Michael Gander

Polizeigewalt und Zwangsarbeit

Gedenkstättenrundbrief 199 S. 3-15

Eine gedenkstättenverbindende Dauerausstellung

Die neue Ausstellung "Polizeigewalt und Zwangsarbeit" zeigt ein bisher öffentlich wenig beachtetes Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands: Das zahlreiche und gewalttätige Vorgehen der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) gegen ausländische Zwangsarbeitende im Zweiten Weltkrieg. Im Mittelpunkt der zweiteiligen Ausstellung stehen in der Gedenkstätte Gestapokeller die Geschichte der Gestapo Osnabrück und in der Gedenkstätte Augustaschacht die Geschichte des Arbeitserziehungslagers (AEL) Ohrbeck.

Die neue Ausstellung verbindet die Gedenkstätten Gestapokeller und Augusta-schacht und hat somit zugleich eine zentrale Stellung im langjährigen Aufbau der beiden Gedenkstätten. Eine Ausstellung an zwei neun Kilometer voneinander entfernten Gedenkstätten zu entwickeln und zu realisieren, war eine besondere Herausforderung und Möglichkeit. Die Eröffnung am 3. Juli 2020 fand mit Rücksicht auf die Pandemiebedingungen nur im kleinen Kreis der Fördernden statt.[1] Die für den 1. April 2020 geplante große Eröffnungsveranstaltung musste abgesagt werden.

Warum haben die beiden getrennt voneinander entstandenen Gedenkstätten sich zusammengeschlossen und diesen Weg beschritten? Dieser Frage soll im folgenden ersten Teil nachgegangen werden. Die neue gemeinsame Ausstellung "Polizeigewalt und Zwangsarbeit" wird im zweiten Teil vorgestellt. Zum Schluss folgen erste Reaktionen und ein knapper Ausblick.

Gemeinsame Geschichte der historischen Orte im Nationalsozialismus

Da das Arbeitserziehungslager Ohrbeck von der Gestapo Osnabrück geschaffen und betrieben wurde, besteht eine sehr enge geschichtliche Verbindung der beiden historischen Orte der Gedenkstätten, die eine Zusammenarbeit nahelegt.

Die Gestapostelle Osnabrück wurde im April 1933 eingerichtet. Ihren Sitz hatte sie zunächst im Gebäude der preußischen Bezirksregierung, von 1938 bis 1945 mit Unterbrechungen dann im Westflügel des Osnabrücker Schlosses, in dem für ihre Zwecke in den oberen Geschossen Amtsräume und Haftzellen im Keller eingerichtet wurden.

Ausgehend von der staatlichen Polizeiverwaltung des Regierungspräsidiums bestand die Gestapo in Osnabrück bis 1934 aus wenigen Beamten. Der Personalbestand wuchs bis August 1941 auf 90 Personen. Die Zuständigkeit der Gestapostelle erstreckte sich auf den Regierungsbezirk Osnabrück, in dem 1939 knapp 520 000 Menschen lebten. Er umfasste die Stadt und das Land Osnabrück, die Grafschaft Bentheim und das ­Emsland. Die Stadt Osnabrück war die einzige Großstadt des Regierungsbezirks. Von den neun zugehörigen Landkreisen lagen drei an der Grenze zu den Niederlanden. Somit unterstanden der Gestapo Osnabrück auch die Grenzpolizei in Meppen, Neuenhaus, Nordhorn und Bentheim. Ab April 1942 war die Gestapo Osnabrück eine Außendienststelle der Gestapo in Münster. Im Juli 1944 wurde sie der Gestapo Bremen unterstellt.

Die fast vollständig überlieferte Personenkartei der Gestapo Osnabrück gehört zu den nur sechs teilweise oder ganz erhaltenen Karteien, die die Gestapo in einer unbekannten Zahl reichsweit angelegt hatte. Die Osnabrücker Personenkartei enthält 49 390 Karteikarten, von denen ein kleiner Teil vom Staatsschutz der Weimarer Republik angelegt wurde und ein weiterer geringer Teil sich auf Leumundsanfragen und ähnliche Vorgänge bezieht. Die meisten Karteikarten beziehen sich auf Menschen, die im Regierungsbezirk Osnabrück zwischen 1933 und 1945 ins Visier der Gestapo gerieten. Die Gestapo Osnabrück verfolgte Menschen, die sie zur politischen Opposition zählte oder die nicht ins rassistische Weltbild der Nationalsozialisten passten. Betroffen waren vor allem kommunistische, sozialdemokratische sowie jüdische Frauen und Männer, Angehörige von Religionsgemeinschaften wie den Zeugen Jehovas, Homosexuelle, sogenannte Asoziale, Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Hinzu kamen Ausländerinnen und Ausländer. In der Region Osnabrück waren Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus dem Ausland ab 1940 die größte Verfolgtengruppe. Da die deutsche Kriegswirtschaft auf die Arbeitskraft dieser Menschen angewiesen war, bekämpfte die Gestapo jeden Versuch, sich der Zwangsarbeit zu entziehen. Das Regime befürchtete zudem Aufstände der Frauen und Männer, die es zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt hatte. Im Nationalsozialismus galten sie als Menschen, die weniger wert waren als Deutsche im völkischen Verständnis. Daher sollte die Gestapo Kontakte zur deutschen Bevölkerung unterbinden und verfolgen.

In den Haftzellen im Osnabrücker Schloss setzte die Gestapo Personen vorübergehend fest, um Verdachtsfälle zu überprüfen und durch gewaltsame Vernehmungen Aussagen zu erzwingen. Von dort überstellte sie jene, die nicht wieder entlassen wurden, in andere Hafträume (Gefängnisse, Konzentrationslager, AEL) oder Verwahranstalten. Durch die Grenznähe war die Gestapo verstärkt mit der Verfolgung flüchtiger niederländischer Zwangsarbeiter befasst, die sie auch in das AEL Ohrbeck einwies. Die Gestapo Osnabrück betrieb das AEL Ohrbeck ab Januar 1944. Es gehört zu jenen Arbeitserziehungslagern, die seit 1943 in großer Zahl in der Nähe von Rüstungsbetrieben eingerichtet wurden. Mit der Dauer des Krieges stieg der Druck, einen effizienten Einsatz aller verfügbaren Arbeitskräfte zu erreichen. Insbesondere für zivile ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sollte die auf durchschnittlich acht Wochen beschränkte Haft in den AEL als Strafinstrument dienen, ohne die Inhaftierten den Betrieben als Arbeitskräfte dauerhaft zu entziehen. Zugleich sollte sie eine disziplinierende Wirkung auf alle Arbeitenden entfalten.

An der Einrichtung und am Betrieb des AEL Ohrbeck hatte der Klöckner-Konzern, der im Regierungsbezirk Osnabrück die größte Zahl an Zwangsarbeitenden beschäftigte, entscheidenden Anteil. Er stellte der Gestapo das Gebäude zur Verfügung und ein Teil der Wachmannschaften entstammte dem Werkschutz des Konzerns. Im Gegenzug mussten die Häftlinge überwiegend im nahegelegenen Klöckner-Stahlwerk Georgsmarienhütte arbeiten. Das AEL wurde in Ohrbeck in einem Pumpenhaus des Stahlwerkes, Augustaschacht genannt, eingerichtet. Das Gebäude war bereits davor Teil eines Zwangsarbeiterlager-Komplexes des Klöckner-Konzerns. Ab Juli 1940 waren im Augustaschacht französische Kriegsgefangene untergebracht, ab August 1943 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion.

Von seiner Einrichtung bis zu seiner Auflösung im April 1945 waren im AEL Ohrbeck mehr als 2 000 Jugendliche und Männer inhaftiert; mindestens 100 von ihnen starben. Die Häftlinge waren überwiegend Zwangsarbeiter und kamen aus 17 Ländern, insbesondere den Niederlanden, der Sowjetunion, Italien und Polen.

Niederländer stellten die größte Gefangenengruppe. Dies ergab sich einerseits aus der generell sehr hohen Zahl der im Regierungsbezirk Osnabrück eingesetzten niederländischen Zwangsarbeitenden (1944 über zehntausend Männer und Frauen), andererseits als Folge der im Deutschen Reich zunehmenden Fluchten aus der Zwangsarbeit, durch die die Zahl der in der Grenzregion aufgegriffenen und ins AEL Ohrbeck überstellten Niederländer stieg.

Insbesondere in den letzten Kriegsmonaten starben niederländische Gefangene. Sie gehörten überwiegend zu jenen zehntausenden, nach den Razzien in den niederländischen Großstädten im Herbst 1944 Deportierten, die vor ihrer Einweisung ins AEL Ohrbeck unter miserablen Bedingungen beim Bau von Verteidigungswerken und Ausweichbahnstrecken in Nordwestdeutschland eingesetzt waren.

Beide historischen Orte wurden zu Gedenkstätten

Unabhängig voneinander entstanden ab dem Jahr 2000 aus bürgerschaftlichem Engagement zwei Gedenkstättenvereine, die mit ihrer Arbeit die historischen Orte grundlegend für die Gedenkstättenarbeit erschlossen. Während die "Initiative Augustaschacht Ohrbeck e.V." den erhaltenen Ort des AEL Ohrbeck zur Gedenkstätte entwickelte, übernahm die "Gedenkstätte Gestapokeller im Schloss Osnabrück e.V." diese Aufgabe für den ehemaligen Dienstsitz der Gestapo Osnabrück.

Nach 1945 wurden die ehemaligen Zellen und Büros der Gestapo im Osnabrücker Schloss unter anderem als Abstellkammern beziehungsweise Büroräume genutzt. 1953 zog die Pädagogische Hochschule ins Schloss ein, seit 1974 hat die Universität Osnabrück dort ihren Sitz. Nach einem Umbau der Räumlichkeiten 2001 richtete der Verein in drei ehemaligen Haftzellen und dem davorliegenden Flur die Gedenkstätte Gestapokeller ein. Eine Zelle ist im alten baulichen Zustand mit originaler Zellentür und Fenstervergitterung erhalten. Zwischen den beiden anderen ehemaligen Zellen existiert die Wand nicht mehr. In den Räumen im Hochparterre und im ersten Obergeschoss ist nach wie vor ein Teil der Universitätsverwaltung untergebracht, die auch die restlichen Kellerräume nutzt. Von 2001 bis 2020 präsentierte die Gedenkstätte in ihren Räumen Wechselausstellungen zur NS-Geschichte und durchgehend eine Dokumentenausstellung über von der Gestapo Osnabrück verfolgte Frauen. In der Gedenkstätte wurden Gruppen betreut und öffentliche Veranstaltungen realisiert.

Im ehemaligen Hauptgebäude des AEL Ohrbeck wurden ab Herbst 1945 bis etwa 1969 deutsche Familien untergebracht, die ausgebombt, geflohen oder vertrieben worden waren. Danach war der Augustaschacht über 30 Jahre zugemauert. Im Jahr 2002 erwarb der Verein "Initiative Augustaschacht Ohrbeck e.V." das denkmalgeschützte Schachtgebäude zu einem symbolischen Preis von der Georgsmarienhütte GmbH. In zwei Baumaßnahmen wurde das Gebäude für die Gedenkstättenzwecke behutsam umgebaut. Die Gedenkstätte Augustaschacht besteht heute aus dem Hauptgebäude und dem Lagergelände des ehemaligen AEL Ohrbeck. Im Augustaschacht wurden bis Januar 2020 zwei Ausstellungen präsentiert, die als vorübergehendes Informationsangebot bis zur Ausarbeitung einer umfassenden Dauerausstellung installiert wurden: Eine Wanderausstellung über das AEL Ohrbeck und die Zwangsarbeit in der Region Osnabrück (seit 2005) und eine Ausstellung über die Ergebnisse der bauhistorischen Untersuchungen vor Ort (seit 2012). Mit Unterstützung einer 2002 eingerichteten Geschäftsstelle entwickelte der Verein eine vielfältige Gedenkstättenarbeit mit Bildungsangeboten, Veranstaltungen, Begegnungen mit ehemaligen Zwangsarbeitenden und baugeschichtlichen Forschungen. Regionale und internationale Theaterprojekte und Workcamps in Kooperation mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) und Service Civil International erreichten vor allem junge Mitwirkende. Seit 2004 beschäftigt der Verein einen Geschäftsführer und seit 2005 besteht in Kooperation mit ASF eine internationale Freiwilligenstelle. Ab diesem Zeitpunkt koordinierte die Geschäftsstelle auch die Führungsanfragen der Gedenkstätte Gestapokeller.

Ein langer Weg zur Vereinigung der Gedenkstätten

Bis zur Vereinigung der beiden Gedenkstättenvereine sollten noch rund 10 Jahre vergehen, in denen losere Formen der Zusammenarbeit erprobt und die selbstständige Entwicklung der beiden Gedenkstätten unter Erhalt der bürgerschaftlichen Eigenständigkeit versucht wurden. Ausschlaggebend für den Prozess der fortgesetzten Vertiefung der Zusammenarbeit waren zusammenfassend die Schwierigkeiten, an jeweils beiden Orten ein vollständiges Gedenkstättenangebot zu verwirklichen. Gründe für diese Schwierigkeiten lagen in der geringen Größe der Vereine (30 beziehungsweise 80 Mitglieder), den zu kleinen räumlichen Verhältnissen, den begrenzten Fördermitteln angesichts der inhaltlichen Verbindung und der großen Nähe der Gedenkstätten zueinander. Die beiden Gedenkstätten wurden von den öffentlichen Betriebsförderern als Verbund betrachtet. Angesichts der gewachsenen Vereinsstrukturen und der Ausrichtung auf jeweils einen historischen Ort brauchte es Zeit für die gegenseitige Annäherung der Vereine und der handelnden Personen. Vor diesem Hintergrund vertieften die beiden eingetragenen Vereine Gedenkstätte Augustaschacht und Gedenkstätte Gestapokeller im Schloss Osnabrück in den Jahren 2005 bis 2015 ihre Zusammenarbeit in einzelnen behutsamen Schritten: Einrichtung einer gemeinsamen Homepage, Entwicklung eines gemeinsamen pädagogischen Konzeptes, Gründung eines gemeinsamen Beirates und Vorbereitung einer gemeinsamen Dauerausstellung. Die Zusammenarbeit erfolgte organisatorisch in gemeinsamen Arbeitsgruppen der beiden Vereine, bei Bedarf in gemeinsamen Vorstandssitzungen und durch den Geschäftsführer des Augustaschachtvereines, der zugleich Vorstandsmitglied des Vereines Gedenkstätte Gestapokeller im Schloss Osnabrück war.

