4. Juli 2006

Zweite Ravensbrücker Sommer-Universität - „Europische Gedächtniskulturen“

Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.Internationaler Freundeskreis Gedenkstätte Ravensbrück.Heinrich-Böll-Stiftung e.V..Stiftung Topographie des Terrors

Projektbeschreibung:
Die Gedächtniskulturen vieler europäischer Staaten sind durch die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg geprägt. Der NS-Massenmord, der Krieg und die deutsche Besatzung dienen bis heute als eine gemeinsame Kontrastfolie für die politische Konsensbildung der Nachkriegsgesellschaften und zwar in West- und in Osteuropa...Indes ist in westeuropäischen Ländern seit einigen Jahren eine Erosion nationaler Geschichtsmythen zu beobachten, in dem beispielsweise die „großen Erzählungen“ vom nationalen Widerstand eine Neubewertung erfahren. In den osteuropäischen Ländern haben ähnliche Prozesse seit 1989 begonnen. Im Zuge der gegenwärtigen Renationalisierungsversuche und vor dem Hintergrund des Stalinismus findet eine Neubewertung von Vergangenheit statt, bei der es auch um die Definition von unterschiedlichen Opfergruppen geht...Thema der zweiten Ravensbrücker Sommer-Universität sind die kanonisierten Formen der öffentlichen Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in ihrer normenstiftenden Funktion. Ausgangspunkt ist die Geschichte der deutschen Konzentrationslager. Diskutiert werden sollen die Tradierungsmuster der einzelnen west- und osteuropäischen Länder, die Differenzen und Gemeinsamkeiten in der Interpretation von Erfahrungen wie Deportation, Zwangsarbeit, KZ-Haft und Befreiung. Welche Rollen spielten die Häftlingsverbände, die sich nach 1945 gründeten, bei der Entwicklung der jeweiligen Gedächtnisorte? Welche Divergenzen ergaben sich in Westeuropa aus der Erinnerung einerseits an den bürgerlich-national motivierten Widerstand und andererseits an den kommunistischen Widerstand? Welche Erinnerungen an Deportation, Zwangsarbeit und KZ-Haft wurden in den west-europäischen Staaten Teil des offiziellen Geschichtsbildes und welche wurden ausgeklammert? Welchen Einfluss nahm der Kalte Krieg auf die jeweiligen Vergangenheitsbilder?..Für die Herausbildung und Manifestation von Gedächtniskulturen spielen Massenmedien eine herausragende Rolle. Dominierende Geschichtsversionen werden in unterschiedlichen Formen der Repräsentation vermittelt, die Filme und Bilder ebenso umfassen wie Texte, Skulpturen und verschiedene Praktiken des Gedenkens. Dies sind in etwa die Gegenstandsfelder, an denen sich die Manifestation der verschiedenen kollektiven Opfer- und Täterdiskurse untersuchen, vergleichen und diskutieren lassen...Im Rahmen des europäischen Integrationsprozesses sind die Fragen der Erinnerungspolitik und das Geschichtsbewusstsein virulenter geworden. Dabei spielen nationale Besonderheiten ebenso eine Rolle wie transnationale Vergleiche. Vor diesem Hintergrund ist die zweite Ravensbrücker Sommer-Universität als ein europäisches Forum vergangenheitspolitischer Diskussion konzipiert.._____________________________________________________________..Zeit: 20. - 25. August 2006..Ort: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.Straße der Nationen; 16798 Fürstenberg.Telefon: 033093-608-13; Telefax: 033093-608-29.email: info@ravensbrueck.de..Info:.www.ravensbrueck.de.www.cultures-of-remembrance.net..Unterkunft mit Vollpension (Jugendherberge): 23,50 € pro Tag.(auf Wunsch Einzelzimmer gegen Aufpreis)..Anmeldung (bis 4.8.2006): Gedenkstätte Ravensbrück..Anreise.Bahn: Der RE fährt stündlich Berlin - Fürstenberg - Stralsund/Rostock. Vom Bahnhof Fürstenberg aus 2 km Fußweg oder per Taxi.Kfz: Fürstenberg liegt ca. 80 km nördlich von Berlin an der B 96 Berlin - Stralsund; derzeit Umleitung über Menz; in Fürstenberg der Beschilderung folgen..Veranstalter:.Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.Internationaler Freundeskreis Gedenkstätte Ravensbrück.Heinrich-Böll-Stiftung e.V..Stiftung Topographie des Terrors..Konzeption: Dr. Insa Eschebach, Johanna Kootz, Thomas Lutz, Prof. Dr. Carola Sachse, Ulrike Schneider, Dr. Marianne Zepp.___________________________________________________________________________.___________________________________________________________________________..PROGRAMM..Sonntag, 20. August 2006..14 Uhr.Eröffnung der Ausstellung „Ravensbrück – Der Zellenbau“.__________________________________________________________________________..Montag, 21. August 2006..10 Uhr.Eröffnung der Sommer-Universität..Begrüßung:.Prof. Dr. Johanna Wanka, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg,.Prof. Dr. Andreas Nachama, Stiftung Topographie des Terrors,.PD Dr. Otto Nübel, Internationaler Freundeskreis Gedenkstätte Ravensbrück,.Peter Siller, Heinrich-Böll-Stiftung,.Dr. Insa Eschebach, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten..Schwerpunktthema: Konzentrationslager.Moderation:.Dr. Insa Eschebach, Gedenkstätte Ravensbrück und.PD Dr. Thomas Schaarschmidt, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (angefragt)...10 Uhr 45 bis 13 Uhr.Dr. Angelika Königseder, Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin:.Die Entwicklung des nationalsozialistischen KZ-Systems..Dr. Monika Flacke, Deutsches Historisches Museum:.Die Shoah im europäischen und israelischen Bildgedächtnis..Diskussion..14 bis 16 Uhr 30.Arbeitsgruppen:.1. Philipp Neumann, Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora: Internationales Buchenwaldkomitee und europäisches Buchenwaldgedächtnis. Zur Rolle einer politischen Überlebenden-Organisation in der KZ-Erinnerung.2. Prof. Dr. Silke Wenk, Universität Oldenburg: Transformationen großer Erzählungen in Denkmalskulturen nach 1945.3. Dr. Matthias Heyl, Gedenkstätte Ravensbrück: Gedenkstättenpädagogische Erinnerungslandschaften in Europa..17 Uhr Plenum.