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29. Oktober 2015 , 19:00 Uhr
Film

Das Kriegsende im polnischen Spielfilm

Programm:

 

 

Film

Nikt nie woła / Niemand ruft

 

Niemand ruft ist innerhalb der „polnischen Schule” der 1950er etwas Besonderes. Kein Pathos, kein Heldentum, stattdessen Existenz in einer Zeitfalle wie im italienischen Neorealismus. Bożek, die Hauptfigur, ist Angehöriger der polnischen Heimatarmee. Er ist ein Verweigerer. Er hat den Befehl zu töten verweigert und sucht nach einem neuen Leben im neuen polnischen Westen, der kurz nach dem 2. Weltkrieg von polnischen Flüchtlingen und Vertriebenen aus dem Osten neu besiedelt wird.
 

Bożeks ist zerrissen zwischen den Emotionen der ersten Liebe, der Sehnsucht nach Geborgenheit und seiner Angst aufgespürt zu werden und agiert dabei als einsamer Held in einem leeren Raum, der noch keinem gehört.
 

Der Film wurde ursprünglich zensiert und konnte etwa 25 Jahre lang nicht gezeigt werden. Er war zu modern und zu politisch zugleich. Das Kino a la Antonioni war verpönt und das Thema der Neubesiedlung des Polnischen Westens ein politisch heikles Thema.
 

Kazimierz Kutz (geb. 1929) ist Film- und Theaterregisseur, Drehbuchautor, Schriftsteller und Publizist. Er studierte Regie an der Filmhochschule Łódź, machte erste Berufserfahrungen als Assistent von Andrzej Wajda und drehte 1959 seinen Debütfilm „Krzyż walecznych“. Seitdem drehte er über 20 Spielfilme, von denen viele sich mit seiner Heimat Schlesien auseinandersetzen. Es liegt ihm bei seiner Arbeit besonders am Herzen, einen Beitrag zur Stärkung des schlesischen Regionalbewusstseins zu leisten. Neben seinen filmischen Regiearbeiten ist auch sein Schaffen als Theaterregisseur am Nationaltheater Warschau (Teatr Narodowy w Warszawie) und am Alten Theater Kraków (Teatr Stary w Krakowie) bemerkenswert. Darüber hinaus war er als Dozent an der Radio- und TV-Fakultät der Schlesischen Universität tätig und setzt sich auf vielfältige Art und Weise für seine Heimat ein: Er war Gründer der Filmgruppe „Silesia” in Katowice und erster Vorsitzender der Schlesischen Filmgesellschaft.
 

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Topographie des Terrors und dem Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften

 

Das Kriegsende im polnischen Spielfilm

PL 1960; R: Kazimierz Kutz; 86 min; OmdU; B: Kazimierz Kutz; K: Jerzy Wójcik; D: Zofia Marcinkowska, Henryk Boukołowski, Barbara Krafftówna, Halina Mikołajska, Aleksander Fogiel, Ryszard Pietruski, Laura Dębicka, Irena Jaglarzowa, Stanisław Tym u.a.

Einführung und Moderation:
Dr. Katarzyna Woniak (Historikerin, Ethnologin)

Ort: Topographie des Terrors
Niederkirchnerstraße 8
10963 Berlin

Ort:

Veranstalter: