7. April 2003

Historische Bedingungen und gesellschaftliche Entwicklung der Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes in Deutschland und Österreich im Vergleich

Stiftung Topographie des Terrors.Verein Schloß Hartheim.Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur (A).Landesregierung Oberösterreich (A)
Kooperationstagung von Gedenkstätten in Deutschland und Österreich

Projektbeschreibung:
Die gemeinsam mit dem Verein Schloss Hartheim mit finanzieller Unterstützung des österreichischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur und der oberösterreichischen Landesregierung durchgeführte Kooperationstagung "Historische Bedingungen und gesellschaftliche Entwicklung an die Opfer des NS-Regimes in Deutschland und Österreich im Vergleich" hat mit 58 Teilnehmenden – zwei Drittel davon Deutsche - wie im Programm ausgeschrieben stattgefunden...Der Eröffnungsvortrag von Prof. Konrad (Uni. Graz) hat in einer Mischung der wissenschaftlichen Beschreibung des Anteils Österreichs nach dem "Anschluss" bis zur Mythenbildung durch die "Opferthese" mit eigenen biographischen Zugängen einen sehr guten Einstieg in das Thema geboten. Wobei vor allem der Widerspruch zwischen der außenpolitische Bedeutung und staatlichen Erinnerung an den Widerstand und die gesellschaftliche Ausgrenzung der Widerstandskämpfer betont wurde...Gerade durch die beiden Vorträge über die gesellschaftspolitischen Hintergründe an die NS-Verbrechen in Österreich und Deutschland unterschiedliche Sichtweise von Wissenschaftlern in Österreich, die auch von Ihrem Alter abhängig ist, offenkundig. Dr. Uhl war eine Schülerin von Prof. Konrad und hat nicht mehr die Kritik an der "Opferthese" durchkämpfen müssen...Die Besichtigung des sich gerade im Umbau befindliche Schloss Hartheim und die Diskussion über die Konzeption der im kommenden Mai zu eröffnenden Ausstellung über "Der Wert des Menschen" und die NS-Verbrechen in Hartheim boten vielfältige Ansätze zur Diskussion. Der Umbau des nach dem Krieg als Wohnstätte genutzten Schlosses mit einem Betrag von 10 Millionen Euro hat auch dazu geführt, dass ein vollkommen neuer Eindruck entsteht und vielfältige Nutzungsspuren beseitigt wurden. Auf der anderen Seite konnten Spuren wiederentdeckt und gesichert werden. Zudem ist die Raumgestaltung sowohl des Ganges der Menschen zur Gaskammer als auch der Bereich der Verbrennungsöfen mit Stahl (und teilweise Glasplatten) zurückhaltend und zugleich beeindruckend gestaltet. Der Gang zu dem Gaskammern und der Raum selbst ist durchschnitten worden und über einen Laufsteg zu durchschreiten. Ob dies die richtige Umgangsweise ist, wurde kontrovers diskutiert...Die Gegenüberstellung der Arbeit von NS-Opfergedenkstätten (für Deutschland Grafeneck) und KZ-Gedenkstätten (A: Mauthausen, Ebensee; D: Dachau, Ulm) hat anschließend auf der Tagesordnung gestanden. Die Besichtigung von Mauthausen mit einer sehr sachkundigen Führung von Dr. Bertrand Perz hat die hohe politische und symbolische Bedeutung der Gedenkstätte vor Augen geführt. Nachdem in den letzten Jahrzehnten immer wieder Expertenkommissionen und Tagungen, zu einer davon war ich 1995 selbst anwesend, über die Umgestaltung der KZ-Gedenkstätte debattiert, ohne dass sich etwas geregt hat. Vor allem der Bau eines neuen Besucherzentrums, das unmittelbar vor der KZ-Gedenkstätte Mauthausen unter Zerstörung historischer Überreste, das aus Prestigegründen vom Innenminister angeordnet wurde, ohne dass ein Nutzungskonzept vorhanden ist, und im kommenden Mai eröffnet werden soll...Die Abschlussdiskussion wurde von PD Dr. Edgar Wolfrum mit einem klugen und knappen Thesenpapier eingeleitet. Leider hat die Erwiderung von Prof. Gerhard Botz (Uni. Wien) dazu geführt, dass sich eine längere Diskussion über die Bedeutung von Zeitzeugen als Quelle anschloss – was anscheinend ein großes Bedürfnis vieler Teilnehmer war – und die begriffliche und wissenschaftliche Bewertung der Erinnerungskulturen zu wenig Zeit hatte. Es bliebt festzuhalten, dass Vertreter beider Ländern durch das Seminar feststellen mussten, wie groß die Wissenslücken über die konkrete Entwicklung im jeweils anderen Land auch heute noch ist. Zugleich gibt es in der konkreten Arbeit sehr viele gleiche Ansichten und Gemeinsamkeiten...Es ist geplant, die Beiträge der Tagung – soweit sie vorliegen – ab dem 15. April 2003 über das GedenkstättenForum einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen...Der Wunsch nach einer weiteren Zusammenarbeit ist vorhanden, wenn auch keine konkrete Verabredung getroffen wurde.

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