Veranstaltungen

23. Februar 2015 , 09:00 Uhr - 17:00 Uhr
Colloquium

„Ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und die Berliner Justiz, 1939-1945“

Programm:

Ein wissenschaftliches Kolloquium des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit, Berlin-Schöneweide, des Lehrstuhls für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus der Humboldt- Universität zu Berlin – im Rahmen des Forschungsnetzwerkes ‚Justice and Populations‘ des Belgian Science Policy Office


Berlin war bis zum Ende des ‚Dritten Reiches‘ eines der wichtigsten industriellen Zentren Deutschlands. Entsprechend hoch war der Arbeitskräftebedarf, der während des Zweiten Weltkrieges vor allem durch ausländische Frauen und Männer abgedeckt wurde, die Zwangsarbeit leisten mussten. Die große Zahl ausländischer
Arbeiterinnen und Arbeiter in Berlin bewerteten die Sicherheitsorgane des Regimes als Bedrohung der Volksgemeinschaft, auch die Berliner Strafjustiz war Teil des Unterdrückungs- und Sanktionsapparates gegenüber ausländischen Zwangsarbeitern. Am Berliner Beispiel lässt sich diese Beteiligung der Strafjustiz besonders detailliert nachzeichnen, weil in Berlin das Archiv der allgemeinen Strafjustiz aus der NS-Zeit den Krieg in großen Teilen unbeschadet überstanden hat und jetzt im Landesarchiv Berlin verwahrt wird – in über 150.000 Archiveinheiten. In keiner anderen deutschen Stadt existiert eine ähnlich umfangreiche Überlieferung der NS-Strafjustiz. Im Brandenburgischen Landeshauptarchiv Potsdam sind die Prozessunterlagen des Sondergerichts Berlin archiviert. Nicht nur die Repression, sondern auch der Alltag und die Lebenswelten von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern werden in Ausschnitten in diesen Strafjustizakten sichtbar. Die Beiträge von Historikerinnen und Historikern auf dem Kolloquium beleuchten verschiedene Facetten; die Breite der Themen, die von Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen europäischen Ländern vorgestellt werden, umfasst u.a. die Lebenswelten belgischer Arbeiter und Arbeiterinnen in Berlin, die Strafverfolgung von Fluchtversuchen polnischer Zwangsarbeiter, aber die Spuren, die die Liebesbeziehungen französischer Arbeiterinnen in Berlin in den Akten hinterlassen haben.

Ort:

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