Veranstaltungen

9. Dezember 2017 , 11:00 Uhr
Einzelveranstaltung 1 permanent

Provisorische Gedenktafel am Haus Wilhelmsaue 40

Programm:

Genug ist genug!

Endlich Erinnerung an ein im Zweiten Weltkrieg vom Bezirksamt Wilmersdorf betriebenes Zwangsarbeiterlager!

Berliner Geschichtswerkstatt bringt provisorische Gedenktafel                                        am  Haus Wilhelmsaue 40 an

Seit nahezu drei Jahren wird in Charlottenburg-Wilmersdorf darüber diskutiert, ob am Haus Wilhelmsaue 40 eine Gedenktafel zur Erinnerung an die dort im Zweiten Weltkrieg untergebrachten Zwangsarbeiter angebracht wird. Der Historiker Dr. Michael Roeder hatte seinerzeit drei Dokumente gefunden, die belegen, dass an dieser Stelle Zwangsarbeiter verschiedener Nationen untergebracht waren. Was das Lager besonders macht: Es handelte sich um ein Lager in der Regie des damaligen Bezirksamts Wilmersdorf. Dies belegen mehrere Dokumente. Eines davon befindet sich im Archiv des Heimatmuseums Charlottenburg-Wilmersdorf. Es ist eine Anweisung des nationalsozialistischen Bezirksbürgermeisters vom 30. April 1944 zum „Einsatz von Ausländern des städtischen Ausländerlagers für Arbeitsleistungen im Verwaltungsinteresse“ an die „Herren Dienststellenleiter“ des Bezirksamts Wilmersdorf: „Ich behalte mir den Arbeitseinsatz der Ausländer selbst vor.“

Zweifel an Ort und Charakter des Lagers wurden vor allem von SPD und CDU vorgebracht,  z. B. mit dem abwegigen Hinweis, das Zwangsarbeiterlager sei nicht im öffentlichen Adressverzeichnis aufgeführt. Die Historiker Prof. Rürup und Prof. Benz äußerten sich eindeutig, dass die Dokumente das Zwangsarbeiterlager an dieser Stelle belegen. Hinzu kam eine glasklare Stellungnahme der Leiterin des Dokumentationszentrums NS Zwangsarbeit der Topographie des Terrors, Frau Dr. Christine Glauning, die das Bezirksamt zum Handeln aufforderte, worauf das Bezirksamt nie antwortete. Ebenso ließ das Bezirksamt eine Frist der Bezirksverordnetenversammlung bis zum 31. Oktober 2017 verstreichen und berichtete nicht, wie es weitergehen soll.

Kommentar von Jürgen Karwelat, Vorstandsmitglied der Berliner Geschichtswerkstatt: „Der Ort und die Verantwortung des damaligen Bezirks Wilmersdorf für das Zwangsarbeiterlager Wilhelmsaue 40 sind mehr als gut belegt. Die Anbringung einer Tafel ist mehr als überfällig. Eine Verzögerung ist unverantwortlich. Der Bezirk darf sich nicht seiner historischen Verantwortung entziehen. – Auch in Charlottenburg muss ein Ort des Gedenkens an die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gefunden werden.“

Wir schreiten daher selbst zur Tat und bringen eine provisorische Tafel mit folgendem Text an:

„An dieser Stelle betrieb das Bezirksamt Wilmersdorf im Zweiten Weltkrieg ein Lager für Zwangsarbeiter.  

 

Es gab in Berlin circa 3000 Lager von staatlichen Betrieben und privaten Unternehmen, öffentlichen Stellen, auch Kirchen und anderen Institutionen, in denen etwa 500.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter untergebracht waren.

In Wilmersdorf befand sich mehr als ein Dutzend Lager.

 

Ohne Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter

wäre es dem nationalsozialistischen Staat

nicht möglich gewesen, diesen Krieg zu führen.

 

Berlin-Wilmersdorf, im Dezember 2017“

 

Wir laden Sie herzlich ein, an der Anbringung der provisorischen Tafel teilzunehmen.

Samstag, den 9. Dezember 2017 um 11 Uhr

Wilhelmsaue 40, Berlin-Wilmersdorf, nahe U-Bahnhof Blissestraße.

Es werden sprechen:

Jürgen Karwelat, Berliner Geschichtswerkstatt e.V.

Dr. Christine Christine Glauning, Leiterin Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit –Berlin  Schöneweide

Astrid Homann, Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V.

Dr. Michael Roeder, Historiker

 

Presseerklärung (pdf)

Ort:

Wilhelmsaue 40, Berlin-Wilmersdorf, nahe U-Bahnhof Blissestraße.

Veranstalter:

Berliner Geschichtswerkstatt e.V.