Fragiler Konsens. Antisemitismuskritische Bildung in der Migrationsgesellschaft

Astrid Messerschmidt | Meron Mendel

mit dem jetzt erschienen Sammelband Fragiler Konsens. Antisemitismuskritische Bildung in der Migrationsgesellschaft  werfen die HerausgeberInnen Astrid Messerschmidt (Bergische Universität Wuppertal) und Meron Mendel (Direktor der Bildungsstätte Anne Frank) einen kritischen Blick auf den vorgeblich antisemitismuskritischen Konsens der Bundesrepublik Deutschland und spüren Judenfeindschaft in der heutigen Gesellschaft nach. Dabei bündelt der Band Erkenntnisse zur Frage, wie aktuelle Formen von Antisemitismus wissenschaftlich-analytisch zu fassen und konkret zu bekämpfen sind. Die These lautet: Der antisemitismuskritische Konsens der Mehrheitsgesellschaft ist fragil. Unter der öffentlichen Parteinahme für die Jüdinnen und Juden besteht die alte Feindschaft vielfach fort und sucht sich immer neue Ausdrucksformen, etwa im Hass gegen Israel, in verkürzter Kapitalismuskritik oder in Formen sekundären Antisemitismus.

Die verstärkte Migration nach Deutschland stellt auch die antisemitismuskritische Bildungsarbeit vor veränderte Herausforderungen: Bringen Migrant*innen eine Feindschaft gegen Jüdinnen und Juden aus ihren Herkunftsländern mit, die sich nicht mit dem postulierten antisemitismuskritischen Konsens der deutschen Mehrheitsgesellschaft verträgt? Dieser sehr populäre Verdacht, welcher auf die fremd gemachten Anderen fällt, schreibt Antisemitismus häufig einer spezifischen Personengruppe zu. Dabei hat der jüngste Bericht des Expertenkreises Antisemitismus des Bundestags (2017) im Gegenteil gezeigt, dass antisemitische Ressentiments in allen gesellschaftlichen Schichten und Milieus sehr weit verbreitet sind.

Wie kann die politische Bildungsarbeit auf diese Problemkonstellation reagieren? Wie lässt sich Antisemitismuskritik auch an Migrant*innen vermitteln, ohne den (latenten) Antisemitismus der Mehrheitsgesellschaft aus dem Blick zu verlieren oder in rassistische Zuschreibungen zu verfallen? In dem Sammelband Fragiler Konsens sind 17 Autor*innen aus Wissenschaft und Bildung dieser – für das friedliche Zusammenleben in der vielfältigen Gesellschaft zentralen – Frage nachgegangen.

September 2017 | ISBN: 978-3-593-50781-1 | 309 Seiten | 19,95 Euro