3. Mai 2020

Ein Update zur Arbeit der Alfred Landecker Foundation: Soforthilfe im Kampf gegen Corona, die Erweiterung des Teams und anstehende Projekte

Rubrik: Forschung und Projekte

Sehr geehrte Damen,

sehr geehrte Herren,

Wir möchten Sie auf den neuesten Stand bringen, was die Alfred Landecker Foundation seit unserem letzten Newsletter im Januar unternommen hat. Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass die Stiftung wächst und beginnt jene Wirkung zu entfalten, für die sie gegründet wurde.

Die Corona-Pandemie hat eine globale Gesundheitskrise ausgelöst, auf die keine Regierung ausreichend vorbereitet war. Wir alle sind Zeugen, wie die Gesundheitssysteme an ihre Grenzen kommen, wie unsere globalisierte Wirtschaft auseinanderfällt und wie anfällig unser politisches Gefüge ist im Umgang mit einer Herausforderung von dieser Dimension. Während diese Ausnahmesituation Politiker, Krisenmanager und Ärzte dazu zwingt, über sich selbst hinauszuwachsen, ermuntert das Virus andere wiederum zu Verschwörungstheorien, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Phänomene wie diese nehmen zu im Windschatten von Corona und untergraben das Vertrauen der Öffentlichkeit in unsere demokratischen Institutionen weiter. All das bestärkt die Alfred Landecker Foundation nur darin, unsere Mission zur Stärkung der Zivilgesellschaft und der demokratischen Strukturen mit noch mehr Nachdruck zu verfolgen.

Unsere Antwort auf die Krise: Soforthilfe

"Die Alfred Landecker Foundation leistet mir ihrer Spende einen entscheidenden Beitrag, damit wir den Holocaust-Überlebenden in dieser schwierigen Lage sofort helfen können. Mit dem Geld versuchen wir derzeit, die zunehmende Vereinsamung und Not der 3000 Überlebenden in Deutschland zu lindern, die nun durch die notwendige Quarantäne auf sich allein gestellt sind. Wir besorgen SIM-Karten für Ehrenamtliche, die nun viel öfter mit den Betroffenen telefonieren, wir organisieren Tablets für diejenigen Überlebenden, die noch aufgeschlossen genug sind für neue Technik, damit sie per Videoschalte Kontakt halten können zu ihren Familien und ihren Therapeuten. Neben dem Einkauf von Lebensmitteln bieten wir den Betroffenen auch einen Fahrservice zu ihren Ärzten an, damit sie Ansteckungsrisiken in öffentlichen Verkehrsmitteln meiden. Wir tun, was wir können - aber wir sehen auch, dass mit anhaltender Dauer der Quarantäne die Verzweiflung und der Betreuungsbedarf wachsen."

Noemi Staszewski, Zentrale Wohlfahrtsorganisation für Juden in Deutschland,

Die Familie Reimann und der Stiftungsrat setzen sich weiterhin für die Überlebenden des Holocaust ein. Weil die Corona-Pandemie ein besonders hohes Risiko für diese Gruppe darstellt, hat die Alfred Landecker Foundation beschlossen, einen Soforthilfefonds von 1,2 Millionen Euro einzurichten. Das Geld geht an Organisationen, die sich um das Wohlergehen der Überlebenden kümmern.

Unseren Schätzungen zufolge gibt es im Jahr 2020 weltweit noch etwa 400.000 Überlebende des Holocaust, von denen heute rund 140.000 in Israel leben. Aufgrund ihres hohen Alters und ihrer Gebrechlichkeit sind Holocaust-Überlebende besonders anfällig für das Virus. Außerdem sorgt die anhaltende Quarantäne dafür, dass die physischen und psychischen Leiden aus der Zeit ihrer Verfolgung während des Zweiten Weltkriegs wieder hochkommen und zusätzliche Qualen bereiten.

Die notwendigen Quarantänemaßnahmen haben zur Folge, dass die Überlebenden nicht mehr an ihren Therapiesitzungen teilnehmen oder andere treffen können, die ihre Erfahrungen teilen. Dadurch finden sich nun Opfer, die jahrelang in Konzentrationslagern inhaftiert waren, wieder in erzwungener Isolation. Diese Erfahrung kann traumatische Erinnerungen hervorrufen und weiteren Schmerz verursachen, mit dem sie ganz allein fertig werden müssen.

Um herauszufinden, was die Betroffenen in dieser besonderen Situation brauchen, hat die Stiftung zunächst einmal jene Organisationen in Israel, den USA, Großbritannien, Deutschland und Österreich kontaktiert, die sich seit Jahren um das körperliche und seelische Wohl der Überlebenden kümmern. Um deren essentielle Arbeit zu unterstützen, hat die Alfred Landecker Foundation eine Soforthilfe in Höhe von insgesamt 1,2 Millionen Euro bereitgestellt.

Acht Organisationen die Fördermittel in Anspruch genommen:

Ihr Anteil

Die Stiftung und ihre Partner profitieren in hohem Maße von der Unterstützung, die wir von Ihnen erhalten. Bitte informieren Sie Ihr unmittelbares Netzwerk über die verfügbaren Mittel. Wir freuen uns darauf, Sie über die konkrete Verwendung der Gelder auf dem Laufenden zu halten und wir hoffen, dass unser aller Einsatz helfen wird, diese schreckliche Pandemie zu überstehen.

Erweiterung des Stiftungs-Teams

In der Corona-Krise konnten wir schnell handeln und wir sind bestrebt, dieses Tempo bei der Erweiterung der Zahl unserer Partner und Projekte beizubehalten. Ich freue mich daher, Ihnen mitteilen zu können, dass wir das operative Team der Stiftung durch strategische Neueinstellungen verstärkt haben.

In den kommenden Wochen werden zu uns stoßen:

- Lena Altman, Verwaltungschefin und stellvertretende CEO

- Silke Mülherr, Leiterin der Außenbeziehungen und stellvertretende CEO

- Luisa Maria Schweizer, Programmdirektorin

Lena Altmann kommt vom deutschen Ministerium für Bildung und Forschung, wo sie interdisziplinäre wissenschaftliche Forschungscluster zum Thema Bildung leitete. Beim Aktion Versöhnungsdienst für den Frieden befasste sie sich mit der Außenkommunikation, bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft entwickelte und leitete sie Bildungsprogramme und baute strategische politische Netzwerke auf. Zuvor war sie zehn Jahre lang in den transatlantischen und deutsch-amerikanisch-jüdischen Beziehungen tätig. Sie hatte verschiedene Positionen beim American Jewish Committee (AJC) in New York und Berlin inne, unter anderem als Direktorin des AJC-Nachwuchsprogramms ACCESS NY, als Direktorin des Goldman-Stipendienprogramms des AJC und als Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit im Berliner Büro des AJC.

Silke Muelherr wird für die Außenbeziehungen der Stiftung verantwortlich sein. Bis vor kurzem arbeitete sie als Journalistin für die WELT, eine der führenden Medienmarken Deutschlands. Silke leitete dort das Ressort Außenpolitik, zuvor hatte sie aus Brüssel über die EU und die Nato berichtet. Sie wird künftig die Stiftung nach außen vertreten, Kontakte zu Partnern und Medien pflegen und außerdem Netzwerke in Politik und Zivilgesellschaft aufbauen.

Luisa Maria Schweizer wird die Programme und Projekte der Stiftung entwickeln und umsetzen und sich dabei auf innovative und effektive Instrumente und Methoden zur Förderung von Demokratien und Minderheitenrechten konzentrieren. Bevor sie zu Stiftung kam, war sie als Beraterin des CEO der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, als Programmdirektorin bei Humanity in Action und als Sozialaktivistin für die Robert Bosch Stiftung und Ufa Filmproduktionen tätig.

Alle drei verfügen über außergewöhnliche Qualifikationen und werden das Wachstum und die Strategie der Stiftung vorantreiben, die vom Stiftungsrat und unserem CEO, Andreas Eberhardt, festgelegt wurden. Unsere Arbeit ist heute so wichtig wie eh und je, und wir freuen uns auf den Beitrag von Lena, Silke und Luisa in dieser Sache.

Soziale Medien

Die Stiftung legt großen Wert auf den Kontakt zu einem möglichst breiten Publikum, um unsere Ziele voranzubringen. Soziale Medien gehören zu den effektivsten Mitteln, um viele Menschen zu erreichen und ihr Einsatz wird ein integraler Bestandteil unserer Strategie sein, um ein internationales Publikum über unsere Ansätze und Projekte zu informieren.

Mit der Erweiterung des Teams erweitern wir auch die Plattformen: Seit dieser Woche ist die Stiftung auf Twitter (@alfredlandecker) und auf Linkedin unterwegs. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns folgen und helfen, unser Netzwerk auszubauen - damit wir gemeinsam den Schutz von Minderheiten verbessern in einer Zeit, in der Populisten und Nationalisten diesen zunehmend in Frage stellen.

Geplante Projekte

Wie Sie sehen, nimmt die Stiftung an Fahrt auf. Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass wir an mehreren neuen Projekten arbeiten, die wir Ihnen in unserem nächsten Newsletter ausführlicher vorstellen werden: ein neues akademisches Programm für Dozenten und ein spannendes Forschungsprojekt darüber, wie Antisemitismus im Netz bekämpft werden kann - so viel möchten wir verraten: Künstliche Intelligenz könnte der Schlüssel sein.