2. August 2017

Verschwundene Spuren werden sichtbar gemacht

International Summer Camp an der Gedenkstätte Mittelbau-Dora

Wo einst der Lagerkomplex Mittelbau Dora lag, erstrecken sich heute zu großen Teilen Wälder. Die eigentlichen Ausmaße des Lagers sind heute kaum mehr zu erahnen. Die Gedenkstätte hat es sich zur Aufgabe gemacht das zu ändern und erhält seit kurzem wieder internationale Hilfe...

 

Wer heute den Blick schweifen lässt über den ehemaligen Appelplatz des Lagers Mittelbau Dora, der wird neben den sichtbaren Spuren der Geschichte vor allem Grün entdecken. Zwischen den Bäumen aber blitzt aus der Entfernung weiß auf, einige Grundrisse hat man mit hellen Gesteinen wieder hervorgehoben, seit einigen Jahren bemüht man sich an der Gedenkstätte darum auch diese von der Zeit verwischten Spuren der Lagergeschichte wieder sichtbar zu machen.

 

Insgesamt 50 Gebäude standen hier einmal, heute spenden die Bäume angenehmen Schatten in sommerlicher Hitze. Über den freuten sich heute auch die 20 Freiwilligen, die sich in den kommenden zwei Wochen abmühen werden um ein weiteres Gebäude sichtbar zu machen. Die Idee zu der visuellen Markierung hatte die "Jugend für Dora", heute begann nun schon zum dritten mal das "International Summer Camp" der "SCI", des "Service Civil International". Menschen aus aller Herren Länder, jung und alt, Männer und Frauen, kommen zusammen um verschiedene Projekte mit ihrer Hände Arbeit zu unterstützen.

 

Aber warum die Zeit im Ausland ausgerechnet in einem ehemaligen Konzentrationslager verbringen? Für Sarah aus Mexiko ist eine Mischung aus Interesse an der großen Geschichte und den Rätseln ihrer eigenen Familie. Ihr Urgroßvater hat während des Krieges im belgischen Widerstand gekämpft, was er erlebt hat, was ihm passiert ist, darüber habe er nie gesprochen, erzählt die 24-jährige, sie interessiere es was mit ihm und seiner Familie hätte passieren können, wen er in einem Lager wie Mittelbau-Dora sein Ende gefunden hätte. Es ist nicht das erste ehemalige Konzentrationslager, das die junge Mexikanerin besucht, Sachsenhausen und Auschwitz hat sie ebenfalls besucht. Dora sei in dieser Reihe schon etwas besonderes, die Erfahrung der Gefangenen hier sei eine andere gewesen.

 

Nachfühlen könne sie in keinem Fall was die Inhaftierten hier erleben mussten, deprimierend sei das ganze trotzdem. Beim Summercamp geht es aber nicht allein um die Reflexion des Gewesenen. Es wird gearbeitet, geschwitzt und auch gelacht. Am Wochenende will sie wandern gehen, sagt Sarah, einige andere wollen vielleicht nach Leipzig fahren oder sich das Fußballspiel ansehen. Man hat Spaß mit den neuen Bekanntschaften.

 

Jeden morgen kommen die Helfer von Harz Rigi mit dem Fahrrad in die Gedenkstätte, mit freundlicher Unterstützung des Vereins Horizont, der das Schullandheim betreibt. Josep und Anna werden vielleicht auch am Wochenende mit dem Rad unterwegs sein oder in Harz Rigi von der harten Woche entspannen. Die beiden kommen aus Spanien und sind mit knapp über 40 Jahren die Ältesten in der Gruppe. Sie interessiere vor allem die geschichtliche Aufarbeitung, die man in Deutschland betreibe, meint Anna. In Spanien, in denen die faschistische Franco-Diktatur mit dem Tod des Machthabers 1975 endete, gebe es das so nicht. "Das muss bei uns auch geschehen, es ist an der Zeit", sagt Anna.

 

In Deutschland ist man da weiter aber noch nicht am Ende. Gerade einmal fünf der fünfzig Gebäude des weiteren Lagerkomplexes hat die Gedenkstätte bisher wieder sichtbar gemacht, an Nummer sechs arbeiten Sarah, Anna, Josep und die anderen im Moment. Es bleibt also noch jede Menge "sichtbar zu machen".

 

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Glashagel, Angelo: "International Summer Camp an der Gedenkstätte. Verschwundene Spuren werden sichtbar gemacht" in: nnz-online, zuletzt geprüft: 02.08.2017 11:19 Uhr

 

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