Veranstaltungen

17. Oktober 2021 , 14:00 Uhr
Lesung

Blind. Untergetaucht.

Programm:

Braille-Lesung mit Musik
Anlässlich des Gedenkens an den Beginn der Deportation jüdischer Menschen aus Berlin tragen Blinde und Sehbehinderte Passagen aus dem letzten Brief eines untergetauchten Ehepaares vor.

"Geliebte Kinder", beginnt der lange letzte Brief, den das jüdische Ehepaar Frey - er blind, sie sehend - im April 1942 an die beiden emigrierten Töchter schreibt. Erich und Elsbeth, beide Mitte 50, berichten darin über ihren Alltag unter Entrechtung und Verfolgung durch den NS-Staat, über die drohende Deportation.

Die Eheleute Frey tauchten mit Unterstützung von Otto Weidt, selbst sehbehindert, und seiner Blindenwerkstatt, unter. Ihr letztes Versteck fanden sie im Haus Bundesratsufer 4, ehe sie verraten, von der Gestapo deportiert und in Auschwitz ermordet wurden.

Vier Kopien des Briefs hatten die Freys bei Freunden versteckt. Eine überstand den Krieg und ist uns erhalten.

Ausgewählte Passagen dieses bewegenden Dokuments werden in Braille-Schrift von blinden Mitgliedern der "Arbeitsgruppe Weidt / Frey" vorgetragen, und von Musik gerahmt.

In der Arbeitsgruppe "Weidt / Frey" der Deutschen Hörfilm gGmbH haben sich zeitgeschichtlich interessierte blinde und sehbehinderte Menschen aus ganz Deutschland zusammen gefunden, anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust 2021. Die Treffen finden als Telefonkonferenz statt. Ziel ist es, an die Schicksale blinder und sehbehinderter jüdischer Menschen in der NS-Zeit zu erinnern.

Die Deutsche Hörfilm gGmbH macht Kunst und Kultur für blinde und sehbehinderte Menschen barrierefrei zugänglich. Im Zentrum steht die Arbeit für den Film (Kino, TV, Filmerbe), Bühne und Ausstellungen.

Ein Projekt der Deutschen Hörfilm gGmbH, in Zusammenarbeit mit dem Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt.

Ort:

Vor dem Haus Bundesratsufer 4 in Berlin-Moabit (open air)

Veranstalter:

Deutschen Hörfilm GmbH, Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt