„Auch Deutsche unter den Opfern“

Gespräch
Theaterstück
6. Oktober 2022
20:00 - 22:00 Uhr
Ort: bUm, Paul-Lincke-Ufer 21, 10999 Berlin
Veranstalter: Kompetenznetzwerk Rechtsextremismusprävention (KompRex)

Im elften Jahr nach Selbstenttarnung des sogenannten NSU stellt die Bundesanwaltschaft am 14. September 2022 die Ermittlungen gegen fünf Verdächtige mangels Tatverdacht ein. Bis die vier letzten noch laufenden Ermittlungsverfahren eingestellt werden, scheint es nur noch eine Frage der Zeit.

Zehn Tote in elf Jahren – neun Menschen mit griechischer, türkischer und kurdischer Herkunft – das ist die traurige Bilanz des „NSU“. Jahrelang wurde den Opfern mit Migrationshintergrund eine Verwicklung in die Machenschaften der organisierten Kriminalität unterstellt – gleichzeitig schlossen die Beamten einen rechtsextremen Hintergrund der Taten aus.

Die Verbrechen des „NSU“ enden im Jahr 2011: Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos werden tot in einem ausgebrannten Wohnmobil aufgefunden, vier Tage später stellt sich Beate Zschäpe der Polizei.

Der größte politische Strafprozess nach der Wiedervereinigung bemühte sich um Aufklärung. Nach fünf Jahren und insgesamt 438 Verhandlungstagen, bei denen mehr als 700 Zeugen gehört wurden, wurde das Urteil verkündet. Doch die Frage bleibt: Welche Rolle spielt der Staat in diesem Verbrechenskomplex? Es ist ein deutsches Verbrechen, dessen lückenlose Aufklärung kaum möglich scheint. Es ist neue deutsche Zeitgeschichte! Was wäre gewesen, wenn die Opfer deutsche Namen gehabt
hätten und die Täter nichtdeutsche?

Tuğsal Moğul versammelt nach intensiver 9-monatiger Recherche reine Fakten und Aussagen, Polizeimeldungen und Politikerstatements zu der NSU-Mordserie im Besonderen und zu rechter Gewalt im Allgemeinen. Aber in dieser Konzentration entwickelt das Bekannte eine extreme Wirkung. Es lässt sich nicht mehr Verdrängen und Verharmlosen. Das Ensemble, das mal CSI und mal Märchenstunde spielt, muss das Publikum gar nicht beschimpfen. Die Ereignisse, die sie referieren, sprechen für sich und sind immer auch mit einer Frage an uns alle verbunden. Wie konnte es soweit kommen und welchen Anteil hat jeder einzelne daran?

Das Kompetenznetzwerk Rechtsextremismusprävention zeigt das Stück im Rahmen der Tagung Angriff von rechts: Demokratiefeindlichkeit und die extreme Rechte. Im Anschluss gibt es ein Gespräch zwischen Aylin Esener, Schauspielerin und Aktivistin und Massimo Perinelli, Referent für Migration bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Anmeldung für das kostenfreie Abendprogramm bis 04. Oktober 2022

Rückfragen: E-Mail an united@remove-this.gesichtzeigen.de

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