Diese Form der Zusammenarbeit erforderte durch die in der Regel zeitlich versetzten Sitzungen der Vereinsvorstände einen Abstimmungsbedarf, der bei den vielen Kooperationsfeldern zeit- und arbeitsintensiv war, daher beauftragten die Mitgliederversammlungen der beiden Vereine im Jahre 2012 die Vorstände der beiden Vereine, Alternativen der Zusammenarbeit zu prüfen. Im Jahr 2014 hatte die Mitgliederversammlung des Gedenkstätte Gestapokeller im Schloss Osnabrück e.V. auf Empfehlung seines Vorstandes beschlossen, dass der Vorstand die Zusammenarbeit mit dem Gedenkstätte Augustaschacht e.V. (vormals Initiative Augustaschacht Ohrbeck e.V.) vertiefen möge. Die Vorstände der beiden Vereine stimmten danach mehrheitlich ein Verfahren zur Verschmelzung der beiden Vereine als beste Möglichkeit zur Vertiefung der Zusammenarbeit ab. Dies geschah in den Worten des Verschmelzungsberichtes von 2015, "um den langfristigen Erhalt, den nachhaltigen Betrieb und die weitere Entwicklung der beiden Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht am wirkungsvollsten betreiben zu können. Die Verschmelzung bietet den beiden Vereinen die Möglichkeit, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten geplante Beantragung der Fördermittel für eine neue gemeinsame Dauerausstellung in den Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht mehr Rechtssicherheit bei den Förderern zu verleihen. Die Verschmelzung sichert eine für beide Gedenkstätten zukunftsfähige Vereinsgröße zur nachhaltigen Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements."

Die rechtliche Verschmelzung der beiden Vereine zu einem Verein erfolgte 2015. Durch diese Vereinigung konnten die Öffnungszeiten ausgeweitet, die Öffentlichkeitsarbeit gebündelt und die Fördermittel für die Gesamtkosten der neuen gemeinsamen Dauerausstellung in Höhe von rund 1,35 Millionen Euro erfolgreich bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, dem Landkreis Osnabrück, der Stiftung Sparkasse Osnabrück und der Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte eingeworben werden.

Eine Dauerausstellung in zwei Gedenkstätten

Die neue Dauerausstellung "Polizeigewalt und Zwangsarbeit" kuratierte ab Juni 2017 ein Projektteam mit Dr. Janine Doerry (zugleich auch Projektkoordinatorin), Dr. ­Matthias Gafke, Dr. Michael Gander (zugleich auch Projektleiter), Dr. Michael Pittwald (ab September 2019) und Tanja Vaitulevich. Georg Hörnschemeyer übernahm die Projektverwaltung.

Die Ausrichtung der Ausstellung auf den Zusammenhang zwischen der Gestapo-Tätigkeit und der Zwangsarbeit von Millionen Männern und Frauen für das nationalsozialistische Deutschland im Zweiten Weltkrieg trug folgenden Überlegungen Rechnung: Dieser Zusammenhang ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Das Wissen um die umfangreichen Überwachungs- und Gewaltmaßnahmen der Gestapo, die hohe Zahl der Verfolgten und die Arbeitserziehungslager beschränkt sich überwiegend auf Fachkreise. Eine Ausstellung, die diese Verbindung zwischen der Geschichte der Gestapo und der Zwangsarbeit in den Mittelpunkt stellt, fehlt bislang. Die Voraussetzungen in den Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht, eine solche Schwerpunktsetzung vorzunehmen, sind sehr selten - nach unserem Kenntnisstand einzigartig. Nur in Osnabrück und Hasbergen sind historische Gebäude von einer Gestapostelle und ihres AEL erhalten und stehen zugleich als Gedenkstätten zur Verfügung.

Den Zusammenhang von Polizeigewalt und Zwangsarbeit stellt die Ausstellung in zwei Teilen dar, in deren Mittelpunkt die Geschichten der historischen Orte der beiden Gedenkstätten stehen. In der Gedenkstätte Gestapokeller wird der Ausstellungsteil zur Gestapo Osnabrück und in der Gedenkstätte Augustaschacht der Ausstellungsteil zum Arbeitserziehungslager Ohrbeck gezeigt. Beide Teile sind so konzipiert, dass sie einzeln und in frei gewählter Reihenfolge besucht werden können. Die Inhalte der Ausstellung werden dabei so auf beide Gedenkstätten verteilt, dass sie sich ergänzen und gleichzeitig ohne den jeweils anderen Ausstellungsteil verständlich sind. Ein Gesamtbild der Ausstellung erfordert den Besuch beider Gedenkstätten. Einen Überblick über das Vorgehen der Gestapo liefert die Ausstellung in der Gedenkstätte Gestapokeller. Vertieft werden dort die Maßnahmen der Gestapo zur Durchsetzung rassistischer Diskriminierungen und gegen organisierten Widerstand. In der Gedenkstätte Augustaschacht konzentriert sich die Ausstellung auf die Verwendung der Arbeitserziehungslager zur Durchsetzung des Zwangs zur Arbeit. Die Gestaltung der Ausstellung ist in beiden Gedenkstätten einheitlich, um die inhaltliche Verbindung zu unterstützen und um die Fortsetzung des Ausstellungsbesuches in der jeweils anderen Gedenkstätte zu ­erleichtern.

Das im Gestaltungswettbewerb ausgewählte Gestaltungskonzept der beiden Bremer Unternehmen GfG/Gruppe für Gestaltung und oblik identity design[2] setzt mit dem Leitgedanken "Räume erzählen" die Vorgabe der beiden Gedenkstätten, von den historischen Orten und Räumen auszugehen, konsequent um.

Ausstellung und historische Umgebung gehen dabei ein Wechselverhältnis ein. Die historische Umgebung weckt das Interesse an den Inhalten der Ausstellung und die Ausstellung bietet Informationen zum Verständnis und Entdecken dieser Umgebung. Dieses Inbeziehungsetzen war und ist für die Gedenkstätten Gestapokeller und Augusta­schacht sehr bedeutsam, da nur wenige dingliche Quellen überliefert sind. Es gelingt der Gestaltung hauptsächlich durch niedrige Ausstellungsmodule, die den Blick auf die historischen Räume frei lassen, eine an die vorhandenen Oberflächen anknüpfende Farbgebung und die digitale Präsentation der vertiefenden Inhalte. In der Gedenkstätte Augustaschacht übernimmt ein Mediaguide in Form eines Tablets diese Aufgabe. In der Gedenkstätte Gestapokeller werden aus Platzgründen Touchbildschirme eingesetzt. Das Gestaltungskonzept unterstützt durch eine zusätzliche Ausstellungsebene, die bodennahe an den Wänden befindliche schmale Ausstellungsmodule mit Ortsinformationen umfasst, die Ausstellungskonzeption, Inhalte möglichst an den Stellen zu zeigen, die einen historischen Bezug zu ihnen aufweisen. Die Ortsinformationen geben Auskunft über die Geschichte der Räume während der Nutzung durch die Gestapo und ermöglichen zugleich einen differenzierten Blick auf den Wandel der Räume, indem jeweils auch deren Vor- und Nachgeschichte kurz dargestellt werden. Zu den Ortsinformationen gibt es in der Gedenkstätte Augustaschacht im Mediaguide eine digitale Ver­tiefung, die in 180-Grad-Aufnahmen vom Bestand die aus der Bauforschung bekannten lagerzeitlichen baulichen Strukturen freihändig eingezeichnet zeigt. Auf diese Weise wird eine unterstützende Visualisierung an den Stellen geboten, die durch zahlreiche Überformungen verändert sind, ohne irreversible bauliche Eingriffe vorzunehmen.

Die Ausstellungstexte folgen der Zielsetzung, Barrieren hinsichtlich der Verständlichkeit und der Textmenge zu vermeiden und eine hohe Lesefreundlichkeit zur erreichen. Historische Vorkenntnisse werden bei den Texten nicht vorausgesetzt. Einführungsfilme in den beiden Gedenkstätten führen kurz in den geschichtlichen Hintergrund mit Nationalsozialismus, Krieg und Zwangsarbeit ein. Die Texte sind möglichst einfach geschrieben. Kurzgehaltene Sätze mit anschaulicher Ausdrucksweise streben eine leichte Verständlichkeit der Inhalte an. Die Zeichenzahl der Haupttexte ist auf 1 000 Zeichen begrenzt. Jeder Raum hat in der Regel auf der analogen Ebene nur einen Haupttext und ein Exponat mit einer kurzen Bildunterschrift. Die Begrenzung der Textmenge soll zudem den Besuchenden ermöglichen, kurz durch die Ausstellung zu gehen oder auf Wunsch alle Inhalte bei einem Besuch wahrzunehmen.[3] Eine weitere nützliche Wirkung dieser Festlegung ist, dass die beiden weiteren Ausstellungssprachen Englisch und Niederländisch gleichberechtigt auf allen Ebenen gezeigt werden können. Die Gleichberechtigung der drei Sprachen soll nicht nur den internationalen und den niederländischen Gästen, die wegen der historischen Bezügen und der Grenznähe zu den Niederlanden eine wachsende Besuchendengruppe ausmachen, den Besuch vereinfachen, sondern auch in der internationalen Bildungsarbeit die gemeinsame Gruppenarbeit in der Ausstellung erleichtern. Der Abbau von Barrieren bleibt eine Aufgabe der Gedenkstätten, insbesondere für blinde Besuchende und hinsichtlich der Treppe, die in die Gedenkstätte Gestapokeller führt und ein physisches Hindernis bildet.

Menschen werden in der Ausstellung mit ihrer ganzen Lebensgeschichte kurz vorgestellt. Bei Verfolgten soll so verständlich werden, dass sie andere Pläne für ihr Leben hatten, als Krieg und Nationalsozialismus gravierend auf sie einwirkten. Kaum eine ausländische Person hätte sich wohl vorstellen können, in die Hände der Gestapo oder in ein deutsches AEL zu kommen. Nachwirkungen, auch auf die Familien, werden so sichtbar. Die Verantwortlichen und Ausführenden der Verbrechen werden ebenfalls biografisch vorgestellt, um einfache Zuschreibungen als "geborene Täter" zu erschweren. Auf diese Weise soll auch ein Nachdenken darüber angestoßen werden, warum sie diese Verbrechen begingen.

