Resolution

Gedenkstättenrundbrief 135 S. 17-18

Teilnehmer der Fachtagung »Gedenkstätte Sandbostel: Bewahren, Gestalten, Beleben«

Die Stiftung Lager Sandbostel hat in Kooperation mit dem Verein »Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel« vom 12. bis 14. Januar eine Tagung in Bremervörde veranstaltet, zu der Experten aus ganz Deutschland eingeladen waren. Das Treffen stand unter dem Motto »Bewahren – Gestalten – Beleben«. Im Rahmen dieser Tagung fand der Festakt zum 15-jährigen Bestehen des Gedenkstättenvereins Sandbostel statt. Die Teilnehmer aus den Bereichen Archäologie, Denkmalschutz und Restaurierung, Bauhistorie und Architektur haben über den angemessenen Umgang mit dem von der Stiftung Lager Sandbostel erworbenen Gelände beraten und eine Konzeption für den Aufbau der Gedenkstätte empfohlen. In der hier abgedruckten Resolution, die von den Teilnehmenden verabschiedet wurde, sind die wichtigsten Ergebnisse festgehalten.

 

Resolution

Das Lager Sandbostel ist von internationaler historischer Bedeutung. Während des Zweiten Weltkriegs durchliefen Menschen aus über siebzig Nationen das Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglager Stalag X B. Viele Tausende von ihnen verloren hier ihr Leben. Nach dem Krieg waren im Lager Sandbostel NS-Funktionäre interniert, in den fünfziger Jahren diente es als Durchgangslager für Flüchtlinge aus der DDR. Die bauliche Überlieferung des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Sandbostel ist einzigartig. Der historische Bestand muss unbedingt erhalten werden. Es ist sicherzustellen, dass keine weiteren Gebäude und Lagerbereiche aus dem Denkmalschutz herausgenommen werden.

 

Die Teilnehmer der Tagung fordern nachdrücklich die Durchführung folgender Maßnahmen:

1. Sofortmaßnahmen

Zur Erschließung der historischen Orte des Lagers Sandbostel für die Gedenkstättenarbeit bildet die Bewahrung und Erforschung seiner Relikte die unabdingbare Voraussetzung. Daher sind folgende Maßnahmen unverzüglich vorzunehmen:

– die fotografische Dokumentation des Ist-Zustandes des ehemaligen Lagerareals und seiner historischen Gebäude

– die Notsicherung der unmittelbar vom Abgang bedrohten Gebäude, zunächst der auf dem Stiftungsgelände erhaltenen Baracken, z.B. durch temporäre Zeltüberdachungen, und die Bergung der beweglichen Ausstattungsteile

– die bauhistorische Analyse des Gebäudebestandes, zunächst auf dem Stiftungsgelände, um die notwendigen Erkenntnisse für die Entwicklung der Gedenkstättenkonzeption und den weiteren Umgang mit der Bausubstanz zu gewinnen.

2. Kurz- bis mittelfristige Maßnahmen

– der Hinzuerwerb des restlichen »Edelmann-Geländes« mit Gefangenenunterkünften aus der ersten Bauphase des Lagers; nur mit dieser Ergänzung verfügt die Stiftung Lager Sandbostel über einen repräsentativen Ausschnitt des Lagerkomplexes

– die Entwicklung eines Masterplans für die Freiflächen und für die baulichen Gestaltungsmaßnahmen der Gedenkstätte unter Einbeziehung des gesamten ehemaligen Lagergeländes

– die Einrichtung eines Dokumentationszentrums auf dem Lagergelände oder in seinem unmittelbarem Umfeld

– die Einrichtung einer hauptamtlichen Leiterstelle für die Gedenkstätte Lager Sandbostel, zunächst zur Koordination der für den Aufbau der Gedenkstätte durchzuführenden Schritte

– die Organisation von Zeitzeugeninterviews im In- und Ausland unter Einbeziehung aller Lagerepochen

– die Weiterentwicklung des pädagogischen Konzepts der Gedenkstätte im Kontext der internationalen Erinnerungskultur

– die Einbeziehung des Lagerfriedhofs, des Reservelazaretts, des Sonderlagers sowie des Lagers der Wachmannschaften in die Kenntlichmachung der historischen Orte in Sandbostel; darüber hinaus die Markierung der historischen Zuwege des Lagers Sandbostel von Bremervörde und Brillit aus

– die Intensivierung der Bemühungen um die Erforschung und Dokumentation der Geschichte des Lagers

– die Vertiefung der bauhistorischen Forschung.

Die Teilnehmer der Tagung danken dem Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel e.V. und der Stiftung Lager Sandbostel für die bisher geleistete Arbeit. Sie erklären sich bereit, die Arbeit in den Expertengruppen »Bewahren«, »Gestalten« und »Beleben« fortzusetzen, um die Gremien der Stiftung Lager Sandbostel auch künftig fachlich zu beraten.

Bremervörde, den 14. Januar 2007

Kontaktadresse: Stiftung Lager Sandbostel; Dr. Klaus Volland;

Großer Platz 4; 27432 Bremervörde;

klaus.volland@gmx.de; www.dokumentationsstaette-sandbostel.de

Artikel als PDF verfügbar
(GedRund135_17-18.pdf)