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6. Mai 2010 , 19:00 Uhr
Film Diskussion

"2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß": Die Gegenwart der Vergangenheit in einer deutschen Familie

Programm:

Filmvorführung und anschließender Diskussion mit Regisseur Malte Ludin am Donnerstag, 6. Mai um 19 Uhr im Burgsaal der Wewelsburg

Kreis Paderborn (krpb). „Dies ist die Geschichte meines Vaters, eines Kriegsverbrechers. Eine typisch deutsche Geschichte.“ Malte Ludins Film beginnt mit einem Paukenschlag. Mit diesem Satz leitet der Regisseur aus Berlin seinen Film „2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß“ ein, der am Donnerstag, 6. Mai um 19 Uhr im Burgsaal der Wewelsburg gezeigt wird. 

Sein Vater, Hanns Ludin, konspirierte früh mit Hitler und war überzeugter Nationalsozialist. Ab 1933 machte er innerhalb der südwestdeutschen SA schnell Karriere. Als „Gesandter Erster Klasse“ setzte Hitler ihn ab 1941 in der Slowakei ein. Hier war Hanns Ludin an der Deportation der slowakischen Juden beteiligt. Nach dem Krieg wurde er an die Tschechoslowakei ausgeliefert und dort als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt.

 

Wahrnehmung innerhalb der Familie

Doch weniger die Lebensgeschichte des Vaters ist Mittelpunkt von Malte Ludins Film. Vielmehr fängt der Regisseur eindrucksvoll mit der Kamera ein, wie unterschiedlich das Leben und Wirken des Ehemanns, Vaters und Großvaters innerhalb der großen Familie bewertet werden. Eine Vielzahl von Deutungen werden sichtbar: Das Vergessen und Verdrängen, das Beschönigen und Bagatellisieren, das unversöhnliche Distanzieren und das selbstquälerische Aufklären. Es wird deutlich, dass der lange Schatten des Vaters innerfamiliär noch deutlich zu spüren ist. So lautet der Untertitel des Filmes auch folgerichtig „Die Gegenwart der Vergangenheit in einer deutschen Familie“.

Diese schonungslose Offenlegung des Ringens mit der eigenen, innerfamiliären NS-Geschichte wirft zwangsläufig beim Zuschauer die Frage auf, wie denn in der eigenen Familie die Jahre zwischen 1933 und 1945 erlebt, gedeutet und weitergegeben werden. Der Soziologe Professor Harald Welzer – am 15. April 2010 noch Referent beim Festvortrag zur Eröffnung der Wewelsburger Gedenkstätte – hat in seinen Forschungen darauf hingewiesen, dass heute beinahe die Hälfte aller Deutschen davon ausgeht, die eigenen Vorfahren hätten dem Nationalsozialismus kritisch bis ablehnend gegenüber gestanden. Diesen Vorwurf der weitestgehenden Undifferenziertheit muss sich Regisseur Malte Ludin nun wahrlich nicht machen.

Nachdem der Film international bereits große Beachtung fand und seinem Regisseur großen Respekt für die Bearbeitung eines solch persönlichen und schmerzhaften Themas einbrachte, können sich nun Interessierte am Donnerstag, den 6. Mai ab 19 Uhr im Burgsaal der Wewelsburg selbst ein Bild machen. Im Anschluss an die Filmvorführung stellt sich Regisseur Malte Ludin den Fragen des Publikums. Der Eintritt ist frei. Die Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“ bleibt an diesem Tag bis zu Beginn der Veranstaltung geöffnet, die Museumsgastronomie bietet sich zum Abendessen an.

Mit dem Beitrag von Malte Ludin setzt das Kreismuseum Wewelsburg seine Vortragsreihe im Jahr der Eröffnung der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg fort.

Malte Ludin ist Diplom- Politologe, Regisseur und Produzent. Er hat zahlreiche Dokumentarfilme gedreht und verschiedene Kurz- und Spielfilme produziert.

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