Ausstellung in der Gedenkstätte Gestapokeller

Die Überwachung und Verfolgung von ausländischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern wurde zum mit weitem Abstand umfangreichsten Tätigkeitsfeld der Gestapo Osnabrück und steht im Mittelpunkt der Ausstellung in der Gedenkstätte Gestapokeller. Eine Grafik zeigt zu Beginn der Ausstellung, dass allein im Jahr 1943 rund 4 000 Maßnahmen gegen Ausländerinnen und Ausländer der Personenkartei der Gestapo Osnabrück zu entnehmen sind. Im gleichen Zeitraum lassen sich in der Quelle stark aufgerundet 1 000 Maßnahmen gegen deutsche Personen finden. In dem Jahr erreichten die Maßnahmen der Gestapo für beide Gruppen die Höchstwerte während der gesamten NS-Zeit. Eine weitere Grafik informiert darüber, dass sich während des Zweiten Weltkriegs rund 62 % der Maßnahmen der Gestapo Osnabrück gegen ausländische Personen dem Verlassen des Arbeitsplatzes, Flucht und Beanstandungen der Arbeitsleistung zuordnen lassen, über 30 % dem Widersetzen rassistischer Diskriminierungen, rund 4 % waren mit den Vorwürfen Betteln und Diebstahl verbunden, etwa 2,5 % erfolgten aus politischen Gründen.

Die Ausstellung zeigt die Maßnahmen der Gestapo gegen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Außerdem kann recherchiert werden, wen die Gestapo Osnabrück in den knapp zwölf Jahren ihres Bestehens verfolgte. Dargestellt werden auch die Macht der Gestapo und die Menschen, die sie ausübten. Auf diese Weise wird die gesamte Geschichte der Gestapo Osnabrück und der von ihr überwachten und verfolgten Menschen in die Ausstellung einbezogen. Bereits der dokumentarische Einführungsfilm von Dr. Michael Kaiser zeigt mit historischem Bildmaterial die Geschichte der Gestapo Osnabrück von ihrer Einrichtung bis zum Einsatz gegen ausländische Zwangsarbeitende.

Die aus der erhaltenen Personenkartei der Gestapo Osnabrück gewonnenen Daten zur Gestapopraxis verdankt die Ausstellung der Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesarchiv - Abteilung Osnabrück und mit dem Historiker Prof. Dr. Christoph Rass von der Universität Osnabrück, der zur Zeit das Forschungsprojekt "Überwachung. Macht. Ordnung - Personen- und Vorgangskarteien als Herrschaftsinstrument der Gestapo" mit Dr. Sebastian Bondzio durchführt und dazu die Daten der Osnabrücker Kartei als erste Gestapokartei vollständig in eine Datenbank speicherte und aufbereitet.[4] In der Gedenkstätte Gestapokeller werden diese Daten in zwei besonderen Ausstellungsmodulen genutzt. Auf einem großen Monitor werden in chronologischer Abfolge alle Menschen, die von der Gestapo Osnabrück von 1933 bis 1945 beobachtet oder verfolgt wurden, gezeigt. An zwei Bildschirmplätzen kann selbstständig unter Beachtung des Archivrechts nach Menschen, die die Gestapo in ihrer Kartei erfasste, recherchiert werden, außerdem sind statistische Abfragen möglich. Die Recherche nach Menschen enthält zudem die Möglichkeit, Angaben aus anderen Quellen zu einzutragen, um die Sichtweise der Gestapo zu kontextualisieren und Menschen zu ergänzen, zu denen keine Angaben der Gestapo überliefert sind, obwohl sie nachweisbar verfolgt waren. Diese Ergänzungsmöglichkeit der Recherchestation soll zukünftig auch für partizipative Projekte genutzt werden.

Für die Ausstellung wurde ein großer Teil des bislang zumeist unbekannten Gestapopersonals recherchiert und mit kurzen Biografien, die über ein Organigramm anwählbar sind, in der Ausstellung digital zugänglich gemacht. Von den 34 Männern und sieben Frauen, die im Frühjahr 1944 zur Gestapo Osnabrück gehörten, waren rund zwei Drittel der Männer Quereinsteiger ohne polizeiliche Ausbildung und rund ein Drittel waren ausgebildete Polizisten. Wer der Gestapo Informationen zutrug und welche Haftorte von der Gestapo genutzt wurden, wird in einer weiteren Grafik und am Beispiel von drei Menschen, die mit Hilfe eines Postboten, eines städtischen Polizisten und von Angehörigen der Hitler-Jugend in Gestapo-Haft gerieten, gezeigt. Den denunzierten polnischen Kriegsgefangenen Joseph Grzeskowiak erhängte die Gestapo Osnabrück, seine deutsche Bekannte Hilde Reinköster kam für ein Jahr in das KZ Ravensbrück. Ein Spitzel der Gestapo verriet zwei Franzosen, Raymond Vinclair und Louis Bertin, die für die Reichsbahn in Osnabrück Zwangsarbeit leisteten und mehr als 100 Kriegsgefangenen zur Flucht verhalfen. Jean-Marie Vinclair hat sich auf Spurensuche nach seinem hingerichteten Großonkel begeben und darüber für die Ausstellung zwei Filme gedreht, die dessen Lebensgeschichte und den Erinnerungsprozess in seiner Familie und in Frankreich darstellen. Nach dem Krieg kamen die Täter mit geringen Strafen davon. Auf einem Osnabrücker Stadtplan sind ihre Wohnorte verzeichnet. Die Tochter des Osnabrücker Gestapoleiters berichtet vom vermutlichen Abtauchen ihres Vaters in Südamerika. Ehemalige Opfer der Gestapo berichten von den Nachwirkungen der Verfolgung.

Ausstellung in der Gedenkstätte Augustaschacht

Die Bestrafung von ausländischen Frauen und Männern in ihren Arbeitserziehungslagern wurde zu dem wichtigsten Mittel der Gestapo, um den Zwang zur Arbeit durchzusetzen. Die Gestapo Osnabrück bestrafte im Zweiten Weltkrieg Tausende ausländische Männer und Frauen mit Haft in Arbeitserziehungslagern. In der Gedenkstätte Augustaschacht steht die Geschichte des AEL Ohrbeck im Mittelpunkt der Darstellung, um diesen bislang in der deutschen Gesellschaft kaum bekannten Lagertyp mit seinen lebensbedrohlichen Haftbedingungen vorzustellen.

Das AEL Ohrbeck gehörte zu rund 280 Lagern in Europa, mit denen die Gestapo den Zwang zur Arbeit für die deutsche Kriegswirtschaft gewaltsam verschärfte. Rund eine halbe Million Männer und Frauen, vor allem ausländische Zwangsarbeitende, durchliefen diese Lager. Der Einführungsfilm des niederländischen Videokünstlers Theo van Delft, der die Gedenkstätte von früheren Projekten kennt, erklärt mit künstlerischen Mitteln am Beispiel einer fiktiven niederländischen Familie, wie Menschen durch den nationalsozialistischen Krieg aus ihrer vertrauten Umgebung nach Deutschland zur Zwangsarbeit gelangten und anschließend in ein AEL gerieten. Eine Karte mit den Standorten von rund 600 Lagern für Zwangsarbeitende im Bezirk der Gestapo Osnabrück zeigt die Verbreitung der Zwangsarbeit. Eine weitere Karte zeigt die Standorte der AEL in Europa. Nach einer Darstellung des vom AEL Ohrbeck nutznießenden Klöckner-Werkes wird das Lagerpersonals des AEL, das unter der Leitung des Gestapo-Beamten Friedrich Kicker vor allem aus über 20 deutschen und ausländischen Wachmännern bestand, vorgestellt. Die Ausstellung zeigt am Beispiel der Gewalt im AEL, der Arbeit, der Unterversorgung, der Appelle, der hygienischen und medizinischen Verhältnisse wie die unmenschliche Behandlung die Gefangenen gefügig machen sollte. Die Projektion des Gedichtes "A.Z.!" von Phida Wolff, das der Niederländer während seiner Zwangsarbeit in Osnabrück im Februar 1945 verfasste, verdeutlicht eindrucksvoll, wie detailliert seine Kenntnisse über das AEL Ohrbeck waren, obwohl er dort nicht inhaftiert war. Ein kurzer Film zeigt die Herkunft der Gefangenen aus fast ganz Europa, sowie wo sie vor und nach der Haft im AEL Ohrbeck arbeiten mussten. Die Ausstellung stellt auch die Auswirkungen der in der Regel acht Wochen dauernden Haftzeit auf die AEL-Gefangenen und ihre Überlebensstrategien dar und zeigt die zunehmende Sterblichkeit in dem Lager.

Die langen Nachwirkungen der Lagerhaft auf die Überlebenden und die Familien der Gefangenen sind Teil der Ausstellung, ebenso wie die mit nur einer Ausnahme spätere Straffreiheit des Lagerpersonals und die fast 30 Jahre dauernde Phase des Schweigens in der Region Osnabrück.

Für die Ausstellung wurden im Eingangsbereich und in dem ehemaligen Anbau des AEL Nachkriegseinbauten teilweise abgetragen, um einen bislang fehlenden Empfang für Besuchende einzurichten und das Verständnis des Gebäudes zur Lagerzeit zu erhöhen. Weiterhin wurde ein barrierefreier Weg auf dem ehemaligen Lagergelände angelegt, um die Freilegungen und die Ausstellung im Außenbereich zugänglich zu machen. Zudem erfolgte eine Markierung des ehemaligen Lagerweges vom Lagertor zum Eingang des Schachtgebäudes und des kurzen Verlaufs der Lagermauer, die eine Sichtbarriere zwischen dem AEL und dem wenige Meter benachbarten Wohnhaus mit Arbeiterfamilien herstellte. In der Gedenkstätte Augustaschacht umfasst die Ausstellung auch das Außengelände. Der Einbezug erfolgt durch Ausstellungstafeln und vertiefende Inhalte im Mediaguide, der auch im Außenbereich genutzt werden soll. Der Mediaguide bietet insbesondere Erinnerungen ehemaliger Gefangener, die meistens in Form von Ausschnitten aus Videointerviews gezeigt werden. Kontextualisiert werden die zitierten Erinnerungen durch kurze Biografien. Gerade die Erinnerungen ehemaliger Gefangener zeugen von den Schwierigkeiten, im AEL Ohrbeck zu überleben. Es kommen auch Deutsche zu Wort, die als Kinder das AEL und seine Gefangenen sahen. Begleitend zur Erarbeitung der Ausstellung fand ein Projekt mit Teilnehmenden aus vier benachbarten Schulen statt. Aus dieser Zusammenarbeit entstand der Impuls zur Ergänzung der Ausstellung mit einem Ausstellungsmodul, das zunächst von dem Schulprojekt inhaltlich gestaltet wurde, aber in Zukunft auch von anderen Gruppen, die Bildungsprojekte mit der Gedenkstätte umsetzen, für die Vorstellung von Ergebnissen genutzt werden kann.

Erste Reaktionen und Ausblick

Nach dem ersten Monat mit Öffnungen der neuen Ausstellungen unter Pandemie-Bedingungen mit Masken und beschränkten Gästezahlen können erste Eindrücke von Reaktionen der Besuchenden weitergegeben werden. Einzelne kritische Rückmeldungen beziehen sich auf Schwierigkeiten der Benutzung des Mediaguide. Meistens werden aber die Inhalte und die Gestaltung der Ausstellung positiv bewertet. Junge Menschen, die sich als wenig an Geschichte interessiert selbst einstuften, zeigten sich angetan. Sie und auch ältere Gäste lobten die Visualisierungen der Lagerzeit in der Gedenkstätte Augustaschacht, während die Recherchemöglichkeiten im Gestapokeller besonders interessieren. Die Kürze der Texte und die Interviewsequenzen der Überlebenden fanden Anklang. Nachkommen von niederländischen AEL-Gefangenen erklärten, dass sie nun besser verstünden, warum ihre Väter das Gefühl hatten, in einem KZ gewesen zu sein.

Seitens der Gedenkstätten wurde eine Broschüre zur Ausstellung in den drei Ausstellungssprachen erstellt und zur Zeit wird die Entwicklung neuer Bildungseinheiten zur neuen Ausstellung abgeschlossen. Für die Neuorganisation des Besucherdienstes und die Entwicklung mehrtägiger Bildungsformate wird im Oktober eine neue Projektstelle eingerichtet. Mit Dank an alle Personen und Institutionen, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben,[5] wenden sich die beiden Gedenkstätten nun der Arbeit mit der neuen Dauerausstellung im Rahmen des unabsehbaren Pandemiegeschehens zu.

Dr. Michael Gander, Historiker, ist Mitbegründer und seit 2004 Geschäftsführer der Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht. Er leitet das Dauerausstellungs­projekt.


[1] Ein von den Gedenkstätten beauftragter Fernsehredakteur erstellte mit einem professionellen Kamerateam für die Öffentlichkeit einen 7-minütigen Videobericht von der Eröffnung. Er ist bei Youtube und auf der Website der Gedenkstätten zu sehen: www.gedenkstaetten-augustaschacht-osnabrueck.de/Aktuelles

[2] Seitens der beiden Unternehmen setzten David Lindemann (oblik) und Ulrike Rosemeier (GfG) das Ausstellungsprojekt äußerst fruchtbar um.

[3] Eine erste Besucherin teilte mit, dass sie in der Gedenkstätte Augustaschacht rund 135 Minuten für eine ausnahmslos vollständige Besichtigung gebraucht hat.

[4] Erste Projektergebnisse sind veröffentlicht in: Bondzio, Sebastian; Rass, Christoph (2019): Allmächtig, allwissend und allgegenwärtig? Die Osnabrücker Gestapo-Kartei als Massendatenspeicher und Weltmodell, in: Osnabrücker Mitteilungen (124). Abfragen und Visualisierungen für die Gedenkstätten erstellte seitens des Forschungsprojektes Lukas Hennies.

[5] Hervorzuheben ist hier die Beratung seit der Antragsentwicklung durch den wissenschaftlichen Beirat mit Prof. Dr. Rosmarie Beier-de Haan (bis 2016), Prof. em. Dr. Wolfgang Benz, Prof. Dr. Carsten Dams (bis 2018), Dr. Christine Glauning, Thomas Jander (ab 2017), Dr. Rolf Keller, Dr. Thomas Lutz, Prof. Dr. Christoph Rass, Prof. Dr. Dietmar von Reeken, Prof. Dr. Peter Romijn und Dr. Jens-Christian Wagner.