Ludwig Eiber

Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Dachau

Gedenkstättenrundbrief 114 S. 14-22

Am 2. Mai 2003, wenige Tage nach dem Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau (29. April 1945) wurde der letzte Abschnitt der neuen Dauerausstellung in der KZ-Gedenkstätte Dachau durch den bayrischen Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber eröffnet. Damit ist das Projekt der Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte vorläufig abgeschlossen.

Von den ersten Schritten bis dahin hat es neun Jahre gedauert. Für die Neugestaltung der Gedenkstätte hatte ein vom Kultusministerium 1994 einberufener wissenschaftlicher Fachbeirat unter Leitung von Professor Dr. Wolfgang Benz 1995 ein Rahmenkonzept vorgelegt. Über die Ziele der Neugestaltung heißt es darin:

»Die emotionale Wirkung des authentischen Ortes muss über die selbstverständliche Erhaltung und Pflege der historischen Substanz des Geländes und der originalen Gebäude hinaus durch zeitgemäße kognitive Angebote ergänzt werden. Dazu gehören in erster Linie Ausstellungen von Dokumenten, Sachzeugnissen, Kunstwerken, ferner audiovisuelle Medien, die didaktische Begleitung des Besuchers und die Möglichkeit zu individueller und gruppenweiser Vertiefung der Eindrücke«1.

Der Fachbeirat empfahl darüber hinaus:

 

• Der Zugang der Besucher müsse künftig von der Westseite durch das Jourhaus (Torhaus und Dienstgebäude der SS, hergeleitet von Jourdienst = Tagesdienst) wie früher die Häftlinge das Lager betraten, ermöglicht werden. 

 

• Die Einbeziehung bisher nicht genutzter Gebäude wie Jourhaus, Bunker (Arrestgebäude), Westflügel des Wirtschaftsgebäudes und der Baracke B.

• Die Unterbringung der neuen historische Ausstellung im Wirtschaftsgebäude des KZ.

• Den Aufbau einer Kunstausstellung und eines Sonderausstellungsraums im gleichen Gebäude.

• Teilausstellungen sollten im Jourhaus, Bunker, Krematorium, Baracke B (Thema: Häftlinge), gezeigt und eine Überarbeitung der rekonstruierten Einrichtungen in der Baracke A umgesetzt werden.

• Die Sichtbarmachung des Ortes durch Informationstafeln.

• Den Verzicht auf Rekonstruktionen und Inszenierungen.

Besonderes Gewicht sei zu legen auf «biographische Dokumente und Äußerungen von Zeitzeugen«2.

Nach der Bereitstellung der ersten Mittel begann im Herbst 1997 die eigentliche Arbeit. Grundlage der Neugestaltung waren diese Empfehlungen.

An der Ausführung der Neugestaltung waren mehrere Institutionen und Verbände beteiligt: Die Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit (Leiter Dr. Michael Rupp, Fachreferent Dr. Zdenek Zofka), der Ende 1997 die KZ-Gedenkstätte Dachau unterstellt wurde, war zentral verantwortlich für die Neugestaltung. Die KZ-Gedenkstätte Dachau (Leiterin Dr. h.c. Barbara Distel, wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Gabriele Hammermann) war als eigentliche Auftraggeberin intensiv in die Erarbeitung der Ausstellungen einbezogen. Die baulichen Maßnahmen zur Sanierung, Restaurierung und Sicherung der Gebäude, für die 4,8 Mio. Euro bereitgestellt wurden (zur Hälfte Bundesmittel), führte das Hochbauamt Freising (Leiter Ernst Baumann, Fachreferent Wolfgang Vogl) durch. Der Entscheidung über die baulichen Maßnahmen, die Präsentation und Nutzung der Gebäude und Räume gingen intensive bauhistorische Untersuchungen voran (ausgeführt durch den Architekturhistoriker Axel Will und den Kirchenmaler und Restaurator Hans Mayrhofer). Sie dokumentierten die historische Substanz und spätere Veränderungen.3

Mit der Konzeption und Erarbeitung der neuen Ausstellungen wurde das Haus der Bayerischen Geschichte in Augsburg (Direktor Prof. Dr. Claus Grimm, Projektleitung: Dr. Manfred Treml bzw. Prof. Grimm und Dr. Ludwig Eiber, wissenschaftliche Mitarbeiter: Dr. Christoph Henzler, Christian Schölzel und Micha Neher, Thomas Felsenstein; Gestaltung: Fritz Armbruster) beauftragt. Für die Ausstellungen wurden schließlich 2,2 Mio. Euro (die Hälfte Bundeszuschuss) bereitgestellt.

Als Gestalter wurde zunächst Johannes Segieth ausgewählt, ein erfahrener Gestalter von Kunst- und kunsthistorischen Ausstellungen. Er hatte schon die erste Ausstellung 1965 eingerichtet und gestaltete die im Januar 2000 eröffnete Teil-Ausstellung im Bunker.

Im Jahr 2001 wurden das Architektenbüro Kleineberg & Partner und das Grafikbüro Hinz & Kunst, beide aus Braunschweig, mit der weiteren Gestaltung beauftragt. Das Team hatte bereits die Neugestaltung der Gedenkstätte Buchenwald ausgeführt.

Der 1998 wieder einberufene wissenschaftliche Fachbeirat (Vorsitz: Prof. Dr. Wolfgang Benz, Mitglieder u.a. die Professoren Karl Filser, Hans Günter Hockerts, Winfried Nerdinger, Chaim Schatzker sowie Dr. Stefanie Endlich, Dr. Detlef Garbe, Dr. Jürgen Zarusky ) war für die Begleitung des Projekts um weitere Mitglieder verstärkt worden. Das Internationale Dachau-Komitee (CID) stellte drei Mitglieder des Beirats (Dr. h.c. Max Mannheimer, Albert Theis, Dr. Stanislav Zámecník). Ohne Abstimmung mit dem CID durften entsprechend einem Vertrag mit dem Freistaat Bayern aus dem Jahr 1966 keine Veränderungen in der Gedenkstätte vorgenommen werden.

Die inhaltliche Erarbeitung der Ausstellung erfolgte durch Mitarbeiter des Hauses der Bayerischen Geschichte und der Gedenkstätte sowie durch Dr. Zámecník, der als ehemaliger Häftling, Historiker und Verfasser der ersten wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Dachau-Monographie und Beauftragter des CID eine besondere Rolle einnahm.

Parallel zu den Recherchen für die neuen Ausstellungen erfolgten die bauhistorischen Untersuchungen und erste bauliche Maßnahmen:

• Nach intensiven Diskussionen verständigte man sich darauf, die neue historische Ausstellung mit Durchgangsrichtung von West nach Ost anzulegen. Damit lag der Eingang dem künftigen Zugang in die Gedenkstätte durch das Jourhaus benachbart und die Besucher konnten dem Weg der Häftlinge bei der Einlieferung folgen.

• Das Kolloquium »Räume – Medien – Pädagogik«4 1998 diskutierte unter anderem den Umgang mit den US-amerikanischen Wandfassungen und Installationen im Jourhaus, Bunker und Wirtschaftsgebäude im Westflügel.

• Die bauliche Sanierung des Jourhauses 1999, aus baupolizeilichen Gründen ohne Ausstellung und ohne Zugang für die Besucher, wurde ausgeführt.

• Nach der baulichen Sanierung des Bunkers (Arrestgebäude) wurde einer Teilausstellung im Bunker5 im Januar 2000 eröffnet.

• Die Errichtung erster Informationstafeln auf dem Gelände geschah zur gleichen Zeit.

Um den Besuchern der Gedenkstätte weiterhin den Zugang zum Filmraum zu ermöglichen und zumindest Teile einer Ausstellung anbieten zu können, wurden die baulichen Maßnahmen in den Räumen der historischen Ausstellung in zwei Abschnitte gegliedert. Mit den Sanierungsarbeiten im Bauabschnitt I (Abteilungen: Vorgeschichte bis KZ Dachau 1939–1942) war im Westflügel bereits 1998/99 begonnen worden. Die notwendig gewordene komplizierte Abnahme der mit DDT kontaminierten Wandfassungen der Nachkriegszeit im Westflügel des Wirtschaftsgebäudes hielt den Fortgang der Arbeiten auf. Die intensiven und zum Teil sehr kontroversen Diskussionen im Beirat über das von den Bearbeitern vorgelegte Drehbuch sowie der Wechsel des Ausstellungsgestalters im Jahr 2001 führten zu weiteren Verzögerungen.

Die neue Dauerausstellung wurde in zwei Abschnitten eröffnet:

• Im Mai 2002 konnte der erste Bauabschnitt abgeschlossen und die neue historischen Ausstellung mit den Themen: Eingangsraum, Vorgeschichte, Errichtung KZ Dachau 1933, Häftlinge 1933–1939, SS 1933–1939, KZ Dachau 1939–1942) eröffnet werden. Schubraum und Häftlingsbad erhielten als historisch bedeutsame Räume eine eigene ortsbezogene Ausstellung.

• Im Mai 2003 folgte die abschließende Eröffnung der Dauerausstellung mit den Themen KZ Dachau 1942–1945, Häftlinge 1942–1945, Außenlager und Außenkommandos, Medizinische Versuche – Mord – Widerstand, Befreiung, Nachkriegsgeschichte. Hinzu kamen der neu gestalteter Raum für die Objekte des Gedenkens, ein Sonderausstellungsraum und die Teilausstellung im Krematorium.

• Auf dem Gelände wurden zeitgleich weitere Informationstafeln an insgesamt 19 Standorten angebracht.

Mit einem Katalog, der sich in Vorbereitung befindet, wird das Projekt der Neugestaltung abgeschlossen werden.

 

Konzeptionelle Grundüberlegungen

Bei Errichtung der Gedenkstätte in den 60er Jahren hatten die ästhetische Neubestimmung des Ortes als Stätte des religiösen Gedenkens und der Trauer im Vordergrund gestanden. Die Information beschränkte sich auf den Bereich des Museums. Heute stehen die Erforschung, Spurensuche, Freilegung und Präsentation der historischen Substanz, d.h. das Bewahren und Sichtbarmachen im Zentrum. Dies gilt insbesondere für die erhaltenen historisch bedeutsamen Gebäude des ehemaligen Konzentrationslagers wie Jourhaus, Wachtürme, Wirtschaftsgebäude, Bunker und Krematorium. Der historische Ort besitzt die Priorität. Das gilt auch für Gebäude wie Desinfektion, Gärtnerei und Ereignisorte wie Straf- und Exekutionsstätten, von denen keine Relikte mehr Zeugnis geben; ebenso für Stätten wie Appellplatz oder Lagerstraße. Zentrales Kriterium für die Bewertung eines historischen Ortes ist seine Bedeutung für die Häftlinge, d.h. wie sehr er mit ihrem Leben und Leiden im Lager verbunden ist. Aber auch die in der fünfzigjährigen Geschichte des Gedenkens gewachsenen Traditionen waren zu beachten. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass die Überreste des ehemaligen Konzentrationslagers auch für künftige Generationen erhalten bleiben müssen, d.h. nicht »verbraucht« werden dürfen.

Eine Aufgabe war es, wissenschaftlich abgesicherte Ausstellungen zu schaffen, eine andere, an diesem Ort des Terrors diese dokumentierenden Ausstellungen in historische Räume zu integrieren. Im Gegensatz zu Museen abseits des historischen Ortes oder bei Museumsneubauten am historischen Ort war es hier nur begrenzt möglich mit einem geschlossenen Konzept zu arbeiten. Die unzureichende Aufarbeitung der Geschichte des Ortes und überraschende Ergebnisse der bauhistorischen Untersuchungen erzwangen immer wieder Änderungen. Dieser Prozess der Spurensuche und Entdeckung des historischen Ortes ist bis heute noch nicht abgeschlossen.

 

Praxis der Neugestaltung

Als Leitlinien bei der Durchführung der Neugestaltung galten:

• die Bestandsaufnahme über den historischen Ort: Was hat sich hier ereignet? Was ist noch erhalten, was findet sich noch unter der Erde (Grabungen), was von den sichtbaren Bauten, Räumen, Einrichtungen stammt aus der Zeit des Konzentrationslagers, was wurde verändert, was ist nach 1945 neu errichtet bzw. eingefügt worden?

• das Bewahren der historischen Orte (Krematorium, Bunker etc.) und die Sicherung von Spuren

• das Sichtbarmachen des historischen Ortes dort, wo er durch spätere Maßnahmen verändert wurde (Freilegung vermauerter Türen oder Böden etc.), Abnahme von Übermalungen)

• der Verzicht auf Veränderungen an der historischen Substanz

• sorgfältige Überlegungen, wie Gebäude und Räume zu präsentieren sind

• die Dokumentation der Veränderungen

• die Erläuterung wichtiger Orte auf dem Gelände durch Informationstafeln

• der »Weg der Häftlinge« als Leitlinie für den Weg der Besucher und für die Abfolge der Ausstellung: Zugang über das Jourhaus – Appellplatz – Wirtschaftsgebäude (Westflügel-Schubraum-Häftlingsbad-Häftlingsküche-Wäscherei) – Bunker –Lagerstraße – Krematorium – religiöse Gedenkstätten bzw. Mahnmal

• der Verzicht auf Rekonstruktionen und Inszenierungen

• die Häftlingsbiografien als wichtiges Element der Ausstellung

• die Ausstellungstexte sollen weitgehend zweisprachig – deutsch und englisch – sein, über einen Audioguide und fremdsprachige Kurzführer wird ein Zugang in weiteren Sprachen angeboten werden (dies gilt auch für Ton- und PC-Stationen).

Die Neugestaltung konzentrierte sich auf zwei Bereiche:

• Die Präsentation des historischen Ortes: Die Gebäude, Räume, Stätten des ehemaligen Konzentrationslagers sind die Hauptexponate der Neugestaltung. Ortsbezogene Teilausstellungen finden sich im Bunker, im Krematorium, im Schubraum und im Häftlingsbad, Rauminformationen gibt es in allen historischen Räumen, Informationstafeln erläutern Gebäude und Stätten im Außenbereich.

• Die neue historische Ausstellung: sie erzählt die Geschichte des Konzentrationslagers und vor allem seiner Gefangenen. Sie umfasst insgesamt 132 Themen mit über 1 300 Exponaten auf etwa 2 500 Quadratmetern.

Zu den oben erwähnten Themen kommen hinzu: Ein Raum zur Topografie mit einem neuen Lagermodell. Audiovisuelle Stationen wie PC-Station Vorgeschichte, PC-Station Außenlager mit ausführlichen Informationen zu den Außenlagern und Außenkommandos des KZ Dachau, Videostationen mit Häftlingsberichten (Videostation »Einlieferung«, Videostation »Häftlinge 1942–1945«), PC-Stationen mit Bildern und Filmsequenzen aus der Zeit der Befreiung, Tonstationen mit Häftlingsberichten und zur Musik im Lager, Lesepulte (u.a. zu Presseberichterstattung, Besichtigungen, Gedichte von Häftlingen).

Als Ausstellungsträger hatten die Braunschweiger Gestalter ein System von Rahmen aus T-Profilen mit Ausstellungstafeln sowie »Fahnen« konzipiert. Im Bereich der Krematorien werden die Besucher durch Informationstafeln mit Plänen, historischen Aufnahmen und Erläuterungen über die Geschichte des Ortes informiert. Im Gebäude des Großen Krematoriums (»Baracke X«) – angelegt für den Massenmord mit Gaskammer – finden sich nur Hinweise auf die Funktion der Räume und speziell der Gaskammer, die allerdings entgegen bisherigen Annahmen doch in einigen wenigen Fällen, zur Tötung einer kleine Zahl von Gefangenen, genutzt zu worden sein scheint.

Die Informationstafeln im Außenbereich zeigen historische Aufnahmen und Pläne. Sie weisen auf die Funktion von Gebäuden (Wirtschaftsgebäude, Jourhaus, Bunker, Baracken, Revier, Gärtnerei etc.) hin, erläutern was an bestimmten Stätten (Appellplatz, Lagerstraße, Bunkerhof) geschehen ist oder erläutern den Aufbau der Lagerbegrenzung.

 

Änderungen durch die Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte

Folgende Änderungen sind besonders hervorzuheben:

• Die Grundorientierung der gesamten Darstellung am historischen Ort.

• Der «Weg der Häftlinge» besitzt im Rahmen der Neugestaltung mehrfache Bedeutung:

Die Besucher werden die Gedenkstätte auf dem Weg betreten, den früher die Häftlinge bei der Einlieferung in das Schutzhaftlager nahmen. Die Stationen der Einlieferungsprozedur im Schubraum und im Häftlingsbad werden im Gebäude dokumentiert.

»Weg der Häftlinge« bedeutet, dass der historische Ort, seine Funktion und Bedeutung für die Häftlinge als zentrales Element der Bewertung gewählt werden (Schubraum, Häftlingsbad). Die historischen Orte sind die noch erhaltenen Gebäude (Jourhaus, Wachtürme, Wirtschaftsgebäude, Bunker, Krematorien) sowie Stätten, an denen sich die Abläufe im Lager kristallisierten und verdichteten wie z.B. der Appellplatz, der Bunkerhof, das Krematoriumsgelände. Sie stehen im Zentrum der Neugestaltung. Die historische Ausstellung über die Geschichte des KZ Dachau hat demgegenüber unterstützende Funktion. Sie soll den Zusammenhang dieser historischen Überreste zeigen.

»Weg der Häftlinge« heißt aber auch »Schicksal« der Häftlinge: Ihr Weg in das Lager, ihr Leben im Lager, ihr Leiden, ihr Weg in den Tod oder in die Befreiung. Das Leben der Häftlinge steht im Zentrum der Ausstellung.

In der Ausstellung sind folgende Neuerungen besonders zu beachten:

• Die klare Gliederung in Zeitabschnitte entsprechend den wechselnden Verhältnissen im KZ Dachau (1933, 1934–1939, 1939–1942, 1942–1945)

• Abteilungen und Einzelthemen werden durch kurze Überblickstexte eingeleitet

• Eine ausführliche Dokumentation zur Vorgeschichte, ergänzt um sechs PC-Stationen mit ergänzenden Materialien, unter der Fragestellung: Wie konnte es zur nationalsozialistischen Diktatur kommen?

• Die differenzierte Darstellung der verschiedenen Häftlingsgruppen:

Den bis 1939 dominierenden deutschen politischen (1933–1937) und jüdischen (1938–1939) Häftlingen, als auch den kleineren Gruppen wie Zeugen Jehovas, Emigranten, Homosexuelle, Vorbeugungshäftlinge, sogenannte Arbeitsscheue etc. werden eigene Themen gewidmet.

Ebenso den verschiedenen nationalen Gruppen angefangen von den österreichischen über die tschechischen, polnischen, sowjetischen und jugoslawischen bis hin zu den holländischen, belgischen, luxemburgischen, französischen und italienischen Häftlingen.

• Ein neues Lagermodell, das den Gesamtbereich des Konzentrationslagers Dachau umfasst, ergänzt durch Lagepläne der Pulver- und Munitionsfabrik Dachau 1916 und des KZs 1933, 1938, 1944 sowie einer Luftaufnahme vom 20. April 1945 wird im ehemaligen Büroraum der Häftlingsküche mit Blick auf die Lagerstraße präsentiert.

• SS-Fotomaterial wird als solches gekennzeichnet. Eigene Themen befassen sich mit der NS-Berichterstattung über das Lager.

• Häftlingsberichte erhalten eine zentrale Position. Vor allem in ihnen ist das Geschehen im KZ Dachau festgehalten.

• Häftlingszeichnungen werden als dokumentierendes Bildmaterial eingesetzt. Sie zeigen miterlebte Ereignisse wie Ausführung der Prügelstrafe oder des Pfahlhängens, Porträts von Personen etc. Es sind auf Papier visualisierte Erinnerungen, oft in dokumentarischer Absicht geschaffen.

• Der verstärkte Einsatz audiovisueller Medien.

• Eine stärker argumentative Ausrichtung der inhaltlichen Darstellung. Die emotionale Ansprache wird zurückgenommen.

Ein die Neugestaltung prägender Vorschlag des Beirats konnte allerdings noch nicht umgesetzt werden: Der Zugang in die Gedenkstätte von der Westseite und durch das Jourhaus. Da die Neugestaltung der Historischen Ausstellung auf diesen Zugang ausgerichtet wurde, bereitet die jetzige Situation den Besuchern beträchtliche Orientierungsprobleme. Die Stadt Dachau sah sich, nach ersten Anzeichen von Anliegerprotesten gegen die zunächst geplante neue Zufahrt von der Westseite her, in fünf Jahren nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen. Dass Ministerpräsident Stoiber in seiner Eröffnungsrede auf diesen Umstand hinwies und die Stadt Dachau nachdrücklich aufforderte, das Problem zu lösen, mag Hoffnung geben.

 

1 KZ-Gedenkstätte Dachau. Empfehlungen für eine Neukonzeption, vorgelegt vom wissenschaftlichen Fachbeirat, München 23. 5. 1996, S. 2.

2 Ebd., S. 10.

3 Axel Will, Bauhistorische Untersuchung von Gebäuden in der KZ-Gedenkstätte in Dachau, in: Räume – Medien – Pädagogik. Kolloquium zur Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Dachau, hrsg. v. Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg 1999 (Materialien zur Bayerischen Geschichte und Kultur 6.)

4 Diskussionen und Materialien sind wiedergegeben in: Räume – Medien – Pädagogik, vgl. Anm. 2.

5 Vgl. Gedenkstätten-Rundbrief Nr. 95, Juni 2000.