19. April 2019

„Geschlossene Grenzen: Die Internationale Flüchtlingskonferenz von Évian 1938“

Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der Technischen Universität Berlin

Die erfolgreiche Sonderausstellung „Geschlossene Grenzen: Die Internationale Flüchtlingskonferenz von Évian 1938 “ des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) der Technischen Universität Berlin und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand ist jetzt online abrufbar.

Die neue Website https://evian1938.de richtet sich besonders an Einrichtungen der schulischen und außerschulischen sowie universitären Bildung, lädt aber auch alle politisch und historisch Interessierten herzlich zur Nutzung ein.

Im Juli 1938 trafen sich die Vertreter von 32 Staaten im mondänen Badeort Évian-les-Bains am französischen Ufer des Genfer Sees, um für den vom nationalsozialistischen Deutschland verursachten Massenexodus europäischer Juden eine Lösung zu finden. Die meisten Staaten lehnten mit unterschiedlichen Begründungen die Aufnahme zusätzlicher Flüchtlinge ab, nachdem sie teilweise ihre Einreisebestimmungen noch vor oder sogar während der Konferenz verschärft hatten. Damit wurde die Konferenz von Évian zu einem Symbol dafür, wie die internationale Staatengemeinschaft die dringend auf Zuflucht angewiesenen deutschen und österreichischen Juden weitgehend im Stich gelassen hat.

 

Die Ausstellung informiert auf Deutsch und Englisch über Vorgeschichte, Verlauf, Ergebnisse und Folgen der Konferenz in Évian als historisches Beispiel für den Umgang der Staatengemeinschaft mit Flucht und Migration. In zehn Videos werden Ausschnitte aus Interviews mit jüdischen Flüchtlingen und seltene Amateur- und Wochenschauaufnahmen vom antijüdischen Terror in Wien 1938, von der Konferenz und dem daraus hervorgegangenen Zwischenstaatlichen Komitee für Flüchtlinge, von der Irrfahrt des Flüchtlingsschiffes „St. Louis“ sowie aus dem amerikanischen Dokumentarfilm von 1941 „Sosúa – Haven in the Caribbean“ gezeigt. Dossiers zu den 32 Teilnehmerstaaten der Flüchtlingskonferenz enthalten neben Angaben zu Demographie und Wirtschaft des Landes im Jahre 1938 Informationen zur jeweiligen Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik, Kurzbiographien der Angehörigen der Delegationen in Évian sowie die öffentlichen und nichtöffentlichen Beiträge der Staaten zur Flüchtlingskonferenz. Ein Personenregister ermöglicht zudem den biographisch interessierten Nutzern die Auffindung personenbezogener Informationen vor allem zu den Angehörigen der Delegationen in Évian. Nicht nur mit der Rekonstruktion dieser Biographien ist bei der Erarbeitung der Ausstellung wissenschaftliches Neuland beschritten worden.