Ausstellen und Vermitteln im Museum der Gegenwart

Carmen Mörsch | Angeli Sachs | Thomas Sieber (Hg.)

Wie verändert sich Museumsarbeit, wenn Ausstellen und Vermitteln als integriertes Konzept verstanden werden?
Im Kontext der kritischen Museologie befragen Museen ihre gesellschaftliche Rolle und entwerfen sich als Orte des Wissensaustauschs und einer beteiligungsorientierten Verknüpfung von Geschichte und Gegenwart. Vermittlung versteht sich dabei als eigenständige Praxis, welche Ausstellungen und Institutionen hinterfragt, erweitert und verändert.
Der Band versammelt Beiträge internationaler Vertreter_innen verschiedener Museumstypen, die Einblick bieten in die vielfältigen Positionierungen und die Übersetzung der »großen Entwürfe« in die Praxis.

Autoreninterview... mit den Herausgebern1. Warum ein Buch zu diesem Thema?Ausstellen und Vermitteln stehen seit Beginn der Professionalisierung von Museumsarbeit in einem hierarchischen Verhältnis zueinander: Demnach kommt erst die Ausstellung, danach bemüht sich die Vermittlung um eine reibungslose Kommunikation ihrer Inhalte an ein möglichst großes Publikum. Diese Anordnung ist insbesondere in den letzten zwei Jahrzehnten in Bewegung geraten: Die Grenzen zwischen den beiden Arbeitsbereichen werden durchlässiger. Hier setzt diese Publikation an.2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?Die markanten Verschiebungen der Handlungsparadigmen und imaginierten Funktionen von Museen finden sich gegenwärtig noch vorwiegend auf Konzeptebene. In der institutionellen Realität ereignen sich die damit verbundenen Raum- und Handlungserweiterungen graduell: Vor diesem Hintergrund haben wir die Beiträge den Kapiteln ›Ausstellen‹ und ›Vermitteln‹ als ›Erweiterung des Displays‹, als ›Erweiterung des Museums‹, als ›gesellschaftliche Intervention‹ und als ›Dekolonialisierung‹ zugeordnet, die jeweils von einer Einführung begleitet werden. Diese Kategorisierungen möchten wir als heuristische Setzungen verstehen, welche eine Kontextualisierung gegenwärtiger Praxen des Ausstellens und Vermittelns sowohl in der feldinternen Debatte als auch innerhalb gesellschaftlicher Entwicklungen unterstützen sollen.3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?Gegenwärtig wird die gesellschaftliche Rolle von Museen und Ausstellungsinstitutionen in der Forschung und Praxis stark diskutiert. Museen orientieren sich – weg von ihrer starken Fokussierung auf die Objekte – hin zur Gesellschaft, zu den Nutzenden. Sie entwerfen sich als Orte des Wissensaustauschs und als Schauplätze einer beteiligungsorientierten Verknüpfung von Geschichte und Gegenwart.Die Erkenntnisse der kritischen Museologie haben darüber hinaus zu einem Verständnis von Museen als historisch gewachsene, machtvoll in ein soziales Gefüge intervenierende Akteure beigetragen, die nie neutral sind, sondern sich durch ihr Handeln immer schon gesellschaftlich positionieren. Mit dieser Publikation möchten wir zu einer Diskurs- und Theoriebildung beitragen, die auf der Verhandlung unterschiedlicher Erfahrungszusammenhänge und Wissenstraditionen beruht.4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?In einem Roundtable mit Teilnehmer_innen von der ICOM bis zu Stadtteilaktivist_innen.5. Ihr Buch in einem Satz:Ein vielstimmiges Plädoyer für ein neues Verhältnis von Ausstellen und Vermitteln.

 

Dezember 2016 | ISBN: 978-3-8376-3081-7| 344 Seiten | 34,99 Euro (deutsch) | 39,99 Euro (englisch)