Gesellschaftlicher Umgang mit Täterschaft

Magazin
27. Januar 2022
Lernen aus der Geschichte

Das den kurzen Titel prägende Thema von Täterschaft verweist in erster Linie auf den Nationalsozialismus und seine Nachwirkungen. Es ist nicht erst der 80. Jahrestag der Wannsee-Konferenz, der uns veranlasst hat, das Täterthema und den gesellschaftlichen Umgang mit ihm aufzugreifen. Im LaG-Magazin wurde der Komplex bereits 2009 und 2016 angesprochen. Zu selten, angesichts der Zentralität, die ihm in der Auseinandersetzung der postnationalsozialistischen Gesellschaft auch in der Gegenwart zukommen sollte.

Oliver Plessow führt mit seinem Beitrag in die Ausgabe ein. Aus einer geschichtsdidaktischen Perspektive schreibt er über den Umgang mit Täterschaft und zur Verantwortung Einzelner, die sich über Konzepte von Agency nachvollziehen lässt.

Auf Kriegsgräberstätten sind häufig nationalsozialistische Täter neben den Opfern begraben. Sebastian Fehnl diskutiert die Problematik anhand von Grabfeldern auf dem Weimarer Hauptfriedhof.

An der Auseinandersetzung mit Lebensläufen von Tätern aus den Gestapo-Dienststellen lässt sich über das ambivalente Verhalten dieser Männer lernen, auch bei subalternen Beamten, und die behördliche Funktionsweise verstehen, so Akim Jah. Der Autor zeigt dies am Beispiel von Walter Dobberke auf. 

Flavia Citrigno und Christoph Kreutzmülller befassen sich mit der Liste noch lebender Jüdinnen*Juden in Europa auf Seite sechs des Protokolls der Wannsee-Konferenz als einer Möglichkeit der Annäherung an das Geschehen.

Wie gehen Menschen damit um, dass sie einen NS-Täter in der Familie haben? Der Frage widmet sich Ingolf Seidel exemplarisch an den Beispielen von Niklas Frank und Alexandra Senfft.

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