"Die andere Seite des Spiegels."

Föger, Benedikt / Taschwer, Klaus
Konrad Lorenz und der Nationalsozialismus

Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz (1903–1989) war der bekannteste und einflussreichste österreichische Wissenschaftler nach 1945. Spätestens seit dem Jahr 1973, als Konrad Lorenz gemeinsam mit Niko Tinbergen und Karl von Frisch der Nobelpreis zugesprochen wurde, gibt es aber auch Diskussionen um Lorenz' Naheverhältnis zur Ideologie des Nationalsozialismus. "Die andere Seite des Spiegels" ist das erste Buch über den "politischen" Konrad Lorenz. Die Autoren Benedikt Föger und Klaus Taschwer recherchierten seine Vita während der NS-Zeit und decken auf, wie prägend Politik und Zeitgeschehen in das Leben und Werk des Forschers hineinspielten und auch seine wissenschaftlichen und ideologischen Ideen mitbestimmten. ..
[ Frankfurter Allgemeine Zeitung ] Vom : 04.12.2001 . Eines lässt sich, so Thomas Weber, nach Lektüre dieses Bandes nicht mehr behaupten: dass Konrad Lorenz ein bloßer opportunistischer Mitläufer der Nazis gewesen sei. Die in dieser "fesselnd geschriebenen" neuen Studie erstmals vorgestellten Dokumente widerlegen das nachdrücklich. In vielen Texten äußert sich Lorenz "begeistert" zu Themen wie "Eugenik, Domestikation und Degeneration". Das Urteil der Autoren: Lorenz war ein "engagierter Mitdenker" der Nazis. Bedauerlich findet es der Rezensent, dass das Buch sich fast völlig auf die bloße Dokumentation reduziert und nicht der Frage nach dem inneren Zusammenhang von Theorie und Weltanschauung nachgeht. Man könnte da durchaus fündig werden, wie Weber zu zeigen versucht. Die "Denkfiguren und Gefahren jeder biologisch begründeten Kultur- und Zivilisationskritik" liegen, so seine These, bei Konrad Lorenz offen zu Tage. . ..[ Süddeutsche Zeitung ] Vom : 03.11.2001 . Diesen "jüngsten Versuch, sich einen Reim auf die geistige Hinterlassenschaft von Konrad Lorenz zu machen," hält Veronika Hofer vom methodischen Ansatz her für "problematisch, weil zahnlos". Der soziologische, einen ideengeschichtlichen Zugriff ausklammernde Ansatz der Autoren vermeidet ganz offenbar genau jene ideologiekritische Überschreitung von "mittlerweile standardisierten Selbstverständlichkeiten im Umgang mit Wissenschaftskarrieren im Nationalsozialismus," die das Material, die im Band präsentierten Quellen, für Hofer provozieren. Lorenz zum prototypischen Österreicher zu machen, ist der Rezensentin einfach viel zu p.c. Auf die im Vorwort des Bandes angekündigte "gründliche Auseinandersetzung" mit dem Thema muss sie also noch warten. .

Erscheinungsort: Wien

ISBN: 3707601242

Verlag: Czernin Verlag

Seite(n): 200