Veranstaltungen

16. Mai 2018 , 18:00 Uhr - 14. Oktober 2018 - 00:00 Uhr
Ausstellungseröffnung Ausstellung

Legalisierter Raub - Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945

Programm:

Eine Ausstellung des Fritz Bauer Instituts und des Hessischen Rundfunks.
Mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen
und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.


30. und letzte Ausstellungsstation

Mittwoch, 16. Mai bis Sonntag, 14. Oktober 2018
Historisches Museum Frankfurt
Saalhof 1, 60311 Frankfurt am Main

Ausstellungseröffnung
Mittwoch, 16. Mai 2018, 18:00 Uhr

Begleitprogramm zur Ausstellung
Begleitprogramm (pdf-Datei)

Kontakt
Historisches Museum Frankfurt
Saalhof 1, 60311 Frankfurt am Main
Tel.: 069.212-35599
info.historisches-museum(at)stadt-frankfurt.de
https://historisches-museum-frankfurt.de


Abschluss der Wanderausstellung
»Legalisierter Raub« in Frankfurt am Main


Nach 16 Jahren Wanderschaft und 29 Ausstellungsstationen kehrt die Ausstellung nach Frankfurt zurück, wo sie – erweitert um neue lokale Forschungsergebnisse – im Historischen Museum abschließend präsentiert werden wird. Dazu ist eine umfangreiche Publikation in Vorbereitung.

Die Ausstellung »Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945« ist seit ihrer Eröffnung in der Goldhalle des Hessischen Rundfunks am 28. Mai 2002 sehr erfolgreich durch Hessen und darüber hinaus gewandert. Das Ausstellungsteam hatte für jeden Ausstellungsort neue regionale Themen erarbeitet, die sich mit der Geschichte des legalisierten Raubes vor Ort beschäftigten. Sie entstanden auf der Basis weiterer Recherchen, oft in Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen, Schülerinnen und Schülern sowie weiteren regionalen Partnern. Aus den 15 Vitrinen der Erstpräsentation in Frankfurt waren zuletzt rund 150 Vitrinen geworden, die die Geschichten von Enteignung, Entrechtung und Raub erzählen – die der Opfer, von denen die meisten deportiert und ermordet wurden, und die der Profiteure.


Vorgeschichte der Ausstellung

Eine Ausstellung von Prof. Dr. Wolfgang Dreßen, die 1998 im Stadtmuseum Düsseldorf unter dem Titel „Betrifft: ‚Aktion 3'. Deutsche verwerten jüdische Nachbarn“ eröffnet wurde, rückte die fiskalische Ausplünderung der Juden im Nationalsozialismus erstmals in das Blickfeld einer weiteren Öffentlichkeit. Gezeigt wurden dort Unterlagen aus dem Bezirk der Oberfinanzdirektion Köln, doch die Ausstellung löste eine bundesweite Debatte aus: Sie warf einerseits erneut die Frage auf, was die deutsche Bevölkerung von der Ermordung der Juden gewusst hatte. Andererseits: Handelte es sich bei den nun veröffentlichten Dokumenten um Steuerakten, die dem Steuergeheimnis unterlagen oder handelte es sich um Akten der historischen Forschung?

Karl Starzacher, Hessischer Minister der Finanzen, wies die Finanzbehörden des Landes an, in ihren Beständen nach NS-Unterlagen zu suchen. Im Dezember 1998 übergab er im Rahmen einer Pressekonferenz vier Aktenkonvolute der ehemaligen Reichsfinanzverwaltung, die im Archiv der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main gelegen hatten, an die Frankfurter Jüdische Gemeinde. Seine Erkenntnisse und Fragen formulierte er so: „Es wurden Tausende vertrieben, alles sprach dafür, dass sie nie mehr zurückkehren würden“, doch Zweifel, weshalb die Opfer, die angeblich nur in die sogenannten „Ostgebiete“ umgesiedelt werden sollten, keinerlei Möbel, Gebrauchsgegenstände oder Wäsche mehr brauchten, seien in der Finanzverwaltung offensichtlich nicht aufgekommen. Stattdessen habe sie die Einziehung und Verwertung von Vermögen der Deportierten „reibungslos und ohne jede Skrupel“ administriert. Große Nachfrage aus der Bevölkerung verzeichnen die Dokumente auch nach dem gerade erst beschlagnahmten Besitz der Deportierten. Bei den öffentlichen Versteigerungen ihrer letzten Habseligkeiten sei der Zulauf „außerordentlich groß“ gewesen. Für Karl Starzacher ergab sich aus den Dokumenten: „Sehr viele haben gewusst oder haben wissen können, was tatsächlich vor sich ging. Und nicht wenige haben von der Vertreibung der Juden profitiert.“

Ort:

Historisches Museum Frankfurt, Saalhof 1, 60311 Frankfurt am Main

Veranstalter: