Veranstaltungen

10. September 2015 - 12. September 2015
Tagung / Seminar / Workshop

70 Jahre Danach. Historisches Begreifen und politisch-ethische Orientierung in der Gedenkstättenarbeit des 21. Jahrhunderts.

Programm:

Die Geschichtskultur in Deutschland hat sich in den vergangenen dreißig Jahren einschneidend verändert. Die Bewahrung des Gedächtnisses an die Opfer des Nationalsozialismus gehört zur Staatsräson der Bundesrepublik. Aus vielen einst vergessenen Konzentrationslagern sind institutionalisierte Gedenkstätten geworden. Mit der 1999 etablierten, 2008 fortgeschriebenen Gedenkstättenkonzeption ist der Bund an der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und auch des DDR-Kommunismus beteiligt. Die Geschichte der lange umstrittenen und verzögerten Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus hat die Aufarbeitung des staatlichen Unrechts der DDR geprägt. Allerdings klaffen der Ausbau der Gedenkstättenlandschaft und die systematische Konzeptualisierung des
Lernens aus unannehmbarer Geschichte (Imre Kertész) auseinander.
Ein Problem, auf das eine normative Rhetorik der Erinnerung keine Antwort ist – zumal die allgegenwärtige Rede von der Erinnerung den Begriff ausgehöhlt hat. Im Ergebnis kann mit Erinnerung heute die Entwicklung wissenschaftlich gestützten, reflexiven Geschichtsbewusstseins durch die gegenwartsbezogene Auseinandersetzung mit in menschenrechtlicher Perspektive negativer Vergangenheit gemeint sein – aber auch eine Praxis, die sich zu häufig darauf beschränkt, die Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen politisch und moralisch aufzuladen und sie verpflichtend zu tradieren. Unverkennbar ist der Trend, Geschichte und Geschichtsbewusstsein auf Erinnerung zu reduzieren und Erinnerung als solche für den Königsweg der Demokratie- und Menschenrechtserziehung zu halten.

Weitere Informationen

Ort:

Humboldt Carré, Behrenstraße 42, 10117 Berlin

Veranstalter:

Friedrich-Schiller-Universität Jena/ Bundeszentrale für politische Bildung