Förderprogramm: Begegnungen mit Zeitzeugen

Mitteilung der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft«
Lebenswege ehemaliger Zwangsarbeiter

Millionen von Menschen wurden in der Zeit des Nationalsozialismus unter menschenunwürdigen Bedingungen zur Arbeit gezwungen. Von den ehemaligen Zwangsarbeitern leben heute noch etwa 1,5 Millionen. Jeder dieser Menschen lebt mit seinem ganz persönlichen Schicksal, mit seinen individuellen Erinnerungen. Die Erfahrungen während der nationalsozialistischen Herrschaft haben die Lebenswege ehemaliger Zwangsarbeiter entscheidend geprägt. Viele waren noch sehr jung, als sie deportiert, in Lager interniert und zur Arbeit gezwungen wurden. Oft wirken die traumatischen Erlebnisse ihrer Jugendzeit bis heute nach. Mehr noch: Im Alter kehren verdrängte Erlebnisse verstärkt in die Erinnerung zurück. Die ehemaligen Zwangsarbeiter wollen nicht vergessen werden, viele von ihnen wollen erzählen und ihre Erinnerungen teilen..Mit dem Programm »Begegnungen mit Zeitzeugen – Lebenswege ehemaliger Zwangsarbeiter« fördert der Fonds »Erinnerung und Zukunft« Begegnungen zwischen jungen Menschen und ehemaligen Zwangsarbeitern sowie anderen NS-Opfern. Gerade für junge Menschen, die den Holocaust vor allem aus Geschichtsbüchern kennen, ist eine Begegnung mit Zeitzeugen von hoher Bedeutung. Die Jugendlichen erfahren auf persönliche und für sie nachvollziehbare Weise, wie Unrecht Lebenspläne zerstören und Biografien schicksalhaft prägen kann. Sie können die Zeitzeugen direkt ansprechen, ihnen Fragen stellen, mit ihnen über das reden, was sie besonders interessiert. Sie werden mit Menschen sprechen, die während ihrer Zwangsarbeit oft ebenso jung waren, wie die fragenden Jugendlichen heute selbst. .Mit dem Begegnungsprogramm will die Stiftung einerseits die Erinnerung an das Unrecht der nationalsozialistischen Herrschaft wach halten und andererseits das Verantwortungsgefühl der jungen Generation für Gegenwart und Zukunft wecken..Gefördert werden können sowohl Einzelvorhaben zum Beispiel von Schulen, Jugendzentren und Vereinen, die ehemalige Zwangsarbeiter und andere NS-Opfer einladen wollen, als auch Träger, die derartige Begegnungen organisieren möchten. Die Stiftung kann für Projekte dieser Art einen Zuschuss zu den Fahrt- und Aufenthaltskosten der Zeitzeugen und einer Begleitperson gewähren sowie Dolmetscherkosten übernehmen. Für eine fundierte Vor- und Nachbereitung der Begegnung kann ein Zuschuss etwa zu Materialkosten gewährt werden. Bei Vorhaben, die die Organisation von Begegnungen als Verbundprojekte betreffen, können in begründeten Ausnahmefällen auch Personalkosten übernommen werden. Der Stiftung ist daran gelegen, dass die Jugendlichen die Ergebnisse der Begegnungen verarbeiten und festhalten, damit auch andere von ihrer Erfahrung profitieren. Die Vor- und Nachbereitung kann auch auf künstlerische Weise geschehen, zum Beispiel durch einen Theaterworkshop. ..Kontakt: Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft«, Fonds »Erinnerung und Zukunft«, Markgrafenstraße 12–14, 10969 Berlin, Ansprechpartnerin: Gesa Löbbecke, Tel: 030/25 92 97 79 Fax: 030/25 92 97 42, E-mail: loebbecke@stiftung-evz.de ..

Zeitschrift: Gedenkstättenrundbrief
Jahrgang: 2002
Nr.: 107