Weibliche Neonazis in der DDR: Zur Rolle von Geschlecht in Verfolgungslogiken des MfS

Henrike Voigtländer

Henrike Voigtländer (M.A.) ist Doktorandin am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und promoviert zu Geschlecht und Sexualität im Betriebsleben der DDR. Mit der Amadeu-Antonio-Stiftung erstellte sie eine Ausstellung über Neonazi-Frauen in der DDR und erarbeitete die Ausstellung und Bildungsarbeit des Lernort Keibelstraße mit.

 

Spätestens mit Beate Zschäpe, dem weiblichen Mitglied des National Sozialistischen Untergrunds (NSU) und ihren Unterstützerinnen, prägte sich ein zunehmendes Bewusstsein dafür aus, dass Frauen wichtige Funktionen in Neonazi-Szenen einnehmen. Innerhalb der medialen Berichterstattung zum NSU zeigte sich zeitgleich, dass weibliche Neonazis immer wieder sexualisiert, sexistisch kommentiert und durch die staatlichen Sicherheitsbehörden massiv unterschätzt werden. Diese Art von geschlechtsspezifischer Markierung ernst zu nehmen und zu untersuchen, bedeutet nicht etwa, rechten Frauen einen Opferstatus zuzuschreiben oder ihr Handeln zu relativieren. Es lassen sich hieraus vielmehr wissenschaftliche Erkenntnisse über den Umgang mit weiblichen Neonazis und möglichen Verharmlosungen in der Verfolgung von rechtsmotivierten Straftaten ableiten.

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