Dietrichs, nämlich ihre politische Haltung und ihre Resistenz gegenüber allen Offerten der Nationalsozialisten, konzentriere. Die Ausstellung trage dazu bei, diesen Aspekt einer breiteren Öffentlichkeit bewusst zu machen.

 

Clemens Heinrichs ist Leiter der Gedenkhalle Oberhausen.

 

Begleitprogramm: Die Ausstellung läuft noch bis zum 11. Dezember 2016. Weitere Hinweise zum Begleitprogramm sind zu finden unter: www.gedenkhalle-oberhausen.de

 

Gedenkhalle Oberhausen, Konrad-Adenauer-Straße 46, 46049 Oberhausen

Ausstellungsdauer: 12. 6. 2016 – 11. 12. 2016. Eintritt frei. Di–So 11–18 Uhr

www.gedenkhalle-oberhausen.de | Telefon 0208 6070531-11

 

Zum Katalog: Zur Wechselausstellung »Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis.« ist das gleichnamige Katalogbuch mit zahlreichen Abbildungen erschienen. Neben den beiden Kuratoren Clemens Heinrichs und Sophie Koch geben Filmhistoriker, eine Medienwissenschaftlerin und die Archivarin der Marlene Dietrich Collection Berlin einen umfangreichen Einblick in das Leben der Diva mit Haltung. Der Katalog zeigt außerdem bislang unveröffentlichte Fotografien aus der Zeit der Truppenbetreuung Marlene Dietrichs.

Stadt Oberhausen (Hg.): Katalogbuch »Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis.«, -Oberhausen 2016. ISBN: 978-3-87468-345-6. 129 Seiten, gebunden, mit zahlreichen Abbildungen.