Daniela Geppert

Zwischen allen Stühlen.

Gedenkstättenrundbrief Nr.187 (9/2017) S. 18-25

DIE GESCHICHTE DER ITALIENISCHEN MILITÄRINTERNIERTEN 1943-1945

»Erinnerung statt Entschädigung«, so lautet die Überschrift des letzten Kapitels der neuen Dauerausstellung im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit. Seit Jahren waren die deutsch-italienischen Beziehungen durch Klagen zur Entschädigung von ehemaligen italienischen Militärinternierten belastet. Diese Gruppe wurde 2001 von der Kompensation für ehemalige Zwangsarbeiter ausgeschlossen. Im März 2009 setzten die Außenminister der Bundesrepublik Deutschland und der Italienischen Republik eine Deutsch-Italienische Historikerkommission ein. Sie sollte die deutsch-italienische Kriegsvergangenheit aufarbeiten und Wege zu einer gemeinsamen Erinnerungskultur aufzeigen. Im Dezember 2012 übergab die Kommission ihre Empfehlungen an die Außenminister Italiens und Deutschlands. [1] Diese sahen unter anderem eine Ausstellung zur Geschichte der italienischen Militärinternierten im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin vor.

Am 28. November 2016 eröffneten der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein italienischer Amtskollege Paolo Gentiloni die Ausstellung »Zwischen allen Stühlen. Die Geschichte der italienischen Militärinternierten 1943–1945« im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit. Mit ihr wird zum ersten Mal in Deutschland das Schicksal der italienischen Militärinternierten in einer eigenen Dauerausstellung gewürdigt. Wer waren nun die italienischen Militärinternierten, um die es noch in den 2000er-Jahren so viel Unruhe zwischen Deutschland und Italien gab?

Im Zweiten Weltkrieg war Italien Bündnispartner des NS-Regimes, die Soldaten beider Länder kämpften in einigen Kriegsgebieten Seite an Seite. Doch am 8. September 1943 schloss Italien einen Waffenstillstand mit den Westalliierten. Die italienischen Soldaten und Offiziere wurden über Nacht von Freunden zu Feinden und die Wehrmacht nahm etwa 800 000 von ihnen gefangen. 650 000 wurden in das Deutsche Reich und die besetzen Gebiete transportiert, um Zwangsarbeit für die deutsche Kriegswirtschaft zu leisten. Innerhalb des NS-Regimes bestimmten konkurrierende Ansprüche wie Vergeltung für den »Verrat« des Kriegsaustritts Italiens einerseits und maximale Ausbeutung ihrer Arbeitskraft andererseits ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen. Auch Mussolini erhob als Führer der im September 1943 gegründeten Repubblica Sociale Italiana (RSI) Ansprüche auf die Männer, um seine neue Armee aufzufüllen. Diese unterschiedlichen Interessen führten dazu, dass die italienischen Militärangehörigen »zwischen allen Stühlen« saßen. Dieser Zustand beschreibt auch heute die Situation der ehemaligen Militärinternierten. Im Gegensatz zu den zivilen Zwangsarbeitern wurden sie nicht entschädigt. Trotz ihrer Überführung in ein Zivilarbeiterverhältnis ab Sommer 1944 galten die etwa 90 000 Ex-Internierten aufgrund eines juristischen Gutachtens von 2001 als Kriegsgefangene. Kriegsgefangene waren (bis auf Polen) von den zwischen 2000 und 2007 geleisteten individuellen Entschädigungszahlungen der Bundesrepublik Deutschland ausgeschlossen worden. Für die Betroffenen war diese Entscheidung besonders bitter. Litten sie noch jahrzehntelang im eigenen Land unter der Missachtung ihres Schicksals, so wurde diese Missachtung aus Deutschland nun auch auf staatlicher Ebene besiegelt. Es folgten eine Reihe von gerichtlicher Auseinandersetzungen zwischen deutscher und italienischer Seite, bis der Internationale Gerichtshof in Den Haag am 3. Februar 2012 Deutschlands Immunität gegenüber Einzelklagen zur Entschädigung bestätigte. Die »verweigerte« Entschädigung und die folgenden Auseinandersetzungen belasteten das deutsch-italienische Verhältnis weiterhin. Vor diesem Hintergrund richtete die Bundesregierung 2014 den deutsch-italienischen Zukunftsfonds ein, aus dem Erinnerungsprojekte mit Bezug auf die Ereignisse zwischen 1943 und 1945 in Deutschland und Italien gefördert werden sollten.

Die Vorbereitungen zu der Ausstellung »Zwischen allen Stühlen« begannen 2013/2014 mit der Konzeption der Ausstellungsinhalte und der Antragstellung beim deutsch-italienischen Zukunftsfonds. Nach Bewilligung des Projektes wurde 2014 mit den konkreten Arbeiten begonnen. Zum Ausstellungsteam gehörten die Kuratoren Dr. Kay Kufeke, Andreas Froese-Karow (bis August 2015) und die Kuratorin Iris Hax (ab September 2015), die unter der Leitung der Autorin das Projekt realisierten.

Die Ausstellung schildert auf einer Fläche von etwa 250 m² mit Fotos, Zeichnungen, Objekten, Dokumenten, Projektionen und Videostationen das Schicksal dieser in Deutschland weitgehend unbekannten Opfergruppe des Nationalsozialismus. Sie wird in einer historischen Baracke des ehemaligen Lagers 75/76 des Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt (GBI) in Berlin-Schöneweide gezeigt. Auch in diesem Lager, wie in vielen anderen, waren italienische Militärinternierte untergebracht.

Für die Ausstellungsarchitektur erhielt nach einem Realisierungswettbewerb das Team von bueroberlin mit Evelina Johansson, Julia Neubauer und Ruth Schroers den Zuschlag. Die Ausstellungsarchitektur geht sensibel mit der historischen Bausubstanz um und folgt den räumlichen Vorgaben. Die Struktur der Unterkunftsbaracke ist weitestgehend erhalten und der Charakter der Räume mit den Spuren der verschiedenen Nutzungen (NS-Zeit, Impfstoffinstitut in der DDR) bleibt sichtbar, denn die Baracke ist selbst Exponat. An keiner Stelle werden Exponate oder Informationen direkt auf den Barackenwänden angebracht, sondern immer mit einem Abstand zum historischen Gebäude präsentiert. Auch der Blick nach außen bleibt erhalten: Durch die Fenster können die Besucher das Lagergelände, aber auch die nahen Wohnhäuser bewusst wahrnehmen. Augenfällig ist so die Situierung des Lagers und seiner »Bewohner« inmitten der deutschen Zivilbevölkerung.

Die Ausstellungsarchitektur schafft für die chronologisch-thematische Abfolge der Inhalte eine klare Struktur und damit verbundene Besucherführung. So werden die ehemaligen »Stuben« (Schlafräume) für das Auftaktkapitel, die Gefangennahme, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Militärinternierten und später in den Zivilstatus versetzten Italiener sowie für das letzte Kapitel zur Erinnerung und Entschädigung der Gruppe genutzt. Im zentralen Mittelgang der Baracke sind dagegen Themen des »Übergangs« angesiedelt: Der Transport in die Lager und nach Kriegsende der Transport zurück in die Heimat. Die Ausstellung ist barrierefrei. Pultvitrinen sind unterfahrbar, Hands-on Bereiche und Hör- sowie Videostationen sind auch für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer nutzbar.

Das Farbkonzept der Ausstellung orientiert sich am Gesamtauftritt des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit und greift mit Blau- und Grüntönen die Hausfarben auf, Weiß fungiert als neutrale Grundfarbe. So entsteht eine dem Thema angemessene, zurückhaltende Farbgestaltung. Die dreisprachigen Texte auf Deutsch, Italienisch und Englisch sind knapp gefasst und farblich auf die jeweiligen Trägerflächen abgestimmt. Dabei wurde Wert auf gut lesbare Kontraste gelegt.

Die Ausstellung ist in acht Kapitel und vier gesonderte Themenschwerpunkte gegliedert. Letztere sind farblich und architektonisch abgesetzt und bieten Zusatzinformationen außerhalb der chronologischen Struktur an, ohne die ein Verständnis der besonderen Umstände der Gefangenschaft der italienischen Militärinternierten nicht möglich ist. Der Besucher findet hier auch hands-on Bereiche vor, die ihm das »Begreifen« dieser komplexen Sachverhalte erleichtern sollen. Außerdem bieten farblich neutral gehaltene Grafiken statistische Hintergrundinformationen an – wie zum Beispiel über die Zahl der Militärinternierten im Verhältnis zu Kriegsgefangenen anderer Nationen oder Hinweise auf die Branchen und Einsatzbereiche der italienischen Militärinternierten.

In Kapitel 1 wird in einer Bild-Text-Projektion schlaglichtartig die Beziehung zwischen dem faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschland geschildert: Von den politischen und militärischen Abkommen beider Länder über den gemeinsamen Krieg ab 1940 bis hin zur Absetzung Mussolinis und dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten zeugen Fotos, Landkarten und Schlagzeilen. Die Ausstellungsarchitektur platziert die Inhalte auf leicht angeschrägten massiven Bahnen entlang der Stubenwand. Der Raum ist abgedunkelt, die Wahrnehmung des Lagers ist an dieser Stelle ausgeblendet; für die Vorgeschichte spielt es keine Rolle.

Das zweite Kapitel zeigt die Gefangennahme der italienischen Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere durch die Wehrmacht. Eine Karte Südeuropas ermöglicht die geografische Verortung des Geschehens in Griechenland, Italien, Frankreich und auf dem Balkan. Die Verbrechen der deutschen Wehrmacht bei der Gefangennahme italienischer Militärangehöriger werden an einigen Beispielen vorgestellt. Dazu zählen die Erschießung von Polizisten in Barletta als Vergeltungsmaßnahme für den Tod zweier Wehrmachtssoldaten oder das Massaker an italienischen Kriegsgefangenen auf der griechischen Insel Kefalonia. Die Gestaltung zitiert die Schrägen aus Kapitel 1, stellt sie aber nun als flache Paneele vor der Wand auf.

Gegenüber von Kapitel 2 ist der erste Themenschwerpunkt angebracht. Er widmet sich dem vom NS-Regime als »Verrat« gewerteten Kriegsaustritt Italiens. Die deutsche Propaganda befeuerte alte Vorurteile von den »heimtückischen« und »verräterischen« Italienern. Viele Deutsche, seien es Wachmänner in den Lagern, deutsche Vorarbeiter oder Passanten griffen diese auf und schlugen, bespuckten oder beschimpften die italienischen Militärinternierten als »Verräter«. Auch bei den Spitzen von Partei und Wehrmacht beherrschte lange Zeit der Gedanke der Rache für den Kriegsaustritt die Entscheidungen über die Militärinternierten. Diese feindselige Haltung bestimmte maßgeblich die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Gruppe.

Die katastrophalen Bedingungen während der mehrtägigen Transporte der etwa 650 000 Italiener in die deutschen Kriegsgefangenenlager – meist ohne ausreichende Ernährung in Viehwaggons – werden in Kapitel 3 anhand von Fotos, Zitaten und Zeichnungen geschildert. Da Zeichnungen von Militärinternierten hier zum ersten Mal als besondere Quelle der Überlieferung in Erscheinung treten, wird eine didaktische Einordnung angeboten. Zugleich werden die Zeichnungen als Gegendarstellung zu den deutschen Propagandafotos der Transporte eingesetzt. Am Ende des Kapitels findet sich die erste thematische Videostation mit Aussagen der ehemaligen Militärinternierten zu ihrer Gefangennahme, den Transporten und der Ankunft in den Kriegsgefangenenlagern. Die Inhalte wurden nur an einer Wand des Flurs angebracht, die andere ist freigelassen worden. Dies ermöglicht eine einfache Orientierung des Besuchers und lässt den Blick auf die bauzeitlichen Wände der Baracke frei.

Zu Beginn von Kapitel 4 beleuchten zwei weitere Themenschwerpunkte die wesentlichen Unterschiede zwischen italienischen Kriegsgefangenen und anderen Kriegsgefangenengruppen. Hitler befahl am 20. September 1943 die Überführung der bis dahin als Kriegsgefangene geltenden Italiener in den Status von Militärinternierten. Damit konnten sie ohne Verstoß gegen das Völkerrecht zur Arbeit in der Rüstungsindustrie eingesetzt werden. Die Offiziere wurden bis Anfang 1945 von dieser Regelung ausgenommen. Der Statuswechsel wurde auch notwendig, da ebenfalls im September 1943 in Norditalien die faschistische Repubblica Sociale Italiana (RSI) unter Mussolinis Führung gegründet wurde. Sie blieb bis zum Kriegsende Bündnispartner des Deutschen Reiches. Militärangehörige eines Verbündeten-Staates konnten jedoch keine Kriegsgefangenen sein. Daher ordnete Hitler den Statuswechsel an.

