Hanna Sprute

Tagungsbericht: Das Museum am Tatort. Sammeln und Deponieren

Gedenkstättenrundbrief 197 S. 30-35

9./10. Dezember 2019, Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Gedenkstätten, die sich mit den Massenverbrechen des NS-Regimes auseinandersetzen, sind (auch) zeithistorische Museen. Sie sammeln, forschen und vermitteln, sie stellen Fragen nach Provenienz oder Materialität von Sammlungsstücken. Dennoch sind die musealen Funktionen von Gedenkstätten bislang allenfalls randständig analysiert und in der Öffentlichkeit kaum rezipiert worden.

Um diese musealen Aspekte zu beleuchten, richtete die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten im Jahr 2019 zwei Veranstaltungen aus, die sich mit den Sammlungen an Gedenkstätten auseinandersetzten. Zunächst widmete sich die 14. Europäische Sommer-Universität Ravensbrück vom 1. bis 6. September dem Thema "Dinge sammeln. Materielle Kulturen an KZ-Gedenkstätten". Expertinnen und Experten tauschten sich über Fragen von Sammlungsgenesen und -praxen der Gedenkstätten im internationalen Vergleich aus. Diskutiert wurden auch die Bedeutung von Artefakten aus Konzentrationslagern unter materiellen, sozialen und geschlechterhistorischen Aspekten sowie Fragen der Konservierung und Restaurierung dieser Objekte.

Am 9. und 10. Dezember 2019 fand an den Gedenkstätten Sachsenhausen und Ravensbrück das Fachgespräch "Das Museum am Tatort. Sammeln und Deponieren" statt. Die Veranstaltung sollte der Vernetzung von Akteurinnen und Akteuren aus den Gedenkstätten und den Kulturwissenschaften sowie der Museologie dienen.

Dieses Ziel hob Axel Drecoll (Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten) in seiner Begrüßung am 9. Dezember an der Gedenkstätte Sachsenhausen hervor. Er plädierte für eine verstärkte Verschränkung des gedenkstättenpraktischen Diskurses mit kulturwissenschaftlichen Ansätzen. Konkret sei dies notwendig, um Sammlungskonzepte für die Depots der Gedenkstätten auszuarbeiten oder Depotausstellungen zu entwickeln. Gleichzeitig eröffneten kulturwissenschaftliche Perspektiven neue Erkenntnismöglichkeiten bezüglich der Sammlungs- und Ausstellungsobjekte an Gedenkstätten. Deren Vielfalt reiche von Lagerobjekten, die von Häftlingen gestiftet wurden und Hinterlassenschaften der Opfer über Täterobjekte als forensischer Spur bis zu Bodenfunden und Baudenkmälern. Am historischen Tatort mit Friedhofsfunktion hätten all diese Objekte auch einen normativen Wert, der einen behutsamen Umgang mit ihnen erfordere.

Im Anschluss führte Agnes Ohm (Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen/GuMS) durch das Depot der Gedenkstätte Sachsenhausen. Sie informierte über die Geschichte der Sammlung. Viele Objekte wurden im Zuge der Einrichtung einer Nationalen Mahn- und Gedenkstätte 1961 von ehemaligen Häftlingen gestiftet. Zunächst wurde in erster Linie zu Ausstellungszwecken gesammelt. Die Objekte litten häufig unter unzureichenden Lagerungsbedingungen. Erst 1993 wurde ein eigenständiger Sammlungsbereich eingerichtet, der heute Objekte aus dem KZ Oranienburg, dem KZ Sachsenhausen, dem Speziallager Sachsenhausen sowie der Mahn- und Gedenkstätte umfasst. Die Sammlung besteht aus etwa 30 000 Objekten, von denen 15 000 in einer Datenbank digital erfasst sind. Agnes Ohm führte durch die Räumlichkeiten des 2018 neuerrichteten Depots im ehemaligen Industriehof des KZ Sachsenhausen und zeigte exemplarisch vor allem Kleidungsstücke sowie Fundstücke vom Lagergelände.

Ein erstes Panel zum Thema "Dinge und Bedeutung" wurde von Gudrun König (Technische Universität Dortmund) und Paul Spies (Stiftung Stadtmuseum Berlin) moderiert. Das Panel eröffnete Peter Geimer (Freie Universität Berlin) mit einem Impulsvortrag über "Reste, Zeugs und Zeugnis". Darin setzte er sich mit Georges Didi-Hubermanns Analyse der Fotografien, die Häftlinge des Sonderkommandos des Lagers Auschwitz-Birkenau 1944 heimlich aufnahmen, und dessen Reflexion seines Besuchs der Gedenkstätte Auschwitz 2011 auseinander. Anhand von Didi-Hubermanns Überlegungen sprach Geimer über die Aura der Überreste des Vernichtungslagers. Die bildlichen und baulichen Relikte würden auf eine Abwesenheit verweisen und zugleich als Zeugen fungieren, somit zur Erfahrung von geschichtlicher Wirksamkeit am historischen Ort beitragen. Die Aura des Ortes entstehe jedoch erst durch das Wissen über die Geschichte des Ortes.

Elfie Miklautz (Wirtschaftsuniversität Wien) sprach aus soziologischer Perspektive über die Aura von Dingen, die von Häftlingen der Konzentrationslager genutzt oder hergestellt worden seien. Diese Dinge, die ihre Benutzer überlebt haben und weiterhin überleben werden, seien Träger eines sozialen Sinns mit performativer Funktion. Sie seien nicht darauf reduzierbar, bestimmte Bedeutungen zu vermitteln, sondern bestärken und erzeugen diese auch. Da Häftlinge die Gegenstände berührt hätten, würden sie häufig wie Reliquien behandelt. Es bestehe eine Verpflichtung, diese Erinnerungsspeicher zu bewahren. Ihr sozialer Sinn werde von der jeweiligen Gesellschaft definiert und sei somit wandelbar. Ein Wandel der sozialen und kulturellen Bedeutung der Lagerdinge habe etwa nach dem Ende der DDR in den 1990er stattgefunden.

Friedrich Weltzien (Hochschule Hannover) schlug in einem abschließenden Vortrag des ersten Panels drei kunstwissenschaftliche Begriffe vor, mit denen Sammlungsobjekte an Gedenkstätten hinsichtlich ihrer Materialität eingeordnet werden können: Erstens lasse sich mittels der Materialikonografie die Materialität als Bedeutungs­träger betrachten. Wenn Materialien aus der Zwangsarbeit in die eigenständige kreative Praxis der Häftlinge überführt wurden, sie beispielsweise Schmuck oder Geschenke daraus fertigten, verschoben sich also Bedeutungszuschreibungen. Zweitens verweise die material agency auf den eigenen Willen und Wert der Materialien. Die Materialität von Objekten setzt Grenzen für den Gebrauch - so lässt sich nicht aus jedem Material Beliebiges formen. Drittens sei der Ansatz der Produktionsästhetik fruchtbar. Sie fragt danach, wie, von wem und unter welchen Bedingungen Objekte gefertigt wurden. Die Art der Bearbeitung des Objekts könne sinnlich nachvollzogen werden, was bei der ­Präsentation von Ausstellungsobjekten in einer Vitrine jedoch nicht ermöglicht sei.

Das zweite Panel zum Thema "Opfer, Täter und Spuren" moderierte Nina Verheyen (Kulturwissenschaftliches Institut Essen). Zunächst sprach Thomas Rahe (Gedenkstätte Bergen-Belsen) über im Nationalsozialismus Verfolgte und deren Hinterlassenschaften. Was von den Überlebenden bewahrt wurde, sei nicht immer an den Gebrauchswert der Objekte geknüpft, sondern auch an damit verbundene Erfahrungen. Objekte und Objektgeschichten seien je nach Häftlingsgruppe höchst unterschiedlich überliefert. Von Sinti und Roma oder als homosexuell oder "asozial" Verfolgten gebe es aufgrund der nach 1945 andauernden Stigmatisierung nur wenige Artefakte. Entsprechend sind diese Opfergruppen auch in Ausstellungen und der öffentlichen Wahrnehmung weniger präsent. Da die Gedenkstätten auch Begräbnisorte seien, hätten Objekte in ihren Sammlungen eine spezifische Dignität. Auch die Sammlung von seriellen Objekten mache insofern Sinn.

Sarah Wiesner (Brandenburgisches Amt für Denkmalpflege) bezog sich im Folgenden auf die baulichen Relikte an historischen Tatorten. Sie beschrieb Denkmäler als eine Überlagerung verschiedener (Zeit-)Schichten. Bei der Denkmalpflege sei die Frage entscheidend, welche Schicht man freilegen oder konservieren wolle. Dabei stehe der Erhalt der Substanz im Vordergrund. Da die für die Denkmalpflege tonangebende Charta von Venedig von 1964 den Respekt vor allen Zeitschichten fordere, sollten an Orten wie Ravensbrück oder Sachsenhausen auch mehrere Zeitschichten - die des Konzentrationslagers, der sowjetischen Nachnutzung und der Mahn- und Gedenkstätte - nebeneinander existieren.

Bettina Brockmeyer (Universität Erlangen-Nürnberg) sprach im zweiten Panel abschließend über toxische (Täter-)Objekte aus der NS-Zeit. Als Beispiel führte sie den Film "Jud Süß" an. Der Begriff des toxischen Objekts beziehe sich auf ein Ding, das in der Rezeption irritiere. Im Fall von NS-Objekten seien das vor allem solche, die die Ideologie des Nationalsozialismus repräsentieren, also antisemitische, rassistische, militaristische oder nationalsozialistische Inhalte transportieren. Sie widersprächen der Logik des gedenkenden Sammelns. An einer Gedenkstätte könnten dabei bereits die Knöpfe einer SS-Uniformjacke toxische und zerstörerische Wirkung haben, indem sie Sammlungsraum einnehmen und Aufmerksamkeit von anderen Dingen abziehen. Toxische Objekte können als Irritationen aber auch helfen, den Blick auf die Dinge in ihren historischen und aktuellen Bezügen immer wieder neu auszurichten.

In einem dritten, von Fritz Backhaus (Deutsches Historisches Museum Berlin) und Hans Peter Hahn (Goethe-Universität Frankfurt am Main) moderierten Panel "Sammlungen (virtuell) zeigen" wurden verstärkt Möglichkeiten des Ausstellens von Sammlungsobjekten diskutiert. Stephan Schwan (Leibniz-Institut für Wissensmedien, Tübingen) stellte zunächst psychologische Studien zur Wirkung und Wahrnehmung digitalisierter Objekte vor. Dabei seien verschiedene Formen von Digitalisaten in ihrer Wirkung auf Betrachter untersucht worden, nämlich Fotografien, Videos, 3D-Scans und 3D-Drucke. Grundsätzlich sei festzustellen, dass die Aufmerksamkeit für reale Objekte größer sei als für bildliche Repräsentationen. Sie blieben zudem dann besonders gut im Gedächtnis, wenn sie auch haptisch erfasst werden könnten. Bezüglich der affektiven Wirkung oder Aura von Objekten gebe es kaum Forschung.

Thomas Thiemeyer (Universität Tübingen) widmete sich in seinem Beitrag den Möglichkeiten von Depotausstellungen. Anhand verschiedener Beispiele (darunter im Museum für angewandte Kunst Wien und dem Literaturmuseum der Moderne in Marbach) zeigte er Charakteristika der Depotausstellung auf: Diese zeichne sich meist durch eine große Fülle und die ästhetische Simulation einer Depotatmosphäre aus, Objekte würden häufig nur codiert und nicht erklärt werden. Für Gedenkstätten sah er in dieser Ausstellungsform einerseits Chancen: Dinge könnten als Erkenntnisstifter und nicht rein illustrativ exponiert werden, es entstünde auch ein Kontrapunkt zur häufig anzutreffenden Textlastigkeit historisch-dokumentarischer Ausstellungen. Da die Objekte von ihrem Narrativ befreit würden, bestehe andererseits das Risiko der Banalisierung von Geschichte; zudem könne ein Konflikt zwischen Ethik und Ästhetik entstehen.

Der zweite Teil des Fachgesprächs fand am 10. Dezember 2019 an der Gedenkstätte Ravensbrück statt. Zur Begrüßung hob Insa Eschebach (Gedenkstätte Ravensbrück/MGR) die Bedeutung des Ortes der Gedenkstätte hervor. Es sei eine besondere Herausforderung, sich in Ravensbrück mit Ravensbrück zu beschäftigen. Bei Besucherinnen und Besuchern stehe meist die Vorstellung im Vordergrund, sie würden ein Konzentrationslager besuchen, nicht eine Gedenkstätte oder ein Museum. Der Umgang mit (baulichen) Relikten müsse sorgsam sein, da an ihre zu erhaltende Substanz auch künftig immer neue Fragen gestellt würden. Die Bedeutung von Relikten hob auch Gabi Dolff-Bonekämper (Technische Universität Berlin) hervor. Topografien und Gegenstände seien niemals semantisch erschöpft und immer wieder neu zu deuten.

Im von Insa Eschebach und Gabi Dolff-Bonekämper moderierten Panel zur "Sammlung Ravensbrück" sprach zunächst Norman Warnemünde (Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam) über die Entstehung und Entwicklung der museologischen Sammlung der Gedenkstätte Ravensbrück. Den Grundstein der Sammlung legte ein Sammlungsaufruf des Internationalen Ravensbrück Komitees Mitte der 1950er-Jahre. Ehemalige Häftlinge stifteten "Erinnerungsstücke" wie Kleidungs- und Gebrauchsgegenstände aus dem KZ sowie selbst gefertigte Objekte, die im Lager verschenkt oder getauscht worden waren. Heute besteht die Sammlung aus 7300 inventarisierten Objekten, davon etwa 2000 aus der Zeit des Konzentrationslagers, sowie etwa 4000 nicht inventarisierten Objekten, zumeist Bodenfunde. Eine Besonderheit der Sammlung sei die hohe Zahl an kunsthandwerklichen Objekten, insbesondere Kunststoffminiaturen. Das 2017 begonnene Projekt "Material, Beziehung, Geschlecht. Artefakte aus den KZ Ravensbrück und Sachsenhausen" konnte bereits neue Forschungsergebnisse zur Provenienz und Entstehungsgeschichte einiger Sammlungsobjekte liefern.

Anschließend sprach Sabine Arend (Gedenkstätte Ravensbrück) zu Bodenfunden vom Gelände der Gedenkstätte Ravensbrück, also am historischen Tatort. Objekte, die unterirdisch jahrzehntelang überdauert hätten, seien bislang nicht systematisch beforscht worden. In den letzten Jahren seien vor allem bei Bau- oder Sicherungsarbeiten Funde gemacht worden. Teilweise verweisen die Funde auf die Produktion von Textilien in den Werkstätten der Texled oder geben Auskunft über die Infrastruktur des Konzentrationslagers.

Nach ihrem Vortrag führte Sabine Arend, Leiterin der museologischen Dienste, durch die Depots der Gedenkstätte Ravensbrück. Ein Schwerpunkt der Führung lag auf Fundstücken, rätselhaften und seriellen Objekten. Die Gedenkstätte verfügt etwa über eine große Zahl an Knöpfen und anderen Uniformteilen aus der Textilproduktion für die SS. Anhand dieser Objekte lassen sich Erkenntnisse über NS-Zwangsarbeit gewinnen, etwa über Zulieferer oder Produktionsketten. Die Serie - als Prinzip der Lager - wird dabei zur Aussage. Dennoch bliebe die Frage, wie mit den seriellen Objekten umzugehen sei, offen. Sie könnten exponiert, deponiert oder entsammelt, also an andere Institutionen abgegeben werden.

Die Abschlussdiskussion moderierten Dietmar Preißler (Stiftung Haus der Geschichte) und Simone Derix (Universität Erlangen-Nürnberg). Die Eindrücke der Führung standen dabei noch direkt vor Augen. Simone Derix zeigte sich beeindruckt, welches Forschungspotenzial an den Gedenkstätten vorhanden sei, da weite Teile der Sammlungen eben noch nicht in der Tiefe erschlossen seien. Die Frage, wie mit diesem Potenzial umzugehen wäre, bestimmte im Folgenden die Diskussion.

Hans Peter Hahn betonte, dass das konkrete Objektstudium und die kultur- und geschichtswissenschaftliche Theorien sich stets ergänzen müssten. Entscheidungen, welche Dinge bewahrenswert seien und welche nicht, sollten theoriegeleitet getroffen werden. Sammeln sei eine Tätigkeit, bei der Autorität ausgeübt werden könne und müsse. Auch Gudrun König hob hervor, dass Objekte stets Produkte von Entscheidungen seien, sowohl in ihrem historischen Entstehungskontext als auch bei Fragen des Zeigens als Exponat oder Nicht-Zeigens als Deponat. Diese Entscheidungsprozesse müssten für Besucherinnen und Besucher der Gedenkstätten nachvollziehbar gemacht werden.

Insa Eschebach schlug angesichts des hohen Grades an Unerschlossenheit von Sammlungsobjekten, Archivalien und Gelände der Gedenkstätten konkrete Forschungs- und Handlungsperspektiven vor. Die Forschung zu den Sammlungsgeschichten von KZ-Gedenkstätten solle transnational erfolgen, in Zusammenarbeit mit europäischen Akteurinnen und Akteuren. Schwerpunkte könnten auf Objektbiografien und der Materialgeschichte liegen. Insbesondere im Bereich der Textilforschung gebe es einen großen Forschungsbedarf. Bei der Sammlungspräsentation wünsche sie sich mehr Experimentierfreude. Axel Drecoll ergänzte, dass er in der Digitalisierung und der Etablierung von vernetzten Datenbanken großen Nutzen sehe.

Dietmar Preißler und Bettina Brockmeyer wiesen darauf hin, dass vor allem evaluiert werden müsse, was die Besucherinnen und Besucher der Gedenkstätten erwarten. Elfie Miklautz ergänzte, dass experimentelle und künstlerische Präsentationsformen ausgebaut werden könnten. Sie plädierte für das Raue und Unfertige beispielsweise bei der Präsentation von archäologischen Fundstücken. Sarah Wiesner machte ebenso wie Gabi Dolff-Bonekämper darauf aufmerksam, dass bei der Ausweitung der Musealisierung von Gedenkstätten das Gelände stets mitzudenken sei.

Abschließend hob Axel Drecoll die Bedeutung des kulturwissenschaftlichen material turn für die Gedenkstätten hervor. Man wende sich zunehmend den Sammlungsobjekten, deren Material und dem Gelände zu. Einvernehmlich wurde festgestellt, dass der Austausch zwischen Gedenkstätten und der Rezeptionsforschung, der Museologie und den Kulturwissenschaften intensiviert werden solle. Zu diesem Zweck müssen allerdings mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Gedenkstätten sind zum einen authentische historische (Tat-)Orte mit einer spezifischen Aura, zum anderen übernehmen sie zunehmend museale Funktionen. Die Sammlungen der Gedenkstätten stehen in einem Spannungsverhältnis, das aus der Mehrdeutigkeit der Dinge und ihrer normativen Aufladung durch den historischen Kontext resultiert.

Der bei diesem Fachgespräch initiierte Austausch sollte fortgesetzt werden und die Gedenkstätten begleiten, um - beispielsweise durch die Einrichtung von Schaudepots und die Ausstellung serieller Objekte - neue Wege des Sammelns, Ausstellens und Vermittelns am historischen Tatort zu beschreiten.

Hannah Sprute studierte an der Europa-Universität Viadrina Kulturwissenschaften und Geschichte. Seit 2018 ist sie wissenschaftliche Volontärin an der Gedenkstätte Ravensbrück. Aktuell arbeitet sie an der Ausstellung "Im Gefolge der SS. Aufseherinnen des Frauen-KZ Ravensbrück", die im Mai 2020 erö