Veranstaltungen

14. November 2010 , 11:00 Uhr
Bühne

„… dieser schönen Welt Lebewohl sagen.“

Programm:

Zum Gedenken an das Novemberpogrom 1938 veranstaltet das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben gemeinsam mit dem S’ensemble Theater am Sonntag, den 14. November 2010 um 11 Uhr eine Matinee in der Kulturfabrik, Bergmühlstraße 34 im Rahmen der Reihe
LEBENSLINIEN. DEUTSCH-JÜDISCHE FAMILIENGESCHICHTEN
unter dem Titel

„… dieser schönen Welt Lebewohl sagen.“

Der Weg der Familie Sturm aus Augsburg.
Die LEBENSLINIEN 2010 erzählen die Geschichte einer deutsch-jüdischen Familie aus Augsburg, der nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nach und nach ihre Lebensgrundlage entzogen wurde. Nur einem Teil der Familie gelang die Emigration ins rettende Ausland. Den Zurückgebliebenen entzog NS-Regime alle Möglichkeiten für ein menschenwürdiges Leben. Schließlich kam der Befehl zur Deportation in den Osten, dem sich die Betroffenen widersetzten, indem sie ihrem Leben selbst ein Ende machten. Die emigrierten Familienangehörigen verarbeiteten die traumatischen Erfahrungen der NS-Zeit sehr individuell. Doch die Erfahrung von Flucht und Verlust hat das Leben aller geprägt.
Als Zeitzeuge ist dieses Jahr George Sturm aus Engelwood, New Jersey zu Gast. Sein Großvater Hugo Steinfeld, der für seinen wirtschaftlichen Erfolg und sein gesellschaftliches Engagement 1924 den Ehrentitel „Kommerzienrat“ verliehen erhielt, baute das Familienunternehmen „Wimpfheimer & Cie.“ zur bedeutendsten Tuchhandlung Süddeutschlands auf. Seit 1897 befanden sich Geschäft und Wohnungen in der Bahnhofstraße 18 1/5. Dort wuchs auch George (Günter) Sturm auf. Beim Novemberpogrom 1938 wurden sein Vater und sein 18 Jahre alter Bruder für mehrere Wochen lang verhaftet. Nach der Entlassung entschied sich die Familie für die Emigration. George, seine Eltern und seine zwei Geschwister emigrierten 1939 in die USA und nach England, seine Großeltern, die Tante und der Onkel blieben in Augsburg zurück. In ihrer verzweifelten Lage sahen sie nur einen Weg aus der Bedrängnis: ihren selbstbestimmten Tod. Die Großeltern begingen 1941 Selbstmord, die Tante und der Onkel, gemeinsam mit noch drei weiteren jüdischen Ehepaaren im selben Haus, kurz vor dem Abtransport in den Osten, im März 1943.

Zu dem Zeitzeugen:

George Sturm kam 1930 in Augsburg zur Welt. Er wuchs als jüngstes von drei Kindern des Ehepaars Anna und Max Sturm auf. Da er nach den „Nürnberger Gesetzten“ keine öffentliche Schule besuchen durfte, erhielt er seit 1936 in der Synagoge Unterricht. Als Neunjähriger emigrierte er 1939 mit seinen Eltern nach New York. Bereits als Kind ein begabter Klavierspieler, entschied sich George Sturm nach dem Krieg für ein Studium der Musik, das er in den USA und Italien absolvieren konnte. Der Inhaber eines Verlags für klassische Musik und Vater von drei Söhnen lebt heute mit seiner Frau in Engelwood, New Jersey.

Zum Programm der Matinee:

Bei einem Vortrag mit Lichtbildern wird die Geschichte der Familie Sturm vorgestellt. Die Schauspielerin Daniela Nering wird Auszüge aus Briefen und anderen Dokumenten aus dem Besitz der Familie lesen. Gernot Römer und Dr. Benigna Schönhagen werden mit dem Zeitzeugen ein Podiumsgespräch führen. Musikalisch wird die Matinee von Dominik Uhrmacher umrahmt.
Zum Zeitzeugenprojekt LEBENSLINIEN:
Zur Matinee erscheint ein Katalog mit vielen Fotos und Dokumenten. Außerdem wird das LEBENSLINIEN-Projekt durch drei Zeitzeugenworkshops mit Schülern ergänzt sowie, später, durch eine Geschichts-DVD mit thematisch aufbereiteten Mitschnitten der Zeitzeugengespräche mit den Schulklassen, die die Geschichte der Familie Sturm für andere Schüler nachvollziehbar macht.

Zum Katalog:

Bei der Matinee wird der dritte Band in der Reihe LEBENSLINIEN. Deutsch-jüdische Familiengeschichten vorgestellt. Er trägt den Titel: „…dieser schönen Welt ein Lebewohl sagen.“ Der Weg der Familie Sturm aus Augsburg und wurde von Souzana Hazan zusammengestellt. Ab dem 14. November kann er im Jüdischen Kulturmuseum zum Preis von 10 Euro erworben werden.

Für weitere Auskünfte wenden Sie sich bitte an:
Dr. Benigna Schönhagen (0821-513658).

Ort:

Kulturfabrik, Bergmühlstraße 34, Augsburg

Veranstalter: