Martina Staats

Die neue Dauerausstellung »Recht. Verbrechen. Folgen. Das Strafgefängnis Wolfenbüttel im Nationalsozialismus« der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel

Gedenkstättenrundbrief 198 S. 3-10

Nach siebenjähriger Forschungs- und Projektarbeit wurde die Neukonzeption der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel mit der feierlichen Eröffnung der neuen Dauerausstellung "Recht. Verbrechen. Folgen. Das Strafgefängnis Wolfenbüttel im Nationalsozialismus" am 17. November 2019 abgeschlossen.

Die Neugestaltung bedeutet einen Quantensprung nicht nur für die Gedenkstätte, sondern auch für die gesellschaftliche Verankerung und Wahrnehmung des Themas "Strafvollzug und Justiz im Nationalsozialismus und deren Folgen".[1]

Historischer Ort und Gedenkstätte

Die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel erinnert seit 1990 an die Opfer der Justiz im Nationalsozialismus, an die in dem Strafgefängnis Hingerichteten und Inhaftierten sowie an die Rolle der Justiz bei der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Mordpolitik. Das Strafgefängnis Wolfenbüttel, zentrale Haftanstalt im damaligen Freistaat Braunschweig, war Teil eines vernetzten Systems von Haftanstalten, das über die Reichsgrenzen hinausreichte. Dies unterstreicht die europäische Dimension des heutigen Erinnerungs- und Bildungsortes.

Die historischen Orte der Gedenkstätte (Haftzellen und Hinrichtungsstätte) befinden sich heute innerhalb der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wolfenbüttel. So vermittelt der Besuch dieses Bereichs der Gedenkstätte durch ihr Miteinander von Vergangenheit und Gegenwart eine singuläre Qualität der Dokumentation und des Wahrnehmens.

Die Neugestaltung

2012 wurde ein Neugestaltungsprozess begonnen: Ausgangspunkt war dabei die besondere Funktion des Strafgefängnisses Wolfenbüttel im Verfolgungssystem des Nationalsozialismus als Ort, an dem sich das verbrecherische Wirken der Justiz am Strafvollzug, an der Inhaftierung von besonderen in- und ausländischen Gefangenengruppen und an der Funktion als zentrale Hinrichtungsstätte in Norddeutschland beispielhaft darstellen lässt. Aber auch Kontinuitäten und Brüche sowie in der frühen Bundesrepublik die Erinnerungskulturen des Ortes und des Gedächtnisses der Inhaftierten und ihrer Familienangehörigen standen im Fokus der Untersuchung und Darstellung.

Das Neugestaltungsprojekt bestand aus drei Einzelprojekten: Im ersten einjährigen Teilprojekt wurde im März 2012 mit umfangreichen Recherchen und einer Materialerfassung begonnen, deren Ergebnisse im März 2013 in der temporären Ausstellung "1933 und das Recht: Der Beitrag der Justiz zur 'Machtergreifung'" gezeigt wurden.

Nach einer erfolgreichen Antragstellung bei der Staatsministerin für Kultur und Medien (Projektförderung "Gedenkstättenkonzeption") und der Komplementärfinanzierung durch das Land Niedersachsen wurden zwischen September 2014 und August 2016 in dem zweiten Teilprojekt die ehemalige Hinrichtungsstätte, Gemeinschaftshaftzellen sowie eine Einzelarrestzelle als Großexponate mit historischer Kommentierung und als Gedenkorte gesichert, baugeschichtlich neu erschlossen und saniert. Parallel dazu wurde im Bereich der ehemaligen Gemeinschaftshaftzellen im Hafthaus III ein multimedialer, interaktiver Lernort konzipiert und realisiert, bei der verschiedene Methoden der Bildungsarbeit mit Medien, etwa Multi-Touch-Tischen, verknüpft wurden.[2]

In einem dritten und abschließenden Teilprojekt wurde in den Jahren 2016 bis 2019 die Gedenkstätte um einen Neubau, ein Dokumentationszentrum mit einer Dauerausstellung, erweitert. Der Besuch der Gedenkstätte war bisher nur mit Voranmeldung und Sicherheitsüberprüfung möglich, da sich die historischen Orte und der Lernort im Sicherheitsbereich der JVA befinden. Der Neubau bildet dagegen die Außenmauer der JVA und ist öffentlich und schwellenlos während der normalen Museumsöffnungszeiten für jede Besucherin und jeden Besucher zugänglich.

Weiterhin wird in einigen Jahren eine der ehemaligen Todeszellen im Hafthaus I ("Graues Haus") als weiteres historisches Großexponat zugänglich sein. Hier wurden Verurteilte bis zu ihrer Hinrichtung inhaftiert und von dort aus in das nahe gelegene Hinrichtungsgebäude überführt. Sie verdeutlicht exemplarisch die Einbindung des Strafgefängnisses Wolfenbüttel in die Bekämpfung des europäischen Widerstands sowie zugleich die Radikalisierung und Entgrenzung der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik mit Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Das Dokumentationszentrum - Architektonisches Konzept

Der vom Architekturbüro Heiner Winkelmüller entworfene Monolith fügt sich durch den sandfarben eingefärbten Sichtbeton in die Umgebung der Haftgebäude ein. Die Betonfassade wird strukturiert durch historische Originaleinritzungen von Inhaftierten aus einer Arrestzelle, die mit Hilfe von Schablonen auf die Außenfassade übertragen wurden. Ferner wird das Gebäude geprägt durch Auskragungen im ersten Obergeschoss. Das an der Stelle der weitesten Auskragung befindliche große Fenster schafft eine Sichtverbindung zwischen Neubau und historischen Orten.[3]

Der Neubau wird durch einen Durchbruch durch die Gefängnismauer über einen kleinen Innenhof, einen Patio, betreten. Im Mittelpunkt des Neubaus steht die neue Dauerausstellung mit etwa 300 m2 Fläche im ersten Obergeschoss. Ein Multifunktionsraum im Erdgeschoss bietet Platz für pädagogische Arbeit und öffentliche Veranstaltungen. Im zweiten Obergeschoß befinden sich Büro- und Funktionsräume.

Die Dauerausstellung

Die Dauerausstellung im Neubau ist dem Thema Justiz und Strafvollzug im Nationalsozialismus und ihren Folgen gewidmet. Eingebettet in eine gesamtgesellschaftliche Darstellung werden das Verfolgungssystem des Nationalsozialismus, das verbrecherische Wirken der Justiz, die Inhaftierung von in- und ausländischen Gefangenengruppen und die Funktion als eine der zentralen Hinrichtungsstätten in Norddeutschland thematisiert. Ferner wird den Entscheidungssituationen und Handlungsspielräumen von Verantwortlichen im Bereich der Justiz und des Strafvollzugs eine besondere Bedeutung eingeräumt. Eine an Schwerpunkten orientierte Erweiterung des Horizonts auch auf den Zeitraum nach 1945 arbeitet Kontinuitäten und Diskontinuitäten von Justiz und Strafvollzug in der frühen Bundesrepublik heraus. Auch die Frage nach dem Umgang mit dem historischen Ort und die Geschichte der Gedenkstätte sowie der Erinnerungskultur von Überlebenden und Familienangehörigen von Inhaftierten und Hingerichteten werden in der Ausstellung dargestellt.

Die Besucherinnen und Besucher betreten den Neubau durch eine Öffnung in der Gefängnismauer und werden so gleich damit konfrontiert, dass sich die Gedenkstätte auf dem Gelände einer Justizvollzugsanstalt befindet. Daher widmet sich das erste Ausstellungskapitel dem Thema "Strafvollzug heute". Eine Filmsequenz informiert mit O-Tönen von Gefangenen der JVA Wolfenbüttel, die im Rahmen eines Projektes der Künstlerin Yvonne Salzmann entstanden sind, und mit Auszügen aus einem Interview mit dem Vorsitzenden des Bundes der Strafvollzugsbediensteten über den modernen Strafvollzug. Im Gegensatz zum Nationalsozialismus erfolgen die Rechtsprechung und die Behandlung der Gefangenen heute nach rechtsstaatlichen Grundsätzen.

Im Erdgeschoss passieren die Besucherinnen und Besucher den Prolog mit einer Medieninstallation: einer Zeitschleuse von der Gegenwart in die NS-Zeit. So wird einerseits die Gültigkeit von Grundrechten in der Bundesrepublik ersichtlich. Andererseits zeigt das Streichen von Gesetzen das Ende des Rechtsstaates 1933.

Der überwiegende Teil der Ausstellung befindet sich im ersten Obergeschoss. Leitexponate und Kapitelfarben gliedern die Ausstellung und kennzeichnen die verschiedenen thematischen Abschnitte. Ein Zeitstrahl und drei animierte Kontextfilme ermöglichen die Orientierung über den Ort des Strafgefängnisses Wolfenbüttel und das Land Braunschweig hinaus.

Alle Ausstellungstexte sind in deutscher und englischer Sprache verfasst. Reproduzierte Objekte und Medientechnik sind partizipative Elemente für die Besucherinnen und Besucher.

Gleich am Eingang im ersten Obergeschoss können sich die Besucherinnen und Besucher an einer Reproduktion des historischen Modells des Strafgefängnisses Wolfenbüttel, Stand 1939, orientieren. Sofern keine Gefangenenbewegungen in der JVA stattfinden, blicken sie von dort durch ein großes Fenster zu den historischen Orten, u.a. der ehemaligen Hinrichtungsstätte und den Hafthäusern. Sind die Fensterscheiben undurchsichtig, ermöglicht eine medial-interaktive augmented reality[4] mit Hilfe von iPads und einer Projektion einen virtuellen Einblick in die historischen Orte.

Das wesentliche Kapitel der Dauerausstellung widmet sich dem Strafgefängnis Wolfenbüttel im Nationalsozialismus. Sichtbar wird, dass das zentrale Gefängnis des Landes Braunschweig in die Verfolgungspolitik der Nationalsozialisten eingebettet war. Die Ausstellung visualisiert die Veränderung vom Reformstrafvollzug der Weimarer Zeit zur "Strafe als Abschreckung" im Nationalsozialismus und die justizielle Verfolgung von aus rassistischen und politischen Gründen außerhalb der "Volksgemeinschaft" stehenden Menschen. Verdeutlicht wird auch, dass sich die Haftbedingungen ab Kriegsbeginn dramatisch verschlechterten: mit der Ausweitung des Arbeitszwangs an über siebzig Außenarbeitsorten, der angespannten Ernährungslage und der starken Überbelegung. Dieses führte zu einem hohen Anstieg der Krankheitszahlen und zu mehr als 500 Todesfällen unter den Gefangenen.

Mithilfe von vielen Objekten, Grafiken und Interviewausschnitten erfahren die Besucherinnen und Besucher, was es bedeutete, inhaftiert zu sein: Wie war es um die Ernährung, die Arbeit und die medizinische Versorgung bestellt? Ausgewählte Biografien stellen die Gefangenengesellschaft dar und verdeutlichen die persönlichen Auswirkungen für die Gefangenen. Die Ausstellung zeigt aber auch die (Verwaltungs-) Handelnden und Tatbeteiligten. So ist an der Außenwand das zuständige Personal des Gefängnisses mit exemplarischen Funktionsbiografien dargestellt.

Der folgende Ausstellungsteil thematisiert die Hinrichtungsstätte im Strafgefängnis Wolfenbüttel im Nationalsozialismus. Während in der Weimarer Republik die Todesstrafe ausschließlich wegen Hochverrats und Mordes verhängt werden konnte und eine öffentliche Diskussion über ihre Abschaffung geführt wurde, änderte sich die Situation ab 1933: Bis Mai 1945 gab es 36 Gesetzesänderungen und Verordnungen, in denen die Todesstrafe vorgesehen war.

Im Strafgefängnis Wolfenbüttel wurden zwischen Oktober 1937 und März 1945 an 526 Frauen und Männern die überwiegend von NS-Sondergerichten verhängten Todesurteile mit der Guillotine vollstreckt. Die meisten der im Gefängnis Wolfenbüttel Hingerichteten waren von den Sondergerichten in Braunschweig, Hannover und Magdeburg verurteilt worden. Aber auch Urteile anderer Sondergerichte und des Volksgerichtshofs in Berlin wurden in Wolfenbüttel vollstreckt.

Soldaten der Wehrmacht erschossen weitere fünf Verurteilte aus dem Strafgefängnis auf dem Schießstand Braunschweig-Buchhorst. Fast die Hälfte der zum Tode Verurteilten kam aus dem besetzten europäischen Ausland. Die meisten Hingerichteten wurden auf lokalen Friedhöfen bestattet. Über 200 Leichen wurden zu Forschungszwecken an das Anatomische Institut der Universität Göttingen überstellt.

Auch dieser Ausstellungsteil ist in zwei Bereiche gegliedert. In einem äußeren Wandbereich werden die Rahmenbedingungen für die Hinrichtungen während der NS-Zeit thematisiert. Im Zentrum stehen hier die Akteure: Die Besucherinnen und Besucher erfahren anhand ausgewählter Kurzbiografien etwas über beteiligte Richter und Staatsanwälte an den urteilenden Sondergerichten. Außerdem werden in Form von Funktionsbiografien weitere an den Hinrichtungen beteiligte Personengruppen vorgestellt: Gefängnisbedienstete, Seelsorger und Ärzte. Auch über den Scharfrichter und seine Gehilfen können sich die Besucherinnen und Besucher informieren. Ergänzt wird dieser Teil durch eine Auswahl von Dokumenten und Grafiken, die den Ablauf der Hinrichtungen und die Behandlung der Verurteilten verdeutlichen. So ließen die Staatsanwaltschaften die Hinrichtungen häufig in der lokalen Presse und über Plakatierungen bekannt geben.

Der zweite, innere Teil dieses Ausstellungsabschnitts ist ganz den Biografien hingerichteter Personen gewidmet. Hier können in einer multimedialen Präsentation, die eine Reproduktion des Hinrichtungsbuches miteinbezieht, einzelne Schicksale aktiv ausgewählt und intensiver nachvollzogen werden. Neben einer Auswahl personenbezogener Dokumente erhalten Besucherinnen und Besucher biografische Informationen zum Schicksal der von ihnen ausgewählten Person.

Das Ausstellungskapitel "Befreiung, Kriegsende, Besatzung" beginnt mit den letzten Wochen vor der Befreiung: Mit Hilfe von Ausschnitten aus lebensgeschichtlichen Interviews, Tagebuchaufzeichnungen und Zeichnungen wird die Rückkehr arbeitsunfähiger Gefangener aus den Außenarbeitskommandos und die Verlegung von Inhaftierten aus frontnahen Haftstätten dokumentiert. In einer Vitrine wird der Abtransport von "Nacht- und Nebel"-Gefangenen und zum Tode Verurteilten in andere Gefängnisse gezeigt. "'Draußen fahren Panzer vorbei, Amerikaner'. Und da geht natürlich ein Freudenschrei durch die ganze Meute: 'Wir sind frei, wir sind frei.'", erinnert sich in einem Interview der politische Gefangene Alfred Hausser (1912-2003) an den 11. April 1945. An diesem Tag befreiten Truppen der 9. US-Armee das Strafgefängnis Wolfenbüttel.

Befreite politische Gefangene aus Großbritannien, Belgien und Frankreich unterstützten die Alliierten vor Ort und übernahmen Funktionen, um nach Möglichkeit geordnete Verhältnisse und die medizinische Versorgung und Verpflegung der befreiten Gefangenen zu gewährleisten.

Teile des Gefängnispersonals des Strafgefängnisses Wolfenbüttel mussten sich im Juli 1946 vor dem Landgericht Braunschweig und 1950 vor einem Kriegsgericht in Brüssel verantworten. In Belgien standen sechs frühere Bedienstete des Strafgefängnisses wegen Mordes und Gefangenenmisshandlung vor Gericht. Die umfangreichen Gerichtsakten enthalten wertvolles Material und stellten somit eine wichtige Quelle für die Ausstellung dar.

Die Todesstrafe blieb in allen westlichen Besatzungszonen in Kraft. Im Strafgefängnis Wolfenbüttel fanden während der während der Zeit unter britischer Verwaltung noch 44 Hinrichtungen durch die Guillotine statt, erneut durchgeführt von Scharfrichter Friedrich Hehr (1879-1952). 23 weitere Urteile vollstreckten britische Erschießungskommandos in der Kaserne an der Lindener Straße in Wolfenbüttel.

Im folgenden Ausstellungskapitel können sich die Besucherinnen und Besucher über die Kontinuitäten und Brüche in Justiz und Strafvollzug zwischen der NS-Zeit und der frühen Bundesrepublik während der 1950er und 1960er Jahre informieren.

Kontinuitäten sind nicht nur an der über die NS-Zeit hinausgehenden Beschäftigung von Richtern und Staatsanwälten festzumachen. Auch einige Strafrechtsparagrafen, die in der Bundesrepublik Gültigkeit hatten, stammen aus der NS-Zeit. So hatten nationalsozialistische gesetzliche Regelungen gegen "Gewohnheitsverbrecher" (Paragraf 20a RStGB) und homosexuelle Männer (Paragraf 175 RStGB) über die Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 hinaus Gültigkeit. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges wurde 1951 zudem das politische Strafrecht gegen Kommunisten eingeführt. In der Folge saßen erneut Menschen wegen politischer Betätigung oder homosexueller Handlungen im Strafgefängnis Wolfenbüttel in Haft.

Die strafrechtliche Verfolgung und die Haftbedingungen dieser Gefangenengruppen in der frühen Bundesrepublik waren bisher weitestgehend Forschungsdesiderate. In der Ausstellung wird die Geschichte dieser Gefangenengruppen durch Dokumente der Gefängnisverwaltung und des Haftalltages, private Erzählungen, Objekte und Fotos veranschaulicht. Dazu gehört beispielsweise das lebensgeschichtliche Interview mit dem ehemaligen politischen Gefangenen Willi Gerns.

Auch über die Brüche zwischen NS-Zeit und früher Bundesrepublik informiert die Ausstellung anhand lokaler Beispiele, vor allem mit einer Biografie des damaligen Braunschweiger Generalstaatsanwalts Fritz Bauer.

Im Kapitel "Raum für Erinnerungen" wird an der Außenwand die Geschichte des Umgangs mit dem historischen Ort, der Errichtung der Gedenkstätte sowie der gesellschaftlichen und politischen Anerkennung von Justizverurteilten als NS-Opfer in der Bundesrepublik anhand einer Exponatwand mit 21 Objekten - ergänzt von einem Medienschlitten mit vertiefenden Materialien - gezeigt.[5] Der Innenbereich ist den Familienangehörigen der Justizverurteilten gewidmet. Auch deren Leben wird - teilweise bis heute - von der NS-Verfolgung beeinflusst. Kinder, Enkel und weitere Angehörige von im Strafgefängnis Inhaftierten und Hingerichteten berichten anhand von Objekten darüber. Die Interviewausschnitte werden durch Biografien ergänzt.

Ein interaktiver Epilog beschließt die Dauerausstellung: Neben aktuellen Berichten und Ankündigungen unter der Überschrift "Und weiter?" können die Besucherinnen und Besucher ausgehend von der Frage "Und ich?" ihre Gedanken, Fragen und Eindrücke hinterlassen. "Was ist Geschichte, wenn wir sie nicht weitergeben?", so lautet ein Kommentar.

Die Erarbeitung der Dauerausstellung erfolgte in enger und guter Zusammenarbeit mit dem Gestaltungsbüro büroberlin sowie den Mediengestaltern schnellebuntebilder. Die Internationale Expertenkommission für die Neugestaltung der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel unter dem Vorsitz von PD Dr. Thomas Henne unterstützte und beriet fachlich.

Zahlreiche Institutionen, Ministerien, Archive und Fachkolleginnen und -kollegen waren an dem Neugestaltungsprojekt intensiv beteiligt und unterstützten es. Hervorzuheben ist neben diesen besonders die Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Baumanagement Braunschweig und der JVA Wolfenbüttel. Von besonderer Bedeutung für die Erstellung der Dauerausstellung war die Hilfe von Familienangehörigen ehemaliger Gefangener, die für lebensgeschichtliche Interviews zur Verfügung standen und der Gedenkstätte Objekte als Geschenke oder Leihgaben für die Dauerausstellung überlassen haben.

Martina Staats, Historikerin, leitet die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel und bis Ende 2019 auch das Neugestaltungsprojekt.

Informationen zum Neugestaltungsprojekt und zur Dauerausstellung

Katalog zur Dauerausstellung: Martina Staats und Jens-Christian Wagner (Hrsg.): Recht. Verbrechen. Folgen. Das Strafgefängnis Wolfenbüttel im Nationalsozialismus. Bearbeitung: Janna Lölke. Göttingen 2019.

Der Blog "neu gestalten" [http://blog.neugestalten-gwf.de/] informierte regelmäßig über Neuigkeiten und Ergebnisse aus der Projektarbeit, ebenso zwei Broschüren. Verschiedene Videos sind auf youtube abrufbar, u.a. unter https://youtu.be/PjnqTs7KNs8


[1] Als Projektleiterin möchte ich allen an dem Neugestaltungsprojekt Beteiligten für ihre Arbeit danken, insbesondere dem Neugestaltungsteam: Bianca Armbrecht, Lukkas Busche, Anett Dremel, Dr. Thomas Kubetzky, Sarah Kunte, Janna Lölke und Ina Stenger sowie Gesamtprojektleiter Dr. Jens-Christian Wagner.

[2] Vgl. Martina Staats: Neugestaltung der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel. Fertigstellung des ersten Bauabschnitts mit multimedialer Lernumgebung und Sanierung und Kommentierung der historischen Orte. In: GedenkstättenRundbrief. Nr. 185 (3/2017), S. 13-22.

[3] Vgl. zum architektonischen Konzept die von dem Architekturbüro Henner Winkelmüller (winkelmüller.architekten gmbh) erstellte und in der Gedenkstätte erhältliche Broschüre.

[4] Vgl. Jens-Christian Wagner: Simulierte Authentizität? Chancen und Risiken von augmented und virtual reality an Gedenkstätten. In: GedenkstättenRundbrief. Nr.  196 (12/2019), S. 3-9.

[5] Hier sind alle 3 Videos zu finden www.youtube.com/channel/UCSka3s-81CFutbd43MkIopw