15. November 2018

Gründung der Carl Lutz Gesellschaft

Gabriela Dömötör

Internationale «Carl Lutz Gesellschaft» in Bern gegründet


In Erinnerung an den Schweizer Diplomaten Carl Lutz wurde die «Carl Lutz Gesellschaft» als gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bern gegründet. Lutz hatte in den beiden letzten Jahren des zweiten Weltkriegs in Budapest mit  Schutzbriefen mehreren zehntausend jüdischen Menschen das Leben gerettet. Über zwanzig Jahre lang vertrat Carl Lutz’ Stieftochter Agnes Hirschi sein Vermächtnis alleine. Die «Carl Lutz Gesellschaft» wird bestehende Aktivität n weiter und neue Projekte entwickeln, die historische Forschung zu Lutz anregen und sich mit ihren Projekten in erster Linie an junge Menschen wenden.

Zahlreiche Menschen, deren Leben durch einen Schutzbrief gerettet wurde, können noch heute als Augenzeuginnen und Augenzeugen von dem Erlebten und von Begegnungen mit Carl Lutz berichten. Eine von ihnen ist Carl Lutz’ Stieftochter Agnes Hirschi. Sie lebt in Münchenbuchsee bei Bern und ist die Gründungspräsidentin der «Carl Lutz Gesellschaft».

Das Erbe des Schweizer Diplomaten Carl Lutz liegt neu in den Händen der in Bern gegründeten «Carl Lutz Gesellschaft». Die Gründungssitzung fand im  Sitzungszimmer «Salle Carl Lutz» des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten EDA im Bundeshaus West in Bern statt. Bundesrat Ignazio Cassis hatte Anfang Februar dieses Sitzungszimmer umbenannt.
Die Gründung der «Carl Lutz Gesellschaft» durch sieben Vorstandsmitglieder rund um Agnes Hirschi erfolgte am Donnerstag, 16. August 2018 knapp fünf Monate nachdem die Schweiz den Vorsitz der International Holocaust  Remembrance Alliance (IHRA) an Italien weitergegeben hat.

Die Rettungsaktion von Carl Lutz ist ein Beispiel für Zivilcourage. Sein  uneigennütziges, unerschrockenes Handeln und seine Waghalsigkeit unter herausfordernden Bedingungen in den letzten Kriegsjahren 1944/1945 in Budapest wecken bis heute Reaktionen von Respekt und Hochachtung.
Die «Carl Lutz Gesellschaft» initiert, unterstützt und fördert Initiativen im Themenbereich der Zivilcourage. Die Initiativen sollen heute und in Zukunft  Menschen und insbesondere Jugendliche dazu anregen, dem Vorbild von Carl Lutz nachzuleben.

Der gemeinnützige Verin nach Schweizer Recht ist politisch und konfessionell  unabhängig.

Weitere Informationen

Gabriela Dömötör, Initiantin:

+41 79 244 24 04 | +41 32 512 68 86 | medien@carl-lutz.ch

www.carl-lutz.ch

Instagram: carllutzsociety | Facebook: carllutzgesellschaft

Hintergrund-Informationen
carl-lutz.ch/medien/
Passwort: 20180816_carllutz

Über Carl Lutz
Carl Lutz wurde 1895 in Walzenhausen/AR geboren. Von 1942 bis zum Ende des zweiten Weltkrieges war Carl Lutz als Schweizerischer Vizekonsul in Budapest (Ungarn) tätig. Er war Leiter der Abteilung für Fremde Interessen der Schweizer Gesandschaft. Während des Krieges vertrat die Schweiz die Interessen von teilweise bis zu vierzehn Ländern wie den USA und Grossbritannien, die mit Ungarn im Krieg standen.

Gemeinsam mit weiteren Personen entwickelte Carl Lutz ein System von Schutzbriefen. Mit der Unterstützung von freiwilligen Helfern gelang es ihm, unter herausfordernden Bedingungen zehntausenden von ungarischen jüdischen Menschen das Leben zu retten. Diese Rettungsaktion gilt als die grösste ihrer Art während des zweiten Weltkriegs. Carl Lutz war zwischen 1935 und 1946 mit Gertrud Lutz-Fankhauser verheiratet. Während vierzig Jahren hatte er eine Wohnung in Bern, w0 er auch während seiner Auslandposten in
den Ferien und nach seiner Pensionierung wohnte. Er starb 1975. Sein Grab befindet sich auf dem Berner Bremgartenfriedhof. Zwischen dem Zentrum Paul Klee und dem Institut für Weiterbildung und Medienbildung der PHBern besteht seit 1994 der Carl-Lutz-Weg.

Carl Lutz war dreimal für den Nobelpreis nominiert und wurde - wie auch seine erste Frau - als „Gerechter unter den Völkern“ in Yad Vashem (Israel) geehrt.

Über Agnes Hirschi
Agnes Hirschi-Grausz ist Carl Lutz’ Stieftochter. Sie wurde 1938 in London (England) als Tochter ungarischer Eltern geboren. Mit ihren Eltern Magda und Alexander Grausz verbrachte sie die Kindheit und ersten Jugendjahre in Budapest (Ungarn). Ihre Mutter hatte Carl Lutz um Hilfe für Agnes gebeten, die durch ihre Geburt in London die britische Staatsangehörigkeit besitzt. Agnes erhielt von Carl Lutz einen Schutzbrief und ihre Mutter Magda wurde als Haushälterin bei der Familie Lutz angestellt. Die letzten zwei Monate des Kriegs erlebten Agnes und ihre Mutter gemeinsam mit der Familie von Carl Lutz im  Keller der ehemaligen Britischen Gesandschaft in Buda (Budapest).

1949 heiratete Carl Lutz Frau Magda Grausz in zweiter Ehe und erzog Agnes wie seine Tochter. Seit jenem Jahr lebt Agnes Hirschi in der Schweiz. Sie besuchte die Töchterhandelsschule in Bern und heiratete im Jahr 1962.i. Während mehr als zwanzig Jahren hatte sie als Journalistin für die Berner Zeitung als Journalistin gearbeitet. Seit über 40 Jahren lebt sie in Münchenbuchsee.