Veranstaltungen

3. November 2011 - 5. November 2011
Tagung / Seminar / Workshop

Der Nationalsozialismus und die Shoah in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur

Programm:

Gab es nach Mauerfall und Wiedervereinigung vereinzelt die Sorge, dass mit dem "Ende der Nachkriegszeit" auch ein Ende der Erinnerung an den Nationalsozialismus und den Holocaust verbunden sein könnte, lässt sich für das beginnende 21. Jahrhundert konstatieren, dass der Nationalsozialismus als literarisches Thema eine kaum erwartete Konjunktur erlebt. Unübersehbar mehren sich in den letzten zehn Jahren die Versuche meist jüngerer Autorinnen und Autoren, der Gegenwartsliteratur neue Formen der literarischen Erinnerung an den Nationalsozialismus und die Shoah zu erschließen. Mit ihren Werken entstand eine neue Form der Erinnerungsliteratur, für die die Aufnahme und Reflexion der erinnerungskulturellen Nachgeschichte in Ermangelung eigener, authentischer Erinnerung konstitutiv ist. Es geht den Autorinnen und Autoren oftmals weniger um die historiographische Erkundung der Vergangenheit, als vielmehr um die Probleme ihrer Aneignung im Rahmen von eigener Identitätsarbeit, familienbiographischer Selbsterkundung oder kollektiven Erinnerungsprozesse. Sie entwerfen dafür Erzählverfahren, die den alltagsrelevanten Zugängen zur Vergan-genheit entsprechen: der Rekonstruktion, der Spurensuche, dem Familiengespräch oder auch der Imagination. Gerade das Nebeneinander unterschiedlicher Stimmen und generationeller Prägungen aber ist es, das für den gegenwärtigen (literarischen) Erinnerungsdiskurs charakteristisch ist: Neben den Stimmen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, der Kriegskinder und der "68er" gewinnen die Perspektiven der Enkelgeneration zunehmend an Bedeutung.

 

Die Tagung möchte diesen wichtigen Strang der Gegenwartsliteratur und gegenwärtigen Erinnerungssituation anhand der folgenden Themen erschließen, zu denen Vortragsvorschläge eingereicht werden können:

 

- Thematisch fokussierte Lektüren und Analysen deutschsprachiger literarischer Texte über den Nationalsozialismus und die Shoah seit ca.

2000, z. B. jüdische Perspektiven oder 'deutsche Opfernarrative'.

- Einzelstudien zu Autorinnen und Autoren wie Marcel Beyer, Maxim Biller, Nora Bossong, Tanja Dückers, Jan Faktor, Günter Grass, Norbert Gstrein, Iris Hanika, Ro-bert Menasse, Doron Rabinovici, W. G. Sebald, Stephan Wackwitz usw.

- Lektüren und Analysen zu einschlägigen fremdsprachigen literarischen Texten dieses Zeitraums, die international wahrgenommen wurden (z.B.

Jonathan Littell).

- Analysen der intertextuellen Verflechtung erinnerungsliterarischer Texte, insb. hinsichtlich ihrer reflexiven Verwendung von außerliterarischen 'Erinnerungsmedien' (Tagebücher, Fotografien, historische Quellen etc.).

- Verortungen von Texten und Strömungen der Gegenwartsliteratur in der literarischen Nachgeschichte des Nationalsozialismus seit 1945

- Erinnerungstheoretisch informierte Beiträge zum spezifischen Charakter jüngerer literarischer Repräsentationen von Nationalsozialismus und Shoah sowie Rekonstruktionen gegenwärtiger Konjunkturen des Erinnerungsdiskurses.

 

Die Tagung beginnt mit einer öffentlichen Abendveranstaltung am 03.11.2011. Vorträge sind für den 04.11. und 05.11.2011 vorgesehen.

Reise- und Übernachtungskosten können übernommen werden. Sofern die Ergebnisse dies rechtfertigen, ist eine Publikation der Beiträge geplant.

Ort:

Leuphana Universität Lüneburg

Veranstalter:

Leuphana Universität Lüneburg, Institut für Kulturtheorie, Kulturforschung und Künste