Veranstaltungen

22. September 2012 , 14:00 Uhr - 18:00 Uhr
Symposium

4. Wissenschaftliches Symposium

Programm:

Neid, Ressentiments, Überlegenheitsgefühl -

Gesellschaftliche Ausgrenzungsmechanismen gestern und heute

22.09.2012

Das wissenschaftliche Symposium soll Mentalitäten und Strömungen diskutieren, die zu Ausgrenzung, Gewalt und letztlich Völkermord führen.

Programm

14.00 Uhr Begrüßung
stellvertretender Landrat Wolfgang Schmitz
Dr. Franz Josef Winter (Vorsitzender des Fördervereins) 

Information

Um Anmeldung wird bis zum 18.09.2012 gebeten.
Die Teilnahme ist kostenlos.

Dr. Isabel Enzenbach

Antisemitismus als soziale Praxis

Ausgehend von der Entstehung des modernen Antisemitismus am Ende des 19. Jahrhunderts diskutiert Dr. Isabel Enzenbach die überlieferten Traditionen und neuartigen judenfeindlichen Ressentiments. Anhand von Alltagsobjekten wie Postkarten, Karikaturen und Aufklebern erläutet sie die wesentlichen Bilder und Semantiken des Antisemitismus. Das Feindbild wird dabei nicht nur als antimoderne Weltanschauung, sondern auch als soziale und kommunikative Praxis beschrieben.

Dr. Isabel Enzenbach ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind jüdische Geschichte und Gegenwart sowie insbesondere die europäische Unterrichtspraxis zur Vermittlung von Wissen über Antisemitismus. 

Dr. Silke Schneider

„Natürliche Ungleichheit“: Zu feministischen Diskussionen über gesellschaftliche Ausgrenzung, Antisemitismus und Rassismus

Die Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Ungleichheit und deren Legitimationen war zentral für die Entwicklung von Frauenbewegungen und Feminismus. Gleichzeitig ist das Spannungsfeld von Gleichheit und Differenz der feministischen Debatte von Beginn an eingeschrieben: die Konfrontation mit traditionell, religiös oder biologisch begründeter Ungleichheit der Geschlechter führte auf der einen Seite zu Gegenpositionen und Gleichheitsforderungen, auf der anderen Seite zu einem positiven Bezug auf die Geschlechterdifferenz bin hin zu überhöhten Weiblichkeitsidealen. Während die erste Frauenbewegung soziale Differenzen zwischen Frauen eher bezüglich der Zugehörigkeit zu unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten thematisierte, sind „rassische“, ethnische und kulturelle Differenzen für die zweite Frauenbewegung zur Herausforderung geworden. Der Bezug auf „natürliche“ Ungleichheiten verbindet die Phänomene von Sexismus und Rassismus, außerdem sind geschlechtsspezifische Ausprägungen von Rassismus und Antisemitismus in historisch unterschiedlicher Form aufgetreten. Der Vortrag problematisiert die Naturalisierung gesellschaftlicher Ungleichheiten, stellt Beispiele geschlechtsspezifischer Ressentiments vor und diskutiert feministische Reaktionen und Positionierungsversuche.

Dr. Silke Schneider ist Politikwissenschaftlerin und hat mit einer Arbeit über „Verbotener Umgang. Ausländer und Deutsche im Nationalsozialismus“ promoviert. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind politische Kulturforschung und historische Grundlagen der Politik, Diskursanalyse  sowie Theorie und Politik der Geschlechterverhältnisse. Silke Schneider ist z. Zt. Lehrbeauftragte der Evangelischen Hochschule Berlin und seit 1999 Mitherausgeberin der Femina Politica. Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft. 

16.00 Uhr Kaffeepause

Dr. Volker Weiß

Kontinuitäten des Ressentiments. Von Oswald Spengler bis Thilo Sarrazin.

Dr. Volker Weiß analysiert abschließend aktuelles Elitedenken und Überlegenheitsdünkel in Deutschland. Er schlägt dabei einen historischen Bogen von deutschsprachigen Autoren seit Ende des 19. Jahrhunderts bis zur "Sarrazin-Debatte" und zeichnet einen Wandel in der Debatte nach. Hatte nach 1945 die Beschwörung eines kulturellen und nationalen Verfalls der „Untergangsliteratur“ vor allem in den Kreisen der  „Neuen Rechten“ Anklang gefunden, so wurden deren Inhalte im Schatten von "Deutschland schafft sich ab" auf der breiten politischen Bühne diskutiert. 

Dr. Volker Weiß ist Historiker und Publizist, Lehrbeauftragter am Fachbereich Geschichte der Universität Hamburg und Autor zahlreicher Aufsätze und Artikel zur Geschichte und Gegenwart der extremen Rechten.
Er ist Mitglied im Villigster Forschungsforum zu Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus e.V.
2009 promovierte er mit der Arbeit "Moderne Antimoderne. Arthur Moeller van den Bruck und der Wandel des Konservatismus in Deutschland". Paderborn (Schöningh) 2012.
Er ist Autor des Buches "Deutschlands Neue Rechte. Angriff der Eliten von Spengler bis Sarrazin". Paderborn (Schöningh) 2011.

Nach jedem Vortrag besteht die Möglichkeit, im Plenum Fragen an die Referenten zu stellen, eine größere Diskussionsrunde beschließt das Symposium.

ca.18.00 Uhr Ende der Veranstaltung

Ort:

Burgsaal der Wewelsburg

Veranstalter: