Hassen lernen. Hetze und Beleidigung in der politischen Kultur der Weimarer Republik

Vortrag
11. Juni 2024
19:00 - Uhr
Ort: Topographie des Terrors, Auditorium Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Veranstalter: Topographie des Terrors, Verein Weimarer Republik, Walther Rathenau-Gesellschaft, Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

Mit großer Sorge, aber auch mit Faszination blickten zahlreiche Zeitgenossen in der Weimarer Republik auf die allgegenwärtigen „Hassgesänge“ auf den Straßen und in den damaligen Medien.
In ihrem Vortrag stellt Silke Fehlemann dar, dass Hass als politische Emotion viele demokratische Politiker in der Weimarer Republik konkret betraf. Sie sahen sich mit Spott und Schmähungen in der Presse, aber auch mit visuellen Beleidigungs- und Hetzpraktiken in den „neuen“ illustrierten Massenmedien konfrontiert. Hetze und Hass konnten eine Vorstufe der Gewalt sein – das machten die politischen Attentate und vor allem die Ermordung Walther Rathenaus im Jahr 1922 deutlich. Trotz des daraufhin verabschiedeten Republikschutzgesetzes nahm das aggressive Klima der Hetze zu und schlug sich vor allem in den letzten Jahren der Weimarer Republik nieder. Bereits ab Mitte der 1920er Jahre setzten nationalsozialistische Medien systematisch Hetzkampagnen ein und nutzten den Unterhaltungswert und die Zermürbungsfunktion der Schmähkampagnen.

Silke Fehlemann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Technischen Universität Dresden. Ihre Forschungen befassen sich unter anderem mit der Kulturgeschichte des Ersten Weltkriegs und der Zwischenkriegszeit sowie mit Emotionsforschung. In dem 2023 erschienenen Sammelband „Gewalt gegen Weimar“ ist sie mit dem Beitrag Hassen lernen. Hetze und Beleidigung in der politischen Kultur der Weimarer Republik vertreten.

Martin Sabrow ist Prof. em. für Neueste und Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und war bis 2021 Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam. Er leitete die Ausstellung „Gewalt gegen Weimar“ und ist Herausgeber des gleichnamigen Sammelbands.

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