Veranstaltungen

25. Oktober 2012 , 19:00 Uhr
Gespräch

20. Obersalzberger Gespräch

Programm:

Krieg und Krankenmord 1939-1945.

Die Tötung von Psychiatriepatienten durch SS und Wehrmacht in Polen und der Sowjetunion.

Es ist kein Zufall, dass das Schreiben Adolf Hitlers, mit dem er bestimmte Ärzte ermächtigte, "unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Krankheitszustandes" den "Gnadentod" zu gewähren, auf den 1. September 1939 datiert wurde. Mit dem Überfall auf die Republik Polen begann nicht nur ein "Krieg nach außen" sondern auch ein "Krieg nach innen": das deutsche Volk sollte von den als "Ballastexistenzen" bezeichneten Menschen befreit werden. Im deutschen Herrschaftsbereich wurden - unter dem Deckmantel der "Euthanasie" - etwa 300.000 Menschen durch Gas, Medikamente, Hungererlasse und Erschießungen ermordet. Dabei gerieten auch die Patienten und Patientinnen in den Psychiatrischen Krankenhäuser der besetzten Gebiete, insbesondere in Polen und später in der Sowjetunion, in den Fokus der NS-Vernichtungspolitik. Der Vortrag wird diese bisher wenig bekannte Seite des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges mit Beispielen aus Polen und der Sowjetunion beleuchten, den Zusammenhang mit dem "Euthanasie"-Programm und dem Holocaust darstellen und auf die Motive der Täter eingehen. 

PD Dr. Gerrit Hohendorf

ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Privatdozent an der Technischen Universität München. Er arbeitet als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Technischen Universität München und leitet das Motivationsprogramm für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen an der Toxikologischen Abteilung des Klinikums rechts der Isar, München. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Geschichte der Psychiatrie, der Geschichte der Medizin im Nationalsozialismus und der Geschichte und Ethik der Sterbehilfe und der Reproduktionsmedizin. Zusammen mit dem NS-Dokumentationszentrum München und dem "Arbeitskreis Psychiatrie und Fürsorge im Nationalsozialismus" wirkt er am Gedenkbuch für die ermordeten Psychiatriepatienten in München und an einem Zeitzeugenprojekt zu den nationalsozialsitischen Medizinverbrechen in München mit.

Publikationen (Auswahl): zusammen mit Maike Rotzoll, Petra Fuchs und anderen (Hg.) (2010): Die nationalsozialisitische "Euthanasie"-Aktion "T4" und ihre Opfer, Ferdinand Schönigh Paderborn; zusammen mit Maike Rotzoll, Petra Fuchs, Ulrich Müller und Paul Richter (Hg.) (2007): "Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst. Lebensgeschichten von Opfern der nationalsozialistischen "Euthanasie", Wallstein, Göttingen.


Wir würden uns freuen, wenn Sie im Anschluss an den Vortrag noch zu einem kleinen Imbiss mit uns zusammenblieben.

Von 18.00 bis 19.00 haben Sie die Möglichkeit, an geführten Rundgängen durch unsere 7. Winterausstellung In Memoriam Eine Ausstellung im Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms teilzunehmen.   

Eintritt frei!

Anmeldung erforderlich bei:

Dokumentation Obersalzberg
Salzbergstr. 41
83471 Berchtesgaden
Deutschland
Tel.: +49 (0) 8652 / 947960
Fax: +49 (0) 8652 / 947969
E-Mail: organisation[at]obersalzberg.de

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