3D-Rekonstruktion der ehemaligen Synagoge des DP-Camp Ziegenhain

Gedenkstätte und Museum Trutzhain
15. Februar 2022

„Diejenigen, die überlebt haben, wollten von Polen über Deutschland nach Israel weiter – wir wollten nicht bleiben.“ Mit diesen Worten beschreibt Lea Waks hier stellvertretend für die Mehrzahl der Überlebenden der Shoa ihre Sehnsucht nach Palästina. Nur dort schien es ihnen möglich, ein Leben in Frieden aufzubauen. Lea Waks gehörte zu der Gruppe polnischer Jüdinnen und Juden, die für eine kurze Zeit, zwischen August 1946 und November 1947 in den Baracken des ehemaligen STALAG IX A Ziegenhain in einem Displaced Person Camp (DP-Camp) untergebracht waren. Obwohl der Aufenthalt nur für eine kurze Zeit gedacht war, entwickelte sich ein intensives soziales und kulturelles Leben. Das religiöse Zentrum war die Synagoge, in der Lea Lesser 1946 Aron Waks heirate.

In den weiteren Jahren diente das Gebäude, in dem sich bis heute Reste der Wandbemalung der ehemaligen DP- Synagoge befinden, als Kunstblumenfabrik. Eine genaue Beschreibung der baulichen Situation und der künstlerischen Ausgestaltung findet sich in der 1988 von Thea Altaras erstellten Dokumentation Synagogen in Hessen – Was geschah seit 1945? Darin heißt es: „Die Eingänge an beiden Traufseiten, vermutlich einst für Frauen und Männer getrennt, führten in die Wohnung. Im vorderen Teil des Saales befand sich der Thora-Schrein, zum Nordosten geortet, daneben ein kleiner durch leichte Wände begrenzter Raum, der erhalten geblieben ist. Die Dachbinder, von einer mittig platzierten Stütze getragen, standen nach wie vor frei im Raum. Bemerkenswert war die noch zum größten Teil erhaltene Wandmalerei in Form von dorischen Säulen (mit Kanneluren und dorischen Kapitell), die einen an allen Wänden über die Fenster hinweg umlaufenden Architrav hielten. In der Mitte der Halle, an der Untersicht der Dachschräge, ein großer Davidstern in weißer und blauer Farbe.“

Heute sind keine freistehenden Stützen im Innern des Gebäudes mehr zu sehen und auch die Wandmalereien sind nur noch teilweise erhalten oder sichtbar. Schließlich ist ungewiss, wie das Gebäude der ehemaligen Kunstblumenfabrik Lumpe künftig genutzt werden wird. Mit der 3D-Rekonstruktion der Synagoge des DP-Camp Ziegenhain ist es gelungen historisch bedeutende Spuren für die Zukunft zumindest virtuell zu sichern, die an einen kurzen Moment jüdischen Lebens in der Nachkriegszeit erinnern.

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