»Willkommen, Bienvenue, Welcome...«

Müller, Jürgen
Politische Revue-Kabarett-Varieté in Köln 1928-1938

Die jüngste Publikation des NS-Dokumentationszentrums befasst sich mit dem Thema der aktueller Sonderausstellung. Der 400 Seiten starke Band 14 der Schriftenreihe des Zentrums mit 300 Abbildungen trägt wie die Ausstellung den Titel „Willkommen, Bienvenue, Welcome…Politische Revue – Kabarett – Varieté in Köln 1928-1938“. Er ist im Emons Verlag erschienen und kostet 28 Euro. Mit dieser Ausgabe erhielt die Schriftenreihe außerdem ein völlig neues Erscheinungsbild. ..Die Kleinkunst gehörte in den 1920er und 1930er Jahren neben Theater, Rundfunk und Film als Teil der Abendunterhaltung zu einem zentralen Bestandteil der Alltagskultur. Ein Forschungsbereich, der bisher weitgehend unbeachtet geblieben ist. Die vorliegende Publikation zeichnet erstmals die gesamte Bandbreite der Kleinkunst mit ihren verschiedenen Unterhaltungsformen nach: von der politischen der Kommunisten mit ihren Agit-prop-Revuen über die politisch-künstlerische der Kabaretts bis zur unpolitischen in den Varietés. Der Untersuchungszeitraum von 1928 bis 1938 ermöglicht es, Kontinuitäten, Brüche und neue Entwicklungen ab 1933 aufzuzeigen...Der Band stellt für jede Kleinkunstform exemplarisch eine Kölner Künstlertruppe und Veranstaltungsorte in Köln näher vor. Diese und biographische Skizzen der Künstler belegen ein Stück Kölner Kulturgeschichte und verweisen darüber hinaus auf die kulturpolitische Bedeutung der verschiedenen Kleinkunstgenres...In Köln gründete sich Anfang 1928 das Agitproptheater „Blaue Blusen“, das bis März 1933 mit seinen politischen Revuen kommunistische Propaganda auf die Bühne brach-te. Das Kapitel zu den „Blauen Blusen“ und ihren Protagonisten erzählt auch ein Stück Kölner Arbeitergeschichte. Die intellektuelle Kleinkunst stellt die Publikation am Beispiel des politisch-literarischen Kabaretts „Kolibri“ vor. Das Ensemble agierte von März 1930 bis Februar 1933 in Köln und bot geistvolle politisch-literarische Satire. ..Die biographischen Skizzen der Kölner Kabarettisten zeichnen nicht nur die Bandbreite von Repressionen und Verfolgung nach, sondern auch die Wendung von Lebensläufen. So stieg die aus rassischen Gründen emigrierte Tänzerin Lotte Berk im London der 1960er Jahre zur Fitnessikone auf. Der Schauspieler Kurt Juster wurde, zunächst im schwedischen Exil und dann Mitte der 1950er Jahre in Deutschland, zum Wegbereiter der Integration spastisch behinderter Kinder in die Gesellschaft...Das literarische Kabarett „Die Arche“, im Herbst 1937 in Köln gegründet und für ein Jahr in Köln gastierend, verdeutlicht den engen Spielraum für diese Kunstform im NS-Staat. Das Etikett „literarisch“ täuscht über den wahren Charakter dieser reinen Unterhaltung hinweg. Der Band portraitiert auch den Leiter des Kabaretts, Fred Endrikat, einen der damals bekanntesten Kleinkünstler. ..Für das Varieté und die Heimatrevuen, einer spezifischen Ausprägung der Berliner Ausstattungsrevuen, portraitiert die Publikation mit dem „Kaiserhof“, dem „Burghof“ und dem Revuetheater „Groß-Köln“ traditionelle Kölner Vergnügungsstätten. Die Entwicklung der Bühnenprogramme verdeutlicht, dass das Varieté als ausgesprochen unpolitische Un-terhaltung in der NS-Zeit politisiert wurde. Biographische Skizzen zeichnen unter ande-rem die Lebenswege des Varietébesitzers Hans Herbert Blatzheim, der Kölner Volksschauspielerin Grete Fluss sowie des Bühnenbildners und Karikaturisten Willy Key nach..

Erscheinungsort: Köln

ISBN: 978-3-89705-549-0

Verlag: emons
Reihe: Schriften des NS-Dokumentationszentrums

Seite(n): 400 S. mit zahlr. Abb.