Veranstaltungen

3. Februar 2011 - 5. Februar 2011
Tagung / Seminar / Workshop

2. Internationale Bergen-Belsen Konferenz 2011

Programm:

Das soziale Gedaechtnis und die Gemeinschaften der Ueberlebenden. Bergen-Belsen in vergleichender Perspektive.

Kooperationsprojekt 'Erinnerte Gemeinschaften. Zwangs- und Zufallsgemeinschaften des Konzentrationslagers und DP-Camps Bergen-Belsen seit Kriegsende' (Historisches Seminar, Leibniz Universität Hannover; Gedenkstätte Bergen-Belsen; Stiftung niedersächsische Gedenkstätten), Hannover / Bergen-Belsen 03.02.2011-05.02.2011, Werkhof Hannover Nordstadt, Schaufelder Straße 11

30167 Hannover; Gedenkstätte Bergen-Belsen, Anne-Frank-Platz, 29303 Lohheide

Deadline: 24.01.2011

 

Die Tagung thematisiert eine bislang wenig beachtete Dimension der Nachgeschichte der NS-Verfolgung: die individuelle, soziale und kollektive Erinnerungsbildung durch Überlebende nach 1945. Dabei sollen die Überlebenden, ihre Gemeinschaften und Verbände als Akteure von und in Erinnerungskulturen in den Mittelpunkt gerückt werden.

 

Renommierte Wissenschaftler aus Europa und den USA stellen unterschiedliche Formen und Praktiken des sozialen und individuellen Erinnerns von befreiten Kriegsgefangenen, KZ-Häftlingen und Displaced Persons vor. Insbesondere werden die Wechselbeziehungen zwischen dem persönlichen und sozialen Umgang mit den NS-Verbrechen einerseits und dem kulturellen, in hohem Maße national kodierten Gedächtnis andererseits diskutiert. Gefragt wird auch, wie die politische Wende von "1989" mehr Raum für individuelle Erinnerungen geöffnet hat.

 

Anhand mehrerer Lagergesellschaften und deren Erinnerung sowie Beispielen u.a. aus Frankreich, Polen, den Niederlanden, den USA oder Israel widmet sich die Tagung folgenden Leitfragen: Wie haben individuelle, kollektive und politische, familiäre und generationelle, geschlechtsspezifische und kulturelle Bedingungen die Erinnerung nach

1945 und damit die realen wie imaginären Erinnerungsorte der nationalsozialistischen Lager geprägt? Welche Bedeutung kam dabei den spezifischen Überlebensbedingungen zu? Wie sind insbesondere national bedingte Erinnerungsnarrative der Nachkriegszeit in die langfristige Entwicklung transnationaler, europäischer und globaler Formen des Erinnerns an die NS-Verbrechen einzuordnen?

 

Über Bergen-Belsen hinaus werden die einzelnen Sektionen die Erinnerung an andere nationalsozialistische Lager einbeziehen und vergleichende Perspektiven eröffnen. Die verschiedenen Praktiken der Erinnerung an den historischen Ort durch die Überlebenden haben die Gestaltung und Arbeit von Gedenkstätten und die imaginären Erinnerungsorte erheblich mitgeprägt. Ebenso ist jedoch zu untersuchen, wo und warum dies gerade nicht oder nur in selektiver Weise der Fall war.

 

Mit einer Historisierung der Erinnerungskulturen geht die Frage einher, wie das Zeitalter nach den Überlebenden, in Anbetracht der zunehmenden Bedeutung medialer Repräsentation in der Erinnerungsvermittlung, gestaltet werden kann. Die Tagung wirft somit auch systematische Schlaglichter auf die Erinnerungslandschaft, in der Gedenkstätten stehen und bei deren weiterer Entwicklung die Auseinandersetzung mit dem Erinnerungserbe der Überlebenden von grundlegender Bedeutung ist.

 

Mit der Ausrichtung der Tagung trägt das Kooperationsprojekt "Erinnerte Gemeinschaften" zur weiteren Verknüpfung von Forschung und Gedenkstättenarbeit im nationalen wie internationalen Kontext bei. Die Tagung wie das Kooperationsprojekt werden aus Mitteln des Förderprogramms "Pro Niedersachsen" des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur gefördert.

 

Bei Interesse melden Sie sich bitte unter der angegebenen Email-Adresse bis zum 24. Januar 2011 an. Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt, es stehen noch wenige Restplätze zur Verfügung. Die Teilnahmegebühr beträgt 80 EUR, für Studierende 40 EUR.

 

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Donnerstag, 3. Februar 2011 (Hannover)

 

Ankunft, Check-In, Kaffee

 

14.00 Habbo Knoch (Celle/Bergen-Belsen), Begrüßung

 

14.30-15.30 Eröffnungsvortrag

 

Constantin Goschler (Bochum), Victims, Heroes, Survivors. Opfer-Semantik zwischen Vergangenheitsbewältigung und Erinnerungskultur

 

Kommentar: Habbo Knoch (Celle/Bergen-Belsen)

 

Kaffeepause

 

16.00-17.45 Panel I: Überlebensbedingungen und ihre Bedeutung für die Erinnerung

 

Claus Füllberg-Stolberg/Andrea Rudorff (Hannover/Berlin), Überlebensbedingungen in KZ-Außenlagern für Frauen

 

Thomas Rahe (Bergen-Belsen), Rückkehr in die Zeit - Erinnerung im Übergang vom Konzentrationslager  zum DP-Camp Bergen-Belsen

 

Henry Lustiger-Thaler (New York), Memory and Morality. Texts, Narratives and Artifacts in the Jewish Orthodox World

 

Kommentar: Atina Grossmann (New York)

 

Abendessen    

 

19.30 Leibnizhaus, Hannover

 

Öffentliche Podiumsdiskussion: Vom politischen Erinnern zu individuellen

Erinnerungen: Die Auswirkungen von "1989"

 

Peter Romijn (Amsterdam)

Atina Grossmann (New York, angefragt)

Günter Morsch (Sachsenhausen)

Stefan Troebst (Leipzig)

 

Leitung: Bernd Weisbrod (Göttingen)

 

Freitag, 4. Februar 2011 (Bergen-Belsen)

 

9.30-10.45 Panel II: Nationale Narrative und Erinnerungspolitik

 

Joanna Wawrzyniak (Warschau), Survivors, Memory and Politics in Post-War Poland

 

Olivier Wieviorka (Cachan), The Memory of the Shoah and the Résistance in France, 1945-2010

 

Kommentar: Jens Kroh (Essen)

 

Kaffeepause

 

11.15-13.00 Panel III: Überlebendengemeinschaften und Verbandspolitik

 

Philipp Neumann (Weimar), Das Internationale Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos. Zur Geschichte eines politischen Erinnerungsaktivs

 

Harold Marcuse (Santa Barbara/CA), Dachau (Titel folgt)

 

Jörg Skriebeleit (Weiden), Flossenbürg (Titel folgt)

 

Kommentar: Detlef Garbe (Neuengamme)

 

Mittagessen

 

14.00-15.45 Die Erinnerungen der Überlebenden und die Entwicklung der Gedenkstätte Bergen-Belsen: Thematische Rundgänge mit kurzen Einführungen

 

Martina Staats (Bergen-Belsen), Überlebende und Politik: Das Erwachen öffentlicher Erinnerung um 1960 und die Neugestaltung der Gedenkstätte Bergen-Belsen

 

Rolf Keller (Celle), Die Erinnerung sowjetischer Kriegsgefangener der Lager Oerbke, Wietzendorf und Bergen-Belsen

 

Bernd Horstmann (Bergen-Belsen), (Titel folgt)

 

Kaffeepause

 

16.15-17.30 Panel IV: Temporäre Gemeinschaften und soziales Gedächtnis

 

Katja Seybold (Hannover/Bergen-Belsen), Gemeinschaftsbildung jüdischer DPs in Bergen-Belsen

 

Claus Füllberg-Stolberg/Shaun Hermel (Hannover), Die Erinnerung an die Israelitische Gartenbauschule Ahlem in Israel

 

Kommentar: Thomas Kubetzky (Braunschweig/Bergen-Belsen)

 

17.30-18.15 Vortrag

 

Heidemarie Uhl (Wien), Die Erinnerung der Überlebenden und die Zukunft des kulturellen Gedächtnisses

 

Kommentar: Aleida Assmann (Konstanz, angefragt)

 

Abendessen

 

Die Dauerausstellung bleibt bis 20.00 Uhr geöffnet

 

Samstag, 5. Februar 2011 (Hannover)

 

9.00-10.45 Panel IV: Familienbeziehungen und Generationsgedächtnis Kenneth Waltzer (East Lansing/MI), Child and Youth Survivors at Buchenwald and Bergen-Belsen

 

Janine Doerry (Hannover/Bergen-Belsen), Französische Frauen und Kinder von Kriegsgefangenen im Austauschlager Bergen-Belsen:

Geschlechtsspezifische und generationelle Erinnerungsmuster

 

Diana Gring (Bergen-Belsen), Kinderüberlebende und Familienbeziehungen in Videointerviews mit Überlebenden des Konzentrationslagers Bergen-Belsen

 

Kommentar: Ulrike Jureit (Hamburg)

 

Kaffeepause

 

11.15-13.00 Panel V: Geschlechterdifferenz und kulturelles Gedächtnis

 

Ramona Saavedra Santis (Berlin), Unzugehörig. Kommunikative Erinnerungsmuster von Überlebenden des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück aus der Sowjetunion

 

Dominique Schröder (Bielefeld), Geschlechterperspektiven in Tagebüchern aus Bergen-Belsen

 

Maja Suderland (Gießen), Geschlechterunterschiede in Darstellungen des Lebens im Konzentrationslager

 

Kommentar: Insa Eschebach (Berlin/Ravensbrück)

 

Mittagessen

 

14.00-15.15 Panel VI: Identitätspolitik nach den Überlebenden und individuelles Gedächtnis

 

Erik Meyer (Gießen), Anmerkungen zur Entwicklung von Geschichtsinitiativen zu Gedenkstätten in staatlicher Trägerschaft

 

Steffi de Jong (Trondheim), Exhibiting Memory - Video Testimonies in Second World War and Holocaust Museums

 

Kommentar: Aleida Assmann (Konstanz, angefragt)

 

15.15-15.30

 

Habbo Knoch (Celle/Bergen-Belsen), Schlussbemerkungen

 

Tagungsende

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