3. September 2018

Die IG Farben und das Konzentrationslager Buna-Monowitz

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Neue Wanderausstellung

 

Die IG Farben und das Konzentrationslager Buna-Monowitz

Wirtschaft und Politik im Nationalsozialismus

 

Das Fritz Bauer Institut bietet eine neue Wanderausstellung zum Thema Industrie und Holocaust an. Sie behandelt ein exemplarisches Thema, in dem die Verflechtung von NS-Verfolgungspolitik, Industrie, Zwangsarbeit, und Entschädigungspolitik verbunden sind.

Der Chemiekonzern I.G. Farben ließ ab 1941 in unmittelbarer Nähe zu dem Konzentrationslager Auschwitz die größte chemische Fabrik im von Deutschland eroberten Osteuropa bauen. Sie sollte zugleich ein Baustein der „Germanisierung“ der Region um Auschwitz werden. Neben deutschen Fachkräften setzte das Unternehmen auf der riesigen Baustelle tausende von Häftlingen aus dem KZ Auschwitz, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus ganz Europa ein. Für die zunehmende Zahl von KZ-Häftlingen errichteten der Konzern und die SS, die eine intensive Zusammenarbeit miteinander verband, 1942 das firmeneigene KZ Buna-Monowitz. Tausende kamen durch die unmenschlichen Arbeitsbedingungen zu Tode oder wurden in den Gaskammern in Auschwitz-Birkenau ermordet, wenn sie nicht mehr arbeitsfähig waren.

Die Ausstellung zeichnet Entstehung, Betrieb und Auflösung des KZ Buna-Monowitz nach. Historische Fotografien dokumentieren die Perspektive von SS und I.G. Farben auf  Baustelle und  Lageralltag. Sie werden kontrastiert mit autobiographischen Texten von Überlebenden, darunter Primo Levi, Jean Améry und Elie Wiesel sowie den Aussagen von Überlebenden in den Nachkriegsprozessen. Informationen zu den Gerichtsverfahren in der Nachkriegszeit und den Bemühungen der Überlebenden um Entschädigung nach 1945 beschließen die Ausstellung.

Diese Wanderausstellung geht zurück auf eine Präsentation von Dokumenten und Passagen aus der literarischen Überlieferung von Überlebenden. Sie wurde anlässlich des weltweiten Treffens der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Buna-Monowitz im ehemaligen Verwaltungsgebäude der IG Farben auf dem heutigen Campus Westend der Goethe-Universität in Frankfurt am Main im Oktober 1998 gezeigt. Die Überlebenden trafen sich das erste Mal seit 1945. Sie formulierten den Wunsch, dass es auf dem Gelände des IG Farben-Hauses einen Erinnerungsort für das KZ Buna-Monowitz, ihre ermordeten Kameraden und für den Kampf um Entschädigung geben sollte. Diese Initiative gab den Anstoß für das Wollheim-Memorial und die Benennung des Platzes vor dem IG Farben-Haus nach Norbert Wollheim, der für den Konzern in Buna-Monowitz Zwangsarbeit hatte leisten müssen und in den fünfziger Jahren durch Klagen vor Gericht erreichte, dass das Unternehmen Entschädigungszahlungen an ehemaligen Häftlinge entrichten musste.

Die Ausstellung ist sehr flexibel, was den Platzbedarf betrifft. Sie hat keine elektronischen Elemente und kann auch ohne eigne Stromversorgung gezeigt werden. Als Begleitmaterial steht im Internet die Website wollheim-memrial.de zur Verfügung. Dort finden sich ausführliche Informationen und 24 Video-Interviews mit Überlebenden des KZ Buna/Monowitz.

Die Ausstellung kann gegen Gebühr beim Fritz Bauer Institut ausgeliehen werden.

 

Eine Ausstellung des Fritz Bauer Instituts 2018

Direktorin: Prof. Dr. Sybille Steinbacher

Kuratorin:  Dr. Nassrin Sadeghi

Projektleitung: Gottfried Kößler

Wissenschaftliche Beratung: Werner Renz

Gestaltung: Funkelbach - Büro für Architektur und Grafik

Kontakt: manuela.ritzheim@fritz-bauer-institut.de

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