Veranstaltungen

20. November 2016 , 15:30 Uhr
Vortrag

Die importierte Nation.

Programm:

Die importierte Nation. Deutsche Besatzungspolitik im Ersten Weltkrieg und die Entstehung des flämischen Nationalismus 1914 bis 1944

Jakob Müller

„Als unsere Truppen in Flandern einmarschierten, betraten sie eine ‚terra incognita‘.“ Mit diesen Worten erinnerte sich Freiherr von der Lancken-Wakenitz in seinen Memoiren an den Beginn der deutschen Besatzung Belgiens im August 1914. Er beschreibt hier das völlige Fehlen eines Besatzungskonzeptes, bedingt durch mangelnde Kenntnisse. In der Folge wurde Belgien zum Gegenstand tausender Publikationen in Deutschland. Als Chef der Politischen Abteilung des Kaiserlichen Generalgouvernements Belgien wurde Lancken prägend für die sogenannte Flamenpolitik. Dies bedeutete u.a. die Gründung der ersten niederländisch-sprachigen Universität Belgiens und die Teilung der Verwaltung des Landes. Die Förderung der niederländischen Sprache stärkte die Flämische Bewegung. Belgien sollte im Falle eines militärischen Rückzugs auf keinen Fall zu einer „französischen Ostmark“ werden. Unter deutscher Besatzung wurden so erstmals Strukturen eines modernen flämischen Nationalstaats geschaffen. 

 

Als Belgien 1940 ein weiteres Mal von deutschen Truppen besetzt wurde, konnte der Chef der Militärverwaltung, Eggert Reeder - zuvor Regierungspräsident des Bezirks Aachen - auf die Expertise zahlreicher Belgien- und Flandernexperten zurückgreifen. Zumindest formal wurde die verfassungsmäßige Ordnung des Landes respektiert. Reeder hielt die von ihm geleitete Besatzungsbehörde für ein Musterbeispiel der an Effizienzkriterien orientierten „Aufsichtsverwaltung“. Schon die Praxis der Verfolgung und Deportation der in Belgien lebenden Juden lassen dieses Selbstverständnis der Besatzungsmacht mehr als fragwürdig erscheinen. Auch die „Volkstums-“ und insbesondere Flamenpolitik während des Zweiten Weltkriegs bedarf einer kritischen Würdigung.

Jakob Müller studierte Geschichte und Niederländische Philologie an der Freien Universität Berlin und promoviert zurzeit zur deutschen Besatzungspolitik in Belgien.

 

Eintritt: 5,00 €

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