__________________________________________________________________________..Dienstag, 22. August 2006..Schwerpunktthema: Verfolgung und Judenmord.Moderation:.Dr. Linde Apel, Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg und.Ulrike Schneider, Berlin...10 bis 13 Uhr.PD Dr. Susanne Heim, FU Berlin:.Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden..Prof. Dr. Stefan Troebst, Universität Leipzig:.Holocaust-Erinnerung und GULag-Gedächtnis: Memorialkonflikte im erweiterten Europa..Diskussion..14 bis 16 Uhr 30.Arbeitsgruppen:.1. Dr. Peter Rosenbaum, University of Pennsylvania, USA: Zur Funktion von NS-Dokumentarfilmmaterial im Spielfilm nach 1945.2. Monika Kovács, Hannah Arendt Association, Budapest: The Holocaust and the national narratives.3. Dr. Sabine Kittel, Berlin: Die Rückkehr in die herkömmliche Welt. Eine biographische Analyse des Lebens nach dem Überleben.4. Izabela Dahl, HU Berlin und Dr. Simone Erpel, Berlin: Rezeption der „Aktion Weiße Busse“ – Neuere schwedische Forschung und skandinavische Debatte zur Rettung von KZ-Häftlingen...17 Uhr Plenum.__________________________________________________________________________..Mittwoch, 23. August 2006..Schwerpunktthema: Zwangsarbeit.Moderation:.Thomas Lutz, Stiftung Topographie des Terrors..10 bis 13 Uhr.Helmut Bräutigam, Ev. Johannesstift Berlin:.Entwicklung, Bedingungen und Formen von Zwangsarbeit im Dritten Reich..Günter Saathoff, Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft:.Die Rezeption der NS-Zwangsarbeit in Mittel-Osteuropa – historische Aufarbeitung, Anerkennung und Entschädigung von Überlebenden..Diskussion..14 bis 16 Uhr 30.Arbeitsgruppen.1. Jacub Deka, Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung, Warschau: Politische, rechtliche und ethische Aspekte der „Entschädigung“ an ehemaligen Sklaven- und Zwangsarbeitern des Dritten Reiches aus Mittel- und Osteuropa aus polnischer Sicht.2. Thomas Irmer, Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen: NS-Zwangsarbeit, Nachkriegswirtschaft und Privatunternehmen – Das Beispiel des Berliner Elektrokonzerns „Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft“ (AEG) nach 1945.3. Prof. Dr. Carola Sachse, Universität Wien: ‚Rasse‘ und Geschlecht im System der Zwangsarbeit.4. Dr. Ramona Saavedra Santis, FU Berlin: Zwischen „Sklaverei“ und „Verrat“. Topoi in der öffentlichen Wahrnehmung der NS-Zwangsarbeiter in der Sowjetunion und im postsowjetischen Russland..17 Uhr Plenum.__________________________________________________________________________..Donnerstag, 24. August 2006..Schwerpunktthema: Widerstand und Kollaboration.Moderation:.Dr. Annette Leo, Universität Jena (angefragt) und Johanna Kootz, Berlin...10 bis 13 Uhr.Dr. Christoph Dieckmann, Keele University, Staffordshire:.Kollaboration und Widerstand unter deutscher Besatzung: Erfahrungen und Grauzonen..Prof. Dr. Dorothee Wierling, Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg:.Widerstand, Kollaboration und europäisches Gedächtnis..Diskussion..14 bis 16 Uhr 30.Arbeitsgruppen.1. Prof. Dr. Mechtild Gilzmer, TU Berlin: Widerstand und Kollaboration in der französischen Erinnerungskultur am Beispiel von Literatur, Film und Denkmal.2. Dr. des. Silvija Kavcic, Berlin/Ljubljana: Kollaboration und Widerstand in Osteuropa: das Beispiel Slowenien.3. Katja Jedermann, UdK Berlin: Widerstandsdarstellungen in den Internationalen Gedenkräumen des Ravensbrücker Zellenbaus.4. Dr. Constanze Jaiser, Berlin: Widerstand und Kollaboration in literarischen Darstellungen..17 Uhr Plenum.__________________________________________________________________________..Freitag, 25. August 2006..10 Uhr.Fahrt zum künftigen Dokumentationszentrum zur NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide, 12 Uhr Führung Thomas Lutz, Stiftung Topographie des Terrors..14 Uhr.Empfang in der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin..15 Uhr.Europäische Geschichte und nationale Erinnerungskulturen.Moderation: Dr. Marianne Zepp, Heinrich-Böll-Stiftung.Vortrag: Prof. Dr. Stefan Troebst, Universität Leipzig.Podium: Prof. Dr. Mechtild Gilzmer, TU Berlin und Dr. Heidemarie Uhl, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien..Ende 17 Uhr

Kontakt
Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
Straße der Nationen
16798 Fürstenberg
Tel.: 033093-608-13
Fax: 033093-608-29
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