8. Februar 2017

Gedenkort Fontanepromenade 15 - Zentrale Diesntstelle für die Juden

Schickanepromenade- Sozialräumliches Gedenken als Chance

Schwamm drin oder Schwamm drüber?

 

In der Fontanepromenade 15 in Berlin-Kreuzberg weist seit 2013 nur eine Stele

auf die »Zentrale Dienststelle für Juden« hin, die dort ab November 1938

Juden zum „Geschlossenen Arbeitssatz“ vermittelten.

Nachdem bekannt wurde, dass das Gebäude im vergangenen Jahr an einen Investor verkauft

wurde, beklagte die Stadtteilinitiative »Wem gehört Kreuzberg«, dass »ein solcher Geschichtsort der Immobilienspekulation geopfert wird und nicht als Gedenkort/Museum zur jüdischen Zwangs-arbeit und zum Holocaust öffentlich genutzt wird« (offener Brief: www.wem-gehoert-kreuzberg.de/index.php/gedenkort-fontanepromenade-15/1015-offener-brief-zum-baubeginn-in-der-fontanepromenade-15)

 

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und die Senatsverwaltungen haben sich auf die offenen Briefe bisher nicht öffentlich zu Wort gemeldet.

Der 12. Intern. Holcaustgedenktag und der 21. Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus bot

sich die Chance.

 

Mittlerweile lud der Kultur-Senat zum ersten Sondierungs-Gespräch zum Gedenkort Fontanepromenade 15 ein, die Bezirskverordnetenversammlung befasste sich in ihrer konstituierenden Sitzung damit, das Bezirksamt stellte in Aussicht Stellung zunehmen und bot zwischenzeitlich zwei Gesprächstermine an, die zum Treffen mit den Akteuren, die einen sofortigem Baustopp forderten, Anfang Februar führte.

 

Aber der Reihe nach.

 

Die Initiative „Gedenkort Fontanepromenade 15“(G.I. F 15) hat sich am 18. Januar im Nachbarschaftshaus Urbanstrasse mit dem Eigentümern des „Baudenkmal Fontanepromenade 15“ getroffen. André Schmitz, Inge Deutschkron-Stiftung und Teil der Ini, moderierte die Sitzung. Nach einem Artikel in der Lokalausgabe der TAZ Bremen (15.1.17), in dem der Bremer Investor und Architekt Marc Brune in Aussicht stellte, einen Teil des Gebäudes, als Gedenkort zu nutzen und dafür zu einem örtsüblichen Mietzins zu vermieten. Vor Weihnachten hatte die Ini ihn in einem Brief um eine Gesprächstermin gebeten, den er mit dem direkten Kontakt jetzt per Mail suchte.

Im Gespräch gewann die G.I.F 15 einhellig den Eindruck, dass Marc Brune und Parterin ein Glückfall für den Erwerb des Hauses sind. Er und sein fachkompetentes Team legten dar, dass das Haus „ maximal noch 4 bis 5 Jahre durchgehalten hätte“. Die Einladung auf die um die Ecke liegende Baustelle wurde ausgesprochen. Die mündlichen Schilderungen wurden praktisch erfahrbar: Schwammdurchsetzte Balken lagen da herum, die marode Dachkonstruktion war auch für den Laien sichtbar. Der aktuelle Stand der Sanierung wurde vom Polier erläutert. Die Inaugenscheinnahme überzeugte.

 

Bürgerschaftliches Engagement trägt Früchte.

Die „Schikanepromeande“ als Baudenkmal gerettet, der Investor offen für Nutzung für inhaltliche Konzepte bei Kostenbeteiligung der öffentlichen Hand.

 

Ein weiteres Gespräch mit dem Nachbarschaftshaus Urbanstrasse (NHU) fand statt, bei dem über inhaltliche Veranstaltungen nachgedacht wurden und die Einbeziehung der Anwohner des „Sozialraumes“ in die konzeptionellen Überlegungen des Gedenkortes. Im Gespräch bestand Übereinstimmung, dass nicht nur der Rest des physischen Ortes des „jüdischen Arbeitsamtes“ und dem aktuellen Angebot des Investors der Bereitstellung eines „musealen Raumes“ umfassen sollte, sondern das Strassenland mit Promenade um ein Spannungsbogen zum politischen Heute zu spannen.

Das erste Markierungszeichen an dem Ort, die Schrifttafel von 2013 im Rahmen der „zerstörten Vielfalt“ eingeweiht, war eine erste öffentliche Würdigung, die auch von der Abteilung „Gemeinwesenarbeit des NHU begleitete wurde.

Aus diesen Arbeitszusammenhängen konnte als weiteres Mitglied der G.I.F 15, die Synagogengemeinde Fränkelufer gewonnen werden, vertreten durch ein Gemeindemitglied der auch Historiker ist.

 

Die überbezirkliche Initiative „Gedenkort Fontanepromenade 15“ ist in ihrer inhaltlichen Kompetenz gut aufgestellt.

Beim ersten Gespräch am 25. Januar bei der Senatskulturverwaltung wurden die Grenzen der „strukturellen Gewaltenteilung“ dargelegt und die Vertreter der Ini, die aus Zeitzeugen, geschichts- und erinnerungspolitischen Erfahrenen, so wie Kultur und Kunstschaffenden und sich um das historische Berlin kümmernde, besteht.

Die historischer Expertise, wie die von Herr Wolf Gruner, der das Grundlagenwerk zum „Geschlossenen Arbeitseinsatz der Juden“ verfasste, erst ein Jahr nach der Initiierung des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozailismus durch den kürzlich verstorbenen Bundespräsidenten Romans Herzog, der zu einem würdigen Gedenken aufrief .. „ Die allmähliche Eskalation der Gemeinheit fand öffentlich statt und konnte in den Gesetzesblättern nachgelesen werden. ....“ (http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Roman-Herzog/Reden/1996/01/19960119_Rede.html) ist mitversammelt.

 

Vereinbart wurde ein Konzept zu erarbeiten, wo für sich die berlinweite Ini Anfang Februar in Klausur begibt. Mit ihrem Ergebnis tritt siehe wieder an den Kultursenat heran.

 

Bezirk und Senat haben sich bisher noch nicht öffentlich zu den Forderungen der Inititaitve geäußert und die beiden offenen Briefe unbeantwortet gelassen.

 

Schwamm drüber wäre den Vertretern der parlamentarischen Demokratie wohl lieber nach dem der Schwamm im Baudenkmal erfolgreich saniert wird.

Dem ist nicht so.

Der Initiative ist die Verortung der „Schickanepromenade“ im „sozialen Raum“ als zentralen Ort im Holocaust an der Schnittstelle zwischen Verwertung und Vernichtung. Der Ort der Arbetisverwaltung an dem in seiner „bürokratischen Kreatiitität“ dauerhaft zu markieren und im Heute erfahrbar macht.

 

Dokumentation der Arbeit zum „Gedenkort Fontanepromenade 15“ findet sich hier:

www.wem-gehoert-kreuzberg.de/index.php/gedenkort-fontanepromenade-15 die Geschichte

 

Lothar Eberhardt

Berliner Naturfreunde, OG Friedrichshain-Kreuzberg

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