Im zweiten Themenschwerpunkt wird eine wesentliche Folge des besonderen Status der Italiener erklärt. Im Unterschied zu anderen Kriegsgefangenengruppen und zivilen Zwangsarbeitern wurden die Militärinternierten befragt, ob sie auf deutscher Seite als »Hilfswillige« in die Wehrmacht eintreten oder im neu aufgestellten Heer der RSI weiterkämpfen wollten. Bei einem »Nein« zur Kollaboration drohten Gefangenschaft und Zwangsarbeit. Die Entscheidungsgrundlagen waren vielfältig: In einigen Lagern sollten die Italiener mit Strafappellen und Hungerrationen zu einem »Ja« erpresst werden. Einzelne erhofften sich durch ihre Zustimmung eine baldige Rückkehr nach Italien, andere wollten aus Überzeugung in einer faschistischen Armee weiterkämpfen. Etwa 190 000 stimmten einer Kollaboration zu, 600 000 verweigerten die Zusammenarbeit und blieben in Gefangenschaft.

Kapitel 4 stellt anhand von Beispielen aus unterschiedlichen Regionen des Deutschen Reiches die Lebensbedingungen der italienischen Soldaten in den Kriegsgefangenenlagern und Betrieben dar. Die meisten Soldaten und Unteroffiziere wurden registriert und zügig in die Arbeitskommandos überstellt. Der Wehrmacht war bis Sommer 1944 für die Verwaltung der Gefangenen, ihre Bewachung, Bestrafung und die Behandlung der Kranken zuständig. Schwerpunkt der Darstellung ist die Schilderung des Arbeitseinsatzes, der Bedingungen auf den Arbeitsstellen und in den Unterkünften. Die Betriebe nutzten die Militärinternierten als dringend benötigte Arbeitskräfte und weiteten ihren Einfluss auf die Lebens- und Arbeitskonditionen aus. Neben der Landwirtschaft wurden die Italiener vor allem im Bergbau, der Industrie und für Bauarbeiten eingesetzt. Die lebensgefährlichen Einsätze beim Trümmerräumen und beim Bergen von Leichen nahmen im Verlauf des Krieges zu. Aufgrund der brutalen Behandlung der Italiener in der Gefangenschaft blieb jedoch die erhoffte Steigerung der Produktion aus. Die Darstellung von Krankenversorgung und Todesursachen schließt das Kapitel ab. Insgesamt starben etwa 50 000 italienische Militärinternierte bei Gefangennahme und in der Gefangenschaft. Die Erfahrungen der Militärinternierten und anderer Zeitzeugen werden in Video- und Audiostationen, durch Zitate und ab Kapitel 4 auch über Projektionen sowie beispielhafte Biografien einbezogen. Exemplarische Biografien von Tätern ergänzen die Darstellung.

Die erzwungene Untätigkeit der Offiziere in den Kriegsgefangenenlagern wird in Kapitel 5 beleuchtet. Sie wurden in Offizierslagern oder in abgetrennten Bereichen der Mannschaftsstammlager untergebracht. Im Gegensatz zu den Soldaten mussten sie bis Anfang 1945 keine Zwangsarbeit verrichten. Einige leisteten Widerstand, indem sie beispielsweise heimlich Radios herstellten und »Feindsender« zum Kriegsverlauf hörten. Auch hier werden durch zwei beispielhafte Biografien im Wechsel mit Objekten und Fotos verschiedene Zugänge zum Thema geschaffen. In den Kapiteln 4, 5 und 6 wechselt die Ausstellungsarchitektur von der Darstellung der Inhalte auf senkrechten Möbeln in die Vertikale. Schmale unterfahrbare Pulte lassen den Blick auf das Lagergelände zu. Die Biografien der Militärinternierten werden durch die Ausstellungsmöbel deutlich hervorgehoben.

