Veranstaltungen

9. Juni 2017 - 10. September 2017
Ausstellung

zwischen / raum

Programm:

9. Juni—10. September 2017 (Ausstellungspause der Kulturscheune: 9.-30. Juli)

samstags 11—17.00 Uhr

werktags für Gruppen nach Anmeldung

 

9. Juni, 19.00 Uhr Eröffnung - Treffpunkt Dorfkirche

zwischen / heimat + exil                                                                                                    Schriftwurzeln: Aus der Vergangenheit in die Gegenwart (1)                                                          Neuendorf und die Welt: jüdische Auswanderung, Flucht und Überlebende (2)             Zeugnisse jüdischer Umschulung und vom Anstand eines einzelnen (3)                           Vision eines thematischen Landschaftsparks zur jüdischen Dorfgeschichte (4)

Drei Monate lang im Sommer markieren künstlerische Installationen im öffentlichen Raum (landmarks) die jüdische Geschichte des ehemaligen jüdischen Hachschara-, Zwangsarbeits- und Sammellagers „Landwerk Neuendorf“. Diese Installationen bilden neben weiteren Ausstellungen und Veranstaltungen in der Dorfkirche, Kulturscheune und auf dem Gutshof die Meilensteine auf einem Ausstellungsweg durch das Dorf und seine Geschichte während der Jahre 1931-1943.

Als Sinnbild für die damalige landwirtschaftlich-gärtnerische Ausbildung jüdischer Menschen auf dem Gutshof werden in Anlehnung an historische Aufnahmen Gewächshäuser auf dem Dorfanger sowie am Hauptgraben, der bis heute vorhandenen (Flur-)Grenze zwischen Dorf und Gutshof, aufgestellt. Diese temporären Orte werden mit künstlerischen Installationen des bildenden Künstlers Robert Abts (Buchholz /1), der Grafikerin Ines Ebel (Berlin /2), der Szenografin Frauke Bischinger (Neuendorf /3) und des Kulturvermittlers Arnold Bischinger (Neuendorf /4) thematisch gestaltet und nachts behutsam beleuchtet. Inmitten des Dorfalltags entstehen so öffentlich zugängliche Orte, die eine Brücke zur elfjährigen Geschichte des Landwerks Neuendorf schlagen.

 

zwischen / hoffnung + verzweifelung

Raum- & Klanginstallation in der Kirche Neuendorf im Sande

 

Sieben großflächige Holzschnittdrucke auf Seidenpapier markieren den Raum. Direkt vor den Kirchenfenstern gehängt werden sie vom wechselnden Tageslicht in Szene gesetzt. In schwarz+weiß gehalten bilden sie Gegensatzpaare der großen Themen von Hoffnung+Verzweiflung, Glück+Trauer, Liebe+Hass und Leben+Tod.

 

Die Bielefelder Künstlerin und Kunstpädagogin Magdalene Bischinger entwickelte die Ausstellung unter dem Titel „Ins Holz geschrieben“ für die ehemalige jüdische Synagoge in Oerlinghausen. Dabei hat sie sich von hebräischen Schriftzeichen inspirieren lassen, die den Ausgangspunkt für ihre freien Assoziationen zu den Begriffspaaren bilden.

 

Die Ausstellung der handgefertigten Druckfahnen wird anlässlich des 140. Geburtstags der jüdischen Montessori-Pädagogin Clara Grunwald, die am 11. Juni 1877 in Rheydt, Mönchengladbach geboren und in Auschwitz im April 1943 ermordet wurde, von einer Klanginstallation begleitet: Simultan erklingen sieben von ihr in den Jahren 1941-43 im Neuendorf geschriebene und von der Berliner Schauspielerin Charlotte Sieglin gelesene Briefe. Als Zeitzeugnisse einer Zeit zwischen Hoffnung+Verzweiflung gewähren die Briefe Einblick in das Schicksal derer, die sich im jüdischen Umschulungsheim Landwerk Neuendorf zwar noch auf die Auswanderung vorbereiteten, aber zunehmend der drohenden Gefahr der Deportation ´nach Osten´ ausgesetzt sahen.

 

eine Veranstaltung der Kulturscheune Neuendorf im Sande in Zusammenarbeit mit der ortsansässigen Kirchengemeinde

 

zwischen / vergessen + erinnern

fotografische Vermessung der jüdischen Gutshofsgeschichte

 

Im Jüdischen Museum Tel Aviv tauchen historische Fotografien auf, deren Zuordnung jenseits der Ortsangabe Neuendorf keinerlei Rückschlüsse zulassen, weder auf den Fotografen, den Zeitpunkt der Aufnahme noch auf die fotografierten Personen. Für Neuendorf sind es die ersten Fotografien aus der Zeit des jüdischen Landwerks, die sich heute überhaupt auf dem Gelände des ehemaligen Gutshofes räumlich zuordnen lassen.

 

An Ort und Stelle aufgestellt, schärfen neun großformatige Reproduktionen diese Aufnahmen das Bewusstsein für die jüdische Gutshofsgeschichte. Der ehemals repräsentativste Ort im Dorf, die weitläufige Gutsanlage mit heute als solchem kaum noch erkennbarem Park ist heute aufgrund mehrfacher historischer Bruchstellen zu einem unscheinbaren Ort am Rande des Dorfes und der Aufmerksamkeit verkommen. Heute steht die bebaute Fläche des Gutshofes unter vorläufigen Denkmalschutz und zum Verkauf. Der Neuendorfer Gutshof ist heute der einzige noch begehbare ehemalige Hachschara-Standort im Land Brandenburg.

mit Dank an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben

 

zwischen / raum

jüdisches Hachschara-, Zwangsarbeits- und Sammellager 1932-1943

 

Seit Mitte der achtziger Jahre machen sich Holocaust-Überlebende in Begleitung ihrer Kinder und Enkelkinder sowie ehrenamtlicher Helfer vor Ort auf den Weg gemacht, ihren biografischen Spuren auf dem ehemaligen Gutshofgelände in Neuendorf im Sande nachzugehen. Manche haben ihre Erinnerungen in späteren Buchveröffentlichungen festgehalten.

 

In der Ausstellung werden sechzehn Lebensläufe exemplarisch nachgezeichnet. Inspiriert von der Vision der Hachschara (hebräisch: Vorbereitung) und Alijah (hebräisch: Aufstieg = Auswanderung ins ´gelobte Land´) und dessen fotografischer Darstellung schafft die Ausstellung einen Begegnungsraum für die Auseinandersetzung mit dieser besonderen jüdischen (Dorf-)Geschichte. Die Ausstellung changiert zwischen historischen Fakten, biografischen Bezügen und künstlerischer Gestaltung. Großformatige Silhouetten mit Portraitfotos bilden ein fiktives Gruppenbild aus den Jahren 1941–43.

                                                                                                                                                          Die Ausstellung ist anlässlich eines mehrjährigen Forschungsprojekts der Leibnitz Universität Hannover – Zentrum für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur und des Israelischen Instituts für Technologie, Haifa zur Hachschara-Bewegung: „Jüdische gärtnerische und landwirtschaftliche Ausbildung in Deutschland und ihre Bedeutung in Palästina/Israel“ auch zu Gast in Hannover:                                                                                                                                 15. Okt. bis 26. November -Gedenkstätte Israelitische Gartenbauschule Ahlem, Hannover

Ort:

Veranstalter:

Kulturscheune Neuendorf im Sande e.V.