Veranstaltungen

26. Januar 2021 , 19:00 Uhr
Vortrag

Deutsche Herrschaftswissenschaft im besetzten Polen

Programm:

Vortrag: Dr. Götz Aly und PD Dr. Susanne Heim (beide Berlin)

Livestream: www.topographie.de/livestream/
Eine Teilnahme vor Ort ist nicht möglich.

Begleitprogramm zur Sonderausstellung "Der kalte Blick. Letzte Bilder jüdischer Familien aus dem Ghetto Tarnów"

(Gemeinsam mit dem Naturhistorischen Museum Wien und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

Während des "Dritten Reichs" legitimierten Wissenschaftler immer wieder politische Maßnahmen: Sie lieferten Daten, Argumente und zeigten Entscheidungsalternativen auf. Hass, Bosheit und Propaganda konnte so der Anschein des Vernünftigen verliehen werden. In dem Buch Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die deutschen Pläne für eine neue europäische Ordnung, das vor 30 Jahren erschien und bis heute lieferbar ist, analysieren Susanne Heim und Götz Aly, wie eine junge deutsche Intelligenz an den Verbrechen im besetzten Polen mitarbeitete. Professoren, Historiker, Sozialwissenschaftler, Mediziner, Agronomen, Betriebs- und Volkswirte berieten die Politik. Sie betrachteten das besetzte Polen als eine Tabula rasa, die sie hemmungslos "gestalten" könnten. Sie nutzten die Möglichkeiten des deutschen Gewaltapparats und rationalisierten die NS-Politik von innen heraus.
Während ihrer Archivrecherchen fanden Aly und Heim 1986 auch den Briefwechsel der Anthropologinnen Dr. Fliethmann und Dr. Kahlich, die 1942 jüdische Familien im Ghetto von Tarnów untersuchten. Angetrieben von wissenschaftlichem Ehrgeiz und von der SS unterstützt, wollten sie beweisen, "dass Frauen auch etwas können". Dank der militärischen Zerschlagung des nationalsozialistischen Deutschlands wurde das Forschungsprojekt nie abgeschlossen. Die in diesem Rahmen erstellten Fragebogen und Fotos bilden - gegen ihren ursprünglichen Zweck gewendet - die Grundlage für die Ausstellung "Der kalte Blick".

Götz Aly ist Mitkurator der Ausstellung "Der kalte Blick" und im Katalog mit dem Beitrag Bilder der Ermordeten, Stimmen der Überlebenden vertreten. Zu seinen neueren Veröffentlichungen zählt Europa gegen die Juden 1880-1945 (2017). Im Mai 2021 wird sein Buch Das Prachtboot. Wie Deutsche die Kunstschätze der Südsee raubten erscheinen.

Susanne Heim ist Mitherausgeberin der Quellenedition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945". Zuletzt veröffentlichte sie als 6. Band der Reihe Deutsches Reich und Protektorat Böhmen und Mähren Oktober 1941 - März 1943 (2019).

Ort:

Veranstalter:

Stiftung Topographie des Terrors