Kapitel 6 widmet sich einem erneuten Statuswechsel der Internierten. Um bessere Arbeitsergebnisse zu erzielen, wurden die Militärinternierten im Sommer 1944 in den Zivilstatus überführt. Ab jetzt waren zivile Institutionen für die Verwaltung, Ernährung und Unterbringung der italienischen Zwangsarbeiter zuständig. Die Verfolgung tatsächlicher oder vermeintlicher Vergehen übernahm anstelle der Wehrmacht nun die Gestapo. Die Lebensbedingungen der Ex-Internierten verbesserten sich kurzzeitig: Vor allem durch die größere Bewegungsfreiheit konnten sie sich auf dem Schwarzmarkt mit zusätzlichen Lebensmitteln versorgen. Gegen Kriegsende verschlechterte sich ihre Versorgungslage jedoch erneut. Die Arbeitsbedingungen und Unterbringung in Lagern änderten sich durch den Statuswechsel nicht. Gegen Kriegsende nahmen Massenerschießungen und Hinrichtungen von Zwangsarbeitern durch Wehrmacht und Gestapo deutlich zu, dies betraf auch die Ex-Internierten: So sind Massenerschießungen in Treuenbrietzen, Hildesheim und Kassel überliefert.

Ein weiterer Themenschwerpunkt beleuchtet in Kapitel 6 das Verhältnis zwischen den Militärinternierten und der von NS-Deutschland abhängigen RSI Mussolinis. Der RSI wurde offiziell der Schutzmachtstatus für die Internierten zugesprochen, den sie anstelle des Internationalen Roten Kreuzes einnehmen sollte. Das faschistische Italien war damit für die Unterstützung der italienischen Gefangenen zuständig, war aber organisatorisch nicht in der Lage, dieser Funktion zu entsprechen. Vor allem politische Absichten motivierten die RSI dazu, sich um die Militärinternierten zu bemühen. Maßnahmen wie Paketsendungen an die Gefangenen zielten vor allem darauf ab, die Unterstützung der italienischen Bevölkerung für die RSI zu gewinnen bzw. die Angehörigen ruhig zu stellen.

Kapitel 7 zeigt die Befreiung, das monatelange Warten auf die Heimkehr in Displaced-Persons-Lagern und die Rückreise. Die Alliierten transportierten zunächst bevorzugt Displaced Persons aus anderen Ländern in deren Heimat. Viele der Ex-Internierten machten sich daher eigenständig auf den Heimweg; die meisten warteten jedoch auf die offiziellen Transporte über den Brenner.

In Kapitel 8 wird die Situation der Ex-Internierten in den Jahrzehnten nach ihrer Rückkehr nach Italien dargestellt. Zunächst fand das Schicksal der Militärinternierten kaum Beachtung: Die italienische Nachkriegsgesellschaft erkannte sie lange nicht als Opfergruppe an. Erst in den 1980er-Jahren wurde das »Nein« der Internierten zur Kollaboration mit der deutschen Wehrmacht oder Mussolini als »Widerstand ohne Waffen« anerkannt. Von deutscher Seite hat es für die übergroße Mehrheit der Militärinternierten bis heute keine Entschädigung gegeben. Interviewstationen mit Aussagen von ehemaligen Militärinternierten sowie von ehrenamtlich Engagierten und Historikern zur Bedeutung des Themas in der Gegenwart stehen am Ende der Präsentation.

Ohne die Hilfe der ehemaligen Militärinternierten und deren Angehörigen aus Italien wäre diese Ausstellung nicht möglich gewesen. Sie haben bereitwillig die Geschichten ihrer Väter und Großväter in Form von Berichten, Fotos, Dokumenten und Objekten zur Verfügung gestellt. Auch italienische Geschichtsinstitute, Vereine, Opferverbände und Studienzentren halfen mit Auskünften, Objekten und Interviews. Die meisten stellten sie kostenfrei oder gegen eine geringe Gebühr zur Verfügung. Auch auf deutscher Seite halfen Geschichtswerkstätten, Privatpersonen, Historiker sowie Gedenkstätten. So ist im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit aus vielen Puzzleteilen eine Gesamtschau entstanden, die das Schicksal der italienischen Militärinternierten bekannter machen soll.

 

Daniela Geppert ist wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Bereiche Ausstellungen und Bildungsarbeit im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit.

 

 

 

 

 

 

1    Der Abschlussbericht ist unter folgender Internetadresse abrufbar: www.villavigoni.it