Nachwirkungen eines Konzentrationslagers
Gedenkstättenrundbrief 159 S. 21-27Die zweite neue Dauerausstellung in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg
Diese Resonanz hat die Verantwortlichen der Gedenkstätte bestätigt, den Weg gestalterisch-museologischer Innovation konsequent weiter zu verfolgen. Drei Jahre später präsentiert die Gedenkstätte nun ihre zweite große Dauerausstellung im Gebäude der ehemaligen Häftlingsküche. Unter dem Titel »was bleibt – Nachwirkungen des Konzentrationslagers Flossenbürg« widmet sich diese Schau den sechs Jahrzehnten nach 1945.
Die neue Ausstellung dokumentiert keine Erfolgsbilanz deutscher Erinnerungskultur. Sie zeigt im Gegenteil die vielfachen Brüche im Umgang mit dem Erbe eines Konzentrationslagers: mit seinen baulichen Relikten, mit den justitiellen Konsequenzen, mit den symbolischen Bedeutungen und vor allem auch mit seinem konkreten humanitären Vermächtnis. Die Ausstellung ist der Versuch, die komplexe Rezeptions- und Erinnerungsgeschichte eines Lagers während der letzten sechs Jahrzehnte zu dokumentieren. Die teils widersprüchlichen Nachwirkungen des Konzentrationslagers Flossenbürg werden dabei in die Zeitgeschichte vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute eingebettet. »was bleibt« beschreibt die Nachwirkungen des KZ Flossenbürg als eine Beispielsgeschichte deutscher, präziser west-deutscher Erinnerungskultur – mit einer charakteristischen bayerischen Note.
Es war das erklärte Ziel des wissenschaftlichen Teams und der Gestalter des Büros Berton.Schwarz.Frey, einen genuinen Beitrag zu aktuellen Ausstellungsformen in KZ-Gedenkstätten zu formulieren. Die Ausstellung arbeitet exemplarisch und pointiert, sowohl inhaltlich wie gestalterisch. Sie spitzt bewusst zu und setzt auf intensive Kommunikation mit den Besuchern.
Was bleibt von einem ehemaligen Konzentrationslager?
»Was bleibt?«, diese Frage hat sich das Ausstellungsteam in den letzten zwei Jahren immer wieder gestellt. Welche Spuren bleiben von einem Tatort tausendfachen Mordens? Wie erinnerte man sich der Taten? Wie gedachte man der Toten? Wer erinnerte sich an die Opfer? Was passierte mit den Tätern? Und vor allem: wie lebten die ehemaligen Häftlinge nach der Befreiung mit der schrecklichen Erfahrung der KZ-Haft weiter?
Die Nachgeschichte des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg eignet sich wie keine zweite, Antworten auf diese Fragen zu finden. Denn Flossenbürg ist der Prototyp des »vergessenen Lagers« schlechthin. »Ich habe von Auschwitz gehört und von Dachau, aber noch nie von Flossenbürg«, so die Aussage einer jungen Passantin, als sie nach Flossenbürg gefragt wurde.
Am Beispiel der Rezeptionsgeschichte des Konzentrationslagers Flossenbürg lässt sich exemplarisch und erschreckend zeigen, wie sich Bilder von Geschichte formen und verformen, wie sich die Dimension und Dramatik von Geschehenem fast bis zur Unkenntlichkeit weichzeichnen und modulieren lassen. Die Bekanntheit der jeweiligen Konzentrationslager, das Wissen um die dort begangenen Verbrechen, leitet sich nicht von der historischen Bedeutung der jeweiligen Lager ab. Salomon Korn hat immer wieder betont, dass für die Erinnerung im öffentlichen Raum weniger die Ergebnisse historischer Forschung als vielmehr die öffentliche Darstellung, Vergegenwärtigung, Symbolisierung und Inszenierung des Vergangenen maßgebend sind.1
Die Ausstellung »was bleibt« macht sich auf die Suche nach den konkreten und symbolischen Folgen eines Konzentrationslagers. Sie zeigt anhand der vier Leitfragen nach den Tätern, nach den Überlebenden, nach dem Ort und nach der Erinnerung an das Konzentrationslager die Entstehung und Veränderung von Geschichtsbildern. Diese vier Leitfragen sind konsequent in die Chronologie der deutschen Zeitgeschichte der letzten 65 Jahre eingeordnet. Die inhaltliche Chronologie ist in sieben Perioden gegliedert, die aufgrund übergeordneter zeitgeschichtlicher Zäsuren und konkreter rezeptionsgeschichtlicher Ereignisse definiert und begrifflich bewusst zugespitzt wurden. Dadurch wird der kontextuelle geschichtspolitische und gesellschaftliche Rahmen in dem sich Erinnern und Vergessen formen, stets sichtbar. Konkret verbindet sich damit die erkenntnistheoretische Fragestellung, wie viel Erinnerung zu welcher Zeit möglich war, oder anders formuliert, wie viel Vergessen und Verdrängen beabsichtigt war. So weist die Nachgeschichte dieses Konzentrationslagers weit über Flossenbürg hinaus und steht stellvertretend für viele andere Orte.
Vier Leitthemen, sieben Zeitperioden – Zum Inhalt der Ausstellung
Täter Hunderte von Tätern waren für die Verbrechen im KZ Flossenbürg und den Außenlagern verantwortlich. Viele wurden nach Kriegsende zunächst verhaftet. Angeklagt und verurteilt wurden aber nur wenige. Wie ahndeten die alliierten Befreier und die deutsche Justiz diese Verbrechen? Wer unterstützte, wer verhinderte die Verfolgung der Schuldigen? Wie veränderte sich das gesellschaftliche Verständnis von Schuld und Verantwortung?
In allen Besatzungszonen finden juristische Verfahren wie der Dachauer Flossenbürg-Prozess gegen KZ-Wachmannschaften und Funktionshäftlinge statt. Die Verfolgung der Täter stößt aber schon bald nach Kriegsende auf Proteste. In der Bundesrepublik werden alliierte Gerichte als »Siegerjustiz« diffamiert, ein Schlussstrich gefordert. Die DDR lanciert Kampagnen gegen die teils zutreffende, teils behauptete Verstrickung der bundesdeutschen Eliten in das NS-System. Dadurch lenkt sie den Blick auf die Schreibtischtäter, die in Wirtschaft, Justiz und Verwaltung maßgeblich an Verbrechen beteiligt waren. 1958 beginnt die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen mit Ermittlungen zu nationalsozialistischen Verbrechen. Sie leistet grundlegende Aufklärungsarbeit, unter anderem zu Verbrechen im KZ Flossenbürg und seinen Außenlagern. Allerdings führen ihre Erkenntnisse nur in seltenen Fällen zur Bestrafung von Tätern So ist es wenig erstaunlich, dass lange Zeit und an vielen Orten Persönlichkeiten gewürdigt werden, die an der Ausbeutung von KZ-Häftlingen teils maßgeblich beteiligt waren. In den 80er Jahren erweitern vor allem lokalhistorische Forschungen das Täterbild. Sie untersuchen die Rolle derjenigen, die von der Ausbeutung der Häftlinge profitiert haben, vor allem große Unternehmen. Die Androhung von Klagen sowie eine breite gesellschaftliche Diskussion führen schließlich dazu, dass die deutsche Wirtschaft Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter leistet. Daneben sorgen Prozesse wie der gegen den ukrainischen Wachmann Iwan Demjanjuk für anhaltende Debatten um die Definition von Schuld und den Sinn und die Legitimität später justitieller Ahndung von NS-Verbrechen.
Überlebende Ganz anders die Situation für die Überlebenden der Konzentrationslager. Die meisten standen nach ihrer Befreiung vor dem Nichts, viele kämpften zeitlebens mit den Folgen der Haft. Wie verarbeiteten diese Menschen Trauer und Verlust? Wo und wie konnten sie ein neues Leben beginnen? Mit welchen Schwierigkeiten waren sie konfrontiert? Was bewegt viele von ihnen bis heute dazu, von ihrem Schicksal Zeugnis abzulegen?
Unmittelbar nach der Befreiung stand die Suche nach Angehörigen im Vordergrund. Den Überlebenden der Konzentrationslager kommt der ungeheure Verlust zu Bewusstsein, der mit Verfolgung und Haft verbunden war. Zwischen Rettung und neuem Leben müssen viele im Land der Täter ausharren, bevor sie einen Neuanfang in der alten Heimat oder in einem neuen Leben wagen können. Die Verfolgung während des Nationalsozialismus, die Erlebnisse der Lagerhaft begleiten sie weiter. Um Unterstützung und Entschädigung muss vielfach gestritten werden. Gesellschaftliche Anerkennung wird nur ausgewählten Gruppen von Überlebenden zuteil, viele Gruppen kämpfen aktiv um ihre Rehabilitation. Der Bezug zur ehemaligen Haftort in Flossenbürg wird zunächst nur von wenigen Verbänden ehemaliger Häftlinge gepflegt, beispielsweise von der französischen Association de Flossenbürg. Der 50. Jahrestag der Befreiung 1995 ist für viele ehemalige Häftlinge des KZ Flossenbürg eine Zäsur. Als Zeitzeugen werden sie nun essentiell für die Arbeit der Gedenkstätte. Auch die Generation ihrer Kinder wird immer mehr in diese Auseinandersetzung einbezogen.
Erinnerung Jahrzehntelang war Totenehrung die einzige Form der Erinnerung an die Opfer des Lagers. Trotz zahlreicher Denkmäler und Erinnerungszeichen geriet das KZ Flossenbürg für lange Zeit in Vergessenheit. Wer erinnerte an die Verbrechen und an die Opfer? Welche Geschichtsbilder bestimmten die Erinnerung? Wie veränderten sich die Formen des Gedenkens?
Gräber, Leichen und völlig ausgemergelte Menschen prägen die Wahrnehmung Befreier der Konzentrationslager. Die ersten Formen der Erinnerung an die Opfer sind daher Akte der Totenehrung. Die amerikanischen Einheiten lassen die aufgefundenen Leichname von der örtlichen Bevölkerung in würdigem Rahmen bestatten. Die Überreste der Lager spielen in diesen frühen Gedenkformen kaum eine Rolle. Nur das Krematorium wird als Denkmal betrachtet. Es ist der Ort massenhafter Leichenbeseitigung und erhält den Stellenwert eines stellvertretenden Grabmals. Für eine erste Gedenkstätte lässt ein Denkmalkomitee aus den Steinen von Wachtürmen eine Kapelle errichten. Die Erinnerung an die Opfer wird dort ausschließlich christlich interpretiert. Das gilt auch für viele KZ-Gräber in Bayern an Orten ehemaliger Außenlager und der Todesmärsche. Die zuständige staatliche Schlösserverwaltung überführt die Opfer der Todesmärsche Ende der 1950er Jahre auf einen eigens errichteten Friedhof in der Gedenkstätte Flossenbürg. Dort werden die Toten zwar geehrt, über die Hintergründe ihres gewaltsamen Sterbens herrscht aber buchstäblich Friedhofsruhe. Die Erinnerung an die Opfer des KZ Flossenbürg wird von wenigen Gruppen getragen und organisiert. Ab den 1950er Jahren besuchen vermehrt Gruppen aus dem Inland Flossenbürg, um an berühmte Vertreter der Widerstandsgruppe des 20. Juli zu erinnern, vor allem an Wilhelm Canaris und Dietrich Bonhoeffer. Mitte der 1970er Jahre setzt eine breitere gesellschaftliche Debatte über das vergessene KZ Flossenbürg ein. Verschiedene gesellschaftliche und politische Gruppen kritisieren den verharmlosenden Parkcharakter der Gedenkstätte. Sie verbinden Erinnern und Gedenken nun mit der Forderung nach Lernen und Information am historischen Ort – nicht nur in Flossenbürg selbst, sondern auch an den bis dahin weitgehend unbekannten Orten der Außenlager. Erst seit dem 50. Jahrestag der Befreiung wird das Konzentrationslager Flossenbürg als europäischer Erinnerungsort wiederentdeckt.
