Veranstaltungen

22. Oktober 2013 , 18:30 Uhr
Film

„Die große Liebe“ und „Jud Süß“ – Propaganda und Unterhaltung im nationalsozialistischen Film

Programm:

Filmreihe

 

Es gehörte zu den Strategien der nationalsozialistischen Kulturpolitik, auch das Medium Film entsprechend der politischen Gesamtsituation  propagandistisch einzusetzen. Nachdem offene und  eindimensionale Propaganda im Spielfilm (SA-Mann Brandt, Hans Westmar, Hitlerjunge Quex) auf vergleichsweise geringe und eher negative Resonanz gestoßen war, verschob man die NS-Ideologe räumlich sowie zeitlich und verpackte sie in historischen Stoffen (Robert Koch – der Bekämpfer des Todes, Friedrich Schiller - der Triumph des Genies, Der große König). Mit Kriegsbeginn wurde einige Filme zur Rechtfertigung und Verherrlichung des Krieges gedreht, eine Thematik, die angesichts der zunehmend kritischen Kriegslage ab 1942/43 in Filmen nicht mehr auftaucht (Feuertaufe. Ein Film vom Einsatz unserer Luftwaffe im polnischen Feldzug, Kampfgeschwader Lützow, Stukas). Die Heimatfront versorgte man nun verstärkt mit scheinbar harmlosen Unterhaltungsfilmen (Ein schöner Tag, Die große Liebe, Wunschkonzert). Mit Kolberg wird noch 1945 ein Durchhaltefilm in historischem Gewand produziert. Es erscheinen je nach politischer Gesamtsituation auch Spielfilme mit antislawischer, antirussischer oder antibritischer Tendenz (Menschen im Sturm, GPU, Ohm Krüger). Eine besondere Rolle nehmen antisemitische Hetzfilme ein, die teilweise auch ein Massenpublikum fanden (Jud Süß, Die Rothschilds, Der ewige Jude).

 

Heute gelten zahlreiche Propagandafilme aus der Zeit von 1933 bis 1945 als Vorbehaltsfilme, das heißt, sie dürfen nur mit entsprechender wissenschaftlich-pädagogischer Kommentierung gezeigt werden. Um der Mythen- und Legendbildung entgegenzuwirken, die propagandistischen Inhalte in den richtigen Kontext zu stellen und zu entlarven sowie die Gefahren und Chancen der Aufführung zu diskutieren, zeigt und bespricht das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in den nächsten beiden Jahren NS-Filme aus unterschiedlichen Sparten in einer eigenen Reihe.

 

 

Hitlerjunge Quex (D 1933, 95 Min.)

Film und Diskussion

 

Ort: Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Datum: Dienstag, 22. Oktober 2013, 18.30 Uhr

 

Die Reihe startet mit Hitlerjunge Quex von Hans Steinhoff, einem der ersten NS-Propagandafilme. Der Film nach der Romanvorlage von Karl Aloys Schenzinger erzählt – wie der originale Untertitel bereits verspricht – „vom Opfergeist der deutschen Jugend“. Heini aus Berlin entscheidet sich entgegen des väterlichen Willens für eine Mitgliedschaft in der Hitlerjugend, deren Ideale ihm attraktiver erscheinen als die der kommunistischen Jugendorganisation aus dem eigenen Viertel. In verklärender Weise stirbt er schließlich im NS-Sinne den Heldentod, indem er von den Kommunisten ermordet wird, die er vorher verraten hat. Ein Mitarbeiter des Dokumentationszentrums analysiert und diskutiert den Film mit dem Publikum.

 

Eintritt: 5 Euro regulär, 3,50 ermäßigt

Ort:

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