Veranstaltungen

18. Oktober 2013 - 19. Oktober 2013
Konferenz

Die Linke im Visier. Zur Errichtung der Konzentrationslager 1933

Programm:

Im thüringischen Nohra entstand in den ersten Märztagen 1933 in einer ehemaligen Militärschule das erste Konzentrationslager des Dritten Reiches; es existierte nur wenige Wochen lang. Auch anderswo wurden rasch Lager errichtet: in stillgelegten Fabriken und Gefängnissen, auf einstigen Rittergütern, in Turnhallen und (wie in Bremen) auf einem Schleppkahn. Dachau war das erste von der SS geführte Konzentrationslager; es existierte am längsten von allen und hatte einige Jahre lang auch Vorbildfunktion für andere SS-Konzentrationslager. Der Fokus des Dachauer Symposiums zur Zeitgeschichte richtet sich auf Kommunisten, Sozialisten und Sozialdemokraten und ihre Inhaftierung in den frühen Lagern, wo sie den Großteil der Gefangenen ausmachten. Die Verfolgung der Linken wurde in der Zeitgeschichtsforschung lange Zeit vorwiegend unter dem Aspekt des Widerstands betrachtet. In den letzten Jahren geriet das Thema dann sowohl in der wissenschaftlichen als auch in der öffentlichen Diskussion etwas aus dem Blick. Ziel des Symposiums ist es, Verfolgung und Lageralltag zu untersuchen und nach der gesellschaftspolitischen Funktion der Lager zu Beginn des Dritten Reiches zu fragen. Der zeitliche Schwerpunkt liegt auf den späten Jahren der Weimarer Republik und der frühen NS-Zeit. Welche Rolle spielte die Arbeiterbewegung am Ende der Weimarer Demokratie? In welchem Zusammenhang stand ihre 1933 eingeleitete gewaltsame Verfolgung mit bereits länger wirksamen politischen Vorbehalten gegen sie? Welche Bedeutung kam dem Rechtssystem der Weimarer Republik dafür zu? Wie ist die Rolle der SA und der SS zu fassen? Welchen politischen Stellenwert besaß Gewalt? Was lässt sich über jüdische Häftlinge sagen, die als politische Gegner verfolgt wurden? Und welchen Effekt hatte die Schaffung der ersten Konzentrationslager auf die verfolgte Linke? Zum 80. Jahrestag der Errichtung der Terrorstätten ist es angebracht, den Blick neuerlich auf die Arbeiterbewegung als dem zentralen politischen Gegner des NS-Regimes zu richten.

 

Dazu laden wir Sie herzlich ein.

 

- Nikolaus Wachsmann (Birkbeck University of London) und Sybille Steinbacher (Universität Wien), Wissenschaftliche Leitung

- Peter Bürgel, Oberbürgermeister der Stadt Dachau

- Nina Ritz, Pädagogische Leiterin des Max-Mannheimer-Studienzentrums, Dachau

- Sybille Steinbacher (Universität Wien), Projektleitung

 

Das Dachauer Symposium zur Zeitgeschichte hat sich als Forum des wissenschaftlichen Austauschs über die Geschichte des Nationalsozialismus etabliert - in der internationalen Zeitgeschichtsforschung ebenso wie der interessierten Öffentlichkeit.

Die Stadt Dachau erwarb sich durch ihre vielfältige Auseinandersetzung mit der Geschichte des Dritten Reiches in Deutschland und darüber hinaus den Ruf eines Lern- und Erinnerungsortes; das Symposium, das sie seit

2000 in Zusammenarbeit mit dem Max-Mannheimer-Studienzentrum / Internationalen Jugendgästehaus jährlich veranstaltet, trug das Seine dazu bei. Ziel der Reihe ist es, aktuelle Forschungen zur Geschichte und Nachgeschichte der NS-Zeit vorzustellen, zu diskutieren und darüber nachzudenken, wie und warum der Nationalsozialismus unsere Gegenwart nach wie vor berührt. Sowohl um Gegenwartsbezüge geht es als auch um die Einbindung aktueller "erinnerungskultureller" Entwicklungen. Nicht ausschließlich Spezialisten sollen sich zusammenfinden, sondern das Symposium möchte einer breiten interessierten Öffentlichkeit ein Forum der Information und Diskussion bieten.

 

http://www.dachauer-symposium.de/

 

Die Tagungsbände des Symposiums erscheinen im Verlag Wallstein

(Göttingen) http://www.wallstein.verlag.de.

 

 

 

 

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Freitag, 18. Oktober 2013

 

12.30 - 13.30 Uhr

 

Begrüßung

 

Nikolaus Wachsmann (London)

Zur Einführung

Terror gegen Links: Das NS-Regime und die frühen Lager

 

 

13.30 - 15.30 Uhr

 

Michael Schneider (Bonn)

Verfolgt, unterdrückt und aus dem Land getrieben: Die Arbeiterbewegung im Frühjahr 1933

 

Richard Bessel (York)

Anfänge eines Terrorregimes: Die Rolle der Gewalt der SA

 

Irene von Götz (Berlin)

Die Errichtung der Konzentrationslager in Berlin 1933: Wirkung und Folgen für die politische Linke

 

 

16.00 - 17.30 Uhr

 

Christopher Dillon (London)

The Early SS Violence in Dachau: Situation or Vendetta?

 

Barbara Distel (München)

Staatlicher Terror und Zivilcourage: Die ersten Morde im

Konzentrationslager Dachau

 

 

17.45 - 19.15 Uhr

 

Dirk Riedel (Dachau)

"Bruderkämpfe" im KZ Dachau: Das Verhältnis zwischen

sozialdemokratischen und kommunistischen Häftlingen

 

Kim Wünschmann (Jerusalem)

Jüdische politische Häftlinge im frühen Konzentrationslager Dachau: Zur

Zementierung eines antisemitischen Feindbildes

 

anschließend Buffet und Gespräche

 

 

Samstag, 19. Oktober 2013

 

9.00 - 10.30 Uhr

 

Paul Moore (Leicester)

"Noch nicht mal zu Bismarcks Zeiten": German Popular Opinion and Terror

Against the Left

 

Daniel Siemens (London)

Gewaltaktionen der SA und die Justiz: Der Fall des Chemnitzer

Polizeipräsidenten Albrecht Böhme 1933/34

 

 

10.45 - 12.15 Uhr

 

Rebecca Boehling (Arolsen)

Ein unentdecktes Archiv: Der International Tracing Service (ITS) und die

frühen Konzentrationslager

 

Gabriele Hammermann (Dachau)

Marginalisierte Erinnerung: Zum Umgang mit der Geschichte der frühen

politischen Häftlinge

 

 

12.30 - 13.45 Uhr

 

Podiumsdiskussion

mit Richard Bessel (York), Rebecca Boehling (Arolsen), Barbara Distel

(München), Bernd Weisbrod (Göttingen) und Sybille Steinbacher (Wien)

Moderation: Nikolaus Wachsmann (London)

 

gegen 13.45 Uhr Tagungsende mit dem Mittagessen

 

 

 

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Sybille Steinbacher

 

Institut für Zeitgeschichte

Universität Wien

 

sybille.steinbacher@univie.ac.at

Ort:

Veranstalter: