Christiane Heß und Karsten Wilke

Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager

Gedenkstättenrundbrief 165 (4/2012) S. 31-43

EIN INTERDISZIPLINÄRES FORUM FÜR JUNGE WISSENSCHAFTLERINNEN UND WISSENSCHAFTLER1

Im Jahr 1994 fand in Hamburg erstmals ein »Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager« statt. Im September dieses Jahres wird er zum 18. Mal – diesmal in Bremen – durchgeführt.2 Eine Forschungswerkstatt wird erwachsen. So hätte der Untertitel lauten können. Allerdings geht es in diesem Beitrag nicht um Anekdoten zu Kindheitserfahrungen oder pubertären Ausfällen, als vielmehr um einen kritischen und (selbst)reflektierten Blick auf mehr als siebzehn Jahre Workshopgeschichte.

Der Workshop richtete sich von Beginn an gezielt an fortgeschrittene Studierende und Promovierende. Seitdem beansprucht er als möglichst hierarchiefreier Raum, ein Forum für junge, noch nicht etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu schaffen und ihnen eine Gelegenheit zu bieten, ihre Forschungsprojekte vorzustellen und zu diskutieren. Organisiert wird der Workshop in jährlich wechselnden Konstellationen von einem Vorbereitungsteam, das die Teilnehmenden während der Tagung aus den eigenen Reihen wählen und beauftragen. Charakteristisch war und ist eine zumeist enge Anbindung an eine oder mehrere der an früheren nationalsozialistischen Terror- und Haftorten eingerichteten Gedenkstätten. Inzwischen wurden unter anderem die Gedenkstätten in Dachau, Buchenwald, Bergen-Belsen, Ulm (Oberer Kuhberg), Ebensee, Majdanek, Bełzec, Saarbrücken (Neue Bremm), Hinzert, Natzweiler, Neuengamme, Sachsenhausen, Ravensbrück, Auschwitz-Birkenau und Mauthausen in das Programm einbezogen.

Schon zu einem frühen Zeitpunkt ging der Workshop in seinen Themensetzungen über die eigentliche Geschichte der Konzentrationslager hinaus. Die vielgestaltige Nachnutzung der früheren Lagerorte wurde ebenso in die Fachdiskussionen einbezogen wie die Geschichte dort errichteter Gedenkstätten, die juristische Ahndung der in den Konzentrationslagern begangenen Verbrechen oder die verschiedenen Formen gruppenspezifischer und nationaler Erinnerungskulturen. Charakteristisch war und ist zudem eine (inter-)disziplinäre Vielfalt: Zugriffe über die Geschichts- und Kulturwissenschaft, die Soziologie, die Medienwissenschaft, die Architektur- und Kunstgeschichte, über Musik-, Sport- und Literaturwissenschaft sind in den verschiedenen Beiträgen zu finden.

Der Austausch mit wissenschaftlichem und pädagogischem Fachpersonal bereicherte die Diskussionen nachhaltig und trug auch dazu bei, die ­(museums-)pädagogische Arbeit als Untersuchungsgegenstand zu erschließen.

Der vorliegende Beitrag stellt die wissenschaftsgeschichtliche und organisatorische Entwicklung des »Workshops zur Geschichte der Konzentrationslager« vor. Im Fokus stehen dabei die Arbeitsansätze, die Prozesshaftigkeit und Heterogenität der einzelnen Workshops und ihre Bedeutung sowohl für eine Netzwerkbildung unter jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als auch für die aktuelle Konzentrations­lagerforschung im weiteren Sinne. Hierbei werden zwei Vertiefungen vorgenommen: Erstens sollen präsentierte Themen und Forschungsmethoden vorgestellt werden, zweitens wird beides in den Zusammenhang einer »großen Linie« der NS-Forschung eingeordnet.

Tagungsberichte und -protokolle wie auch die seit dem Jahr 2000 regelmäßig erscheinenden Sammelbände ermöglichen es, einen Längsschnitt durch die in Vorträgen und Diskussionen behandelten Themen zu ziehen. Informationen über die Zeit vor 1999 sind hingegen spärlich gesät und nur selten veröffentlicht. Möglicherweise liegt dies darin begründet, dass die ersten Workshops einen weitaus informelleren Charakter besaßen.3

 

Historisch-politische Paradigmen und wissenschaftstheoretischer Rahmen

Der »Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager« ist ein Phänomen des wiedervereinigten Deutschlands. Ein zentraler Grund für die Konjunktur des Themas »Gedenkstättenarbeit« in den neunziger Jahren – und daran geknüpft auch des Themas KZ-Forschung – ist nach einer Einschätzung Volkhard Knigges neben dem Historisierungspostulat auf Grund des »absehbaren Verlust[s] der Erfahrungsgeneration« die Übernahme der staatlichen »Mahn- und Gedenkstätten« der DDR in die bundesdeutsche Erinnerungslandschaft.4 In den 1990er Jahren entstanden an den verschiedenen Gedenkstätten in Ost- und Westdeutschland neue Forschungsprojekte sowohl zu den jeweiligen Konzentrations- und Vernichtungslagern als auch zur Nachgeschichte dieser Orte. Die neuere KZ-Forschung war also nicht unbedingt an den Universitäten verankert und ihre Teil-Unabhängigkeit vom traditionellen Wissenschaftsbetrieb hat sie sich bis heute ein Stück weit bewahrt. Noch immer sind viele derartiger Forschungsprojekte in den jeweiligen Gedenkstätten angesiedelt und eng an deren Archive sowie deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebunden. Viele Beiträge spiegeln das nicht nur darin, dass sie den Ansatz einer »doppelten Zeitgeschichte« verfolgen, der sowohl die Epoche zwischen 1933 und 1945 in den Blick nimmt als auch eine Historisierung des (erinnerungs-)politischen, geschichtswissenschaftlichen, literarischen oder pädagogischen Umgangs mit dem Nationalsozialismus einfordert.5 Darüber hinaus findet sich häufig auch ein deutsch-deutscher Vergleich. Hans Günter Hockerts spricht in diesem Zusammenhang von einer ineinander verwobenen, aber dennoch deutlich unterscheidbaren »historia tripartita«, die nicht nur die Zeit vor und nach 1945 behandelt, sondern auch die verschiedenen politischen Kontexte von NS-Diktatur, BRD und DDR mit in die Analyse einbezieht.6 Damit lässt sich der Rahmen der Workshops als »dreifache Zeitgeschichte« charakterisieren. Der deutsch-deutsche Vergleich wurde dazu im Verlauf der Jahre um eine internationale Vergleichsperspektive ausgeweitet – ablesbar an den Tagungsorten Ebensee (2003), Lublin (2005), Natzweiler (2006), Oświęcim (2010) und Linz (2011). Mit einer Fachdiskussion zum Thema »Holocaustforschung in Osteuropa« wurden 2004 erstmals gezielt unter anderem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Ungarn, Polen, Tschechien, der Slowakei und Weißrussland eingeladen.7 In Form eines deutsch-französischen Vergleichs wurde die Internationalität im Jahr 2006 im Konzept eines Workshops verankert.8 Seitdem wurden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den europäischen Nachbarländern sowie aus den USA, Kanada und Israel explizit zur Teilnahme aufgefordert,9 Französisch und Englisch als Konferenzsprachen eingeführt und etabliert.10 Der intensive und zum Teil kontrovers geführte Austausch verschiedener nationaler Perspektiven, Forschungsansätze und Herangehensweisen bereicherte den Workshop nachhaltig.

Inhalte und Methodologie

Ein inhaltlicher und methodologischer Rückblick auf die ersten 17 Jahre des »Workshops zur Geschichte der Konzentrationslager« erlaubt den Schluss, dass die Themenwahl mit allgemeinen wissenschaftshistorischen Entwicklungen auf dem Gebiet der NS-Forschung korrespondiert. So wurde einerseits Konjunkturen wie zum Beispiel dem Aufkommen der Täterforschung in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre gefolgt. Andererseits lässt sich feststellen, dass neue und zum Teil ungewöhnliche Themen die Tagungen regelmäßig bereicherten. Zu erwähnen wären hier beispielsweise die Analyse von Gedenkstättenführungen11 oder die Auswertung digitaler Geschichtskarten.12

Erste Tagungsberichte 1996 und 1998 differenzierten bereits zwischen forschungstheoretischen und inhaltlichen Aspekten, eine Schwerpunktsetzung, die bis in die Gegenwart den »Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager« prägt.13 Der Münchner Workshop tagte 1996 am dortigen Institut für Zeitgeschichte und ermöglichte durch die Themensetzung »Lager und Umgebung«, »Arbeitseinsatz und ökonomische Ausbeutung von KZ-Häftlingen« sowie »Häftlingsgesellschaften« einen an der Trias Täter, Opfer und Zuschauer orientierten, multiperspektivischen Zugang, wie ihn Raul Hilberg wenige Jahre zuvor für die Holocaustforschung eingefordert hatte.14 Neben der Ausweitung der Untersuchungsperspektive auf Interdependenzen zwischen den Lagern und ihrer Umwelt spiegeln sich in den Beiträgen weitere wissenschaftshistorische Entwicklungen.15 Dazu gehören die Erschließung neuer Quellen, zum Beispiel aus dem Moskauer Sonderarchiv, und methodologische Reflexionen über den Einsatz von Computerprogrammen bei der Datenverarbeitung oder Diskussionen über das Internet als Forum.16

Zwei Jahre später, 1998 in Hannover, gab es erneut drei thematische Schwerpunkte: Lager, Akteure, Methoden. Im Zentrum standen neben den unterschiedlichen Häftlingsgruppen auch die Forschungsmethoden selbst sowie verschiedene Lagertypen wie zum Beispiel Arbeitserziehungslager oder Zwangsarbeitslager.17 In der Ausweitung des Forschungsinteresses über die Konzentrationslager hinaus spiegelt sich die Auffassung, den Gesamtkomplex der nationalsozialistischen Repressionslager als Entität mit einem vielfältigen Beziehungsgeflecht zu begreifen, wie es bereits 1990 von Gudrun Schwarz angedacht worden war,18 aber erst 15 Jahre später von Wolfgang Benz unter dem Signum »NS-Zwangslager« terminologisch gefasst wurde.19 Somit erscheint der Titel »Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager« nur noch eingeschränkt berechtigt, da andere Lagertypen, beispielsweise Durchgangslager, Vernichtungslager oder auch Ghettos, in den Vorträgen und Diskussionen inzwischen regelmäßig berücksichtigt werden.20 Folgerichtig übernahm der Tagungsband des Workshops des Jahres 2006 den Benz’schen Begriff in den Titel.21 In diesem Zusammenhang fällt auf, dass seit einigen Jahren auch Repressionslager im Rahmen des Workshops thematisiert werden, die nicht von deutschen Institutionen eingerichtet wurden, sondern zum Beispiel von der Regierung der Dritten Französischen Republik22 oder dem Vichy-Regime.23 Im Jahr 2004 standen in Blaubeuren unter anderem die so genannten »Frühen Lager«, die im Zeitraum zwischen 1933 und 1935 bestanden, im Zentrum des Interesses.24 Vier Beiträge untersuchten von SA-Angehörigen geführte Haftstätten in Ulm,25 Wuppertal26 und Berlin.27 Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die »Sonderlager für politische Gegner«, wie Falk Pingel sie bezeichnet,28 in der Phase der nationalsozialistischen Machtdurchsetzung – im Gegensatz zu noch immer vorhandenen Etikettierungen – nicht als »wilde Lager« gelten können, da Aufbau, Verhaftungen, Verhöre, Folterungen und Morde auch für die frühe Periode des »Dritten Reiches« sehr wohl nachvollziehbare Systematiken erkennen lassen. Im selben Band wurden in einer weiteren Sektion über »Rassismus, Deportation und Genozid« erneut unterschiedliche Lagertypen vorgestellt, diesmal Haftstätten, die während des Krieges im Kontext der sogenannten Rasse- und Siedlungspolitik entstanden. Mit den Lagern der Umwandererzentralstelle29 wurde erstmals und bisher zum einzigen Mal im Rahmen des Workshops ein Lagertyp verhandelt, der nicht eindeutig unter der Kategorie der »NS-Zwangslager« fassbar ist, sondern im Sinne von Kiran Klaus Patel auch als so genanntes »Ausleselager« angesehen werden kann.30

Die Hannoveraner Zusammenkunft im Jahr 1998 stellte noch in einer anderen Hinsicht ein Novum dar. Zu dem bereits erwähnten Panel über die Lagertypen gehörte auch ein Beitrag von Jörg Skriebeleit über das KZ Flossenbürg und dessen Rezeption nach 1945.31 Gemessen am vorliegenden Material handelt es sich um den frühesten Beleg für die Thematisierung der Geschichte der Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus und ihrer memorialkulturellen Bedeutungen.32 Seither befand sich dieser Aspekt ununterbrochen im Programm. Zudem erfuhr er im Verlauf der vergangenen Dekade eine bemerkenswerte Ausfächerung: Bauliche Überreste,33 Monumente und Mahnmale, Gedenkstättenpädagogik und -führungen34 sowie Gedenkfeierlichkeiten und -rituale35 wurden mit verschiedensten analytischen Instrumentarien untersucht. Zentral waren dabei Fragen nach Formen, Möglichkeiten und Ausrichtung der Geschichtsvermittlung, nach künstlerischen Interpretationen und Inszenierungen sowie ihren politischen Hintergründen und Zielen. Insbesondere die jeweiligen Mechanismen der Inklusion und Exklusion beispielsweise von Gruppen oder Wissensbeständen wurden immer wieder thematisiert. Die Hamburger Tagung des Jahres 2007 verschrieb sich in der Gesamtkonzeption dem Thema und widmete sich mit den Akteuren der Erinnerungspolitik erstmals ausschließlich der Nachgeschichte des Nationalsozialismus.36

Der »Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager« trägt somit seit mehr als einem Jahrzehnt maßgeblich dazu bei, Konzeptionen und Rezeptionsweisen von Gedenkorten und Gedenkveranstaltungen als kommunikative Akte verstehbar zu machen, sie auf den Ebenen der Sachinformation, der Selbst- und Beziehungsaussagen zu analysieren und zudem die Akteure des Erinnerns einzubeziehen, anders gesagt: die Diskurse über die NS-spezifischen »Orte des Terrors« in den Fokus der wissenschaftlichen Auseinandersetzungen zu rücken.37

Zurück zum Workshop des Jahres 1998: Dieser setzte sich ebenfalls mit unterschiedlichen, häufig »vergessenen« Verfolgtengruppen sowie spezifischen Strukturen der Verfolgung auseinander. Der Thematik widmeten sich Beiträge über Sinti (Heike Krokowski), so genannte »Asoziale« (Christa Schikorra), über die Situation homosexueller Häftlinge in den der Justiz unterstellen Emslandlagern (Carola von Bülow) oder auch ein Beitrag über die besondere Rolle der Jugendkonzentrationslager Moringen und Uckermark (Martin Guse).38 Der Zusammenhang von Verfolgungspraxis und Struktur der Lager war auch ein Schwerpunkt im Jahr 2000 – eine Verknüpfung, die auf dem fünf Jahre später stattfindenden Workshop aufgegriffen wurde. Bei jener Lubliner Tagung (2005) standen die Verbrechen und Formen der Gewaltausübung in den Konzentrationslagern, Ghettos, Zwangsarbeitslagern und Vernichtungsstätten vor allem im besetzen Polen im Mittelpunkt. Hier wurde besonders – wie schon zwei Jahre zuvor – nach den Tätern und ihren Handlungsspielräumen gefragt.39 Ein Thema waren dabei auch die Praktiken der Gewalt. Anhand des »Sport Machens« untersuchte Veronika Springmann, inwieweit »das befohlene Bewegen zu einer alltäglichen Gewalthandlung« wurde und stellte Fragen nach der Bedeutung nationalsozialistischer Körperkonzepte im Lager.40 In den Folgejahren behandelten die Beiträge zunehmend methodisch fokussierte und interdisziplinär ausgerichtete Fragestellungen. So informierte Heike Krokowski 1998 über ihre Forschungen zu Traumata und plädierte für eine vermehrte Nutzbar­machung soziologischer und psychologischer Ansätze.41 Juliane Brauer stellte ihre Arbeit über Musik im KZ Sachsenhausen vor und griff dabei sowohl auf soziologische Ansätze von Pierre Bourdieu als auch auf alltagsgeschichtliche Methoden zurück.42 Im Jahr 2000, als der Workshop in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg tagte, findet sich erstmals eine linguistisch-literaturwissenschaftliche Annäherung an den Forschungsgegenstand »Konzentrationslager«. Nicole Warmbold untersuchte in ihrem Beitrag Überreste der so genannten »Lagersprache« in Erinnerungsberichten ehemaliger Häftlinge.43 Eine wichtige These Warmbolds ist diejenige, dass anhand des Sprachgebrauchs in Berichten der – vergleichsweise privilegierten – deutschen politischen Häftlinge Rückschlüsse auf gruppenübergreifende Reaktionsmuster und Verhaltensweisen gezogen werden können. Schließlich, so ihre Argumentation, bildete sich die Lagersprache in einem spezifischen Kontext heraus und gewährleistete eine allgemeine Kommunikation innerhalb der Häftlingsgesamtheit. Linguistische und literaturwissenschaftliche Fragestellungen wurden in den Folgejahren wiederholt aufgegriffen und gehören seitdem zu einem der wichtigsten Schwerpunkte.44

Bereits auf dem dritten Workshop 1997 wurde vor dem Hintergrund der Debatte um die erste »Wehrmachtsausstellung«45 über Fotografien als historische Quellen diskutiert. Habbo Knoch befasste sich in seinem Beitrag mit den sogenannten »Täterbildern« und ihrem Gebrauch nach 1945.46 Allerdings lässt sich feststellen, dass im Rahmen des Workshops kaum Beiträge zu Fotografien folgten.47 Über mögliche Gründe für ein Ausbleiben derartiger Arbeiten kann nur spekuliert werden. Dennoch fällt auf, dass andere visuelle Quellen wie Filme, Grafiken und Zeichnungen durchaus thematisiert sowie in verschiedenen Beiträgen einzelne Bilder quellenkritisch eingeführt und genutzt wurden.48 So standen in den letzten Jahren künstlerische Selbstzeugnisse von KZ-Häftlingen und Überlebenden im Mittelpunkt von Projekten, die die Diskussionen um die Wahrnehmungen, Interpretationen und Darstellungsweisen der NS-Zwangslager aus der Perspektive der Opfer und Überlebenden erweiterten.49 Auf diese Weise avancierte die bildwissenschaftliche Analyse schließlich zu einem Schwerpunkt des Workshops. Einbezogen wurden dabei auch Arbeiten zur Geschichte der künstlerischen Gestaltungen von Gedenkstätten.50

 

Systematisierung oder Differenzierung?

Karin Orth hat in ihrer historiographischen Einschätzung der neueren KZ-Forschung dazu angeregt, eine Systematisierung und Synthetisierung vorzunehmen, die einer weiteren »Ausdifferenzierung des Forschungsfeldes« und damit einer drohenden Unübersichtlichkeit entgegentritt.51 Bislang haben sich systematisierende Ansätze, die thematische oder regionale Einzelergebnisse ordnend zusammenfassen, in der KZ-Forschung allerdings kaum durchsetzen können. In dieser Hinsicht ist auch der Workshop ein typischer Repräsentant jenes stark heterogenen Forschungsfeldes, dessen besondere Dynamik sich scheinbar kaum mit übergeordneten Fragestellungen fassen lässt. Gleichwohl haben die Organisationsteams stets versucht, die jeweiligen Beiträge unter ausgewählten inhaltlichen Schwerpunkten zusammenzubringen. So präsentierte sich beispielsweise der Tagungsband des Jahres 2001 als Kompilation von Arbeiten zu NS-Prozessen52 – tatsächlich war darin jedoch auch eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Beiträge zu weiteren Themen versammelt.53 Im Gegensatz dazu entzogen sich ein Jahr später nur wenige Ausarbeitungen dem gesetzten Schwerpunkt, der, inspiriert durch die Debatte um Daniel Goldhagens Studie »Hitlers willige Vollstrecker«,54 auf Täterschaft in den Konzentrationslagern lag.55 Der Tagungsband aus Blaubeuren weist eine gut nachvollziehbare Strukturierung mit drei, wenn auch nur schwer aufeinander beziehbaren, Schwerpunkten auf, was sich in einem wenig eingängig formulierten Untertitel spiegelt.56 Der Tagungsband »KZ-Verbrechen« (Lublin 2005) suggeriert durch seine Überschrift eine thematische Geschlossenheit. Bei näherer Betrachtung kommt jedoch auch hier ein breit gefächertes Spektrum von Beiträgen zum Vorschein, das von der Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung über die Praxis der Gewalt in den Lagern bis hin zu Debatten um Menschrechtsbildung und Holocaust Education reicht.57

 

Der Workshop als Prozess

Die Publikation zur Saarbrücker Tagung 2006 bündelt die Beiträge durch eine geografische Schwerpunktsetzung auf Westdeutschland, Frankreich und die Niederlande, die sich anhand dreier thematischer Aspekte noch einmal auffächert: Geschichte und Sozialstruktur der Lager, Selbstzeugnisse als Quellen sowie Formen des Erinnerns.58 Der Vergleich von Tagungsprogramm59 und -band mit der ursprünglichen Planung für Saarbrücken lässt deutliche Unterschiede bezüglich der räumlichen Verortung und der Themenauswahl erkennen. So bezog der Call for papers Luxemburg und Belgien statt der Niederlande ein und formulierte die Absicht, anhand sich wandelnder Verfolgungsmechanismen Überlegungen zu einer Periodisierung der letzten Kriegsmonate anzustellen.60 Ähnliche Abweichungen finden sich auch in anderen Fällen. Das Organisationsteam des Hustedter Workshops legte beispielsweise ein Hauptinteresse auf die Befreiung der Lager, um hierbei insbesondere das Thema »Todesmärsche« einzubeziehen.61 Zwar schlug sich der Anspruch in zwei Beiträgen nieder; eine ausführliche Behandlung der Schlussphase und Auflösung der Konzentrationslager blieb aber aus und bildet im Rahmen des Workshops und darüber hinaus nach wie vor ein Desiderat.62 Dieses Beispiel führt den Einfluss der etablierten universitären Forschung auf die Nachwuchswissenschaft vor Augen und verdeutlicht, dass der emanzipatorische Effekt der Selbstorganisation unter Young Researchers begrenzt bleiben muss.

 

Heterogenität

Die bisherigen Ausführungen verweisen auf zwei weitere zentrale Charakteristika des Workshops. Trotz einer intensiven Bemühung um eine Fokussierung erscheint die heterogene Zusammensetzung geografischer, thematischer und methodischer Vertiefungen als strukturelles Merkmal des »Workshops zur Geschichte der Konzentrationslager«. Dabei handelt es sich um eine Folge der Interaktion zwischen dem Organisationsteam und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Anders formuliert: Die Abweichungen zwischen Planung, Umsetzung und publizistischem Endprodukt verdeutlichen die Prozesshaftigkeit der Workshopprojekte. Ausgehend von der Ideensammlung bilden sie bis zur Realisierung der Tagungsbände ein bemerkenswert offenes Forum auch für Arbeiten, die den Schwerpunktsetzungen nicht oder nur zum Teil entsprechen. Die Interaktion zwischen Organisationsteam und Vortragenden erklärt somit auch die Heterogenität der Beiträge. Durch eine stringentere Binnenstruktur könnten die Tagungsbände Forschungsthesen gewiss gezielter platzieren und möglicherweise sogar eine stärkere Rezeption erfahren. In der konkreten Praxis dürfte das aber schwierig bleiben, da die Ausschreibungen mit den Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern nach wie vor nur einen kleinen Teil der Scientific Community ansprechen. Um ein möglichst hierarchiefreies Diskussionsforum mit einem eher informellen Charakter herzustellen und um die Teilnahme von fortgeschrittenen Studierenden und Promovierenden, die am Anfang ihrer wissenschaftlichen Laufbahn stehen, zu fördern, werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich bereits im akademischen Betrieb etabliert haben, von den Organisationsteams bislang bewusst nicht eingeladen. Die prinzipielle Offenheit für disparate Themen und Ansätze ist also eine Folge des distinkten ­Charakters des Workshops als ein Austauschforum des wissenschaftlichen Nachwuchses; sie gehört zu seinem Selbstverständnis und trägt wesentlich zur Herausbildung seiner besonderen Qualität bei.63

 

Fazit und Ausblick

Seit nunmehr 18 Jahren besteht der »Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager«. Aus einem anfangs eher improvisierten Forum zur Diskussion laufender Abschlussarbeiten ist inzwischen eine anerkannte Fachtagung erwachsen, ohne dass der besondere Werkstattcharakter und die Atmosphäre der kollegialen Beratung hätten aufgegeben werden müssen. Seit dem Jahr 2000 werden die Ergebnisse regelmäßig in Tagungsbänden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ohne den unermüdlichen Eifer und die kreativen Ideen der jeweiligen Tagungsteams, das Engagement der Referentinnen und Referenten sowie der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wäre dies nicht möglich. Doch die Mühe lohnt sich: Viele Mitwirkende konnten hier wertvolle Erfahrungen in der Tagungsorganisation, bei der Einwerbung finanzieller Mittel oder in redaktionellen Tätigkeiten gewinnen, und mitunter ergab sich sogar die Gelegenheit zu einer ersten Publikation. Einer der wichtigsten Erfolge des Workshops besteht zweifellos darin, dass mittlerweile ein sich stetig erweiterndes Netzwerk junger und zum Teil nun etablierter Forscherinnen und Forscher entstanden ist.

Der Workshop hat in den vergangenen Jahren wichtige Themen für die Forschung erschlossen und vertieft, sowohl im Hinblick auf die eigentliche Geschichte der Konzentrationslager als auch bezüglich ihrer Nachgeschichte. Inhalte und Schwerpunktsetzungen korrespondieren offensichtlich mit Konjunkturen der NS- und Holocaustforschung. Darüber hinaus lässt die Analyse der Beiträge auch ein Nebeneinander von singulären Vertiefungen, wie zum Beispiel bei dem Thema »Fotografien als Quellen«, und einer zirkulären Forschungsbewegung erkennen. So wurden die Themen »Lagertypen«, »Lagersprache« oder der Umgang mit baulichen Überresten in unregelmäßigen Abständen gleich mehrfach behandelt. Hierzu gehört auch die Erforschung und Kommentierung von Gedenkstättenarbeit, deutlich ablesbar an gleich zwei Besuchen in der Gedenkstätte Bergen-Belsen in den Jahren 2002 und 2007, sowohl vor als nach deren aufwendiger Umgestaltung und Neueröffnung. Im Rahmen des Workshops wurde bisher eine große Bandbreite an inhaltlichen und methodologischen Fragen diskutiert. Daraus leitete sich von Beginn an ein interdisziplinärer Anspruch her. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass dieses Postulat leider noch nicht befriedigend realisiert werden konnte. Methodenvielfalt erscheint häufig eher als Akkumulation, denn als Synthese. Die große Schwierigkeit besteht noch immer darin, unterschiedliche methodische Annäherungen nicht nur vorzustellen, sondern auch gewinnbringend zu vereinen.

Trotz der großen thematischen Bandbreite lassen sich dennoch verschiedene weiße Flecken feststellen. So ist beispielsweise das Fehlen geschlechtergeschichtlicher Fragestellungen und Perspektiven in den Beiträgen auffallend. Zwar wird in einzelnen Beiträgen von weiblichen oder männlichen Perspektiven gesprochen. Geschlecht als mehrfach relationale Kategorie bleibt dabei jedoch zumeist ausgeblendet.64 Ein wichtiges Desiderat ist nach wie vor die Erforschung der gesellschaftlichen Einbindung der Lager.65 Diese Aufzählung im Rahmen einer Bestandsaufnahme soll allerdings nicht als Kritik, sondern vielmehr als Anregung zu weiteren Forschungsprojekten verstanden werden.

Zu klären wäre außerdem grundsätzlich, ob eine systematische Ausweitung des Workshopsprogramms auf andere nationalsozialistische Lager gewagt werden kann, beispielsweise durch die Einbeziehung der »Ghettos«. Die Forschungslücken sind evident: Im deutschen Machtbereich bestanden bis zu 1400 dieser Zwangslager und noch immer konzentrieren sich sowohl die Forschung als auch die öffentliche Rezeption auf die Großghettos Warschau und Litzmannstadt (Łódź). Eine andere Frage ist die mögliche Ausweitung auf andere Lagertypen wie zum Beispiel auf diejenigen des Reichsarbeitsdienstes und der Hitlerjugend oder auf die Wehrertüchtigungslager. Das Ziel einer derartigen thematischen Öffnung kann fraglos nicht das des Vergleiches sein.66

Michael Wildt formulierte kürzlich einige Überlegungen zum Funktionswandel der NS-Lager, die er nicht nur als »exterrioriale Orte des Terrors im Ausnahmezustand«67 versteht, sondern in ihrer Pluralität auch als »genuine Räume nationaler Herrschaft und einer Transformationspolitik, die Gesellschaft in Volksgemeinschaft verwandeln will.«68 Nähme man die Vielfalt und unterschiedlichen Funktionen der NS-Lager ernst, dann stünde zum Beispiel die alltägliche Praxis von In- und Exklusion von Gemeinschaft und Gewalt der Lager im Forschungsmittelpunkt, so Wildt in seinem Resümee.

Vielleicht eröffnet sich hier aber die Möglichkeit, das NS-System insgesamt anhand seiner Institutionen und den zwischen ihnen bestehenden Wechselwirkungen noch besser zu verstehen und eine Einordnung in die deutsche und europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts vorzunehmen, wie sie auch Karin Orth resümierend einfordert.69 Unter Berücksichtigung der heterogenen Struktur des Workshops könnte eine Ausweitung des Untersuchungsgegenstandes aber auch dazu führen, dass letztendlich doch nur nebeneinander – anstatt miteinander – diskutiert wird. So steht der zu Recht erhobenen Forderung nach Synthetisierung der Forschung der Wunsch nach ihrer gleichzeitigen thematischen Differenzierung sowie ihrer methodisch-theoretischen Entwicklung und Reflexion gegenüber.70 Eine Auseinandersetzung mit diesen Positionen wird sicherlich auch zukünftige »Workshops zur Geschichte der Konzentrationslager« beschäftigen, in denen bereits Etabliertes überdacht und neue Forschungsfragen angeregt werden.

 

Christiane Heß studierte Geschichte und Kunstgeschichte an den Universitäten Hamburg und Salamanca/Spanien. Sie arbeitet an einem Dissertationsprojekt über Zeichnungen aus den Konzentrationslagern Neuengamme und Ravensbrück.

Dr. Karsten Wilke hat seit seinem Studium der Geschichte und Literaturwissenschaft in Bielefeld gedenkstättenpädagogische Tätigkeiten ausgeübt. Heute arbeitet der als selbstständiger Historiker und Bildungsreferent.

1 Der Beitrag ist bereits in einer früheren Fassung erschienen: Rückblicke – Einblicke – Ausblicke. 15 Jahre Workshop zur Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, in: Christiane Heß/Julia Hörath/Dominique Schröder/Kim Wünschmann (Hrsg.), Kontinuitäten und Brüche. Neue Perspektiven auf die Geschichte der NS-Konzentrationslager, Berlin: Metropol, 2011, S. 27–44. An dieser Stelle möchten wir uns sehr herzlich bei Nicole Warmbold und Friedrich Veitl vom Metropol Verlag für ihre Unterstützung bedanken.

2 Tagungsorte waren bislang Berlin (1995), München (1996), Göttingen (1997), Hannover (1998), Flossenbürg (2000), Weimar (2001), Hustedt (2002), Ebensee (2003), Ulm (2004), Lublin/Polen (2005), Saarbrücken (2006), Hamburg (2007), Fürstenberg/Oranienburg (2008), Oświęcim/Polen (2010) und Linz/Österreich (2011). Ungeklärt ist, ob im Jahr 1999 ein Workshop durchgeführt wurde. 2009 fand kein Workshop statt.

3 An dieser Stelle möchten wir uns herzlich bei Linde Apel, Karin Orth, Jan Erik Schulte und Gudrun Schwarz für Hinweise, Kommentare und Reflexionen bedanken. Vgl. Sybille Steinbacher/Bernd Wagner, Kolloquium zur Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 44 (1996), S. 459–464; Diana Gring, »Workshop zur Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager« vom 8. bis 10. Oktober 1998, in: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hrsg.), Verfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus, Bremen 1999, S. 173–175 (Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland Bd. 5).

4 Vgl. Volkhard Knigge, Tatort – Leidensort – Friedhof – Gedenkstätte – Museum. Notizen für eine KZ-Gedenkstättenarbeit der Zukunft, Kassel 1997, S. 7.

5 Vgl. Karl Dietrich Bracher, Doppelte Zeitgeschichte im Spannungsfeld politischer Generationen – Einheit trotz Vielfalt historisch-politischer Erfahrungen, in: Bernd Hey/Peter Steinbach (Hrsg.), Zeitgeschichte und politisches Bewusstsein, Köln 1986, S. 53–71, hier S. 56 ff.

6 Vgl. Hans Günter Hockerts, Einführung, in: ders. (Hrsg.), Drei Wege deutscher Sozialstaatlichkeit. NS‑Diktatur, Bundesrepublik und DDR im Vergleich, München 1998, S. 7–25, hier S. 7.

7 Vgl. Karsten Wilke, Tagungsbericht Geschichte der Konzentrationslager. 11. bis 14. November 2004, Blaubeuren, in: H-Soz-u-Kult, 13. Januar 2005, hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=663, (eingesehen am 27. 2. 2012); Christoph Kopke/Karsten Wilke, Blaubeurener Tagung zur Geschichte der Konzentrationslager, in: Bulletin für Faschismus- und Weltkriegsgeschichtsforschung, 24 (2005), S. 127–130; Tagungsprogramm Workshop Blaubeuren, Privatbesitz Karsten Wilke.

8 Vgl. Juliane Brauer, Call for Papers (CfP) Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager »Nationalsozialistische Lager im Westen Europas: Belgien, Deutschland, Frankreich und Luxemburg«, hsozkult.geschichte.huberlin.de/termine/id=5100, (eingesehen am 27. 2. 2012); Janine Doerry/Alexandra Klei/Elisabeth Thalhofer/Karsten Wilke (Hrsg.), NS-Zwangslager in Westdeutschland, Frankreich und den Niederlanden. Geschichte und Erinnerung, Paderborn 2008.

9 Vgl. Philipp Neumann, CfP 14. Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager »Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Konzentrationslager: Akteure, Inhalte, Strategien«, hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=6994, (eingesehen am 13. 2. 2012).

10 Vgl. Alexandra Klei, Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager. Nationalsozialistische Lager im Westen Europas: Deutschland, Frankreich und die Niederlande, hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=5764, (eingesehen am 13. 2. 2012); Dominique Schröder, CfP 15. Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager »Kontinuitäten und Brüche in der Entwicklungs- und Rezeptionsgeschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager«, hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=8967, (eingesehen am 15. 2. 2012).

11 Ein Thema, das – nicht zuletzt angeregt durch fruchtbare Diskussionen während der Workshops – inzwischen zu einem Standardwerk ausgearbeitet wurde. Vgl. Christian Gudehus, Dem Gedächtnis zuhören. Führungserzählungen über NS-Verbrechen und ihre Repräsentation in deutschen Gedenkstätten, Essen 2006.

12 Vgl. Cornelia Siebeck. Review of Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager. H-Soz-u-Kult, H-Net Reviews. October, 2010, www.h-net.org/reviews/showrev.php (eingesehen am 15. 2. 2012).

13 Vgl. Steinbacher/Wagner, Kolloquium; Gring, Workshop.

14 Vgl. Raul Hilberg, Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933–1945, Frankfurt am Main 1992.

15 Vgl. Norbert Frei (Hrsg.), Ausbeutung, Vernichtung, Öffentlichkeit: Neue Studien zur nationalsozialistischen Lagerpolitik, München 2000 (Darstellungen und Quellen zur Geschichte von Auschwitz, Bd. 4). Vgl. auch den ersten Teil »Akteure und Profiteure des KZ-Systems« des jüngsten Tagungsbandes: Heß/Hörath/Schröder/Wünschmann, Kontinuitäten.

16 Vgl. Steinbacher/Wagner, Kolloquium, S. 463 f.

17 Vgl. Gring, Workshop, S. 173 f.

18 Vgl. Gudrun Schwarz, Die Nationalsozialistischen Lager, 2. Aufl., Frankfurt am Main 1996.

19 Vgl. Wolfgang Benz, Nationalsozialistische Zwangslager. Ein Überblick, in: ders./Barbara Distel (Hrsg.), Die Organisation des Terrors, München 2005 (Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bd. 1), S. 11–29.

20 Vgl. Janine Doerry, Das Lager Drancy und die Deportation der Juden aus Frankreich, in: Akim Jah/Christoph Kopke/Alexander Korb/Alexa Stiller (Hrsg.), Nationalsozialistische Lager. Neue Beiträge zur NS-Verfolgungs- und Vernichtungspolitik und zur Gedenkstättenpädagogik, Münster 2006, S. 166–184; Jan Henrik Fahlbusch, Im Zentrum des Massenmords. Ernst Zierke im Vernichtungslager Bezec, in: Wojciech Lenarczyk/Andreas Mix/Johannes Schwartz/Veronika Springmann (Hrsg.), KZ-Verbrechen. -Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager und ihrer Erinnerung, Berlin 2007, S. 53–72; Alexander Friedmann, Die Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung im ehemals polnischen Weißrussland, in: ebenda, S. 15–31.

21 Vgl. Doerry/Klei/Thalhofer/Wilke, NS-Zwangslager.

22 Vgl. Claudia Nickel, Vergessene Orte? Die Erinnerung an die südfranzösischen Internierungs- und Konzentrationslager in der Literatur und an den historischen Orten, in: ebenda, S. 149–163.

23 Vgl. Doerry, Lager Drancy.

24 Abweichend von der Periodisierung des Blaubeurener Tagungsbandes hat sich in der KZ-Forschung mittlerweile eine Eingrenzung der Periode der »Frühen Lager« auf die Zeit vor Gründung der Inspektion der Konzentrationslager (IKL), das heißt auf die Jahre 1933 bis 1934, weitgehend durchgesetzt. Vgl. Hermann Kaienburg (Hrsg.), Nationalsozialistische Konzentrationslager 1933–1945. Die Veränderung der Existenzbedingungen, Berlin 2010.

25 Vgl. Christoph Kopke, Konzentrationslager und »Schutzhaft« in der frühen NS-Zeit. Das KZ Oberer Kuhberg in Ulm. Ein Überblick, in: Jah/Kopke/Korb/Stiller, Nationalsozialistische Lager, S. 17–32.

26 Vgl. David Magnus Mintert, Das Lager Kemna in Wuppertal – ein frühes Konzentrationslager, in: ebenda, S. 33–51.

27 Vgl. Irene Mayer, Wie »wild« war der Terror der SA? Eine Analyse der frühen Berliner Konzentrationslager und SA-Haftstätten, in: ebenda, S. 52–61; Barbara Danckwortt, Die Kasernen General-Pape-Straße – ein frühes Konzentrationslager in Berlin, in: ebenda, S. 62–78.

28 Vgl. Falk Pingel, Häftlinge unter SS-Herrschaft. Widerstand, Selbstbehauptung und Vernichtung im Konzentrationslager, Hamburg 1978, S. 23.

29 Vgl. Gerhard Wolf, Rassistische Utopien und ökonomische Zwänge. Die rassischen Selektionen polnischer Arbeitskräfte durch die SS in den Lagern der Umwandererzentralstelle, in: Jah/Kopke/Korb/Stiller, Nationalsozialistische Lager, S. 125–144.

30 Vgl. Kiran Klaus Patel, »Auslese« und »Ausmerze«. Das Janusgesicht der nationalsozialistischen Lager, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 54 (2006) 4, S. 339–365.

31 Vgl. Gring, Workshop, S. 174.

32 Dazu vgl. James E. Young, Mahnmale des Holocaust. Motive, Rituale und Stätten des Gedenkens, München 1994; Detlef Hoffmann (Hrsg.), Das Gedächtnis der Dinge. KZ-Relikte und KZ-Denkmäler 1945–1995, Frankfurt am Main 1998.

33 Vgl. Jörg Skriebeleit, Ansätze zur Neukonzeption der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Aspekte einer nachholenden Entwicklung, in: Haustein/Schmolling/Skriebeleit, Konzentrationslager, S. 15–25; Rikola--Gunnar Lüttgenau, Buchenwald wird in die DDR eingemeindet, in: ebenda, S. 27–42; Andreas Ehresmann, Die Krematorien des KZ Neuengamme. Genese, Rezeption und Memorialkultur, in: Doerry/Klei/-Thalhofer/Wilke, NS-Zwangslager, S. 193–207.

34 Vgl. Verena Haug, Pädagogische Kommunikation in der Gedenkstättenpraxis. Konzeption einer qualitativen Untersuchung, in: Jah/Kopke/Korb/Stiller, Nationalsozialistische Lager, S. 202–212; Imke Scheurich, Historisch-politische Bildung in KZ-Gedenkstätten. Ein Forschungsprojekt zur aktuellen Fachdebatte, in: ebenda, S. 187–201; Christian Gudehus, Methodische Überlegungen zu einer Wirkungsforschung in Gedenkstätten, in: Ralph Gabriel/Elissa Mailänder Koslov/Monika Neuhofer/Else Rieger (Hrsg.), Lagersystem und Repräsentation. Interdisziplinäre Studien zur Geschichte der Konzentrationslager, Tübingen 2004, S. 206–219.

35 Vgl. Alexander Prenninger, Riten des Gedenkens. Befreiungsfeiern in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, in: Gabriel/Mailänder Koslov/Neuhofer/Rieger, Lagersystem, S. 183–295.

36 Andreas Ehresmann/Philipp Neumann/Alexander Prenninger/Régis Schagdenhauffen (Hrsg.), Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Akteure, Inhalte, Strategien, Berlin 2011.

37 Arnold Vogt entwirft die Idee, museale Ausstellungen und Begleitprogramme mit dem Kommunikationsmodell Friedemann Schulz von Thuns zu begreifen. Vgl. Arnold Vogt, Wider die Sprachlosigkeit! -Grenzgänge zwischen Schul-, Gedenkstätten- und Museumspädagogik, in: Wulff E. Brebeck/Barbara -Stambolis (Hrsg.), Erinnerungsarbeit kontra Verklärung der NS-Zeit. Vom Umgang mit Tatorten, Gedenkorten und Kultorten, München 2008, S. 6–27, hier S. 15 f.

38 Vgl. Gring, Workshop, S. 174 f.

39 Vgl. Christoph Kopke, Das KZ als Experimentierfeld. Ernst Günther Schenck und die Plantage in Dachau, in: Gabriel/Mailänder Koslov/Neuhofer/Rieger, Lagersystem, S. 13–28; sowie die Aufsätze von Marco Pukrop, Jan Henrik Fahlbusch und Birga Meyer in: Lenarczyk/Mix/Schwartz/Springmann, KZ-Verbrechen.

40 Vgl. Veronika Springmann, »Sport machen«. Eine Praxis der Gewalt im Konzentrationslager, in: ebenda, S. 89–101.

41 Vgl. Gring, Workshop, S. 175.

42 Vgl. Juliane Brauer, »Auf Wiedersehen in besseren Zeiten«. Musik als Alltagsstrategie tschechischer Studenten im Konzentrationslager Sachsenhausen, in: Lenarczyk/Mix/Schwartz/Springmann, KZ-Verbrechen, S. 103–118.

43 Vgl. Nicole Warmbold, Der verstellte Blick. (Sprach-) Geschichtsschreibung in Abhängigkeit von der Quellenlage am Beispiel der Lagersprache in Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen, in: Haustein/Schmolling/Skriebeleit, Konzentrationslager, S. 107–112.

44 Vgl. auch Dominique Schröder, Überlegungen zum methodischen Umgang mit Tagebüchern als Quelle der Konzentrationslagerforschung, in: Doerry/Klei/Thalhofer/Wilke, NS-Zwangslager, S. 93–104; Imke Hansen/Katarzyna Nowak, Über Leben und Sprechen in Auschwitz. Probleme der Forschung über die Lagersprache der polnischen Häftlinge von Auschwitz, in: Heß/Hörath/Schröder/Wünschmann, Kontinuitäten, S. 115–141.

45 Vgl. Hamburger Institut für Sozialforschung (Hrsg.), Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941–1944, 3. Aufl., Hamburg 1997.

46 Vgl. Habbo Knoch, Täterbilder, Soldatenbilder. Zu Gebrauchsweisen von Fotografien der NS-Verbrechen nach 1945. Vortrag auf dem dritten Workshop zur Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Oktober 1997, wwwuser.gwdg.de/~bweisbr1/Knoch.html, (eingesehen am 14. 6. 2010).

47 Eine Ausnahme stellt diesbezüglich zum Beispiel der Beitrag von Thomas Weber über Fotografien aus dem Ghetto Łódź dar. Vgl. Thomas Weber, Konstruktion der Erinnerung. Der selektive Umgang mit Fotographien von Henryk Ross aus dem Ghetto Łódź, in: Haustein/Schmolling/Skriebeleit, Konzentrationslager, S. 169–180; Christoph Kopke, Geschichte der NS-Konzentrationslager: Ein Tagungsbericht in: IWK: internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, 36 (2000), S. 529–532.

48 Vgl. Christine Müller, Die Darstellung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau in Andrzej Munks Pasażerka und Wanda Jakobwskas Ostatni Etap, in: Lenarczyk/Mix/Schwartz/Springmann, KZ-Verbrechen, S. 177–190; Anja Horstmann, Nach den Bildern ist vor den Bildern. Dokumentarisches Filmmaterial als Quelle für die Holocaust-Forschung, in: Heß/Hörath/Schröder/Wünschmann, Kontinuitäten, S. 265–183.

49 Vgl. Christiane Heß, Zeichnungen aus dem KZ Neuengamme als Selbstzeugnisse. Funktion und Rezeption, in: Doerry/Klei/Thalhofer/Wilke, NS-Zwangslager, S. 133–145; Jörn Wendland, Bildgeschichten von Häftlingen der Konzentrations- und Vernichtungslager. Kontinuitäten und Wandel in Funktion, -Ikonografie und Narration vor und nach 1945, in: Heß/Hörath/Schröder/Wünschmann, Kontinuitäten, S. 142–164, in diesem Band.

50 Vgl. Zofia Wóycicka, Die Gedenkstätte Treblinka im Entwurf von Wladyslaw Niemiec und Alfons Zielonko. Eine ikonografische Analyse, in: Lenarczyk/Mix/Schwartz/Springmann, KZ-Verbrechen, S. 119–138.

51 Karin Orth, Die Historiografie der Konzentrationslager und die neuere KZ-Forschung, in: Archiv für Sozialgeschichte, 47 (2007), S. 579–598, hier S. 598.

52 Vgl. Elissa Mailänder-Koslov, Die juristische Ahndung von NS-Verbrechen in Österreich. Ein Überblick, in: Sabine Moller/Miriam Rürup/Christel Trouvé (Hrsg.), Abgeschlossene Kapitel? Zur Geschichte der Konzentrationslager und der NS-Prozesse, Tübingen 2002, S. 200–219; Georg Wamhof, Prozessgebundene Kampagnenpolitik. Die »DDR-Nebenklage« im Essener KZ-Dora-Prozeß 1967 – 1970, in: ebenda, S. 173–186.

53 Vgl. Moller/Rürup/Trouvé, Abgeschlossene Kapitel. In diesem Band befinden sich beispielsweise Beiträge zu Außenlagern, Häftlingsgruppen oder zur Kommunikation in den Lagern.

54 Vgl. Daniel Jonah Goldhagen, Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust, 2. Aufl., Berlin 1996.

55 Vgl. Ulrich Fritz/Silvija Kavčič/Nicole Warmbold, Vorwort, in: dies., Tatort KZ, S. 7–11, hier S. 8.

56 Vgl. Jah/Kopke/Korb/Stiller, Nationalsozialistische Lager. Der Untertitel des Sammelbandes lautet: »Neue Beiträge zur NS-Verfolgungs- und Vernichtungspolitik und zur Gedenkstättenpädagogik«.

57 Vgl. Wojciech Lenarczyk/Andreas Mix/Johannes Schwartz/Veronika Springmann, Einleitung, in: dies., KZ-Verbrechen, S. 7–13, hier S. 7.

58 Vgl. Doerry/Klei/Thalhofer/Wilke, NS-Zwangslager.

59 Vgl. Klei, Workshop.

60 Vgl. Brauer, CfP Workshop.

61 Vgl. Rolf Schmolling, CfP, Workshop zur Gesch. d. KZ (17. bis 20. Oktober 2002 Hustedt b. Bergen-Belsen), hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=1017 (eingesehen am 27. 2. 2012).

62 Vgl. Katrin Greiser, »Die Masse von ihnen stellte kein kampffähiges Element dar«. Deutsche Kommunisten zur Evakuierung von Buchenwald, in: Fritz/Kavčič/Warmbold, Tatort KZ, S. 138–158; Monika Neuhofer, (K)eine Rückkehr in die Normalität. Die Befreiung von Buchenwald im Spiegel der Texte Jorge Semprúns, in: ebenda, S. 158–171. Vgl. als Ausnahmen: Simone Erpel, Zwischen Vernichtung und Befreiung. Das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück in der letzten Kriegsphase, Berlin 2005, sowie: Elisabeth -Thalhofer, Entgrenzung der Gewalt. Gestapo-Lager in der Endphase des Dritten Reiches, Paderborn 2010. Mittlerweile erschienen ist die deutsche Übersetzung der Studie von Daniel Blatman, Die Todesmärsche 1944/45 – Das letzte Kapitel des nationalsozialistischen Massenmords, Reinbek bei Hamburg 2011.

63 Vgl. zum Beispiel John Cramer, Selbstbehauptung oder Kollaboration? Die »Gerichtskommission« des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, in: Gabriel/Mailänder-Koslov/Neuhofer/Rieger, Lagersystem, S. 87–99; Stefan Kessler, Displaced Persons. Der erste Testfall für das westdeutsche Asylrecht, in: Fritz/Kavčič/Warmbold, Tatort KZ, S. 171–187.

64 Vgl. Martina Gugglberger, »… und hat mir eine Nachricht zukommen lassen.« – Frauen im Widerstand, in: Gabriel/Mailänder-Koslov/Neuhofer/Rieger, Lagersystem, S. 172–182; Susan Hogervorst, Weiblichkeit und Widerstand. Transnationale und nationale Erinnerungskulturen zu Ravensbrück, in: Ehresmann/Neumann/Prenninger/Schagdenhauffen, Erinnerung, S. 77–93.

65 Vgl. Christopher Dillon, The Dachau SS and the locality 1933–1939, in: Heß/Hörath/Schröder/Wünschmann, Kontinuitäten, S. 47–63 und Helen Whatmore, Exploring KZ “Bystanding” within a West-European Framework. Natzweiler-Struthof, Neuengamme and Vught-Herzogenbusch 1939–1945 in: ebd., S. 64–79.

66 Das suggeriert eine Reflexion von Kiran Klaus Patel. Vgl. Patel, Janusgesicht.

67 Michael Wildt, Funktionswandel der nationalsozialistischen Lager, in Mittelweg 36, 4, 2011, S. 76–86, hier: S. 86.

68 Ebd.

69 Vgl. Orth, Historiographie, S. 598.

70 Vgl. Janosch Steuwer, Tagungsbericht Kontinuitäten und Brüche in der Entwicklungs- und Rezeptionsgeschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. 15. Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager. 12. bis 16. November 2008, Oranienburg/Fürstenberg, in: H-Soz-u-Kult, 9. Februar 2009, hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2514 (eingesehen am 27. 2. 2012).