Simone Erpel und Insa Eschebach

»Im Gefolge der SS: Aufseherinnen des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück«

Gedenkstättenrundbrief 200 S. 18-31

Konzeption und Geschichte eines Ausstellungsprojektes

Simone
Erpel
und
Insa
Eschebach

"'Walküre' und 'Revolver-Anna' quälten die Frauen im KZ" - mit dieser Schlagzeile betitelte die WELT am 7. September 2020 ihre Besprechung der neuen Ausstellung der Gedenkstätte Ravensbrück. Von der Revolver-Anna, der Walküre und der Blutigen Brygyda eilt der Text dann über die Beschreibung einiger brutaler Prügelszenen zielgerichtet zu den Bordellen, das zweite sexualisierte Thema, das stets erneut mit dem Frauen-Konzentrationslager verbunden wird - und dies, obwohl von den Bordellen, in denen Häftlingsfrauen in der Tat Zwangsarbeit geleistet haben, in der neuen Ausstellung überhaupt nicht die Rede ist.

Die Zeitschrift ANTIFA sieht hingegen in ihrer Besprechung der Ausstellung vom 24. September 2020 folgendes Problem: Sie vermisst Wertungen und Deutungsangebote seitens der Ausstellungsmacherinnen. Der Eindruck entsteht, die ANTIFA wünscht sich die volkspädagogischen Narrative zurück, wie sie in den alten historischen Ausstellungen der DDR üblich waren: Wie etwas zu denken und zu deuten war, wurde hier stets in sehr klaren Worten mitgeteilt.

Diese beiden Besprechungen der WELT und der Zeitschrift ANTIFA vermitteln einen Eindruck von den Schwierigkeiten, mit der eine KZ-Gedenkstätte konfrontiert ist, wenn sie das Thema des weiblichen SS-Gefolges in einer Ausstellung zu verhandeln sucht. Bevor wir im Folgenden Konzeption und Narrativ der neuen Ausstellung der Gedenkstätte Ravensbrück vorstellen, geht es zunächst um die Geschichte dieses Projekts und damit um die Bedenken und Vorbehalte, die es von Anfang an begleitet haben. Das sexualisierte Klischee der schönen, blonden, uniformierten und zugleich dekolletierten blonden SS-Aufseherin, das seit 1945 fester Bestandteil der populären Bildgeschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager ist, stellt eine weitere und andauernde Herausforderung dar.

Einwände und Entgegnungen

Als die Gedenkstätte Ravensbrück im Jahr 2004 ihre erste Ausstellung zur Geschichte des weiblichen SS-Personals des Frauen-KZ eröffnete,[1] war ihr eine knapp sieben Jahre andauernde Debatte voraus gegangen. Erste Überlegungen zu einem Ausstellungskonzept waren Thema eines bundesweiten Gedenkstättenseminars, das unter dem Titel "Täter und Tatgehilfen im Nationalsozialismus. Zur Darstellung der Täter in Gedenkstätten" auf Einladung der Niedersächsischen Landeszentrale für Politische Bildung und des Gedenkstättenreferats der Stiftung Topographie des Terrors im November 1996 in Hannover stattgefunden hat.[2] Den Auftakt dieser Debatte, die heftig und zum Teil "hoch kontrovers" verlief, hat Detlef Garbe jüngst in einem konzisen Aufsatz zusammengefasst und auch die Kritikpunkte rekonstruiert, die anfangs gegen die konzeptionellen Überlegungen zum Ravensbrücker Ausstellungsprojekt sprachen.[3]

Die Bedenken bezogen sich erstens auf die Wahl des Ausstellungsortes, eines der acht ehemaligen Wohnhäuser der Aufseherinnen. Die Frage war, ob nicht ein SS‑Funktionsgebäude der Lagerverwaltung eher auf "die Strukturen und Techniken der Herrschaftsausübung" hinweisen könne als das Aufseherinnenhaus mit seinem anheimelnden Landhauscharakter.

Zweitens schien der Fokus auf die "niedrigen Ränge" des weiblichen SS-Gefolge problematisch, weil damit eine "ungewollte Entlastung der gesellschaftlichen Eliten" einhergehen könne. Drittens rief "eine zu starke Gewichtung der biografischen Zugänge" Besorgnis hervor: Bestehe nicht die Gefahr, dass die Aufseherinnen "als eher armselige Opfer der Verhältnisse" erschienen könnten? "Bleibt nicht die eigentlich politisch relevante Frage, nämlich wie es überhaupt passieren konnte, dass die Macht über Leben und Tod in die Hände jener zumeist einfachen und unbedarften KZ-Aufseher/-innen gelangte, im Verborgenen?"[4] Hinzu trat die Sorge, dass die bauliche Wirkung der dem Häftlingslager vorgeordneten SS-Wohnsiedlung letztlich zu sehr dominieren und eine dort implantierte Ausstellung eine "Gewichtsverlagerung zuungunsten der historischen Bedeutung und damit des 'Ortes der Opfer' eintreten" könne.[5]

Last not least wurde von verschiedenen Seiten, von den Gremien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, die das Ausstellungsvorhaben begleiteten wie auch von den Häftlingsverbänden, befürchtet, dass sich eine Ausstellung über das weibliche SS-Gefolge in Ravensbrück zu einer Pilgerstätte für Revisionisten entwickeln könnte. Ähnliche Vorbehalte äußerten auch die Häftlingsverbände im Vorfeld der Ausstellungseröffnung "Dienststelle KZ Neuengamme. Die Lager-SS" im Jahr 2005. Tatsächlich aber erwies sich diese Sorge als unbegründet: Beide Ausstellungen, die 2004 in Ravensbrück eröffnete Ausstellung zum weiblichen SS-Gefolge wie auch die ein Jahr später eröffnete Neuengammer Ausstellung zur Lager-SS wurden nicht nur von den Häftlingsverbänden, sondern auch in der Presse und der Geschichtswissenschaft ausgesprochen positiv beurteilt.[6]

Nun sollte man die Diskussionen um die Ravensbrücker Ausstellung, bei der es sich um die erste Gedenkstättenausstellung zum Thema des KZ-Personals handelte, in ihrem zeitlichen Kontext verorten: Christopher Brownings bahnbrechende Studie zu den "Ordinary Men: Reserve Police Battalion 101 and the Final Solution in Poland" war 1992, ein Jahr später in Deutschland, erschienen. Danial Jonah Goldhagen's "Hitler's willing Executioners" kam 1996 nahezu zeitgleich in den USA und Deutschland heraus. Die neuere Täterforschung hat insgesamt erst in den 1990er-Jahren Fahrt aufgenommen; erste Studien zu weiblicher NS-Täterschaft waren im Kontext der historischen Frauen- und Geschlechterforschung bereits in den 1980er-Jahren auf den Weg gebracht worden: Erinnert sei hier an die Studie von Claudia Koonz "Mothers in den Fatherland. Women, the Family, and Nazi Politics" (1986), die 1991 auf Deutsch erschienen war und ausgesprochen kontrovers verhandelt wurde.[7]

Mit den Studien von Koonz, Browning und Goldhagen war deutlich geworden, dass es sich bei den Täterinnen und Tätern, wie Frank Bajohr pointiert formuliert, "keineswegs um eine gewaltbereite oder besonders fanatisierte Negativauslese der damaligen deutschen Gesellschaft" gehandelt hat. Daher müsse man sich die Frage stellen, ob "Täterforschung" nicht überhaupt "im Rahmen einer breit angelegten Gesellschaftsgeschichte des 'Dritten Reiches' betrieben werden sollte".[8] Dieser Ansatz, Herrschaft als soziale Praxis zu verstehen, war nun in den 1990er-Jahren noch nicht sonderlich verbreitet. Aus der Perspektive eines eher politikgeschichtlichen 'Sehepunktes' können in der Tat weder die "niedrigen Ränge" des KZ-Personals noch deren Wohnräume zur Aufklärung über die Funktionsweisen eines Konzentrationslagers sonderlich viel beitragen.

Und in der Tat stellt das "Aufseherinnenhaus" als Ausstellungsort eine Herausforderung dar: Man kann die kleinen Wohneinheiten dort durchaus als abgeschirmte Gegenwelten zur Arbeitswelt verstehen; Spuren der beruflichen Tätigkeit der Bewohnerinnen sind hier kaum zu finden. Es handelt sich um bürgerliche Wohnräume, wie sie im 20. Jahrhundert üblich waren, damals noch ausgestattet mit Gardinen, die die Räume nach außen abschirmten, Räume, die auf eine schrecklich normale Weise Behaglichkeit und Geborgenheit vermitteln. Aber finden wir in diesen Räumen nicht genau einen der zweifelsohne zahlreichen Gründe, warum Konzentrationslager als Arbeitsstätte für alleinstehende Frauen funktionieren konnten? Lohnarbeiterinnen und junge Frauen vom Lande mögen diese Art der Unterkunft als ausgesprochen angenehm, wenn nicht gar als privilegiert empfunden haben. Ein solches Haus kann durchaus etwas über die Motive für den Dienst einer SS-Aufseherin mitteilen. Wichtig ist die Frage nach dem Referenzrahmen, nach "der Art und Weise, wie Menschen ein gegebenes setting interpretieren und wie sie sich aufgrund dieser Interpretation zu einer Handlung entschließen."[9] Harald Welzer misst in diesem Zusammenhang der Kategorie der sozialen Zugehörigkeit große Bedeutung bei: Die "absolute Unterscheidung von Zugehörigen und Nicht-Zugehörigen" sei ein entscheidendes Merkmal mörderischer Gesellschaften, wobei es "nur noch eine graduelle, keine prinzipielle Frage" mehr ist, "wie mit den Nicht-Zugehörigen zu verfahren" sei.[10] Das Aufseherinnenhaus steht ein für diese Zugehörigkeit auch der niedrigen Ränge zur NS-"Volksgemeinschaft", es zeugt von der Wertschätzung, die den Bewohnerinnen bis 1945 zuteil wurde.

Nun sind KZ Gedenkstätten wie Ravensbrück normativ wie moralisch hochcodierte Orte. Sie stehen vor der Aufgabe, in ihren Ausstellungen eine Balance zu finden zwischen normativen Setzungen einerseits und kritischer Reflexion andererseits. Referenzrahmen, Diskurslogiken und Deutungsmuster zu analysieren, vorherrschende Narrative zu hinterfragen und ggf. zu dekonstruieren sind zentrale Bestandteile historischen Arbeitens. Gleichwohl erweist sich diese Aufgabe bei der Thematisierung des KZ-Personals als besonders schwierig, denn es gibt die Tendenz, NS-Verbrechen "für eine Selbstbestätigung moralischer Überlegenheit" zu funktionalisieren. Bestätigt werden soll "das Selbstbild einer fundamentalen Unverbundenheit mit den an den Verbrechen Beteiligten", wie Astrid Messerschmidt beobachtet, wobei sie diese Distanzierung weniger individuell begründet sieht als vielmehr bedingt durch die "Selbstbilder einer Demokratie, die sich als Antwort auf die Verbrechensgeschichte versteht und sich als das ganz Andere im Gegensatz dazu repräsentiert."[11] Anders formuliert: Die Nazis sind immer die Anderen. Ein Blick auf die Biografien von ehemaligen SS-Aufseherinnen zeigt indes, dass sie sich kaum für die Repräsentation des "ganz Anderen" eignen. Ohnehin war zu keinem Zeitpunkt von einer biografischen Ausstellung die Rede: Schon die ersten Überlegungen von 1996 fokussierten auf einen quellenkritischen und rezeptionsgeschichtlich orientierten Ansatz, der die Erinnerungen ehemaliger Häftlinge an die Aufseherinnen in den Vordergrund stellte wie auch die Erinnerungen der Fürstenberger an diese Frauen, die Ermittlungs- und Strafverfahrensunterlagen und schließlich die fragmentarischen Dokumente aus der NS-Zeit.[12] Kontextualisierung, Historisierung und Multiperspektivität sind die drei methodischen Zugänge, die sich für die Auseinandersetzung mit dem Thema des SS-Gefolges im Rahmen einer Ausstellung als sinnvoll erwiesen haben.

Indes schiebt sich, wie auch das Eingangszitat zeigt, das in der popular culture verbreitete Bild der devianten und sexualisierten Frau und Bestie offenbar reflexhaft vor jedes Bemühen, sich mit dieser Gruppe von Frauen, ihren Motiven, Verhaltensweisen und Handlungsoptionen zu befassen. Filme wie "Ilsa, She-Wolf of the SS", "SS‑Experiment", "Lager SS 5 - L'Inferno delle Donne", "Nazi Love Camp #27" bis hin zu Spielfilmen wie Liliana Calvanis "Der Nachtportier" (1973) oder "Sieben Schönheiten" von Lina Wertmüller (1976) wie auch der pornografische Sektor haben zur Prominenz voyeuristisch geprägter Erzählmuster beigetragen.[13] "Sexismus", so die Kunsthistorikerin Silke Wenk, "erleichtert und stützt die Konstruktion des ganz Anderen."[14] Das Bild der SS-Aufseherin als weibliche Bestie wird gezeichnet, um sich von ihr und damit von den NS-Verbrechen mit Schrecken abwenden zu können. Die Faszinationskraft des Bösen zeigt sich etwa in dem "Hot Toy - Silken Floss", einer in Japan produzierten blondhaarigen Figur in schwarzer SS-Uniform: Diese Figur, von der im Folgenden noch die Rede sein wird, präsentieren wir in der neu eröffneten Ausstellung, die im Unterschied zu der ersten Ausstellung von 2004 nun auch das Thema der SS-Aufseherin in der Populärkultur zum Thema macht. Nicht zuletzt sind fünf temporäre künstlerische Interventionen Teil der Ausstellung.

Konzept und Narrativ

Eine neue Ausstellung zum Thema des weiblichen SS-Personals war nach 16-jähriger intensiver Nutzung der alten Ausstellung notwendig geworden. Darüber hinaus hatte sich der Forschungsstand weiter entwickelt. Was nun sind die wesentlichen Neuerungen dieses neuen, von der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien und dem Brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur finanzierten Ausstellungsprojektes?

Die erste Ausstellung zielte in erster Linie darauf ab, KZ-Täterschaft zu entdämonisieren und - im Falle des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück - die pathologisierten Aufseherinnen, die nach 1945 aus der deutschen Gesellschaft in Ost und West hinaus interpretiert worden waren, gewissermaßen in die deutsche Gesellschaftsgeschichte zu "re-integrieren".[15] In noch stärkerem Maße als ihre Vorgängerausstellung thematisiert die neue Ausstellung KZ-Aufseherinnen als durchschnittliche, junge Frauen. Die KZ-Täterinnen werden nicht isoliert, sondern als Teil der NS-"Volksgemeinschaft" dargestellt, lebten sie doch in einer Gesellschaft, die von aggressiven Feindbildern durchzogen war, und die befürwortete, dass als "rassisch unerwünscht" oder als "gemeinschaftsfremd" definierte Bevölkerungsteile ausgegrenzt und verfolgt wurden. Daraus folgt notwendigerweise eine intensive und breit angelegte Untersuchung der Motive, den Dienst als KZ-Aufseherin aufzunehmen. Es werden in der Ausstellung daher Rekrutierungswege und Karriereoptionen dargestellt. Besonderes Augenmerk gilt der Dienstverpflichtung, die nach 1945 Aufseherinnen häufig als Entlastungsstrategie nutzten. Es war uns wichtig, die Transformation und die Verschiebung des Normalitätsdiskurses darzustellen: Was waren die Gründe dafür, dass diese Frauen den KZ-Dienst als "normal" ansahen? Ein Eindruck von der Transformation vermittelt eine im Foyer des Erdgeschosses angebrachte Faltwand, die gleichsam den Auftakt zur Ausstellung bildet. Zu sehen sind dort zwei ineinander geschnittene großformatige Fotografien: Das eine Bild zeigt einen Betriebsausflug des KZ-Personals in Zivil, das andere die anlässlich eines Himmler-Besuches in Ravensbrück angetretenen Aufseherinnen in Uniform. Die Wandcollage changiert; je nach Standort der Betrachtenden dominiert mal das eine, mal das andere Bildmotiv.

Größere Bedeutung kommt auch den Egodokumenten der Aufseherinnen zu: Im gesamten ersten Stockwerk des Gebäudes werden anhand von Privatfotografien und Häftlingszeichnungen, Briefen, Erinnerungen und Filmen sowie Audio- und Videointerviews die Selbstwahrnehmung der Aufseherinnen und die Erinnerungen ehemaliger Häftlinge bewusst miteinander konfrontiert. Schließlich ist die Faszinationskraft der Figur der "SS-Aufseherin" in der Populärkultur ein eigenes Thema der neuen Ausstellung. Als letztes Kapitel bildet es gewissermaßen den Gegenpol zu den ersten fünf Kapiteln der Ausstellung, der die "ganz normalen Frauen" historisch kontextualisiert. Das Klischee der gewaltbereiten, sadistischen, triebhaften Aufseherin ist längst fester Bestandteil einer virtuellen Realität, die auch Einfluss auf die Formung eines zukünftigen Geschichtsbewusstseins nimmt. Wir nehmen an, dass es im Rahmen der historisch-politischen Bildungsarbeit zu zahlreichen Diskussionen in diesem Raum kommen wird. Denn die Dämonisierung und - im besonderen Falle der weiblichen Täterschaft - die Sexualisierung von Täterschaft ist nicht nur für sich gesehen problematisch. Sie ist paradoxerweise auch eine Form der Verharmlosung. Das "böse Subjekt" wird für triebhaft und unmündig erklärt, ähnlich der Hauptfigur in Bernhard Schlinks Roman "Der Vorleser", die nicht lesen und schreiben kann. Die Ausstellung argumentiert dagegen und belegt ihre Position nicht zuletzt durch neue Materialien, wie die Aussagen zweier als Aufseherinnen dienstverpflichteter Frauen, die den KZ-Dienst aus Gewissensgründen verweigert haben. Nach einem kurzen Aufenthalt im Lager, wo sie "das himmelschreiende Elend" entsetzte, ließen sich die beiden beim Kommandanten melden und quittierten ihren Dienst - mit der einzigen Folge, dass sie die Kosten für die Heimreise selbst aufbringen mussten.

Neu an der Ausstellung ist aber auch, dass Ravensbrück als zentrales Ausbildungslager für das gesamte weibliche Wachpersonal der Konzentrations- und Vernichtungslager thematisiert und damit seine Funktion und Bedeutung im System der nationalsozialistischen Konzentrationslager pointiert dargestellt wird. Die Ergebnisse der neueren Täterforschung aufgreifend, die heute die mittlere und untere Konzentrationslager-SS im Zentrum der Aufmerksamkeit stellt, wird die Gruppe der Aufseherinnen differenziert in:

a)
"altgediente" Aufseherinnen, die mehrheitlich aus dem Mecklenburgischen stammten

b) das Gros der dienstverpflichteten Lohnarbeiterinnen und

c) "volksdeutsche" Frauen.

Ausgewählte biografische Skizzen verdeutlichen, dass diese Frauen einen Querschnitt der nationalsozialistischen Gesellschaft abbilden, so wie wohl keine andere Gruppe unter dem Wachpersonal der Konzentrationslager. In einem eigenen Kapitel werden außerdem beispielhaft die Karrierewege einiger Oberaufseherinnen und stellvertretenden Oberaufseherinnen dargestellt.

Die neue Ausstellung rückt die Bedingung und Möglichkeit von Gewaltverhältnissen in den Fokus. Damit reflektiert sie das Forschungsinteresse der neueren Täterforschung, das sich gewissermaßen von den Tätern und Täterinnen hin zur Tat verschoben hat. Denn Gewalt ist keine exklusive Eigenart des oder der per se Gewalttätigen, sondern funktioniert eingebettet in Strukturen. Hierarchien, Belohnungssysteme, Opportunismus wie auch die subjektive berufliche Strebsamkeit sind von entscheidender Bedeutung. Deshalb ist das Sozialverhalten der Aufseherinnen, das Nebeneinander von Wohnort und Tatort ebenso Thema wie die Funktion der "eigenen Bude" im Aufseherinnenhaus im Rahmen der strukturellen Gewalt des KZ-Systems.

Anders als es viele Besucherinnen und Besucher vermuten, stand nur eine verschwindend geringe Zahl von Aufseherinnen nach 1945 vor Gericht. Im Unterschied zur ersten Ausstellung, die den juristischen und gesellschaftlichen Umgang mit der KZ-Täterschaft ausführlich in drei Kapiteln behandelte, stellen wir in der neuen Ausstellung die juristische Aufarbeitung in einem übersichtlich gebündelten Kapitel dar. Der Aktualität des Themas haben wir Rechnung getragen, indem wir den Paradigmenwechsel in der deutschen Rechtsprechung von 2011 akzentuieren. Im Prozess gegen den Wachmann John Demjanuk sah es das Gericht als erwiesen an, dass Demjanuk durch seinen Einsatz im Vernichtungslager Sobibor zwangsläufig Beihilfe zum Mord geleistet hatte. Dieses Urteil löste 2017 auch erneut Verfahren gegen ehemalige Ravensbrücker Aufseherinnen aus. Die Geschichte ist also nicht abgeschlossen.

Visualisierung und Exponate

Die aktuelle Ausstellungsgestaltung, verantwortet von büroberlin, respektiert das Aufseherinnenhaus als ein historisches Exponat. Im Erdgeschoss gibt es eine Art Band, welches sich an den Wänden der Wohneinheiten entlang schlängelt. Auf diese Weise bleibt die historische Raumstruktur sichtbar und der Blick aus den Fenstern unverstellt. Ein grüner Farbton weckt Assoziationen mit der feldgrauen Farbe der Uniform; als Akzentfarbe dient ein leicht stechendes Gelb. Ein größerer Unterschied zur Gestaltung der Ausstellung von 2004 lässt sich kaum denken: Diese bestand aus einem anthrazitgrauen Wandsystem, welche die Struktur der Wohnungen durchkreuzte und den Blick nach draußen verstellte. Bei der damaligen Ausstellungsarchitektur, verantwortet von Frey+Aichele, handelte es sich um einen Reflex auf die eingangs geschilderten Bedenken: Das Wandsystem, das aus putzbeschichteten MDF-Platten gefertigt war und mit den Jahren den unangenehmen Geruch von Essigsäure freisetzte, sollte den vermeintlich banalen Wohncharakter durchbrechen, damit ein "Gefühl von Behaglichkeit [...] in dem beklemmenden Labyrinth nicht aufkommen"[16] sollte. Doch die langjährige Erfahrung mit der Ausstellung hat Anderes gezeigt: Besucherinnen und Besucher empfinden gerade das vermeintlich Private dieses Gebäudes nicht als behaglich, sondern als geradezu verstörend, besonders die Fotografien, auf denen Aufseherinnen in ihrer Freizeit in der Umgebung der wohnlichen Aufseherinnenhäuser zu sehen sind.

Die neue Dauerausstellung ist ohne diese privat gefertigten SS-Fotografien nicht zu denken. Die Beiläufigkeit vieler dieser Aufnahmen, das alltägliche und scheinbar gewaltfreie Umfeld, das die Frauen während ihrer Dienstzeit (und immer außerhalb des Häftlingslagers) dokumentierten, ist keine Form der Verharmlosung, wie man vor Jahren vielleicht noch mutmaßte. Ganz im Gegenteil stehen diese Bilder geradezu für die Unmittelbarkeit von Wohn- und Tatorten, Dienst und Vergessen. Dies ist in besonderem Maße prägnant, wenn etwa die Kinder der Aufseherinnen vor der bekannten Wohnsiedlung abgelichtet werden, eine Ansicht, Urlaubsbildern vergleichbar, und doch mit dem Lagertor in der unmittelbaren Nähe der Fotografierten.[17] Besucherinnen und Besucher können mittels der privaten SS-Fotografien einen wichtigen Zusammenhang erkennen: Die Nähe von Wohnort und Häftlingslager beförderte beim Wachpersonal das Gefühl, in einem Kosmos mit eigenen Gesetzmäßigkeiten zu leben. Diese Abgeschlossenheit der KZ-Anlage bestärkte die Wahrnehmung, ihr Dienst sei eine Arbeit wie jede andere und körperliche Gewalt rechtens.

Als die Gedenkstätte Ravensbrück die erste Ausstellung zum weiblichen SS-Personal entwickelte, standen die Stimmen der Überlebenden im Vordergrund und haben das Ausstellungsvorhaben zur weiblichen Täterschaft geprägt. In der neuen Dauerausstellung erhalten die Interviews mit insgesamt drei ehemaligen Aufseherinnen deutlich mehr Raum. In einem eigenen Ausstellungskapitel sind Interviews mit ihnen und ihren Töchtern zu hören und zu sehen. In der Regel betonten die Befragten, erst durch die Häftlinge auf die verbrecherischen Vorgänge aufmerksam geworden zu sein. Oder sie entlasteten sich mit Beteuerungen wie: "Als nachher wirklich was passiert ist, war ich nicht mehr dort." Sie gaben an, niemals Misshandlungen oder Mordaktionen mit eigenen Augen gesehen oder dabei geholfen zu haben. Eine der Interviewten, die aus dem bombengeschädigten Ruhrgebiet nach Ravensbrück versetzt worden war, fühlte sich "unschuldig schuldig" und äußerte zugleich, sie habe in Ravensbrück "die schönste Zeit" ihres Lebens verbracht. Kinder von Aufseherinnen treten in der Regel für die Rehabilitierung ihrer Mütter ein.

Die kryptischen Selbstdarstellungen ehemaliger Aufseherinnen, die wir wohl zu Recht als beredtes Schweigen bezeichnen können, werden durch persönliche Souvenirs der Interviewpartnerinnen ergänzt, die erstmals ausgestellt werden. Es handelt sich um Objekte aus der Zeit des Konzentrationslagers, wie etwa ein Tischkärtchen von einer Weihnachtsfeier und ein Holzkästchen mit der Inschrift "K.L. Ravensbrück, Jänner 1943". Mit großer Wahrscheinlichkeit sind beide Objekte von Häftlingen für die Aufseherin angefertigt worden. Zu sehen sind auch zwei Messer und eine Tasse, die vermutlich aus der SS-Kantine stammen. Die Gegenstände wurden zumeist im Zuge der Interviews von den ehemaligen Aufseherinnen oder von ihren Angehörigen der Gedenkstätte übergeben.

Eine andere Art von Souvenir brachte die Französin Simone Regnault nach der Befreiung nach Hause, als sie im Mai 1945 aus dem KZ-Außenlager Zwodau nach Paris zurückkehrte. Sie nahm die Mütze einer Aufseherin mit. Jahre später übergab sie das Schiffchen Antoine Cordier, dem damals zehnjährigen Sohn ihrer Freundin Sylvie Cordier, die als Mitglied der Résistance 1944 ebenfalls in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück deportiert worden war. Antoine Cordier, der heute in Cincinnati lebt, stiftete die Mütze der Gedenkstätte 2019.[18] Seiner Einschätzung nach habe Simone Regnault die Mütze als Trophäe und Symbol für den Sieg über das nationalsozialistische Deutschland mitgenommen.

In Sichtweite der Uniform-Mütze, die als Replika in der Ausstellung zu sehen ist, befindet sich ein direkt auf die Wand aufgebrachtes Zitat. Es handelt sich um die sehr präzise Beobachtung der französischen Ethnologin und Ravensbrück-Überlebenden Germaine Tillion, die erlebte, wie erschreckend schnell neue Aufseherinnen nach der Uniformeinkleidung ihr Mitgefühl und ihre Umgangsformen abstreiften und sich an die im Lager herrschende Unmenschlichkeit gewöhnten. Beim Gang durch die Ausstellung werden die Besucherinnen und Besucher hin und wieder auf Zitate stoßen, die nicht nur von Häftlingen, sondern auch von Aufseherinnen, von der Staatsanwaltschaft oder von den Nachbarn aus Fürstenberg stammen. Die einzige "externe" Position ist ein Fragment aus einem Gespräch mit Hannah Arendt aus dem Jahre 1964: "Niemand hat das Recht zu gehorchen." Es ist in dem Raum platziert, der die Strafverfolgung der Aufseherinnen thematisiert. Die Zitat-Collage ist eine eigenständige Ausstellungsebene, die zum Assoziieren und Nachdenken einladen möchte.

Das schwierigste Objekt der Ausstellung ist die Uniform einer Aufseherin; schwierig, weil die 2008 von einem Sammler angekaufte Uniformkleidung Rätsel aufgibt. De facto handelt es sich nicht um eine Aufseherinnen-Uniform, sondern um die einer SS-Helferin, erkennbar an dem SS-Aufnäher auf der Jacke.[19] In Rock und Jacke befindet sich das Namensschild "Bernigau. KL Groß-Rosen", im Rockbund zudem ein Etikett der Reichszeugmeisterei in München (RZM). Diese kontrollierte Herstellung und Verkauf der Uniformen der NSDAP und ihrer Gliederungen, also auch der SS. Die genannte Bernigau war zwar nachweislich Oberaufseherin im KZ Groß-Rosen wie auch Aufseherin in Ravensbrück, doch im Unterschied zu den SS-Helferinnen gehörte sie als nicht zur SS-Sippengemeinschaft. Ob sie eine SS-Uniform trug, ist daher fraglich. Die Uniform könnte also eine Fälschung sein. Für diese Annahme spricht, dass die graue Mütze mit silberner Paspelierung nicht zur Helferinnen-Ausstattung gehörte, denn deren Mütze war braun. Für Militaria und vor allem für SS-Uniformen gibt es einen großen internationalen Absatzmarkt. Diese Uniformen stehen für die Zugehörigkeit zu einer Elite und symbolisieren Dominanz. Vermutlich ist das der Grund dafür, dass für Uniformen von Aufseherinnen, ob Original oder Fälschung, hohe Summen gezahlt werden. In der Ausstellung wird deshalb die Uniformkleidung von Jane Bernigau mit Bedacht dort präsentiert, wo "die" KZ-Aufseherin als popkulturelles Phänomen und deren Uniform als begehrenswertes Gut thematisiert wird.

Wie erwähnt sind sexualisierte Darstellungen des weiblichen Wachpersonals vor allem im Bereich der Populärkultur und dem pornografischen Sektor verbreitet. Die Uniform der KZ-Aufseherin dient dort als ein sexueller Fetisch. Beispielhaft für dieses Vorstellungsmuster steht das "Hot Toy - Silken Floss". Die etwa 35 cm große Puppe ist ein Fan-Artikel aus dem Kontext des US-amerikanischen Film "The Spirit".[20] Der Superheld namens "The Spirit" ist ursprünglich eine Schöpfung des US-amerikanischen Comiczeichners jüdischer Herkunft Will Eisners, der die Figur während des Zweiten Weltkriegs erfand. Der mit Superkräften ausgestattete Held unterstützt die Polizei bei der Verbrechensbekämpfung in einer Stadt Namens Moloch und trifft dabei auf den Erzschurken Octopus. Die Anspielung auf NS-Deutschland und Hitler ist unverkennbar. Die im Spielfilm 2008 von Scarlett Johansson verkörperte Silken Floss ist Ärztin, eine ebenso böse wie erotische Gehilfin des Schurken Octopus. Im Comic ist Silken Floss noch brünett und trägt einen weißen Arztkittel. Erst in dem Spielfilm wurde aus ihr eine Blondine in schwarzer SS-Uniform. In dieser Figur verdichten sich gleich zwei Schreckensbilder: Die der blonden und gefährlichen SS-Aufseherin und die mit einer großen Spritze ausgestatteten Nazi-Ärztin.

In der Ausstellung befindet sich die SS-Barbie in dem kleineren Raum des Appartements während die erwähnte Uniform der SS-Helferin in dem benachbarten größeren Raum präsentiert wird. Getrennt durch die Zimmerwand stehen beide Exponate gewissermaßen Rücken an Rücken und thematisieren auf ihre Weise die große Spannbreite von historischer Uniform(fälschung) bis hin zur reinen Fiktionalisierung.

Interventionen

Im Dialog mit der historischen Ausstellung haben fünf international renommierte Künstlerinnen und Künstler in einem von der Bundeskultur-Stiftung geförderten Projekt Interventionen entwickelt. Ihre Arbeiten befassen sich mit dem Milieu und den Repräsentationen der Ravensbrücker SS-Aufseherinnen auf der Basis rechercheorientierter Ansätze.

"Das Mädel begrüßt die Führer mit ausgestrecktem Arm", ist in einem der ehemaligen Wohnräume des Aufseherinnenhauses zu vernehmen. Dass man sich "von unnatürlichen Anforderungen" wie der "falsch verstandenen Emanzipation" befreien möge, dass "wir deutschen Frauen (...) stolz und freudig unter dem Gesetz des Nationalsozialismus" stehen, auf Luxus verzichten wollen und dennoch das gerne tun, was gefordert wird... Sätze wie die zitierten sind in einer der zwei Teile umfassenden Filminstallation mit dem Titel "An die Deutsche Frau" von Arnold Dreyblatt zu hören: Zwei Sprecherinnen lesen Passagen aus Büchern und Zeitschriften wie der NS-Frauenwarte und weiteren Ratgebern, die die explizit geschlechtsspezifisch argumentierende Ideologie der NS-"Volksgemeinschaft" eindrucksvoll transportieren.

"Der unsichtbare Chor" von Moritz Fehr führt Lieder auf, die in Ravensbrück nicht nur im Verborgenen gesungen, sondern, wie "Der Mond ist aufgegangen", wohl auch von dem SS-Personal geduldet wurden. Dominique Hurth hat sich mit Frauenzeitschriften und Magazinen für Innendekoration der 1930er-Jahre und frühen 1940er-Jahre befasst und gemeinsam mit einer Textilgestalterin mehrere Vorhänge in zeitgenössischen Farben und mit beabsichtigten Webfehlern und Laufmaschen nachgewebt und an einige der Fenster angebracht. Bei einer zweiten Installation von Hurth handelt es sich um eine Sitzbank im oberen Flurbereich des Hauses, auf der Kissen mit darauf gestickten Fragmenten aus den Gerichtsprotokollen der Aufseherin Irma Grese drapiert sind. Bilder der benachbarten Unterführerhäuser hat Susanne Kriemann mit rauen Pigmentschnipseln versehen und reflektiert so die Überlagerung von Biosphäre und Geschichte dieses Ortes. Auf ORWO-Filmen aus Wolfen, der Nachfolgefirma der Agfa-Werke in Bitterfeld/Wolfen, für die Ravensbrücker Häftlinge Zwangsarbeit geleistet haben, hat Marianna Christofides Bilder aus der Umgebung Ravensbrücks, dem Archiv der Gedenkstätte und einer mehrtägigen Performance festgehalten.

Die Interventionen im Aufseherinnenhaus beziehen sich auf Details, die der historischen Betrachtung häufig entgehen. Gering geschätzte oder nicht besonders beachtete Nebensächlichkeiten werden in den Interventionen als Symptome oder Indizien gelesen und in neue Konstellationen gebracht. Künstlerische Praktiken verweigern sich der klassischen Dichotomie von Affirmation und Kritik. Künstler, um den Kunsthistoriker Helmut Hartwig zu zitieren, präsentieren "Gegenstände in Ordnungen, die nicht vorgängig gesichert sind", auch wenn sich die Präsentationen "auf vorgegebene Ordnungen" beziehen.[21] Eben das ist den fünf, an dieser Ausstellung beteiligten Künstlerinnen und Künstlern gelungen. Ihre künstlerischen Interventionen beziehen sich im Sinne einer Spurensuche auf die vorgegebenen Ordnungen des Aufseherinnenhauses und der Vorstellungswelten ihrer Bewohnerinnen. Aber sie reproduzieren nichts, sondern sie setzen etwas genau daneben, eine Irritation, eine Verunsicherung - oder, in den Worten von Marianna Christofides: Es geht um eine "Überwindung des - eine falsche Sicherheit vermittelnden - Klischees".

Für ein historisches Thema, das von Klischees geradezu umzingelt ist, erweist sich dieser Ansatz als überaus geeignet, um den Tendenzen einer Exterritorialisierung der NS-Verbrechen entgegen zu treten. Im Aufseherinnenhaus ist, auch und gerade dank der künstlerischen Interventionen, das Eigene anzutreffen - das Eigene, das Volkhard Knigge vielleicht meinte, als er von der Aufgabe der "Bewahrung eines öffentlichen und selbstkritischen Gedächtnisses an von den Eigenen an anderen begangenen Staats- bzw. Gesellschaftsverbrechen" geschrieben hat.[22]

Dr. Simone Erpel, Historikerin und Ausstellungsmacherin, hat sowohl die erste Ausstellung zur Geschichte des weiblichen SS-Personals 2004 als auch die neue Dauerausstellung zum Thema kuratiert.

Dr. Insa Eschebach, Lehrbeauftragte am Institut für Religionswissenschaft der FU Berlin. Sie hat die erste Ausstellung zum weiblichen SS-Personal wissenschaftlich beraten. Als Gedenkstättenleiterin Ravensbrück (2005-2020) hat sie die Neukonzeption angeregt und das Ausstellungsprojekt geleitet.


[1] Vgl. Simone Erpel (Hg.), Im Gefolge der SS: Aufseherinnen des Frauen-KZ Ravensbrück. Begleitband zur Ausstellung, Berlin 2007

[2] Vgl. Insa Eschebach, Das Aufseherinnenhaus. Überlegungen zu einer Ausstellung über SS-Aufseherinnen in der Gedenkstätte Ravensbrück. GedenkstättenRundbrief Nr. 75, 3/1997, S. 1-12.

[3] Vgl. im Folgenden: Detlef Garbe, Opferorte waren auch Täterorte. KZ-Gedenkstätten vor der Herausforderung eigener Ausstellungen über Täterinnen und Täter, in: Sabine Arend und Petra Fank (Hg.), Ravensbrück denken. Gedenk- und Erinnerungskultur im Spannungsfeld von Gegenwart und Zukunft, Berlin 2020, S. 165-179, hier S. 171; zur Debatte vgl. des weiteren Jana Jelitzki / Mirko Wetzel, Über Täter und Täterinnen sprechen. Nationalsozialistische Täterschaft in der pädagogischen Arbeit von KZ-Gedenkstätten, Berlin 2010, insbes. S. 107-109.

[4] Detlef Garbe, Kommentar zum Referat von Insa Eschebach, in: Tagungsreader der Stiftung Topographie des Terrors zur Tagung "Täter und Tatgehilfen im Nationalsozialismus. Zur Darstellung der Täter in Gedenkstätten" in Hannover vom 20. bis 22. 11. 1996 (unveröffentlicht), zit. n. Garbe, Opferorte, S. 171.

[5] Ebenda S. 170.

[6] Ebenda. S. 173

[7] Vgl. den Forschungsüberblick in: Insa Eschebach, Kontexte und Entwicklungen der Ravensbrück-Forschung, in: Dies. (Hg.), Das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Neue Beiträge zur Geschichte und Nachgeschichte, Berlin 2014, S. 7-27 sowie Elissa Mailänder, Unsere Mütter, unsere Großmütter. Erforschung und Repräsentation weiblicher NS-Täterschaft in Wissenschaft und Gesellschaft, in: Nationalsozialistische Täterschaften. Nachwirkungen in Gesellschaft und Familie, hrsg. im Auftrag der KZ-Gedenkstätte Neuengamme von Oliver von Wrochem unter Mitarbeit von Christine Eckel, Berlin 2016, S. 83-101.

[8] Frank Bajohr, Täterforschung: Ertrag, Probleme und Perspektiven eines Forschungsansatzes, in: Ders. und Andrea Löw (Hg.), Der Holocaust. Ergebnisse und neue Fragen der Forschung. München 2015, S. 159-185, hier. S. 168.

[9] Harald Welzer, Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden. Frankfurt am Main 2005, S. 113

[10] Ebenda S. 244

[11] Astrid Messerschmidt, Selbstbilder zwischen Unschuld und Verantwortung. Beziehungen zu Täterschaft in Bildungskontexten, In: Nationalsozialistische Täterschaften, a.a.O. S. 115-133, hier S. 117f.

[12] Vgl. Eschebach, Das Aufseherinnenhaus, a.a.O.

[13] Vgl. Insa Eschebach, Gespaltene Frauenbilder. Geschlechterdramaturgien im juristischen Diskurs ostdeutscher Gerichte, in: Ulrike Weckel und Edgar Wolfrum (Hg.), 'Bestien' und 'Befehlsempfänger': Frauen und Männer in NS-Prozessen nach 1945, Göttingen 2003, S. 95-116 sowie Robert Sommer, Perverse Sadisten in SS-Uniform. Zum sexualisierten Bild von TäterInnen in Nazi Pulp und Pornografie, in: Sabine Arend und Petra Fank (Hg.), Ravensbrück denken, a.a.O. S. 114-122.

[14] Silke Wenk, Hin-Weg-Sehen oder: Faschismus, Normalität und Sexismus, in: Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (Hg.), Erbeutete Sinne. Nachträge zur Berliner Ausstellung 'Inszenierung der Macht. Ästhetische Faszination im Faschismus, Berlin 1988, S. 17-32, hier S. 30.

[15] Vgl. Gerhard Paul, Von Psychopathen, Technokraten des Terrors und "ganz gewöhnlichen Deutschen". Die Täter der Shoah im Spiegel der Forschung, in: Ders. (Hg.), Die Täter der Shoah. Fanatische Nationalsozialisten oder ganz normale Deutsche, Göttingen 2002, S. 13-90, hier S. 17.

[16] Simone Erpel, "Im Gefolge der SS: Aufseherinnen des Frauen-KZ Ravensbrück". Zur neuen Dauerausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, in: Gedenkstättenrundbrief 122 (2004), S. 8-12, hier: S. 10.

[17] Die Oberaufseherin Johanna Langefeld mit Herbert und Johanna, 20. Februar 1941, Privatfoto; Fotograf/in unbekannt, MGR/SBG, Foto Nr. 2018/101; Reproduktion. Langefelds Sohn Herbert May (links) lebte mit seiner Mutter in der SS-Wohnsiedlung. Johanna (rechts) war die Tochter der Aufseherin Sophie Gode, die mit Johanna Langefeld befreundet war; Gruppe Aufseherinnen mit Schäferhund, nach 1940, Privatfoto, 6 × 9 cm, Fotograf/in unbekannt, MGR/SBG, Foto Nr. 2019/5.

[18] Uniformmütze einer Aufseherin, 1940er-Jahre, Stoff mit Hoheitsadler; Schenkung Antoine Cordier, Cincinnati/Ohio, MGR/SBG, V7148 A3, Nachbildung.

[19] Uniform einer SS-Helferin, der Aufseherin Jane Bernigau zugeschrieben. Schurwolle, Viskose, MGR/SBG, V3240 A3, Nachbildung.

[20] Action Figur zum Film "The Spirit", USA 2008, Plastik, Stoff, MGR/SBG, V7396X.

[21] Helmut Hartwig, Spurensicherung zwischen historischer und ästhetischer Praxis. In: Oliver Bätz und Udo Gößwald (Hg.), Experiment Heimatmuseum. Zur Theorie und Praxis regionaler Museumsarbeit. Bezirksamt Neukölln von Berlin, Abt. Volksbildung/Kunstamt, Marburg 1988, S. 100-105, hier S. 101.

[22] Volkhard Knigge, Zur Zukunft der Erinnerung, in: APUZ 25-26/2010, S. 10-16, hier S. 11. Anm. 3.