»Lachen im Dunkeln«

Pflock Andreas
Wanderausstellung des Herinneringscentrum Kamp Westerbork

»Das Lager Westerbork – eine Stadt für sich, eine eigene Welt – war voller Kontraste. Das Extrem auf der einen Seite war das tiefe Elend der Transporte, das Extrem auf der anderen Seite waren die großartigen Revuen, für die weder Kosten noch Mühen gescheut wurden.«.Das ursprünglich von der niederländischen Regierung für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich errichtete Lager war im Juli 1942 zum zentralen Durchgangslager für die Deportationen der niederländischen Juden bestimmt worden. Zwischen 1942 und 1944 verließen insgesamt 93 Deportationszüge mit mehr als 100 000 Juden sowie 245 Sinti und Roma das Lager. Ihr Ziel waren die nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager. Das Lager Westerbork ist auf diese Weise untrennbar mit der Geschichte der Verfolgung und Ermordung der niederländischen Juden und Sinti und Roma verbunden. Während der Existenz des Durchgangslagers gab es hinter Stacheldraht, in Sichtweite der Wachtürme und der wöchentlich drohenden Deportationszüge, das vielleicht beste niederländische Kabarett der Besatzungsjahre. Der Lagerkommandant ließ u.a. eine »Gruppe Musik Bühne Westerbork« gründen und gestattete die Produktion von Kabarettstücken, da im Lager zahlreiche hochtalentierte Künstler wie Willy Rosen, Max Ehrlich und viele andere inhaftiert waren. Regelmäßig wurden am Dienstagabend die Aufführungen veranstaltet – wenige Stunden, nachdem ein Deportationszug das Lager verlassen hatte..Die Ausstellung der Gedenkstätte Westerbork stellt mittels Dokumenten, Fotos und persönlicher Berichte der Häftlinge diesen Teil der Geschichte des Lagers Westerbork in den Mittelpunkt und versucht auch die Atmosphäre zu beschreiben, die bei den Aufführungen herrschte. Sie widmet sich dem ständigen und schrillen Kontrast zwischen Deportationen und Aufführungen, dem schmerzlichen Gegensatz von Tragik und Unterhaltung. »Lachen im Dunkeln« ist mit einem Begleitprogramm im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma vom 7. Oktober bis 10. November zu sehen. Weitere Informationen erhalten Sie im Internet (www.sintiundroma.de) oder telefonisch unter 062 21-98 11 02..Das Herinneringscentrum Kamp Westerbork sucht bereits seit mehreren Jahren den verstärkten Austausch mit deutschen Gedenkstätten und bietet die Ausstellung weiteren Einrichtungen in Deutschland gerne an..Die Ausstellung kann sowohl in deutscher Sprache als auch in deutsch-niederländischer Version geliefert werden. Neben Bild- und Textdokumenten auf Holzpanelen werden mehrere Audio- und Videostationen sowie verschiedene Inszenierungen wie z.B. ein angedeuteter Boxring und eine Bühne von 4 x 2,5 m gezeigt. Dafür werden verschiedene technische Geräte (3 Fernseher mit Videogerät, 2 Kopfhörer, 3 Paar Audioboxen für CD-Spieler) und Gegenstände (u.a. einige Stühle für die Bühne, ein Tisch) benötigt, die nicht mitgeliefert werden können..Technische Daten: Fläche: 150 m2 · Länge: 40 lfm · Licht: eigenes Beleuchtungssystem erforderlich.Planung/Aufbau: Unterstützung durch den Verleiher nach Absprache.Leihkosten: 1350,- Euro · Transportkosten: trägt der Entleiher..Begleitpublikationen: Dirk Mulder/Ben Prinsen (Hg.): Lachen in het donker. Amusement in kamp Westerbork (Westerbork-Cahiers 4), Hooghalen 1996.Dirk Mulder/Ben Prinsen (Hg.): Lachen im Dunkeln. Amüsement im Lager Westerbork, Münster 1997..Weitere Information: Herinneringscentrum Kamp Westerbork.Oosthalen 8, 9414 TG Hooghalen, Niederlande.Telefon 0031-593 59 26 00 · Fax 0031-593 59 25 46.info@kampwesterbork.nl · www.kampwesterbork.nl.Veranstaltungshinweise.

Zeitschrift: Gedenkstättenrundbrief
Jahrgang: 2002
Nr.: 108