Ort Das Areal des ehemaligen KZ Flossenbürg wurde seit 1945 für unterschiedliche Zwecke genutzt. Neben Gewerbeflächen und einer Wohnsiedlung nimmt die Gedenkstätte heute nur einen kleinen Teil des früheren Lagergeländes ein. Vom historischen Ort selbst sind nur wenige Überreste vorhanden. Welche Spuren des Lagers wurden erhalten, welche getilgt? Wer war dafür verantwortlich? Was ist in den über 60 Jahren seit der Befreiung mit dem Gelände geschehen?
Mit der Ankunft amerikanischer Einheiten hört das KZ Flossenbürg auf zu existieren. Die baulichen Überreste des Konzentrationslagers verlieren ihre ursprüngliche Bestimmung. Was bleibt, ist ein riesiges Gelände. Auf ihm befinden sich Häftlingsbaracken, SS-Gebäude, Hinrichtungsstätten, ein Krematorium, Halden mit Asche und menschlichen Überresten. Diesen Tatort dokumentieren die Befreier filmisch und fotografisch. Der größte Teil des Geländes wird schon unmittelbar nach der Auflösung des Konzentrationslagers pragmatisch weiter verwendet. Die Baracken dienen der US-Militärverwaltung, dem Landkreis und der Kommune zunächst als Unterkunft für Kriegsgefangene, Heimatlose und Vertriebene. Gleichzeitig findet eine gezielte Aneignung statt mit dem Ziel, das »Gedächtnis des Ortes« und damit die Erinnerung an die Verbrechen zu tilgen. Ende der 1950er Jahre errichtet die Gemeinde auf den Fundamenten der Baracken eine Siedlung mit Eigenheimen. Der Freistaat Bayern erklärt den ehemaligen Appellplatz zum Gewerbegebiet. In der Lagerwäscherei und der Häftlingsküche produzieren verschiedene Firmen Industriegüter. Die wenigen baulichen Reste des Lagers fallen in den Folgejahren der aktiven Vernachlässigung anheim. Die staatliche Gedenkstättenverwaltung leistet dieser Einhegung des historischen Ortes mit der Umwandlung in einen parkähnlichen Friedhof bewusst Vorschub. Erst seit 1998 werden bauliche Überreste des Lagers konsequent in die Gestaltung der Gedenkstätte einbezogen. Der heutige Ort des ehemaligen Konzentrationslagers trägt die Spuren all dieser Nutzungen und Umformungen in sich. In ihnen zeigt sich die jeweilige Haltung der Verantwortlichen im Umgang mit dem Erbe des Konzentrationslagers nach 1945.
Das Gestaltungskonzept – Bewusster Bruch mit den klassischen Wahrnehmungs-mustern
Der Entwurf des Berliner/Ulmer Ausstellungsbüros Bertron.Schwarz.Frey um Professor Ulrich Schwarz von der Universität der Künste Berlin sucht neue Wege der Vermittlung von Geschichte und verlässt dabei den bestehenden Formenkanon konventioneller zeithistorischer Präsentationen. Die Ausstellung ist wie ein klassisches Drama gegliedert, die Hauptausstellung ist in einen Prolog und in einen Epilog eingebettet.
Im Prolog des Foyers deutet eine raumgreifende Medieninstallation mit Zitaten von Besuchern der Gedenkstätte und Bewohnern der Region die Vielschichtigkeit des Ausstellungsthemas an. Sie konfrontiert die Ausstellungsbesucher mit aktuellen Statements und setzt erste Akzente auf die Gegenwart des Themas und »das Heute« der Besucher.
Der Ausstellungsraum des folgenden Hauptteils wird von zwei innenarchitektonischen Strukturelementen bestimmt. Zum einen von einer fast 20 m langen Medienwand, die die Längsachse des Raumes füllt. Zum zweiten von quer dazu stehenden Vitrinen über denen Hörglocken angebracht sind. Die Medienwand mit 25 Monitoren gliedert die Ausstellungsfläche nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich als chronologischer Rahmen. Jede Vitrine ist in das Raster aus thematischer und zeitlicher Gliederung eingepasst. Anhand überraschender, bisweilen irritierender, Leitobjekte werden die Themen beispielhaft vertieft.
Die Monitore zeigen in diesem thematisch-chronologischen Raster ebenfalls exemplarische Ereignisse und Themen, die mit der Rezeption der Konzentrationslager und speziell mit Flossenbürg verbunden sind. Darüber hinaus stellen sie mit in fester Folge eingeblendeten Texten und Bildern den zeitgeschichtlichen Kontext dieser Rezeptionsgeschichte her. Das Konzept bricht bewusst mit klassischen Wahrnehmungsmustern. Die in den Vitrinen präsentierten Objekte sind mit kommentierenden Audio-Elementen kombiniert, die 25 Monitore bleiben hingegen stumm. Medienwand und Vitrinen bilden zusammen ein Koordinatensystem, in dem sich der Besucher frei im Raum bewegen kann. Zwar werden in jeder Zeitebene alle vier Leitfragen – Täter, Überlebende, Erinnerung und Ort – nacheinander und gleichwertig betrachtet. In welcher Reihenfolge der Besucher die Vitrinen jedoch besichtigt, entscheidet dieser selbst. So können sich die Besucher entweder entlang der einzelnen Themenachsen durch die letzten 65 Jahre Rezeptionsgeschichte bewegen. Es ist aber auch möglich, sich alle vier Leitfragen Periode für Periode zu erschließen.
An Stelle eines strikten Nacheinander steht ein strukturelles Nebeneinander, das Bezüge erkennen und Schlüsse ziehen lässt. Die Wissensaneignung leistet der Besucher autonom. Eine Reihenfolge ist nicht vorgegeben. Die strukturelle Anordnung der einzelnen Ausstellungselemente – Vitrinen, Hörstationen und synchronoptische Medienwand – bietet jedoch jederzeit, an jeder Stelle, eine zeitliche und thematische Orientierung und Zuordnung. Dieser neue Ansatz begreift das Denken als offenes System, mit dem Ziel, Erkenntnis durch die Lesbarkeit von Zusammenhängen zu erreichen.
Am Ende, dem Epilog, gibt die Ausstellung den Blick frei auf den ehemaligen Appellplatz, das Zentrum des Häftlingslagers. Der Besucher befindet sich wieder in der Jetzt-Zeit, der heutigen KZ-Gedenkstätte. Diese Konfrontation bietet Raum zur Reflexion und fordert die Besucher auf, ihre eigenen Eindrücke zu dem »was bleibt« zu formulieren und auf einer Art Pinwand als Statement für alle sichtbar zu hinterlassen.
»Was bleibt« als Aggregatzustand
Die Ausstellung »was bleibt – Nachwirkungen des Konzentrationslagers Flossenbürg« zeichnet sich, wie könnte es auch anders sein, durch eine kritische Grundhaltung aus. Präziser, durch eine zeithistorisch analytisch-kritische, jedoch durch keine anklagende oder gar moralisierende. In ihrer inhaltlichen wie ästhetischen Umsetzung ist die neue Ausstellung bisher einzigartig in der Landschaft deutscher Erinnerungsorte. Die Kuratoren und die Gestalter wollten mit diesem Konzept bewusst die Grenzen bisheriger zeithistorischer Präsentationsformen überschreiten. Nicht um der Innovation und Provokation, sondern um der Erkenntnis-Willen. Aber auch, um einen Beitrag zur vermeintlichen »Erstarrung« der deutschen Erinnerungskultur und der museologischen Kanonisierung von NS-Ausstellungen zu formulieren. Insofern spiegelt die Ausstellung »was bleibt« sehr bewusst den Aggregatzustand der deutschen Erinnerungskultur und der Einrichtungen, die sich mit ihr beschäftigen, wider.
Dr. Jörg Skriebeleit (geb. 1968), Studium der Empirischen Kulturwissenschaft/Europäischen Ethnologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und der Humboldt Universität Berlin, Promotion am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin.Seit 1999 Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Dort verantwortlich für die grundlegende Neukonzeption dieses Erinnerungsortes und leitender Kurator aller neuen Ausstellungen.
1 Salomon Korn, Brüchige Erinnerung, FR vom 24. Januar 1998.


